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Gottfried Würcher BACKSTAGE EXCLUSIV

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11.02.2015

Das Album "Gedankenspiel" von Gottfried Würcher

Keine von Hand gefertigte Praline ist in ihrer Form der Klon einer anderen, so wie jede Perle für sich einzigartig ist. Es ist stets die Individualität, die den Unterschied ausmacht. Natürlich auch in der Musik.

 

Gottfried Würcher ist Sänger und Frontmann des höchst erfolgreichen Nockalm Quintetts. Gemeinsam mit seinen Freunden kann er auf eine mehr als 30jährige Karriere zurückblicken, die ihresgleichen sucht. Das Nockalm Quintett ist ein Kollektiv. Individualisten finden sich zusammen und erst das ergibt das Ganze. Es gibt somit aber auch ein Leben neben den „Nockis“. Gottfried führt es nicht erst jetzt auf neue kreative Wege. Er hat vor einigen Jahren die Malerei für sich entdeckt und auch das, seine Bilder, sie zeugen von einem weiteren, von der breiten Außenwelt bislang unentdeckten Talent des Kärntners. Es zeigt, welch ein Facettenreichtum in dem Mann steckt.

 

Im Januar 2010 veröffentlichte Gottfried Würcher sein erstes Solo-Album. Der Titel war Programm: „So bin ich“. Die CD ein Statement, eine Visitenkarte und die Reaktionen kamen prompt. So musste er erstmal erklären, dass das nicht das Fallen des Schlussvorhanges für das Nockalm Quintett bedeutet. Keinesfalls. Aber wie es in einem Kollektiv eben halt so ist, gibt es keinen Gruppenzwang. Seine eigenen Songs wollte er aufnehmen. So wie er sich sieht und hört. Würcher ohne Alm.

 

Fünf Jahre sind seither vergangen, das Nockalm Quintett ist erfolgreich wie eh und je und wenn Gottfried eine neue Solo-CD veröffentlicht, dann werden sich die Ängste der eingefleischten Nocki-Fans in Grenzen halten. „Ich bin mir sehr sicher, dass diese Fragen vom Tisch sind und die Menschen in meiner Musik nicht mehr den Untergang des Nockalm Quintetts fürchten“, sagt Würcher und ergänzt: „Ich will eine weitere Facette von mir preisgeben… und der Name ‚Gedankenspiel‘ kommt auch nicht von ungefähr“.

 

„Gedankenspiel“ – Es gibt keinen Song am Album, der so heißt, sondern es ist das Album, welches mit seinen 14 Titeln einen Namen bekommen hat, der für so vieles steht, was die Songs ausmacht: Gedankenspiel ist so etwas wie die Überschrift, eine Aussage: Meine Gedanken gehören mir, ich kann mit ihnen tun und lassen, was ich will. Ich kann sie fliegen lassen und auch mit ihnen spielen. Meine Gedanken kann mir niemand wegnehmen. Sie bleiben in mir, verschwinden meist wieder, aber nicht selten bleiben sie hartnäckig, spinnen Fäden, aus denen dann ein Ganzes wird. Ein Text, ein Lied, ein Bild oder einfach eine Geschichte.“

 

Dann kommt der Moment, wo es gilt, die Gedanken festzuhalten, aus ihnen Klänge und Wörter zu machen. Für die Entstehung der Melodien ist Gottfried ausschließlich selbst zu Werke gegangen. Wie schon bei seinem ersten Album hat er die Rolle des Interpreten durch jene des Komponisten zum Songwriter komplettiert. „Es ist für mich als Musiker wirklich wichtig, dass meine Solo-CD auch kompositorisch komplett nur in meiner Verantwortung liegt. Ich komponierte daher wieder alle Lieder alleine und bei den Texten habe ich mich sehr eng mit Peter und Gaby Wessely, Rudolf Müssig und Gerald Gaugeler abgesprochen, bevor wir an die Produktion gegangen sind“.

 

Mit Markus Holzer hat Würcher im Studio, bei der Produktion, seit vielen Jahren einen kongenialen Partner zur Seite - Markus und sein exzellentes Gitarrenspiel, sein Zugang zur Musik. Holzer geht von einer anderen Seite an das Projekt, als vielfach in der Schlagerwelt produziert wird. Der bandeigene „Sound“ ist oft das Erkennungsmerkmal, wichtig fürs Radio. Doch bei Gottfried Würcher ist es die Stimme. Sie ist markant und  bekannt. Das erlaubt wiederum eine andere Herangehensweise für die Lieder der Solo-Platte: Jeder Song steht für sich. Im Arrangement, in der Aufnahme, im Mixdown. Handgeschöpft. Keine Praline, keine Perle ist wie die andere. Das erfordert eine lange Produktionszeit und die ließen sich Würcher und Holzer. Kein Zeitdruck. Was zählt ist Qualität und Individualität. Ein Jahr lang haben die beiden an „Gedankenspiel“ gearbeitet und das Ergebnis spricht für sich. Bei einigen Songs ergeben die akustischen Gitarren den handgemachten Charakter, bei anderen der textliche Zugang. Aber der Reihe nach…

 

Mit dem Song „Gott vergibt die Sünden“ geht die Vorab-Single ins Rennen. Ein sehr moderner Schlager. Fox. Hitpotential. Würcher ist damit insofern auf der sicheren Seite, als dass er seine Fans behutsam an sein Solo-Projekt heranführt, mit „Würcher-Gefühl“ in die Aufwärmrunde schickt.

 

Ganz anders verhält sich der Titel „Geh“. Die große Ballade. Würcher singt etwas tiefer, direkter, dadurch bekommt das Lied einen anderen Charakter, erinnert mehr an Songs wie Mort Shumans „Sorrow“ als an langsamen Schlager. „Es ist genauso geworden, wie ich für mich modernen Schlager sehe“, erzählt Würcher und verweist in diesem Zusammenhang auch auf das Lied „Noch einen Frühling mehr“. Ebenso eine Ballade. Aber sie liegt nicht wie ein offenes Buch vor dem Zuhörer. Das Lied, sein Inhalt will entdeckt werden. Es geht um Spüren und nicht um plakatives Beschreiben. Lässt man das zu, dann öffnet sich der Song und gibt mehr vom Menschen Würcher preis, als es sich beim ersten Anhören vermuten lässt.

 

„Now or never“ ist zwar musikalisch komplett anders, reitet auf Gitarren im Galopp daher, aber textlich lässt sich darin auch der Mensch Gottfried entdecken. Gedankenspiele ohne Schranken. „Niemand macht mich high wie du“ - Kurz geschlagene Gitarren im Intro. Uptempo. Zeitgemäßes Pop-Feeling. Ein Lied an der Schnittkreuzung zwischen Singer-Songwriting und Pop. Ed Sheeran, Taylor Swift, Amy MacDonald, Natalie Imbruglia sind weniger weit entfernt als man vermuten könnte.

 

Exotisch mag auf den ersten Blick „Und irgendwonn wird’s wieder Tog“ anmuten. Gottfried Würcher singt im Dialekt. Kärntner Dialekt abseits der landesüblichen, schwermütigen Chorgesänge. Viel mehr Austropop als moderner Schlager. Die Szene spielt in einer Bar. Das Ambiente entspricht der Gemütsverfassung. Im Hintergrund gibt sich  die Steel-Gitarre die Ehre. Charles Bukowski-Feeling macht sich im Lokal breit und ja, es muss nicht unbedingt New York sein… Man kann auch gut in Radenthein vom Barhocker fallen, mit der Aussicht, dass jede noch so ausweglose Situation einmal vorübergeht…

 

Gottfried Würcher ist sehr glücklich darüber, wie sich sein 2. Solo-Album darstellt: „Es war eine große Erfahrung, die CD zu produzieren. Vom ersten Ton bis zum Coverfoto ist alles in eigener Verantwortung entstanden… Ich bin happy und ich bin mir auch sehr sicher, dass jemand, der sich die Zeit für das Album nimmt, am Ende die Gedankenspiele erkennen wird“.


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