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03.11.2011

“Karajans kompletter Beethoven” auf Deutsche Grammophon - Zeugnisse eines künstlerischen Ideals

Herbert von Karajan, Zeugnisse eines künstlerischen Ideals © Deutsche Grammophon

Kein anderer Dirigent hat seine Auseinandersetzung mit dem Werk Ludwig van Beethovens so häufig für die Nachwelt festgehalten wie der Dirigent Herbert von Karajan. Nun veröffentlicht Deutsche Grammophon eine umfassende Retrospektive als preisgünstige 13 CD-Edition.

Die Wahrscheinlichkeit, auf die Frage nach dem persönlichen Favoriten unter den Gesamteinspielungen von Beethovens Sinfonien seinen Namen zu hören, ist groß: „Die von Karajan! (Damit bin ich aufgewachsen.)“ Angesichts der immensen Popularität der lebenden und des längst nicht verklungenen Nachruhms der verstorbenen Legende ist diese Antwort sicher nicht überraschend. Genau gesehen ist sie aber eigentlich unvollständig. Denn Herbert von Karajan ist ja nicht nur der Dirigent mit der größten Anzahl von Einspielungen klassischer Musik, die je auf Schallplatte und CD festgalten wurde. Niemand sonst hat überhaupt so viele Aufnahmen des Beethovenschen Sinfonien-Zyklus gemacht!

Auf Augenhöhe mit dem technologischen Fortschritt

Mit dem Londoner Philharmonia Orchestra war in den fünfziger Jahren die erste Gesamtaufnahme entstanden. Die drei Übrigen spielte Karajan in den drei darauffolgenden Dekaden mit dem Orchester ein, dessen Geschick er wie kein anderer prägen sollte: die Berliner Philharmoniker. Dabei liegen jedem der Berliner Zyklen aufnahmetechnlogische Innovationen zugrunde. In Stereoklang erscheinen 1962 die ersten Neun auf Deutsche Grammophon. Unter dem kurzlebigen Stern einer heute vergessenen Technologie namens Quadrofonie entsteht die Gesamteinspielung der Jahre 1975/77. Und der letzte Zyklus von 1982/84 steht im Zeichen der Compact Disc, in deren Entwicklungsprozess der von Sony-Mitgründer Aiko Morita bewunderte Karajan zuvor auch involviert gewesen war.

Aussichtspunkte auf die musikalische Ideenwelt Karajans

Die auffällige Vorliebe des gebürtigen Salzburgers für Aufnahmen der Werke Ludwig van Beethovens und insbesondere den gewaltigen Korpus seiner Sinfonien erklärt Karajan-Biograph Peter Uehling aus einem interessanten psychologischen Blickwinkel. Demnach waren die Sinfonien für den Dirigenten “wohl bekannte und daher dankbare Demonstrationsobjekte für das, was er geschaffen hatte: den Klang und die Spielkultur der Berliner Philharmoniker.” Mithilfe der Aufnahmetechnologie wurden die Stationen der klanglichen und spieltechnischen Evolution des Orchesters festgehalten. Sie war zugleich aber auch ein Faktor, der für die Ausprägung des ästhetischen Ideals Karajans wesentlich war, insofern er musikalische Werke auf eine Weise darstellen wollte, deren Perfektion sie aus der alltäglichen Welt herausragen lassen. Besonders deutlich wird dies in den Musikfilmen, die in seiner Regie entstanden. Darin trieb der Maestro den auch das Visuelle der Darbietungen einbeziehenden Musikkult bisweilen sogar so weit, dass sich sein Orchester nurmehr noch zum Playback zu bewegen hatte.

Karajans kompletter Beethoven, so günstig wie nie

Sämtliche Beethoven-Aufnahmen von Karajan auf Deutsche Grammophon lassen sich in ihrer Gesamtheit nun so preisgünstig wie nie zuvor auf der streng limitierten 13 CD-Box “Karajans kompletter Beethoven“ besichtigen. Sie enthält neben der zwischen 1982 und 1984 entstandenen Gesamtaufnahme der Sinfonien auch sämtliche Klavierkonzerte, eingespielt mit den Pianisten Christoph Eschenbach und Alexis Weissenberg, und das Violinkonzert op. 61 mit Anne-Sophie Mutter. Hinzu kommen Ouvertüren, die Missa Solemnis und Raritäten, die lange nicht erhältlich waren, wie etwa die Große Fuge op. 133. Sammlern und Laien dürfte das Herz gleichermaßen hochschlagen.


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