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29.03.2001

Schwedenfehden: Henning Mankell

Henning Mankell, Schwedenfehden: Henning Mankell

Henning Mankell lebt inzwischen im afrikanischen Mosambik. Aber seine Romanfigur Joel Gustafsson schlägt sich in Nordschweden durchs Unterholz.

Erst kam Björk und alle staunten: dass die im frostigen Island überhaupt die Tasten am Keyboard bewegen können. Aber mittlerweile ist klar: Sie können und sie können sogar ziemlich schnell und ziemlich gut. Finnische, schwedische, norwegische Bands wie Autoren stürmten die Charts und Bestenlisten und wir mussten lernen, wie sich ø und æ flüssig tippen lassen. Henning Mankell macht's uns da einfach: Keine skandinavischen Umlaute, der Name knapp und dass er im Gedächtnis bleibt, dafür sorgten seine raffinierten Krimis von Anfang an. Trotzdem war die Überraschung groß, als nach Kerstin Ekmans Wassergeschichten und Marianne Fredrikssons Familienepen Henning Mankell mit seinen psychologischen Krimis auftauchte. Der 1948 in Stockholm geborene Dramatiker, Regisseur und Schriftsteller besetzte innerhalb kurzem die Spitzenplätze der Bestsellerlisten und verließ sie auf Wochen nicht mehr. Für Erwachsene schickte er vor allem Kommissar Willander ins Rennen - ein kranker, grüblerischer Kommissar, näher an Maigret als am flotten Sherlock Holmes, von dem Mankell so spannend erzählte, dass er seine Leser zu Eremiten machte, die jeden TV-Tatort als dreiste Störung empfanden.

 

Für Kinder und Jugendliche aber hat er Joel erfunden. Joel Gustafsson, der mit Papa Samuel in einem gottverlassenen Nest in Nordschweden lebt, wo es nichts gibt, außer Bäumen, Holzfällern und Schule. Von ihm erzählt Henning Mankell mit demselben beharrlich ruhigen Ton, der schon in seinen Willander-Storys zäh und zielstrebig Spannung aufbaut. Und wie der Kommissar, so ist auch Joel ein ganz normaler Junge. Elf ist er, als Mankell im ersten der mittlerweile auf vier Bände angewachsenen Romane zu erzählen beginnt. Ziemlich normal zumindest, denn Joels Mama ging weg, als er noch klein war, und jetzt, in den Fünfzigerjahren, versorgt Joel den Haushalt, kauft ein, kocht und bindet seinem Vater die Sonntagskrawatte. Er ist "seine eigene Mama", aber als Papa Samuel eine neue Freundin hat, kriegt der tapfere Joel Angst: Wird jetzt auch Samuel fortgehen? Alle vier Teile von Mankells Joel-Geschichte liest Frank Arnold auf CD. Der erste Teil mit dem Titel "Der Hund, der unterwegs zu einem Stern war" erscheint jetzt, die weiteren Teile werden zwischen Juni und September veröffentlicht. Mankell im Ohr beim Skateboarden, Internetsurfen und Autofahren. Für "Tatort" gibt's ja Video.


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