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09.01.2014

40 Jahre Hilliard Ensemble - Episode 14 - Guillaume de Machaut: Motets

Das Hilliard Ensemble feiert sein 40 jähriges Bestehen. In unserer großen Serie stellen wir Ihnen Höhepunkte aus dem Schaffen des Ensembles vor. Diesmal das 2004 erschienene Album "Guillaume de Machaut: Motets".

The Hilliard Ensemble, 40 Jahre Hilliard Ensemble - Episode 14 - Motets © Roberto Massoti

Guillaume de Machauts Musik ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil im Repertoire des Hilliard Ensembles. Die 2004 von ECM New Series veröffentlichte Aufnahme, realisiert in der Propstei St. Gerold, widmet sich 18 der insgesamt 23 erhaltenen Motetten Machauts, die nur äußerst selten aufgenommen werden. Das Hilliard Ensemble stützte sich auf eine Neuausgabe der Stücke, die von Musikwissenschaftlerin Nicky Losseff angefertigt wurde. In ihrem Essay "Machaut and the Language of Pain" beschreibt sie die Motetten als: „voller verborgener Bedeutungen, vielfältiger Kommentare und komplexer musikalischer Prozeduren … Und doch ist es nicht Machauts Raffinesse, sondern seine Fähigkeit, das Herz zu ergreifen, mit der es ihm gelingt, den Hörer auf emotionaler Ebene zu überwältigen.“

Guillaume de Machaut (ca. 1300–1377) wird heute für sein experimentierfreudiges Schaffen bewundert. Als herausragender Künstler der Ars Nova erprobte er neue musikalische Techniken, die den Großteil seines Oeuvres erstaunlich modern erscheinen lassen. Eine der Innovationen in seiner Musik war die Isorhythmie. Ein festes rhythmisches Muster wurde auf einen Cantus firmus angewendet. Dieser fixierte Rhythmus konnte jedoch eine von der Melodie abweichende Notenanzahl aufweisen, jeder Neueinsatz des Rhythmus’ erfolgte dadurch an einer anderen Stelle in der Melodie. Zur Tenorstimme als Basis traten zwei bis drei weitere Oberstimmen hinzu, die jeweils eine eigenen Textpassage vortrugen. Damit brachte de Machaut eine polyphone Kompositionstechnik zum Einsatz, die dem Serialismus des 20. Jahrhunderts vorgreift.

Auch als Poet entfaltete Guillaume de Machaut große Wirkung. Er gilt als einer der letzten Dichter, der in der Tradition von Troubadouren und Trouvères viele seiner eigenen Gedichte vertont hat. Erst heute beginnt die Forschung zu verstehen, dass die von ihm verfassten, zumeist autobiograpisch geprägten und in der Ich-Form geschrieben Liebesverse als spirituelle Gleichnisse zu begreifen sind. Teile des vorliegenden Motetten-Zyklus' tragen „starke religiöse Bezüge in sich, und zeichnen nicht weniger als die Schritte auf dem Weg des Glaubens nach“, so Nicky Losseff in ihrem Begleittext zum Album.

"Guillaume de Machaut: Motets" von The Hilliard Ensemble wurde 2005 für einen Grammy in der Kategorie "Best Chamber Music Performance" nominiert und fand Erwähnung in der Bestenliste 2/2004 des Preises der deutschen Schallplattenkritik. „Das Hilliard Ensemble führt das fragile Gebilde aus strenger Linearität und emotionalem Ausdruck zu betörender Wirkung“, befand die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Besprechung des Albums.

In diesem Player hören Sie Stücke aus den Alben, die in unsere Jubiläums-Serie vorgestellt worden sind:


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