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19.03.2008

Wiener Jahre

Herbert von Karajan, Wiener Jahre

Nach dem Tod von Wilhelm Furtwängler kam es zu einer erstaunlichen Resolution: "Die am 13.Dezember 1954 versammelten ständigen Mitglieder des Berliner Philharmonischen Orchesters, glauben in Herbert von Karajan die künstlerische Persönlichkeit zu sehen, welche die Tradition des Berliner Philharmonischen Orchesters fortzusetzen vermag". Damit war der Dirigent zum Leiter auf Lebenszeit der Berliner Philharmoniker bestimmt worden, eine Rolle, die er in den folgenden Jahrzehnten mit Chuzpe ausfüllte, die aber beileibe nicht seine einzige war. Als er 1957 die künstlerische Leitung der Wiener Staatsoper und der Salzburger Festspiele übernahm, machte das Bonmot vom "Generalmusikdirektor Europas" die Runde. Für Herbert von Karajan war das aber nur eine weitere Möglichkeit, mit der Vielfalt der klassischen Musik zu agieren. Er brauchte die Gegensätze und deshalb war ihm seine Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern ein besonderes Anliegen. Tatsächlich gibt es nicht wenige Stimmen, die die "Legendary Decca Recordings", die in dieser Künstlerunion entstanden, zu den Besten zählen, die dem Dirigenten gelungen sind.
 

Und das waren nicht wenig. Mitte der Achtziger meinte Herbert von Karajan in einem Interview: "Ich bin meinem Schicksal sehr dankbar dafür, dass ich an der Explosion der Musik, die früher ja nur für einen relativ kleinen Kreis erreichbar war, beteiligt gewesen bin. Und dass wir die ganze Welt davon überzeugen können, dass das ein Wert ist, der nie aufhören wird. Ich bin in der Dokumentation von Musik wirklich weit gekommen, ich habe, glaub' ich, 810 Titel aufgenommen, manche mehrmals. So hatte ich mir's vorgestellt: Jeder kann sich daraus bedienen".

Tatsächlich reichte Karajans musikalische Spektrum von den zentralen Werken des Barocks bis zu den Klassikern der zeitgenössischen Komponisten, von Operneinspielungen bis hin zu Fernsehfilmen, die seine Klangwelten und Vorstellungen mit dem damals noch jungen und experimentierfreudigen Medium verknüpften. Seine Neugier und seine Vielseitigkeit war legendär, die bis hin zu Gründungen wie der Herbert-von-Karajan-Stiftung in Berlin oder dem Forschungsinstitut für experimentelle Musikpsychologie in Salzburg führte. Vor allem aber war es das Orchester, das ihn tagtäglich inspirierte, die Vorstellung eines originären Klangs, einer unverwechselbaren Energie im Umgang mit den Meisterwerken, der er mit seinen beiden Stammensembles vielleicht am nächsten kam.
 
Die Zusammenarbeit mit dem Wiener Philharmonikern begann im Jahr 1934. Damals dirigierte Herbert von Karajan das Orchester zum ersten mal in Salzburg und als er in der Funktion des künstlerischen Leiters der Staatsoper in Wien und der Salzburger Festspiele in seine Heimat zurückkehrte, intensivierte sich dieser Kontakt und führte zu einer Reihe hervorragender Aufnahmen, die in den Jahren 1959-65 entstanden. Es waren viele Klassiker der Moderne dabei, Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra" beispielsweise oder auch Gustav Holsts Orchesterzyklus "Die Planeten". Dvorák und Grieg gehörten ebenfalls zu diesen Aufnahmesessions, die der erfahrene Tontechniker John Culshaw leitete, außerdem Brahms, Haydn, Mozart, Beethoven.

Wunderbar beschwingt sind aber auch die Ballett-Musiker von Peter Tschaikowsky und Adolphe Adam und die Exkurse in das Wiener Fach mit Ausschnitten aus der "Fledermaus", dem "Zigeunerbaron" und dem berühmten Walzer "Geschichten aus dem Wienerwald" aus der Feder von Johann Strauss. So sind die neuen CDs der "Legendary Decca Recordings" nicht nur ein Konzentrat der Schaffenskraft des mittleren Karajans, sondern darüber hinaus ein stilübergreifendes Kompendium zentraler Werke der klassischen Moderne.


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