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Making Mirrors

(Limited Deluxe Edition)

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26.10.2011

Gotye

Wenn Gotye über sein neues Album "Making Mirrors" spricht, dann redet er nicht von Songs, sondern von Sounds. Mit Leidenschaft  beschreibt er dann die unterschiedlichen Ventile, durch die die Streicher und Chöre auf seiner gebrauchten 100 Dollar-Lowrey Cotillion Orgel gejagt werden. Oder die Basslinie, die er aus einem Sample des Winton Musical Fence, einer Klanginstallation im Outback von Queensland, Australien, bestehend aus fünf gewaltigen mit Zaunpfählen verbundenen Metallseilen und einer Echokammer, gebastelt hat.

Vielleicht erwähnt er noch den alten taiwanesischen Folksong, den er auf einer Cathay Pacific Promo aus den 70er Jahren gefunden und von dem er eine Passage geloopt, verfremdet und schließlich mit türkischen Drumsounds kombiniert hat. Oder die ungewöhnlichen akustischen Instrumenten, die er verwendet und gesampelt hat, z. B. eine Chromaharp oder eine Mbira.

Beim Hören von "Making Mirrors" faszinieren vor allem die vielen liebevollen Details. Man wird förmlich in eine Welt gezogen, in der jeder kleine Augenblick, jeder Klang, wichtig ist. "Making Mirrors" ist Popmusik, wie sie präziser nicht sein könnte, aber auch elektronische Musik voller Emotion. Das Album steckt voller Songs, die mit großer Geste die unterschiedlichsten Stile wie Dub, Motown Soul, PolitiPop, Synth-Folk und Weltmusik vereint.

Erste Aufmerksamkeit erzielte Gotye (ausgesprochen: "Gauthier") zuerst in seinem Heimatland Australien. Sein zweites Album "Like Drawing Blood" kürte der Radiosender Triple J 2006 zum "Album des Jahres" . Nach der Veröffentlichung in Europa 2008 zeichnete iTunes "Like Drawing Blood" anschließend ebenfalls zum Album des Jahres aus. Es wurde erst kürzlich zu Australiens elftbestem Album aller Zeiten gewählt, avancierte in Großbritannien zum Kulthit und sorgte für Furore in den USA, als Drew Barrymore sich unsterblich in die Single "Learnalilgivinanlovin" verliebte und den Song gleich in mehreren ihrer Filme benutzte.

Am Nachfolger "Making Mirrors" arbeitete Gotye über zweieinhalb Jahre. Dafür verließ er  Melbourne und zog auf das fünf Hektar große Grundstück seiner Eltern auf der Halbinsel Mornington in Victoria. Dort fand er in einer Scheune genügend Raum für seine stetig wachsende Sammlung an Instrumenten und Studioequipment. Außerdem konnte er dort rund um die Uhr ungestört mit Klängen experimentieren und diese aufnehmen.

Arbeitete Gotye beim Vorgängeralbum "Like Drawing Blood fast komplett mit Samples alter Vinyl-Platten, benutzte er auf "Making Mirrors" als Klanggrundlage vermehrt analoge und akustische Instrumente.
"Viele davon habe ich Note für Note gesampelt und sie damit in virtuelle Instrumente umgewandelt", erklärt er. "Dieser Prozess verlief langsam und manchmal auch anstrengend, aber so konnte ich den Sound jedes Instruments komplett verändern. Heutzutage kann man online problemlos eine Vielzahl an Klängen kaufen, aber das ist nicht annähernd so persönlich, wie wenn man sie selbst entwickelt. Zum Beispiel habe ich in einem Antiquitätenladen eine wunderschöne alte Chromaharp gefunden und sie anschließend "virtualisiert". Danach klang sie mehr wie ein Hackbrett, das man mit dem Keyboard spielt oder mit einer Software programmiert."

Gleichzeitig wühlte Gotye sich weiterhin durch Second Hand-Shops auf der Suche nach obskuren alten Platten. "Viele meiner Samples stammen von Exotica-Platten aus den 1950er und 60er Jahren", sagt Gotye. "Namen wie Les Baxter, Arthur Lyman oder Esquivel. Das waren unfassbar ungewöhnliche  Arrangeure und Produzenten und sie haben sehr gewagte Experimente gemacht, mit musikalischen Farben gespielt und das gesamte Spektrum des Stereosound ausgenutzt."

"Für "Bronte", den letzten Song auf dem Album, habe ich ein Sample von Leo Addeo aus den 60ern genommen. Er hatte eine Exotica-Platte gemacht – Calypso hieß sie – mit haufenweise total verstimmten Steel Drums. Einige Passagen davon habe ich neu gepitcht und dann an den Obertönen geschraubt. Und so wurde ein richtig schöner, zarter Loop daraus, dessen Klang aber immer noch sehr eigenartig ist."

Eigentlich ist Gotye Schlagzeuger. Und wenn er solo auftritt, spielt er gleichzeitig die Drums, singt und bedient alle Samplegeräte. Allerdings hat er erst auf "Making Mirrors" zum ersten Mal auf einer seiner Platten das Schlagzeug live eingespielt und zwar auf dem Song "Eyes Wide Open". "Auf dem Grundstück meiner Eltern habe ich verschiedene Sounds aufgenommen – ich lief auf dem Weg entlang, die Frösche im Hintergrund – und die habe ich dann ganz dezent in einige Songs eingebaut. Auf "Don't Worry, We'll Be Watching You" habe ich sogar die Atmosphäre der Scheune als Hintergrund verwendet.

Das auffälligste Beispiel ist vermutlich der Winton Musical Fence. Da habe ich in einer windigen Nacht im Outback die Saiten an dem Zaun gespielt und mit einem tragbaren Kassettenrecorder aufgenommen. Daraus entstand die Bassline für "Eyes Wide Open." Der Song "State Of The Art", mit seinem Dub-Sound und den gespenstischen, verfremdeten Sci-Fi Vocals, ist eine Hommage an seine Lowrey Cotillion Orgel – mit einem Text über ihre Tasten und Funktionen.

"Es ist faszinierend, wie sehr man an manchen technischen Geräten hängen kann. Ich meine, ich liebe meine Orgel!", lacht Gotye. "Aber ich finde es auch faszinierend, dass sich diese Faszination anscheinend von Generation zu Generation ändert. Einige Instrumente, die einmal absolut fesselnd waren, sind für jüngere Leute oft altmodisch und überholt. Aber diejenigen, die sie damals als Avantgarde und Vorreiter der technischen Entwicklung erlebt haben, halten manchmal heute noch an ihrer futuristischen Einstellung fest, die die Instrumente damals verkörperten. Bisweilen wirkt das so, als ob man Träume in diese Maschinen projiziert; man entwickelt eine merkwürdige persönliche Beziehung zu ihnen, die aber durchaus wichtig sein kann."

Der Song "I Feel Better" lässt noch einmal den Motown-Sound der Single  "Learnalilgivinanlovin" von "Like Drawing Blood" aufleben, mit der Gotye damals seinen Durchbruch hatte. "Eines Tages bei der Heimfahrt hörte ich im Auto "Dancing In The Streets" von Martha Reeves und dieser Song ist eine direkte Antwort darauf", so Gotye. "Mir fiel auf, wie gewaltig das Tamburin auf der Aufnahme klingt – als wäre es die Hand Gottes, die es schlägt. Ich fand es cool, dass der übermächtige Wall-of-Sound von einem so kleinen Instrument wie dem Tamburin dominiert werden konnte. Ich kam also nach Hause und spielte auf dem Tamburin einen Backbeat mit einem ähnlichen Tempo und legte dann Unmengen von Reverb darauf. Dann setzte ich mich ans Klavier, quasi als Gegengewicht zu diesem perkussiven Track, und innerhalb einer Stunde hatte ich "I Feel Better" geschrieben."

Die erste Single "Somebody That I Used To Know" erinnert ein wenig an Peter Gabriel. Das Lied  ist eine Kollaboration mit der neuseeländischen Sängerin Kimbra. In Australien ist der Song bereits in den Top10. Das großartige Stop-And-Motion-Video hat bei Youtube über 10 Millionen Hits und schaffte es auf Platz 1 der Hype Machine Twitter Charts. Nicht verwunderlich, wenn man den Song einmal gehört hat!

Im Sommer trat Gotye zur Veröffentlichung von "Making Mirrors" in Australien im Opernhaus von Sydney auf. Im Herbst absolviert er nun eine komplette Welt-Tournee, in der er das Album zum ersten Mal in Europa und Amerika live vorstellt. "Ich habe eine zehnköpfige Band und alle spielen mehrere Instrumente und singen", freut sich Gotye. "Das sind bislang meine mit Abstand ambitioniertesten Shows. Ich benutze keine Backing-Tracks. Und auch die Visuals werden live eingesetzt. In den letzten drei Monaten haben wir zweimal pro Woche geprobt und alles ist sehr aufregend. Bei jedem Song kann etwas schief gehen. Aber grundsätzlich will ich mir das Leben nicht unbedingt einfach machen."


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