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05.11.2008

Hélène Grimaud live in der Yellow Lounge

Hélène Grimaud, Hélène Grimaud live in der Yellow Lounge

Hélène Grimaud ist eine jener raren Künstlerpersönlichkeiten, deren Gedanken zu hören fast ebenso bereichert wie ihr musikalischer Vortrag. In ihr begegnet dem Zuhörer etwas sehr Seltenes: Eine Musikerin mit einer ungetrübt philosophisch-idealistischen Sicht auf die Kunst und die Welt, die sie auf selbstverständliche Weise artikuliert. Dass Grimaud, in eigenen Worten, einen "soft spot" für die Yellow Lounge hat und regelmäßig im Rahmen dieser außergewöhnlichen Clubnacht ihre neuen Alben vorstellt, hat sich auch am vergangenen Montag wieder als Glücksfall erwiesen. Ihr aktuelles Programm stellt der Musik Johann Sebastian Bachs Transkriptionen seiner Werke von Komponisten wie Busoni und Rachmaninoff gegenüber und schlägt damit eine Brücke vom Barock zur Romantik, die nicht von ungefähr kommt.

Wie vielleicht kein anderer Musiker, der im Lauf der letzten Jahre in der Yellow Lounge aufgetreten ist, kann sich Grimaud in der engen und heißen Nachtclubatmosphäre der Yellow Lounge ganz in sich und in die Musik versenken. Da fließen Meditation und Extase ineinander. Wie anders hört man ihr dabei zu, wenn man sie zuvor über Bach sprechen gehört hat, wenn man weiß, was für ein heißblütiger, tief empfindender, hochemotionaler und rebellischer Mensch dieser Johann Sebastian Bach gewesen ist. Kämpfe hat "der Vater aller Musik" (Grimaud) ausgefochten mit sich und der Welt - und diese Kämpfe stecken in seiner Musik. Man muss sie nur freilegen, wie Hélène Grimaud es am Montag getan hat. Auf einmal wundert sich niemand mehr, dass Bach gerade auf die Komponisten der Romantik eine enorme Anziehungskraft ausgeübt hat.
Nirgends tritt Bachs leidenschaftliche Seite so deutlich zutage, wie in seiner Chaconne, jenem monumentalen, 15-minütigen Schlußsatz der 2. Partita für Violine solo, der das Herzstück des Abends bildete. Ferrucio Busonis Klaviertranskription beschreibt und spielt Grimaud als einen "Tanz auf Leben und Tod". Seit wenigen Jahren erst weiß man, dass Bach mittels darin versteckter Choräle in diesem Stück den plötzlichen Tod seiner Frau verarbeitet hat...
 
Es ist an der Zeit, mal etwas über das Berghain als Veranstaltungsort zu sagen: Seit die Yellow Lounge dort stattfindet, hat sie nochmals an Dimension und Attraktivität gewonnen. Das riesige, zweigestöckige Industriegebäude hinter dem Berliner Ostbahnhof macht klassischer Musik mit seiner halbverfallenen Grandiosität einen echten "Traumraum" auf, indem die Phantasie fliegen kann. Diesen räumlichen Effekt verstärken spektakuläre Lichtinstallationen und Bildprojektionen, von deren außergewöhnlicher Qualität man sich auf www.yellowlounge.de überzeugen kann.

Mehr über Hélène Grimaud hier.


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