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12.12.2013

40 Jahre Hilliard Ensemble - Episode 8 - "Codex Speciálník" - Böhmische Renaissance

Das Hilliard Ensemble feiert sein 40 jähriges Bestehen. In unserer großen Serie stellen wir Ihnen nach und nach einige Höhepunkte aus dem Schaffen des Ensembles vor. In der Episode 8 das 1995 erschienene Album "Codex Speciálník".

The Hilliard Ensemble, 40 Jahre Hilliard Ensemble - Episode 8 - Codex Speciálník © Caroline Forbes

Das Hilliard Ensemble stieß bei den Recherchen zum Album mit Musik von Walter Frye (ECM 1476) erstmals auf den Speciálník Codex. Dieses Manuskript enthält das Ave regina des englischen Renaissance-Komponisten in einer Fassung mit einer zusätzlichen Stimme, die vermutlich von einem tschechischen Meister ergänzt wurde. Der Codex ist eine der ältesten erhaltenen Sammlungen von polyphoner Musik, die während der Renaissance in Böhmen entstand, und hat seine Ursprünge in den Kongregationen der protestantischen Utraquisten um 1500.

Das Manuskript wurde 1901 von einem Prager Antiquitätenhändler an das Ostböhmische Museum Hradec Králové verkauft, wo es sich noch heute befindet. Ein Teil des Speciálník Codex, so etwa Josquins Ave Maria, ist in sogenannter weißer Notation geschrieben, während andere Stücke in schwarzer Mensuralnotation abgefasst wurden. Der älteste Teil, der "Korpus", wurde vermutlich kurz vor 1500 fertiggestellt, lose gebunden und mit einem Inhaltsverzeichnis versehen. In der Folge wurde er verschiedentlich ergänzt und nahm schließlich weitere zwei Faksimiles in sich auf. Als die endgültige feste Bindung um 1546 angefertigt wurde, verschob man einige Stücke und fügte eine Sammlung von Unisono-Hymnen hinzu.

Der erste Kopist begann die Sammlung mit zeitgenössischer tschechischer und europäischer Musik, angefangen mit Musik für die Messe, gefolgt von Motetten und Liedern in weißer Mensuralnotation. Er ergänzte dann in schwarz ältere tschechische Musik aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Spätere Schreiber ignorierten diese Anordnung und ergänzten Musik, wo immer der Platz geeignet erschien.

Das Manuskript beinhaltet rund 150 Werke. Nur ein Drittel davon kann bekannten Komponisten zugeschrieben werden. Viele der anonymen Werke basieren auf tschechischen Melodien, die zu der Zeit vorherrschend waren. Die importierten Musikstücke stammen von führenden europäischen Komponisten der Zeit, darunter die Engländer Bedyngham, Frye und Plummer sowie die frankoflämischen Meister Isaac, Obrecht, Agricola und Josquin.

Das Hilliard Ensemble veröffentlichte seine in der Stadtkirche Grönningen aufgenomme Auswahl aus dem Manuskript 1995 unter dem Albumtitel "Codex Speciálník" auf ECM New Series. „Statt meditativer Verzückung offeriert das Quartett asketische Polyphonie mit fast schon beängstigend präziser Stimmführung, verpackt in ein Klangbild von phänomenaler Präsenz“, urteilte das Fachblatt Audio.

In diesem Player hören Sie Stücke aus den Alben, die in unsere Jubiläums-Serie vorgestellt worden sind:


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