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13.09.2016

Biografie

Ein wahres Multitalent unserer Zeit: Hélène Grimaud ist nicht nur eine leidenschaftliche Musikerin, deren pianistische Fähigkeiten eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielen. Sie ist eine Frau mit vielen Begabungen, die weit über das Instrument hinausgehen, das sie mit starkem poetischem Ausdruck und unvergleichlichem technischem Können spielt. Die französische Pianistin zeichnet sich auch aus als engagierte Naturschützerin, als mitfühlende Menschenrechtlerin und als Buchautorin.

1969 in Aix-en-Provence geboren, studierte sie bei Jacqueline Courtin am dortigen Konservatorium und anschließend bei Pierre Barbizet in Marseille. Im Alter von nur 13 Jahren wurde sie am Pariser Conservatoire angenommen, wo sie schon drei Jahre später 1985 den ersten Preis im Fach Klavier erhielt. Weiteren Unterricht nahm sie bei György Sándor und Leon Fleisher. 1987 gab sie ihr erfolgreiches erstes Recital in Tokio und im selben Jahr lud sie der angesehene Dirigent Daniel Barenboim ein, mit dem Orchestre de Paris aufzutreten.

Dies war der Beginn von Grimauds glanzvoller Karriere. Sie ist gekennzeichnet durch Konzerte mit internationalen Spitzenorchestern und berühmten Dirigenten. Ihre Aufnahmen erhielten begeisterte Kritiken und viele Auszeichnungen wie unter anderem den Cannes Classical Recording of the Year, Choc du Monde de la musique, Diapason d’or, Grand Prix du disque, Record Academy Prize (Tokio), Midem Classic Award und ECHO Klassik.

Zwischen ihrem Debüt mit den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado im Jahr 1995 und ihrem ersten Auftritt mit den New Yorker Philharmonikern unter Kurt Masur 1999 – zwei der vielen gefeierten Meilensteine ihrer Laufbahn – debütierte Grimaud noch in einem völlig anderen Fach: Sie gründete das Wolf Conservation Center in Upper New York State.

Ihre Liebe zu dieser gefährdeten Art begann mit der zufälligen Begegnung mit einem Wolf in Nordflorida. Sie führte zu dem Entschluss, ein Zentrum für Umwelterziehung ins Leben zu rufen. "Direkt für den Schutz der Natur zu arbeiten und die Möglichkeit zu haben, die Tiere in ihre angestammte Welt zurückzubringen, ist eine einzigartige Erfahrung", erklärt die Pianistin. Hélène Grimauds Engagement umfasst jedoch weitaus mehr: So ist sie auch Mitglied der Organisation "Musicians for Human Rights", einem weltumspannenden Netzwerk von Musikern und anderen in der Musikbranche Tätigen, das sich für Menschenrechte und sozialen Wandel einsetzt.

Die Leitung eines Naturschutz-Zentrums oder eine florierende musikalische Karriere mögen den meisten Arbeit genug sein. Hélène Grimaud jedoch fand die Zeit, drei Bücher zu schreiben, die in verschiedenen Sprachen erschienen sind. Das erste, "Variations sauvages", kam 2003 heraus. 2005 bzw. 2013 folgten die autobiografisch gefärbten Romane "Leçons particulières und Retour à Salem".

Trotz ihrer vielseitigen Aktivitäten ist es jedoch stets das gedankenvolle, einfühlsame und ausdrucksstarke Musizieren, mit dem Hélène Grimaud die Gefühle der Menschen am besten erreicht. Dank ihrer ausgedehnten Tourneen als Konzertsolistin haben Hörer auf der ganzen Welt die Möglichkeit, sich an ihrer Arbeit zu erfreuen. Auch als engagierte Kammermusikerin tritt Grimaud regelmäßig bei den renommiertesten Festivals und kulturellen Veranstaltungen auf. Zu ihren musikalischen Partnern zählen so unterschiedliche Musiker wie Sol Gabetta, Thomas Quasthoff, Rolando Villazón, Jan Vogler, Truls Mørk, Clemens Hagen und die Gebrüder Capuçon. Ihr außerordentlicher und wegweisender Beitrag zur Welt der klassischen Musik wurde unlängst von der französischen Regierung gewürdigt, als sie im Rang eines Ritters in die Ehrenlegion aufgenommen wurde und damit den höchsten Verdienstorden Frankreichs erhielt. Die Auszeichnung wurde ihr am 22. März dieses Jahres in Aix-en-Provence verliehen.

Höhepunkte ihrer Arbeit waren in den letzten Jahren unter anderem zwei Projekte mit dem Turner-Preisträger Douglas Gordon: "tears become… streams become…," eine beeindruckende Installation in der New Yorker Park Avenue Armory, und Neck of the Woods, für das Manchester International Festival entstanden. Außerdem präsentierte sie sich bei der Eröffnungsgala der neuen Philharmonie de Paris.

In der letzten Spielzeit trat Grimaud mit Valery Gergiev und dem Mariinski-Orchester beim Festival der Weißen Nächte in St. Petersburg sowie bei den Sommerfestspielen im Baden-Badener Festspielhaus auf. Zudem spielte sie Beethoven mit dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Leitung von Antonio Pappano und Brahms mit dem Philadelphia Orchestra unter Yannick Nézet-Séguin. Sie unternahm Asien- und Europatourneen und hat gerade eine internationale Tournee mit dem Australian Youth Orchestra und Manfred Honeck abgeschlossen.

Zu ihren Verpflichtungen in der Saison 2016/17 gehören Auftritte in Europa mit Nézet-Séguin und den Rotterdamer Philharmonikern; Konzerte von Bartók, Brahms und Ravel in den USA und Australien sowie Recitals in Deutschland und der Schweiz mit der Cellistin Sol Gabetta. Im Dezember wird sie Musik aus ihrem jüngsten Album, Water, in Scottsdale, La Jolla und Baltimore spielen, weitere Recitals folgen im Frühjahr 2017 in Stuttgart, Basel, Nürnberg, Lissabon, Rom, Monte Carlo und Stockholm.

Water, eine in diesem Jahr veröffentlichte Live-Aufnahme der Aufführungen von "tears become... streams become...," vereint Werke von neun Komponisten: Berio, Takemitsu, Fauré, Ravel, Albéniz, Liszt, Janáček, Debussy und Nitin Sawhney, der sieben kurze Water Transitions für das Album geschrieben hat und auch dessen Produzent ist. "Water" wurde von der Kritik gefeiert: Classicalite nannte das Album "eine faszinierende intellektuelle Reise" und "ein erstaunliches Werk pianistischer Größe, das nachdenklich macht und zugleich spirituell aufwühlend ist", und "Gramophone" rühmte Grimauds Fähigkeit, "eine Vielzahl unterschied­licher Stile mit leidenschaftlicher Souveränität" darzubieten.

Hélène Grimaud ist seit 2002 Exklusivkünstlerin der Deutschen Grammophon. Die Aufnahme Water folgt auf die Veröffentlichung ihres Albums mit den beiden Klavierkonzerten von Brahms im September 2013, dem Konzert Nr. 1 mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Andris Nelsons und dem Konzert Nr. 2 mit den Wiener Philharmonikern. Classic FM urteilte: "Hélène Grimaud wendet sich mit ihrer faszinierenden, zutiefst persönlichen Art des Musizierens den beiden Klavierkonzerten von Brahms zu. Ihr Spiel ist durchweg sensibel, elegant und eindrucksvoll, ohne je forciert zu wirken." "Limelight" sprach von einer "höchst bemerkenswerten, inspirierten wie auch inspirierenden Aufnahme".

Duo, das Album, das sie unmittelbar vor den Brahms-Konzerten mit der Cellistin Sol Gabetta einspielte, erhielt den ECHO Klassik 2013 in der Kategorie "Kammermusik-Einspielung des Jahres". Zu Grimauds vorangehenden Veröffentlichungen gehört ein 2011 erschienenes Mozart-Album mit den Klavierkonzerten Nr. 19 und Nr. 23 und der Konzertarie "Ch’io mi scordi di te?" mit der Sopranistin Mojca Erdmann. 2010 kam ihr Solo-Album Resonances mit Werken von Mozart, Berg, Liszt und Bartók heraus. Weitere Aufnahmen mit der Deutschen Grammophon sind Solowerke und Konzerte von Bach mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, die Grimaud vom Klavier aus dirigierte, ein Beethoven-Album mit der Staatskapelle Dresden und Vladimir Jurowski, das als eines der besten klassischen Alben für die "Classical Essentials" von iTunes ausgewählt wurde, "Reflection" und "Credo" (beide mit einer Reihe thematisch verbundener Werke) sowie ein Album mit Sonaten von Chopin und Rachmaninow und eine Bartók-CD, auf der Grimaud das Dritte Klavierkonzert mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Pierre Boulez spielt. Auf DVD erschien Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 mit Claudio Abbado und dem Lucerne Festival Orchestra.

Hélène Grimaud ist eine Künstlerin mit vielen Facetten. Ihre tiefe Hingabe zur Musik im Konzertsaal wie auch bei ihren Aufnahmen – spiegelt sich in der Fülle ihrer Aktivitäten als Umweltschützerin und Schriftstellerin wider.

9/2016


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