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02.09.2005

Kunst des Dialogs

Hilary Hahn, Kunst des Dialogs

Vor einem guten Jahrzehnt trafen sich Hilary Hahn und Natalie Zhu am Curtis Institute in Philadelphia. Beide waren junge und hoch begabte Studentinnen und da man ihnen einiges zutrauen konnte, bekamen sie Mozart als Hausaufgabe. Innerhalb von wenigen Wochen arbeiteten sie sich komplett durch die 18 Violinsonaten und schufen sich auf diese Weise eine Grundlage für viele gemeinsame Konzerte, die in den kommenden Jahren folgen sollten. Als es schließlich darum ging, gemeinsam auf Platte zu erscheinen, wählten Hahn und Zhu wiederum Mozart aus, auch wenn es schwer fiel, sich auf nur vier der eineinhalb Dutzend Meisterwerke zu beschränken.

Erst viel später, als die Pläne längst gemacht und die Aufnahmen so gut wie fertig waren, fiel Hilary Hahn auf, dass sie einen günstigen Zeitpunkt gewählt hatte: "Als ich den Zeitplan für das Album gemacht hatte, war mir gar nicht bewusst, dass es mit Mozarts 250.Geburtstag zusammenfallen würde. Aber ich habe auch keine Probleme damit. Ich bin sogar ganz froh darüber, dass es so gut passt", meint die amerikanischen Star-Geigerin und fügt hinzu: "Mozarts Stil ist sehr charakteristisch und faszinierend. Man erkennt seine Musik sofort, was aber nicht heißt, dass die Stücke alle gleich wären - im Gegenteil. Als Künstlerin ist es eines meiner wichtigsten Ziele, die einzelnen kennzeichnenden Merkmals eines jeden Stückes herauszustellen, was Mozart einfacher zulässt, als man meinen könnte. Denn jede der vier Sonaten, die wir spielen, zeigt seinen Charakter vorsichtig, aber trotzdem außerordentlich schnell. Keine Frage, dass Mozart ein großartiger Komponist war. Aber allein schon die Tatsache, dass er seinen Stil über derart viele Werke während seines Lebens hinweg aufrecht erhalten konnte, ohne dass sich etwas wiederholt, ist ein großes Kompliment an seine Fähigkeiten". Und es fordert dazu heraus, sich fortwährend mit dessen Werken zu beschäftigen. Als Hahn und Zhu sich Mitte der Neunziger zum ersten Mal daran machten, die Violinsonaten zu erarbeiteten, war es vor allem die Neugier, die sie vorantrieb. Sie stellten schnell fest, dass manche der Werke ihnen mehr lagen, andere weniger, und versahen die Notenbücher mit reichlich Notizen.

Die nächste Phase folgte daraufhin in den Konzertsälen rund um den Globus. Seitdem Hahn und Zhu zum ersten Mal 1994 für das Festival Sully-Sur-Loire in Frankreich gemeinsam auf die Bühne gestellt wurden - übrigens auch mit Mozart und dessen "E-Moll-Sonate K. 304" -, entwickelten sie sich zu einem homogen und intuitiv musizierendem Team, das nur während der Schlussphase von Zhus Abschluss in Yale getrennte Wege gehen musste. Das Resultat dieser engen und kommunikativen Zusammenarbeit wurde im Februar und November des vergangenen Jahres im Fisher Center For The Performing Arts in Annandale-on-Hudson, New York, von den Toningenieuren festgehalten: "Das ist meine erste Mozart-Aufnahme und meine erste Duo-Aufnahme, die veröffentlicht wird. Ich habe auf dieses Album eine lange Zeit gewartet und da ist es beinahe schon in symbolischer Weise angemessen, dass ich die Kräfte für dieses Projekt mit jemandem teile, mit dem ich eine derart enge Beziehung habe". So stellt sich die Kombination der beiden jungen Starsolistinnen als ebenso gelungen wie zwangsläufig heraus. Denn auf diese Weise können Energien weitergegeben und ausgetauscht werden, können Schwingungen und Inspirationen entstehen, die bei weniger vertrauten Partnern unmöglich sind. Selbst die kleine Auswahl mit den "Violinsonaten G-Dur K. 301, e-moll K. 304, F-Dur K. 376 und A-Dur K. 526" belegt die ungewöhnliche Perfektion der Darstellung auf der einen Seite und die Ehrfurcht vor der Dimension dieser Musik auf der anderen, die es möglich macht, diesen Klassikern der Konzertsaalliteratur wieder neue, juvenile und stellenweise sogar fröhlich verschmitzte Stimmungen abzugewinnen. Das ist Interpretationskultur auf oberstem Niveau und eine gelungene Einleitung für ein Jubiläumsjahr, das noch viele weitere Höhepunkte bieten wird.


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