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28.02.2007

Der Lockruf der Geige

Hilary Hahn, Der Lockruf der Geige

Das Leben eines Stars wird gerne verklärt. Oft sind es die Berühmtheiten selbst, die an ihrem eigenen Monument basteln und über exzentrisches Verhalten eine Mythos zu kreieren versuchen. Das mag seinen Reiz in der flüchtigen Welt des Pops haben, wo die Haltbarkeit des Erfolges nur selten mehr als ein paar Monate, vielleicht wenige Jahre überschreitet. Wer sich jedoch mit seriöser Kunst beschäftigt, hat in der Regel in Kinder- und Jugendtagen beschlossen, sich ihr ernsthaft und vorrangig zu widmen. Die amerikanische Geigerin Hilary Hahn gehört zu den neuen Stars der internationalen Klassik-Szene. Als Teenagerin schaffte sie den Durchbruch, mit Mitte zwanzig ist sie bereits eine Konstante des Konzertbusiness und fast das ganze Jahr zwischen Hongkong und New York unterwegs, um ihre Können und ihre Musikalität dem Publikum zu präsentieren. Im Winter 2003/4 begleitete sie ein Filmteam bei ihrer Arbeit vor und hinter den Kulissen. Heraus kam eine Dokumentation, die eine junge Meisterin portraitiert, die auf Bühne ebenso brilliert wie sie unbeschwert und unerkannt durch die Straße schlendert.

Hilary Hahns Aufstieg an die Weltspitze der klassischen Interpreten war kometenhaft. Geboren 1979 im amerikanischen Baltimore, bekam sie mit vier Jahren ihren ersten Geigenunterricht am städtischen Konservatorium. Ihr Talent wurde schnell erkannt, sie gab als Sechsjährige ihr erstes Solokonzert und gewann verschiedene Ausscheidungen. Als jüngste Schülerin ihres Konservatoriums ging sie mit neun Jahren als Siegerin eines Recital-Wettbewerbs hervor und erspielte nur wenige Monate später den ersten Platz bei einem Solistenwettbewerb in Philadelphia. Daraufhin landete Hahn in die Meister-Klasse von Jascha Brodsky, der Geigen-Eminenz am renommierten Curtis Institute of Music.   Im Dezember 1991 stellte sie sich mit dem Baltimore Symphony Orchestra der Öffentlichkeit vor. Die Konzerte der Teenagerin sorgten für ersten Wirbel in der Szene, denn bereits als Zwölfjährige verfügte sie über eine interpretatorische Reife, die sonst nur erfahrene Konzertprofis an den Tag legen. Bald darauf war sie in Dallas, Philadelphia, Paris, München oder auch beim Malboro Music Festival in Vermont (1995 bis 97) zu hören, debütierte in der Carnegie Hall mit dem Philadelphia Orchestra unter Christoph Eschenbach, nahm im Herbst 1997 mit den "Partiten und Sonaten für Solovioline von J. S. Bach, BWV 1004-1006" ihr Debüt als Solistin auf und verblüffte damit die internationale Fachpresse, die von einer 18jährigen eine derartige künstlerische Umsicht und Reife nicht erwartet hatte.
 
Seitdem mischt sie ganz vorne mit und hat doch nichts von den Eitelkeiten, die Interpreten ihres Niveaus sonst gerne an den Tag legen. Das wird auch in "A Portrait" klar, einem Doku-Feature, das eine knappe Stunde lang den Werdegang und die Person von Hilary Hahn präsentiert. Hier geht es nicht um Konkurrenzdenken, sondern vielmehr um Fragen des künstlerischen Alltags, mal musikalischer Natur, mal organisatorischer, um Erinnerungen an die frühen Konservatoriumstage, um Erfahrungen mit Fans in aller Welt, um die Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten wie Dirigenten oder auch mit ihrer langjährigen Duo-Partnerin Nathalie Zhu. Die Kamera folgt ihr durch die Straßen von Philadelphia ebenso wie in chinesische Gärten von Hongkong, dokumentiert sie als reflektierte Kommentatorin des Repertoires ebenso wie als freche Führerin durch die Räume ihres zweiten  Wohnzimmers, des Curtis Institutes. Und sie zeigt Hahn natürlich auch als grandiose Interpretin, mal im kammermusikalischen Ambiente mit Zhu und Mozarts "Violinsonate G-Dur K.301", mal als Solistin mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Kent Nagano und dem zu Unrecht selten gespielten "Violinkonzert D-Dur, op. 35" von Erich Wolfgang Korngold. Das Ganze ergibt auf knapp zwei Stunden Länge ein faszinierendes Künstlerbild einer jungen Meisterin ihres Instruments, das noch dazu in 5.1 Surround-Sound (wahlweise PCM Stereo) ein großartiges Hörerlebnis bietet. Faszinierend bis zur letzten Minute.


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