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17.07.2014

"Freude, schöner Götterfunken" – Karajans bahnbrechender Beethoven-Zyklus

Das Projekt war ein Meilenstein in der Schallplattengeschichte. Jetzt legt Deutsche Grammophon Karajans legendären Beethoven-Zyklus aus dem Jahre 1963 in einer limitierten Edition neu auf.

Herbert von Karajan, Karajans bahnbrechender Beethoven-Zyklus © Deutsche Grammophon

Seine musikalische Begabung war längst nicht alles, was er mit auf den Weg bekommen hatte. Hinzu kam ein Faible für Technik. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern, bei denen das Wort "Fortschritt" eher Angstgefühle auslöst, hatte Herbert von Karajan sich mit der modernen Welt verbündet. Er begriff sie als Chance. Die technische Konservierung klassischer Musik in Bild und Ton sah er als Möglichkeit an, die Klangqualität und das Hör-Erlebnis zu verfeinern, und dank seiner Mitwirkung im Tonstudio, seines unerbittlichen Willens zur Perfektion, liegen uns heute Aufnahmen vor, die für die Ewigkeit gemacht sind.

Wahre Pioniere

Der legendäre Beethoven-Zyklus aus dem Jahre 1963 erforderte viel Mut und Geschick. Und das sowohl künstlerisch als auch ökonomisch. 1,5 Millionen D-Mark kostete das Vorhaben die  Deutsche Grammophon. 100.000 LP-Kassetten mussten verkauft werden, damit die Investition sich trug. Astronomische Summen in den Zeiten der Bonner Republik! Ernst von Siemens, damals Vorstandvorsitzender der Muttergesellschaft von Grammophon, kannte Karajan persönlich, und er glaubte an das Projekt. Mit welcher Wucht es dann einschlug, hätte aber auch er wohl kaum für möglich gehalten. 1.000.000 LP-Kassetten waren bis zum Jahre 1973 bereits verkauft, und heute ist das Paket der meistverkaufte Beethoven-Zyklus überhaupt. Die künstlerische und klangliche Extraklasse des Werkes ist Legion.

Auf dem Silbertablett

Die jetzt erschienene Neuauflage ist ein weiterer Meilenstein. Sie besticht durch ihre hohe Audioqualität und das exquisite Booklet. Das Remastering in 24 bit/96 kHz schmeichelt den Ohren und garantiert ein außerordentliches Hör-Erlebnis. Die Aufnahmen von 1963 liegen jetzt erstmals als CD + Blu-Ray-Edition und Mastered for iTunes vor. Die Blu-ray enthält als Bonusmaterial neben den Symphonien zusätzlich noch Audio-Mitschnitte von Proben, bei denen man Karajans Verständnis von Beethovens 9. Symphonie detailgetreu nachempfinden kann.

Die Print-Beigabe ist nicht nur graphisch äußerst elegant gestaltet, sondern gewährt durch die künstlerisch hochwertigen Fotos, den informativen Essay des Musikschriftstellers Richard Osborne und die bemerkenswerten Collagen von Karajan-Briefen auch phantastische Einblicke in den geistigen Kosmos des Dirigenten. Schön ist übrigens, dass mit den Portraitfotos von Gundula Janowitz, Hilde Rössel-Majdan, Walter Kmentt und Walter Berry auch die Sänger und Sängerinnen abgebildet sind, die das Finale von Beethovens 9. Symphonie zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

Ein moderner Beethoven

Die Fotos des Meisterdirigenten bringen zwischen Gefühlen der Melancholie, der Nachdenklichkeit und der äußersten Entschiedenheit eindrucksvoll die Facetten seines Charismas zum Vorschein – keine Nebensächlichkeit bei einem Mann, der den persönlichen Ausdruck für das Kernelement seiner Kunst hielt. Karajan hat immer wieder betont, dass die Energien des Dirigenten auf das Orchester übergehen müssen. Nur so gelinge die ganz große Kunst. Und die ist ihm zweifellos gelungen. Wenn man die Aufnahmen jetzt wieder hört, dann kann man nur staunen, wie modern das alles klingt. 50 Jahre sind diese Einspielungen jetzt alt, und sie haben nichts von ihrer Frische eingebüßt.

Ihre Modernität und klangliche Perfektion ist atemberaubend. Beethovens Symphonien schimmern aus ihnen hervor wie eine seltene Perle, deren Schönheit nicht vergeht. Dabei hat Karajan nichts dem Zufall überlassen. Seine an Toscanini geschulten Beethoven-Interpretationen sind bis ins kleinste Detail hinein durchorganisiert. Das Frappierende daran: Die Spielfreude des Orchesters und der emotionale Ausdruck leiden kein bisschen an dieser Perfektion. Im Gegenteil: Die Berliner Philharmoniker brennen ein Feuerwerk ab, das jede Klangnuance, jeden Gefühlsausdruck Beethovens zum Leuchten bringt. Wie das möglich war, bleibt Karajans Geheimnis.


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