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13.01.2016

Heiß ersehnt – Sokolovs neues Album erschienen

Er gilt als der größte Pianist der Gegenwart. Jetzt veröffentlicht Deutsche Grammophon sein zweites Live-Album in Folge. Grigory Sokolov brilliert darauf mit Schubert, Beethoven, Rameau und Brahms.

Grigory Sokolov, Heiß ersehnt – Sokolovs neues Album erschienen © Klaus Rudolph

Kein Pianist wird zurzeit so hoch gehandelt wie Grigory Sokolov. Seine Spielkultur ist von solcher Vollkommenheit, dass sich ihr kaum ein Klassikliebhaber zu entziehen vermag.

Enorme Ansprüche: Grigory Sokolov

Hinzu kommt die beeindruckende Persönlichkeit des russischen Pianisten. Grigory Sokolov ist ein Mann von enormer Entschiedenheit. Wenn es um die Kunst geht, dann gibt es für ihn kein Wenn und Aber. Dann zählt nur das absolut beste Ergebnis. Und Sokolovs Qualitätsansprüche sind gewaltig. Der Maestro lässt nichts gelten, was auch nur im Entferntesten Schwächen aufweist. Deshalb ist es stets ein Ereignis für sich, wenn Sokolov wieder Aufnahmen freigibt.

Und jetzt ist es wieder soweit. Nach seinem fulminanten "Salzburg Recital", mit dem er im Vorjahr bei Deutsche Grammophon debütierte, veröffentlicht er nun abermals ein Live-Doppelalbum. Wieder sind die Salzburger Festspiele mit von der Partie. Sokolov fühlt sich dort wohl. Er weiß, dass auf das Publikum Verlass ist. Es ist musikverrückt wie er. Es hält die gewaltige Spannung aus, die er mit seinen Interpretationen erzeugt, und das spürt man bei dem Live-Mitschnitt.

Absolut meisterlich: "Sokolov – Schubert / Beethoven"

"Sokolov – Schubert / Beethoven" setzt sich aus zwei Live-Auftritten zusammen, die der russische Pianist im Jahre 2013 in Salzburg und Warschau absolvierte. In Salzburg hört man ihn mit hinreißender Eindringlichkeit die Impromptus (D 899) und drei Klavierstücke (D 946) von Franz Schubert spielen.

Der Warschau-Mitschnitt enthält Beethovens kolossale Klaviersonate Nr. 29 in B-Dur ("Hammerklavier") und als Zugabe betörende Miniaturen von Jean-Philippe Rameau sowie das enorm modern anmutende Intermezzo in b-Moll von Johannes Brahms. Das Phänomen: Die Zusammenstellung der beiden Auftritte wirkt wie ein großes Konzert. Die Aufeinanderfolge der Werke ist so geschickt choreographiert, dass man den Eindruck gewinnt, an einer einzigen Darbietung teilzunehmen.

Diese Aufnahmen leben: Ein Live-Mitschnitt nach Maß

Die Nähe, die dem Hörer gewährt wird, ist ungeheuerlich. Man wird regelrecht in das Konzertgeschehen hineingezogen. Die Aufnahmen leben. Sie haben eine furiose Präsenz. Sokolov versteht es blendend, zwischen gereifter Perfektion und lebhaftem Spiel zu balancieren. Er ist der ideale Live-Performer. Seine technische Makellosigkeit ermöglicht ihm ohne weiteres, die Zügel loszulassen, und das tut er in markanter Weise und mit überwältigenden Resultaten. In Schuberts Impromptus zeigt er sich von seiner feingliedrigen Seite. Sanft lässt er es perlen. Zugleich arbeitet er glasklar die zauberischen Melodien von Franz Schubert heraus.

Ein krasses Gegenstück dazu bildet Beethovens Klaviersonate Nr. 29 ("Hammerklavier"). Sokolov leitet sie energisch, wild, beinahe schroff ein. Aber nach und nach offenbart er dem Hörer die poetische Fülle dieser Komposition, ihre ungeheure Zartheit und Tiefe. Rameau ist eine Spezialität von Grigory Sokolov. Hier kann er seine kontrapunktische Raffinesse genauso zur Geltung bringen wie seine tänzerische Begabung. Mit dem träumerisch fließenden Intermezzo in b-Moll von Johannes Brahms setzt Grigory Sokolov einen lyrischen Schlusspunkt. Danach ist es kurz still im Saal. Und dann: Bravo-Rufe, frenetischer Beifall. Man möchte glatt mitklatschen.


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