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12.04.2006

Mozart Collection - Messe c-Moll: Händel'scher Glanz

Herbert von Karajan, Mozart Collection - Messe c-Moll: Händel'scher Glanz

Mit der "Großen Messe" wich Wolfgang Amadeus Mozart von seiner Gewohnheit ab, nur mit einem konkreten Auftrag zu schreiben. Tatsächlich entstand das Werk von den Wintermonaten 1782 an, kurz nachdem er seine Stellung in Salzburg verloren hatte und sich in Wien als freier Komponist versuchte. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Werk nicht vollendet wurde. Jedenfalls hätte es in diesem Fall Ausmaße annehmen können, die Beethovens "Missa Solemnis" oder auch Bachs gewaltige "h-Moll Messe" hätten erreichen können. Trotzdem bleibt die Faszination für diesen Geniestreich ungebrochen, zumal wenn er von Koryphäen wie Herbert von Karajan und Barbara Hendricks zum Hörerleben erweckt wird.

Mozart hatte viel Bach gehört. Der mit ihm befreundete Baron Gottfried van Swieten, seines Zeichens Präfekt der Wiener Musikbibliothek, hatte ihm einige berühmte barocke Partituren aus der Feder des Leipziger Meisters, von den dessen Söhnen und aus Händels Werkstatt zum Studium überlassen. Der junge Komponist war gefesselt von den Kunstwerken der Vergangenheit und arbeitete einige der Gestaltungsideen seiner Vorgänger in die Messe c-Moll KV 427 (417a) ein und orientierte sich an vielen Stellen deutlich an der barocken, kontrapunktischen Formkunst. Doch trotz Feuereifer und Experimentierlust blieb das Werk unvollendet, jedenfalls fehlen bis heute ein Teil des Credos und das Agnus Dei. Die Gründe dafür sind ungeklärt, ebenso wie der unmittelbare Anlass der Entstehung. So hatte Mozart beispielsweise wenige Monate bevor er sich ans Werk mache im August 1782 die von ihm geliebte Constanze Weber geheiratet und die Liaison mit einem persönlichen Gelübde verknüpft, eben eine Messe zu schreiben, wenn die Hochzeit zustande käme. Da seine Angetraute einen strahlenden Sopran hatte und bei der Uraufführung des (nicht ganz vollständigen) Werkes am 26. Oktober 1783 in der Salzburger Peterskirche die Solostimme übernahm, lässt sich auch erklären, warum gerade diese Partien mit besonderer Sorgfalt gestaltet wurden. Außerdem schien er, wie so oft, seinem Vater mit dem Werk gefallen zu wollen, der die Verbindung mit Constanze missbilligte. In einem Brief vom Januar 1783 schrieb er an Leopold: "Ich habe es in meinem Herzen wirklich versprochen, und ich hoffe es auch wirklich zu halten ... zum beweis aber der wirklichkeit meines versprechens kann die spart von der hälfte einer Messe dienen, welche noch in der besten hoffnung da liegt."

Über die Umstände der Premiere selbst ist einiges bekannt. Mozarts ehemaliger Dienstherr, der Fürsterzbischof Colloredo, hatte aufwändige Messevertonungen untersagt und so musste der Komponist auf die Peterskirche ausweichen, die nicht unmittelbar im Einflussbereich des geistlichen Potentaten lag. Die Reaktionen auf die Aufführung waren verhalten und so blieb die "c-Moll Messe" gemeinsam mit dem "Requiem" das letzte geistliche große Orchester- und Chorwerk, mit dem Mozart sich kompositorisch beschäftigte. Seiner Bedeutung für die Musikgeschichte tut das aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Nähe zur kontrapunktischen Barockmusik auf der einen und der formalen Kunst der italienischen Oper auf der anderen Seite, macht die Messe zu einem immens reizvollen Konzertstück, besonders wenn sich jemand wie Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmonikern und einem illustren Solistenreigen wie Barbara Hendricks und Peter Schreier ihr widmet. Die Aufnahmen entstanden 1982 und wurden für die Mozart Collection noch um das "Adagio und Fuge in c-Moll, KV 546" ergänzt, das bereits 1971 für Platte festgehalten worden war. Es entstand auf diese Weise eine Referenzeinspielung, über die der strenge Penguin Guide folgendermaßen urteilte: "In dieser digitalen Aufnahme von 1982, der c-Moll-Messe, verleiht Karajan dem größten unter Mozarts Chorwerken Händel'schen Glanz ... Die Solisten singen hervorragend, vor allem Barbara Hendricks, deren traumhaft schöne Stimme hinreißend eingefangen ist".


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