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25.01.2013

Herzenswunsch – Gustavo Dudamel dirigiert Mahlers 9. Symphonie

Für Theodor W. Adorno war Mahlers '9.Symphonie das „erste Werk der Neuen Musik“. Für Gustavo Dudamel ist sie vor allem ein Herzenswunsch, den zu dirigieren er sich mit dem Los Angeles Philharmonic erfüllt hat.

Gustavo Dudamel, Herzenswunsch © Harald Hoffmann / DG

Gustav Mahler hatte es nicht leicht. Da war auf der einen Seite New York, schon damals eine Großstadt, deren pulsierendes Leben ihn kaum zur Ruhe kommen ließ. Aber auch die Ruhe in Toblach, wohin er sich während der Sommermonate zum Komponieren zurückzog, war trügerisch. „Das Haus und der Platz ist wonnig, bis auf den Lärm, der mich ohne Unterlass geniert“, schrieb er in einem Brief an seine Frau Alma. „Entweder flüstern die Bauern, dass die Fenster klirren oder sie gehen auf den Fußspitzen, dass das Haus wackelt. Die beiden munteren Stammhalter zwitschern den ganzen Tag. [...] Hol es der Teufel: Wie schön wäre die Welt, wenn man zwei Joch umzäunt hätte und mittendrin allein wäre“.

Ein Schritt nach vorne

Aber es gab auch genügend Momente der Ruhe, um sich der Arbeit zu widmen. Über den Sommer 1909 hinweg komponierte Gustav Mahler seine 9.Symphonie, die er bereits im Vorjahr begonnen hatte. Seinem Freund, dem Dirigenten Bruno Walter, berichtete er nicht ohne Stolz: „Ich war sehr fleißig und lege eben letzte Hand an eine neue Symphonie [...] Das Werk selbst [...] ist eine sehr günstige Bereicherung meiner kleinen Familie. Es ist da etwas gesagt, das ich seit längere Zeit auf den Lippen habe – vielleicht (als Ganzes) am ehesten der IV. an die sie Seite zu stellen. (Doch ganz anders.)“ Zurück in New York fertigte Gustav Mahler eine Reinschrift der Partitur an. Die Uraufführung am 26. Juni 1912 musste jedoch Bruno Walter dirigieren, denn der Komponist starb bereits mehr als ein Jahr zuvor.

Das Mahler-Projekt

Mahlers Klangvorstellungen revolutionierten die Musikwelt. Und sie hinterließen auch beim jungen Gustavo Dudamel eine so profunde Begeisterung, dass er sich immer wieder dessen Symphonien annimmt. Ein besonders aufwändiges Projekt verwirklichte er im vergangenen Jahr. Denn da dirigierte Dudamel alle neun Symphonien von Gustav Mahler mit seinen beiden Orchestern, der Los Angeles Philharmonic und dem Símon Bolívar Symphony Orchestra, innerhalb von nur drei Wochen sowohl in Los Angeles wie auch in Caracas. Im Zusammenhang dieses gewaltigen Unternehmens entstand auch die erste CD-Aufnahmen mit dem Los Angeles Philharmonic, live in der Walt Disney Concert Hall mit Mahlers 9.Symphonie.

Musiker des Jahres 2013

„Ich habe lange darauf gewartet, diese Symphonie zu dirigieren“, erzählt der venezolanische Dirigent, mit 31 Jahren einer der jüngsten Leiter eines Weltklasseorchesters. „Sie verkörpert die Tiefe und die persönlichen Gegensätze im Herzen von Mahlers Musik: Leben und Tod, Liebe und Angst, Hoffnung und Verzweiflung. Es ist eine ganz besondere Musik – atemberaubend perfekt“. Und damit die richtige Herausforderung für Gustavo Dudamel, dem im Anschluss an sein Konzert von der Los Angeles Times bescheinigt wurde, dass er ein echter „Mahlerianer“ sei.

Jedenfalls ist es auch das richtige Album, um eine Saison zu starten, für die die einflussreiche Zeitschrift Musical America den jungen Dirigenten bereits zum „Musiker des Jahres 2013“ ausgerufen hat. Er selbst wird sich alle Mühe geben, auch über Mahlers Neunte hinaus diesem Ruf gerecht zu werden. In Europa ist Gustavo Dudamel zusammen mit dem LA Philharmonic von März an in den großen Sälen zu Gast. Eine gute Gelegenheit, auch zu sehen, was man hört: Einen mitreißenden Dirigenten, der mit seiner Musik die Menschen zu bewegen versteht.


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