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19.03.2008

Brillante Basisarbeit

Herbert von Karajan, Brillante Basisarbeit

Geht nicht - gibt es nicht! Denn eigentlich ist es ein unmögliches Unterfangen, auf nur 10 CDs sowohl die größten Sinfonien der Musikgeschichte als auch die wichtigsten Dirigenten der vergangenen Jahrzehnte zu versammeln. Die Spezialisten des Universal Classics & Jazz-Teams und der Kulturredaktion des Nachrichtenmagazins Focus aber haben es trotzdem gewagt und eine Edition gestaltet, die einzeln in zehn Folgen oder als Box mit Bonus-CD einmal durch die Historie des Orchestralen führt. Das Spektrum reicht von Mozart bis Mahler und Beethoven bis Brahms, von Claudio Abbado bis Leonard Bernstein und Sergiu Celibidache bis Christian Thielemann. Wie schon bei der Sammlung 400 Jahre Oper sind auch diese Folgen mit ausführlichen und journalistisch spannenden Einführungen versehen, so dass trotz notweniger Auswahl ein repräsentativer Überblick über die Königsdisziplin kompositorischen Schreibens und dirigentischen Könnens entsteht.

Musik erklären ist eine Kunst. Gregor Dolak von der Kulturredaktion des Focus gehört zu Vermittlern komplexer Klangzusammenhänge, der auch Schwieriges wie die Interpretation von Beethovens Sinfonien 5 und 7 in der ersten Folge der Focus Edition Große Sinfonien nachvollziehbar macht. Eine kleine Textprobe aus dem Booklet: "Gilt Beethoven als wichtigster Vertreter der deutschen 'Ernsten Musik', der 'hehren Tonkunst' wie sie bis über die Spätromantik hinaus in bürgerlichen Häusern verehrt wurde, so dient sich Karajan hier als führender Interpret fürs 20. Jahrhundert an. Noch in den 60ern war seine Orientierung an Furtwänglers Beethoven-Ideal unüberhörbar: streng, gravitätisch, emotional bewusst reduziert, konzentriert rein auf die musikalische Form. Zum Ende seiner Karriere hin fand aber Karajan zu einem eigenständigen Klangbild: Luzide, klar, emotional überwältigend klingen seine späten Beethoven-Aufnahmen. Mit einem gleißenden Oberflächenglanz über dunkel brodelnder Orchesterseele."

"Den berühmten Kopfsatz von Beethovens Schicksals-Sinfonie, der Fünften, haben wir zwar schon an die hunderte Male gehört. Die weithin gültige Interpretation aber hat sicherlich Karajan geliefert - was Tempo und Dynamik betrifft: Wie er die rhythmisch treibenden Motive in ein sauber abgezirkeltes Verhältnis zu den sanften Pianissimo-Passagen setzt. Unbewusst vergleichen wir jede neue Interpretation mit dieser nahezu klassischen Referenzeinspielung. Dies sagt viel aus über die Dominanz Karajans im Schallplattenmarkt, aber auch über unsere Hörgewohnheiten etwa im Radio, wie die vorliegende Einspielung noch immer zum Non-plus-ultra in Sachen Beethoven Nr. 5 zählt. Sanglich wellenförmig folgt das Streichermotiv im zweiten Satz. Technisch brilliant gestaltet Karajan die Überleitung vom dritten zum vierten Satz der Sinfonie. Das Scherzo scheint im Piano fast zum Stillstand zu kommen. Nur der Pulsschlag der Pauken pocht weiter und erzeugt das Kraftfeld für eine mitreißende Steigerung, die zum Finale führt. Bis heute setzt diese maßgebliche Aufnahme aus den 80ern Standards in der Beethoven-Interpretation, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Siebten, deren Aufnahme zur selben Zeit entstand."
 
Herbert von Karajan bestimmt den ersten Teil der Focus Edition Große Sinfonien. Ihm folgen Leonard Bernstein, Sergiu Celibidache, Christian Thielemann, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Marc Minkowski, Giuseppe Sinopoli, Daniel Barenboim und Claudio Abbado mit Beethovens Neunter, Brahms Drei und Vier, Bruckner Fünf, Dvorák Acht und Neun, Mahler Fünf, den berühmten Sinfonien 40 und 41 und Mozart, schließlich den späten Schubert'schen Werken Acht und Neun, den Sinfonien Eins und Drei von Schumann und dem pathetischen Tschaikowsky mit seiner sechsten Sinfonie zum Abschluss. Die einzelnen Volumes 1-10 erscheinen jeweils im Zwiegespann monatlich bis Mitte Juli und sind außerdem als Box zum Vorzugspreis einschließlich einer Bonus CD erhältlich, die verschiedenen Interpretationen von Beethovens Fünfter von Wilhelm Furtwängler bis Gustavo Dudamel über die Jahrzehnte hinweg gegenüber stellt - ein Zuckerl für Neugierige, die einen Evergreen in derart unterschiedlichen Versionen präsentiert bekommen, dass man meinen könnte, es wäre ein anderes Stück.


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