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23.05.2015

Glanzjahre eines Meisterdirigenten - "Karajan 1970s"

Zwischen 1970 und 1979 nahm Herbert von Karajan unglaubliche 82 Alben allein für Deutsche Grammophon auf. Nun erscheint mit "Karajan 1970s" eine umfangreiche Dokumentation mit den originalen Plattencovermotiven und einem über 200 Seiten starken Booklet.

Herbert von Karajan, Glanzjahre eines Meisterdirigenten - Karajan 1970s

Die zweite Dekade der Zusammenarbeit Herbert von Karajans mit der Deutschen Grammophon war wohl die produktivste Schaffensphase, die Karajan im Laufe seiner großen Karriere verzeichnen konnte. Er stand auf dem Höhepunkt seiner Wirksamkeit und seines Ruhms und spielte gemeinsam mit „seinen“ Berliner Philharmonikern seine vielleicht bedeutendsten Aufnahmezyklen des symphonischen Repertoires ein. Darüber hinaus begründete er 1973 nach dem Vorbild der - ebenso von ihm ins Leben gerufenen - Salzburger Osterfestspiele die Salzburger Pfingstkonzerte, die er mit ebenso großer Leidenschaft leitete wie jedes seiner Herzensprojekte. Im Juni 1977 gab dann die 13jährige Anne-Sophie Mutter dort als sein Protegé ihr Salzburg-Debüt; nicht der letzte Schützling Karajans, welchem sein Einfluss den Weg zu einer Weltkarriere ebnen sollte.

Dokumentarischer Nachweis interpretatorischer Perfektion

In den 1970er Jahren nutzte Karajan seine Aufnahmen mehr und mehr als dokumentarische Nachweise der Stationen, die er und sein Orchester auf dem Weg zum „interpretatorischen Ideal“ zurücklegten. Eine Vision, die heute noch mit dem Jahrhundertdirigenten verbunden wird und damals wie heute das Musikpublikum spaltet.

Für Karajan bestand das Interesse an den Aufnahmen aus mehreren Faktoren: Einerseits bedeutete die Möglichkeit der unendlichen Wiederholung einzelner Sätze und sogar Phrasen die Befreiung vom zufälligen Gelingen des Konzerts, somit konnte er seinem Ideal der Perfektion gerecht werden. Zudem fiel das gemeinschaftliche Hören in einem Konzertsaal mit schlechter Akustik  und hustendem Publikum weg, was Karajan als große Bereicherung empfand. Auch entwickelte er eine Besessenheit für die technischen Details und Möglichkeiten der Klangaufnahme. Insbesondere die Aufnahme der Schallplattenbox mit Musik der Zweiten Wiener Schule und seine Mahler-Aufnahmen stachelte ihn zu neuartigen aufnahmetechnischen Lösungen an, um die Balance der Instrumentation so zu realisieren, wie er sie in der Partiturlektüre vor sich sah.

Die 1970er Edition - Das Repertoire

Zu den ersten Projekten im Rahmen des Exklusivvertrages, den Karajan 1970 bereits zum zweiten Mal bei der Deutschen Grammophon unterzeichnete, zählte die Einspielung sämtlicher Symphonien von Mendelssohn und Schumann, die er bis dahin größtenteils noch nie öffentlich dirigiert hatte. Die Aufnahmesitzungen von 1971 zeigten wieder einmal, dass Karajan ein musikalisches Ausnahmetalent darstellte, welches in allen musikalischen Stilrichtungen gleichermaßen zu Hause war. Als “Mendelssohnspiel vom Feinsten“ wurden seine Aufnahmen von der Fachpresse gelobt, das die Hörer davon überzeugen werde, dass Mendelssohn oftmals völlig zu Unrecht in die zweite Komponistenreihe verbannt würde. Auch der Schumann-Zyklus fand großen Anklang, besonders die legendäre Darbietung der etwas in Vergessenheit geratenen Zweiten Symphonie hat bis heute Referenzstatus.

Ab 1970 beschäftigte sich Karajan intensiv mit vielen wichtigen Werken von Komponisten wie Vivaldi, Mahler, Berg, Schönberg und Webern oder auch Carl Orff (darunter die Weltersteinspielung von De temporum fine comoedia). Auch Bach stellte für ihn eine Priorität dar; 1978/1979 entstand eine Aufnahme der Brandenburgischen Konzerte, die bis heute ihresgleichen sucht. Ebenso wie die h-moll-Messe und die Matthäus-Passion, welche Karajan in diesen Jahren in hochromantischem Stil interpretierte, eine Auffassung, welche dem damals gerade modern gewordenen Stil der „neuen Sachlichkeit“ vollkommen widersprach und für Aufsehen sorgte.

Die nun erscheinende, 82 CDs umfassende limitierte Edition der Deutschen Grammophon spiegelt den Dirigenten Karajan als Mensch in seiner ganzen schöpferischen Breite wider. Das gesamte Repertoire, welches der Maestro 1970-1979 gemeinsam mit der Deutschen Grammophon geschaffen hat, ist vertreten: beispielsweise die kompletten Sinfonie-Zyklen von Beethoven, Brahms und Tschaikowski; Mozarts und Beethovens Violinkonzerte oder auch Bruckners Sinfonien 4 bis 9 und dessen Te Deum. Das über 200 Seiten fassende Booklet enthält umfassende Informationen sowie Fotos und gibt Einblicke in die faszinierende Welt einer der großen Persönlichkeiten des 20.Jahrhunderts.




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