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07.05.2004

Hilfsbereite Feindin

Hannelore Elsner, Hilfsbereite Feindin

Spricht man von Machiavelli, fallen Worte wie Rücksichtslosigkeit, Gerissenheit, politischer Egoismus. Dabei tut man dem Autor des grundlegenden Buches zur Staatsraison an der Schwelle zur Neuzeit Unrecht. Denn aus seiner historischen Position heraus ging es ihm vor allem darum, die Prinzipien eines Staates zu ergründen, der sich Angriffen von außen erfolgreich widersetzen konnte. Harriet Rubin wiederum führte diese Gedankenlinien auf gesellschaftlicher Ebene weiter und formulierte daraus einen Bestseller mit dem sprechenden Titel: "Machiavelli für Frauen - Strategie und Taktik im Kampf der Geschlechter", dem sich Hannelore Elsner in der Hörbuchversion annimmt.

Niccolò Machiavelli (1469-1527) lebte in einer bewegten Zeit. Die großen Entdeckungsreisen veränderten das Weltbild, die Kirche als grundlegende Macht geriet ins Wanken, überhaupt schien alles im Wandel zu sein. Als geborener Florentiner im Umkreis der Familie Medici, aber auch potenter Fürsten wie Cesare Borgia unterwegs, lernte er die Säulen der Macht von Grund auf kennen. Als politischer Gesandter kam er mit Krieg und Intrigen, Zerstörung und Hass in Berührung, die in ihm die Meinung bestärkten, nur ein starker Fürst könnte all die Niederungen des Menschlichen im Griff haben. Aus diesem Grund machte er sich in den 1520er Jahren daran, sein Hauptwerk "Il Principe" (veröffentlicht 1532) zu schreiben, eine systematische Reflexionensammlung zu den Grundlagen der Macht in kriegerischen Zeiten: "Ist es besser, geliebt zu werden als gefürchtet, oder verhält es sich umgekehrt?

 

Die Antwort lautet, dass beides erstrebenswert ist; da man jedoch beides nur schwerlich miteinander verbinden kann, ist es viel sicherer, dass ein Fürst gefürchtet wird, als dass er geliebt wird, wenn er schon nicht beides zugleich erreichen kann." (Il Principe) Die Staatstheorie der folgenden Jahrhunderte wie auch das vereinfachte Modell des "Machiavellismus" machten aus den utilitaristischen Gedanken des Frühneuzeitlers ein Konzentrat des postulierten Egoismus als Geheimnis des Erfolges. Und auch Harriet Rubin spielt mit den Assoziationen, die den Namen des Florentiners umgeben, um sie einerseits für eine Gesellschaftsanalyse der amerikanischen Neunziger Jahre, andererseits für einen aufgeklärten Feminismus aus dem Geiste der Umsicht zu verwenden.

 

Denn "Machiavelli für Frauen" ist zum einen ein kämpferisches Buch. In der Forderung an die Frauen, sich auf ihre eigentlichen Kräfte zu besinnen und nicht männlichen Modellen hinterher zu hecheln, bleibt sie jedoch insgeheim versöhnlich. Denn im Kampf der Geschlechter geht es nicht um Sieg, sondern um Strategie und Taktik, um ein ausgeglichenes Verhältnis der beiden menschlichen Hälften zu gewährleisten. Die Fürstin als Gegenmodell zu Machiavellis Fürst soll eine "hilfsbereite Feindin", eine "Liebhaberin und Kämpferin" zugleich sein und sie hat im Unterschied zur maskulinen Vorstellungswelt die Möglichkeit, die Gegensätze in sich zu vereinen. Ihr Ziel soll nicht Sieg, sondern Friede sein, als Zustand der "Ruhe, Furchtlosigkeit und Freiheit", der allerdings mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln erreicht werden darf.

 

Insofern erweist sich auch die Wahl von Hannelore Elsner als Sprecherin für Rubins Überlegungen als in jeder Hinsicht gelungen, verkörpert sie doch die Vorstellung einer erfolgreichen und ebenso umsichtig herzlichen Frau, die die deutsche Kulturlandschaft der vergangenen drei Jahrzehnte mit geprägt hat. Ihre nüchterne, aber nicht kalte Stimme passt zu den klaren, aber fairen Überlegungen, die die amerikanische Autorin, Lektorin und Verlagschefin so erfolgreich formuliert hat. Sie vermeidet Pathos und bleibt doch nachhaltig bis zum bildhaften Fazit: "Wenn sie Angst haben oder kurz vor einem Durchbruch stehen, fragen sie sich: Wann scheint eine Kerze am hellsten? Die Antwort ist immer: im Dunkeln".

 

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