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30.05.2007

Ein Wunschkonzert für den Papst

Gustavo Dudamel, Ein Wunschkonzert für den Papst

Es war ein großer Feiertag. Denn am 16. April beging Papst Benedikt XVI. seinen 80.Geburtstag im Vatikan. Aus diesem Anlass hatten sich nicht nur Gratulanten aus aller Welt versammelt, sondern auch Musiker, die mit Kunst dem Oberhaupt der katholischen Kirche die Ehre erweisen wollten. So reiste beispielsweise eigens das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart an, um zusammen mit dem Stuttgart Radio Brass ein feierliches Konzert zu gestalten. Und sie hatten zwei internationale Stars mitgebracht, die den Reigen der klingenden Glückwünsche vervollkommneten: den aufsteigenden Stern am Dirigentenhimmel Gustavo Dudamel und die amerikanische Geigerin Hilary Hahn. Das ungewöhnliche Konzert wurde von den Aufnahmeprofis des SWR festgehalten und so können nun alle Kunstsinnigen diese bewegenden Stunden des Jahres auf DVD sich in Erinnerung rufen.

Gustavo Dudamel ist ein ungewöhnliches Talent. Als Zwölfjähriger dirigierte der Venezuelaner zum ersten Mal ein Orchester, mehr durch Zufall, denn er ersetzte einen erkrankten Kollegen: "Ich dachte einfach: 'Das kannst du!' Und ich erinnere mich noch genau. Es war komisch, weil meine Freunde spielten und alle lachten. Aber fünf Minuten später war es anders. Sie dachten: 'Okay, wir arbeiten. Er ist jetzt der Dirigent'. Fünf Monate später gaben sie mir den Posten des Assistenten". Die eigentliche Ausbildung setzte erst danach ein, Dudamel ging bei Rodolfo Saglimbeni und José Antonio Abreu, dem Initiator der Fesojiv, in die Lehre und avancierte mit 14 zum künstlerischen Leiter des Amadeus Chamber Orchestra in seiner Heimat. Noch als Jugendlicher wurde er in die Welt geschickt, um sich zu bewähren.

Er gewann den Gustav-Mahler-Dirigierwettbewerb in Bamberg, gab als 18jähriger sein Debüt mit dem Simón Bolívar Youth Orchestra Of Venezuela in der Berliner Philharmonie und wurde in Windeseile vom Geheimtipp zum angesehenen Newcomer in der internationalen Dirigentenszene. Vor allem aber schaffte er es, verschüttete Qualitäten der Orchesterführung wieder zu beleben. Denn Dudamel folgt nicht nur dem Wissen, sondern vor allem seiner Intuition. Seine Interpretationen erscheinen ebenso individuell wie zwingend, weil sie einem musikalischen Verständnis entspringen, das zwar die Traditionen kennt, sie aber nur soweit zur Norm seiner eigenen Deutung macht, als es für ihn im Rahmen des persönlichen und geschichtlichen Kontext Sinn macht.
 
Das wiederum generiert eine enorme Frische seiner Dirigate und führte dazu, dass auch das Konzert zum 80.Geburtstag von Papst Benedikt XVI. bei aller Ehrwürdigkeit einen Hauch des Juvenilen behielt. Und das wiederum passte gut ins Bild. Denn auch das Programm, an dessen Auswahl der Pontifex Maximus persönlich beteiligt war, zeugte von musikalischer Offenheit und Vielfalt. Neben Giovanni Gabrielis "Canzon noni toni a 12" und "Sonata XIII" hatte er zwei Meisterwerke der abendländischen Musikkultur ausgewählt, die zum Schönsten gehören, was das klassische Repertoire zu bieten hat. Da war zum einen Antonin Dvoraks neunte Sinfonie "Aus der neuen Welt", die längst ein Welthit der Konzertsäle ist, gefolgt von Mozart "Violinkonzert Nr.3".

An diesem Punkt des Musikereignisses kam die amerikanische Geigerin Hilary Hahn ins Spiel, die wiederum mit wunderbarer Finesse die kompositorische Perle des Salzburger Komponisten zu präsentieren verstand. Am Schluss war Papst Benedikt XVI. sichtlich bewegt von den Regungen, die große Klangkunst zu erzeugen vermag. Er selbst übrigens ist auch auf der DVD zu erleben, die diesem magischen Moment mit Ton und Bildern festhält, denn seine Eröffnungs- und Schlussworte gehören selbstverständlich zum Programm. Und so dokumentiert die Aufnahme der Geburtstagskonzertes nicht nur ein außergewöhnliches musikalisches Ereignis, sondern auch einen historischen Augenblick, wo die ganze Welt sich gemeinsam mit dem Papst vor der Magie der Kunst verneigt.


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