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12.03.2008

Hohe Kunst - Hilary Hahn spielt Schoenberg und Sibelius

Hilary Hahn, Hohe Kunst - Hilary Hahn spielt Schoenberg und Sibelius

Der Geigenvirtuose Jascha Heifetz hatte das Violinkonzert von Arnold Schönberg als unspielbar bezeichnet. Darauf angesprochen, soll der Komponist geantwortet haben: "Ich freue mich, ein weiteres unspielbares Werk ins Repertoire gebracht zu haben. Ich will, dass dieses Konzert schwierig ist und der kleine Finger länger wird. Ich kann warten". Auf Musikerinnen wie Hilary Hahn zum Beispiel. Die inzwischen 28jährige amerikanische Stargeigerin hat sich vom ungewöhnlichen Spiel der Farben, Stimmungen und Ausdrucksmöglichkeiten des Schönberg'schen Spätwerks begeistern lassen und es nach mehreren Jahren auf der Bühne nun mit dem Schwedischen Radio-Symphonieorchester unter Esa-Pekka Salonen auf CD festgehalten, zusammen mit einem weiteren Klassiker des anspruchsvollen Konzerterlebens, dem Violinkonzert von Jean Sibelius.

Manchmal sind es verschlungene Wege, die einen Künstler zu einem Werk führen. "Mit Arnold Schönbergs Kompositionen", erinnert sich Hilary Hahn, "beschäftigte ich mich erstmals im Sommer 1997 beim Malboro Music Festival, wo ich unter der Anleitung des Cellisten Siegfried Palm sieben Wochen lang das Sextett 'Verklärte Nacht' einstudierte. Schönbergs Musiksprache, die für mich völlig neu war, faszinierte mich durch ihr Ausdrucksspektrum. Ich erkundigte mich nach Solostücken und hörte von einem Violinkonzert, das 'typischer später Schönberg' und berüchtigt für seine Unspielbarkeit sein sollte".

Da solche Urteile die junge Künstlerin eher anspornten als abschreckten, bestellte sie sich alsbald eine Partitur und versuchte, sich mit dem Werk vertraut zu machen. Ganz einfach war das nicht, denn der lange kleine Finger, den der Komponist sich vorgestellt hatte, erforderte ein spezielles Training der Greifhand. Schließlich aber gelang es doch und Hilary Hahn nahm das Konzert in ihr Live-Repertoire auf, mit überraschendem Ergebnis: "Bei meiner ersten Aufführung wusste ich, dass das Konzert absolut für sich selbst sprechen würde, ich wusste jedoch nicht, wie das Publikum reagieren würde. Aber dieser Schönberg entpuppte sich - im 21.Jahrhundert - als ein Hit. Die Orchester und Dirigenten erweckten die Musik zum Leben, die Zuhörer riss es von den Sitzen. Bei jeder Aufführung fand ich meine anfänglichen Hoffnungen bestätigt, wenn Schönebergs Anmut, Witz, Poesie, Romantik und Dramatik auf geradezu visuelle Weise wahrnehmbar wurde - nicht überraschend bei einem Komponisten, der auch Maler war".
 
Noch einen Effekt hatte die Beschäftigung mit diesem speziellen Violinkonzert. Denn durch die besonderen Feinheiten der Greiftechnik und der Interpretationsnuancierung, die sich Hilary Hahn im Zusammenhang mit Schönberg erarbeitet hatte, bekamen auch ihre übrigen Stücke eine neue Dimension. Denn sie begann, diese Neuerungen auch auf die Darstellung der übrigen Werke anzuwenden, was manch einer Komposition zu veränderten Farben verhalf. So auch dem  Violinkonzert von Jean Sibelius, das sie als junges Mädchen zunächst verstört und dann begeistert hatte, bis hin zu einer ausgiebigen Live-Phase und einer Zeit, in der sie das Werk ruhen ließ. "Als ich mich wieder dem Violinkonzert von Sibelius zuwandte, hatte es einen klagenden, aber sinnlichen Charakter angenommen: eine erlesene, von Hoffnung durchzogene nostalgische Schönheit, die der ungewöhnlichen Kraft des Werkes zugrunde liegt. So sehe ich dieses Album als eine Hommage: an diese Stücke, an ihre Komponisten und an das Prinzip, voreilige oder verfehlte Annahmen ständig zu korrigieren".

Lauscht man Hilary Hahn und dem Schwedischen Radio-Symphonieorchester unter der Leitung von Esa-Pekka Salonen bei dieser Einspielung, wird sehr schnell klar, dass sie diesem Anspruch an die Vielseitigkeit der Kunst rundum gerecht wird.


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