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25.04.2003

Aller Anfang ist schwer

Herbert von Karajan, Aller Anfang ist schwer

Was unbeschwert klingt, ist nicht selten das Resultat harter Arbeit. "Ich dirigiere oft leichte Musik und es kann für ein Orchester sehr schwierig sein, sie richtig herauszubringen", meinte Herbert von Karajan in Anspielung auf seine Vorliebe für Ouvertüren und Intermezzi. Im Rahmen der Reihe "The Collection" bekommen sie nun einen eigenen Platz, ebenso wie die lange als oberflächlich missverstandenen Orchesterwerke der französischen Impressionisten von Debussy bis Saint-Saëns.

Die Geschichte der Ouvertüre hängt eng mit der Entwicklung des Musiktheaters zusammen. Bereits in der Renaissance kannte man kleine musikalische Einleitungen, die man den an Fürstenhöfen beliebten allegorischen Singspielen voranstellte. So konnte man in der Einleitung der "Dafne" (1608) von Marco da Gagliano lesen: "Bevor die Kulissen herabgelassen werden, spiele man eine Sinfonia auf verschiedenen Instrumenten, um die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu erregen". Der Appetizer der frühen Jahre entwickelte sich bald zu einem ausgedehnten Hors D'Oeuvre mit dreisätziger Gliederung, eine kleine Sinfonie, die mit Scalatti und Pergolesi ihre vorläufigen Gipfelpunkte fand. Mit der Reformbewegung der Oper im 18.Jahrhundert allerdings veränderte sich auch deren Bedeutung. Die Ouvertüre sollte nicht mehr nur anregen und einleiten, sondern in das Werk hineinführen. Thematische Zusammenhänge gewannen an Bedeutung, der Weg führte über die Wiener Klassik bis hin zu Rossini, der die Ouvertüre zu neuer Meisterschaft brachte, sie aber mit "Guillaume Tell" (1829) auch wiederlegte. Denn dieses ausführliche Opus vor der Oper war in sich ein viersätziges Programmwerk, das die romantischen Topoi Heimat, Freiheit, Kampf und Natur in eindrucksvoller Klangdichte akustische darstellte.

 

So entfernte sich die Ouvertüre zum einen von der Handlung und verselbständigte sich, zum anderen wurde sie immer enger an die folgenden Geschehnisse herangeführt. Das Ergebnis blieb dasselbe, denn mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert machte sich die Einleitung mehr und mehr überflüssig. Spätestens seit dem Expressionismus stand sie gar der Geschwindigkeit und Vielschichtigkeit des dramatischen Geschehens im Wege. So greift auch die Zusammenstellung der berühmter Ouvertüren im Rahmen von "The Collection" überwiegend auf Werke zurück, die aus der Blütezeit der Gattung zwischen Mozart und Mascagni stammen. Die Aufnahmen entstanden von 1965 an über fünfzehn Jahre hinweg mit den Berliner Philharmonikern und sind eine Art populäre Quintessenz von Karajans Schaffen. Denn wer in den Vor- und Zwischenspielen von Opern Spannung schaffen konnte, für den war die Umsetzung des eigentlichen Werkes schon fast gelungen.

 

Waren sich Kritiker und Publikum bei den Ouvertüren in der Regel einig, so musste Karajan sich im Falle der französischen Orchestermusik des Impressionismus erst gegen zahlreiche Vorurteile durchsetzten. Das hatte durchaus kulturpolitische Gründe. Als der junge Dirigent seine Karriere begann, war man von Staatswegen antifranzösisch eingestellt, eine von den Nationalsozialisten sorgsam gepflegte Antipathie, die aus mehr als einem Jahrhundert gemeinsamer Kriegsgeschichte herrührte. Karajan lies sich nicht beirren und brummte den Berliner Philharmonikern bereits während seines Debütkonzertes mit dem Orchester 1938 die Suite Nr.2 aus Ravels Ballett "Daphnis et Chloé" auf. Das Ensemble schluckte, vor allem als es die Probleme erkannte, die es mit der Umsetzung der wenig anerkannten Werke hatte. Trotzdem wurde die Aufführung ein großer Erfolg. Und so ging es mit vielen Einspielungen und Konzerten weiter, die Karajan im Laufe der Jahre den französischen Klangklassikern widmete. Ob Ravels "Bolero", Debussys "Prélude à l'après-midi d'un faune" oder Saint-Saëns "Orgel-Symphonie", seine Interpretationen mit den Berliner Philharmonikern wurden zu Referenz-Aufnahmen. Grund genug, sie im Rahmen von "The Collection" auf einer Doppel-CD zusammen zu fassen und gemeinsam zugänglich zu machen.

 

Für alle Karajan-Fans hier zwei weitere Hintergrundbilder:

 

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