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Herbert von Karajan BACKSTAGE EXCLUSIV

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23.01.2008

Der Blick der Insiderin

Herbert von Karajan, Der Blick der Insiderin

Eliette Mouet war gerade achtzehn Jahre als, als sie Herbert von Karajan in Saint-Tropez kennen lernte. Wenige Monate später trafen sie sich in London wieder und von da an war es eine große Liebe, die über drei Jahrzehnte hinweg das ungewöhnliche Paar inspirierte. Eliette von Karajan teilte die Begeisterung ihres Mannes, sie begleitete ihn ins Studio, zu den Konzerten und wurde schnell zur besten Kennerin eines umfassenden Werkes, dessen Opulenz und Stringenz bis heute fasziniert. Anlässlich des 100. Geburtstages Herbert von Karajans hat sie nun ihre Erinnerungen in einer Autobiografie mit dem Titel "Mein Leben an seiner Seite" festgehalten. Und außerdem lässt sie mit der gleichnamigen Doppel-CD einige Sternstunden in den Studios und vor Publikum Revue passieren und hat damit die wohl persönlichste Hommage des Jahres geschaffen.

"Wenn ich an Herbert und seine glanzvolle Karriere denke, fallen mir neben unzähligen Opernaufführungen und Konzerten natürlich auch seine zahlreichen Schallplattenaufnahmen ein", erinnert sich Eliette von Karajan in den Anmerkungen im Booklet zu "Meine Lieblingsaufnahmen" und fährt fort: "Es waren Konzerte ohne Publikum, in London in den Abbey Road Studios oder in der Kingsway Hall, in Berlin in der Jesus-Christus-Kirche oder in der Philharmonie, in Wien im Sofien-Saal oder im Musikverein. Mehr als 30 Jahre habe ich Herbert in das Plattenstudio begleitet. Viele seiner Aufnahmen haben seither einen festen Platz in meinem Leben, eine kleine Auswahl daraus habe ich hier zusammengestellt".

Und natürlich ist der Blick der Insiderin ein anderer als der des Musikwissenschaftlers oder Plattenmanagers. In diesem Fall geht es weder darum, einen repräsentativen Überblick über einen Werkkorpus oder einen Schaffensabschnitt zu bieten, noch darum, thematischen Vorgaben zu folgen. Die einzige Begrenzung ist die Spielzeit zweier CDs und so konnte eine wunderbar individuelle Zusammenstellung entstehen, der man die Stimmigkeit der Gefühle anmerkt. Beispiel Beethoven. "Herbert und ich streiften liebend gerne durch die freie Natur: wann immer es die Zeit erlaubte, wanderten wir durch den Wiener Wald, in der Umgebung Salzburgs, in den Schweizer Bergen, am Meer. Ganz in der Nähe unseres Hauses in Anif plätschert ein Bach, der mich jedesmal, wenn ich an ihm entlang spaziere oder radle, an die Szene am Bach aus Beethovens 'Pastorale' erinnert. Günter Herrmanns, hervorragender Aufnahmeleiter zahlreicher Einspielungen Herberts, erzählte mir einmal, dass Herberts letzte Aufnahme eine der schnellsten in der Interpretationsgeschichte dieser Symphonie war - um hinzuzufügen, dass man beim Hören allerdings gar nicht diesen Eindruck gewinnt".

So eröffnet Beethoven den Zyklus der Stücke, den Eliette von Karajan ausgewählt hat. Der Weg führt vorbei am dritten Satz aus Brahms dritter Symphonie und Debussys "Prélude à l'aprés-midi d'un faune", an der "Suite Nr.2" von Ravels "Daphnis et Chloé" und dem dritten Satz von Arthur Honeggers dritter Symphonie, am "Adagietto" aus Mahler Fünf und den "Delirien" von Josef Strauss, die Herbert von Karajan bei seinem einzigen Neujahrskonzert in Wien 1987 dirigierte. Er leitet hinüber zu den Vokalwerken, zu Ausschnitten aus Bachs "Matthäus-Passion" und Mozarts "Krönungs-Messe", aus Verdis "Messa da Requiem" und Wagners "Walküre" bis hin zu den "Vier letzten Liedern" von Richard Strauss. "Die 'Vier letzten Lieder' von Richard Strauss, hier von Gundula Janowitz gesungen, beschließen diesen musikalischen Reigen, den ich in dankbarer Erinnerung an Herbert zusammengestellt habe, in ebenso passender wie anrührender Weise", kommentiert Eliette von Karajan den Spannungsbogen, den sie auf "Mein Leben an seiner Seite - Meine Lieblingsstücke" entworfen hat.

Im April 2008 wird im ZDF und ORF eine Dokumentation mit dem Titel "Karajan - oder die Schönheit, wie ich sie sehe" zu bewundern sein, die ebenfalls aus der Perspektive von Eliette von Karajan das Leben und Schaffen des Maestros mit zahlreichen Archivaufnahmen und Interviews berühmter Zeitgenossen wie Anne-Sophie Mutter und Helmut Schmidt skizzieren wird. Genug Möglichkeiten also, den berühmten Dirigenten aus persönlicher Sicht kennen zu lernen, genug Gelegenheiten, seine Kunst zu genießen.

Weitere Informationen zum Karajan Jahr 2008 sowie Neu- und Wiederveröffentlichungen finden Sie auf der Künstlerwebsite des Dirigenten bei KlassikAkzente.


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