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OneRepublic, OneRepublic kommen nach Deutschland - und wir verlosen das aktuelle Album Oh My My auf Vinyl
OneRepublic

OneRepublic kommen nach Deutschland - und wir verlosen das aktuelle Album "Oh My My" auf Vinyl

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09.02.2017
Rafal Blechacz

Soghaft – Rafał Blechacz spielt Bach

Seit er im Jahre 2005 den Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau gewann, gilt Rafał Blechacz als einer der größten Hoffnungsträger der jungen Pianistengeneration. Jetzt widmet er sich einem seiner Lieblingskomponisten: Bach.

Rafal Blechacz, Soghaft – Rafał Blechacz spielt Bach © Marco Borggreve

Rafał Blechacz ist einer der triumphalsten Gewinner des renommierten Chopin-Wettbewerbs von Warschau. Die Juroren waren so überwältigt von seinem Spiel, dass sie im Jahre 2005 keinen zweiten Preis vergaben. Sie wollten zum Ausdruck bringen, dass Blechacz eine Klasse für sich ist: unvergleichlich, in nicht zu erklimmenden Höhen unterwegs.

Doch Rafał Blechacz pflegt ein sympathisches Understatement und führt ein eher zurückgezogenes, ganz und gar der Musik gewidmetes Leben. Das steigert die Spannung, mit der auf Neuerscheinungen des polnischen Pianisten reagiert wird, natürlich umso mehr, zumal seine bisherigen Veröffentlichungen stets Bestnoten erhielten und unter Klavierkennern als wahre Geheimtipps gelten.

Eine andere Liga: Rafał Blechacz

Jetzt ist es wieder soweit: Ein neues Album von Rafał Blechacz kommt auf den Markt, und wieder sprengt der polnische Meisterpianist sämtliche Kategorien. Diesmal spielt er Johann Sebastian Bach, und er tut dies mit einer solchen Leidenschaft, dass man davon regelrecht überwältigt wird. So lebhaft, so natürlich und klar hat man Bach selten gehört. Meist geht eine der Dimensionen verloren. Wer Bach besonders klar spielt, der droht den natürlichen Fluss zu opfern.

Bei anderen Pianisten geht eine lebhafte, enthusiastische Interpretation nicht selten auf Kosten der entspannten Natürlichkeit. Nicht so bei Blechacz: Ihm gelingt die Quadratur des Kreises. Sein Spiel fließt sanft dahin. Zugleich kommen die Harmonien von Bach differenziert zur Geltung. Und die emotionale Lebhaftigkeit von Rafał Blechacz ist einfach hinreißend. Das zeigt sich schon zu Beginn des neuen Albums. Blechacz legt mit Bachs Italienischem Konzert gleich richtig los. Der erste Satz ist von enormer tänzerischer Energie.  

Soghaftes Spiel: Ein Bach-Album nach Maß  

Im zweiten Satz schaltet Blechacz dann sofort zwei Gänge zurück. Jedem einzelnen Ton wird hier Beachtung geschenkt, und das verleiht dem Andante eine ergreifende Würde. Im dritten Satz kehrt der tänzerische Furor zurück, und der fällt wahrhaft mitreißend aus. Überaus sanft geht Rafał Blechacz dagegen mit den Partiten in B-Dur und a-Moll um. Er lässt sie über weite Strecken sanft fließen und betont ihre lyrische Qualität. Das tänzerische Moment tritt dabei, ohne je zu verschwinden, sacht in den Hintergrund.

Pointiert spielt Blechacz die vier Duette. Hier zeigt sich, wie glänzend er sich auf harmonische Klarheit versteht. Elektrisierend modern dagegen: die Fantasie und Fuge in a-Moll. Die Fantasie mutet fast wie ein Impromptu von Franz Schubert an, so visionär klingen ihre Harmonien und so weich fließt sie dahin. Die Fuge nimmt dann ungewöhnlich an Fahrt auf. Das ist fast schon zu schnell, möchte man meinen. Doch je länger man hinhört, desto mehr erschließt sich die Entscheidung des Pianisten.

Das Album endet still und andächtig mit dem von Myra Hess für Klavier transkribierten Choral Jesus bleibet meine Freude. Hier gewinnt die Diskretion, das erstaunlich frühreife Understatement des Pianisten wieder die Oberhand. Es ist, als verschwände Blechacz heimlich von der Bühne, als wollte er sagen: Ist alles kein Ding. Ich geh dann mal wieder. Dem Hörer drängt sich indes ein Zitat von John O’Connor auf: "Blechacz ist einer der großartigsten Künstler, die ich je in meinem Leben gehört habe."             


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02.02.2017
Andreas Ottensamer

"New Era" - Andreas Ottensamer präsentiert sein Debütalbum bei Decca

Für sein erstes Album im Hause Decca hat Andreas Ottensamer sich zwei renommierte Kollegen ins Boot geholt. Gemeinsam zelebrieren Emmanuel Pahud, Albrecht Mayer und Andreas Ottensamer Konzerte aus dem 18. Jahrhundert.

Andreas Ottensamer, New Era -  Andreas Ottensamer präsentiert sein Debütalbum bei Decca © Katja Ruge / Decca

Andreas Ottensamer ist der erste Klarinettist, den Decca exklusiv unter Vertrag nimmt. In den neuen Aufnahmen für das Label legt er den Fokus auf musikalische Schätze des 18. Jahrhunderts. Herausgekommen ist ein Album, das wie eine musikalische Visitenkarte Andreas Ottensamers künstlerische Vorzüge zum Ausdruck bringt.

Solistischer Funkenschlag

In den Klarinettenkonzerten von Johann und Carl Philipp Stamitz sowie in Arrangements verschiedener Mozart-Arien lässt Andreas Ottensamer alle klanglichen Facetten seines Instruments aufleuchten. In Franz Danzis Fantasie über die Arie "Lá ci darem la mano" aus Mozarts Oper "Don Giovanni" blitzt seine brillante Virtuosität auf und er lässt spielerisch die Töne tanzen, in den langsamen Sätzen der Konzerte spinnt er mit der Klarinette mit berührender Intensität und Zartheit lyrische Kantilenen. Die Kammerakademie Potsdam begleitet den Solisten mit hellwachen Sinnen und lässt sich auf alle dynamischen Feinheiten und jede agogische Wendung ein.

Die Mannheimer Wiege der Klarinette

Ganz nebenbei lädt das Album auch auf eine kleine Reise in die Vergangenheit der Klarinette ein, die sich seit ihrer Ent­wick­lung um 1700 schnell unter den Komponisten zu einem beliebten Instrument entwickelt hat, das unter anderem W.A. Mozart in Begeisterung versetzte. Das Klarinettenkonzert von Johann Stamitz ist eines frühesten Klarinettenkonzerte der Musikgeschichte. Vater Johann und Sohn Carl Phil­ipp Stamitz waren wich­tige Ver­tre­ter der "Mann­hei­mer Schule", die in der zweiten Hälfte des 18. Jahr­hun­derts einer der bedeu­tends­ten Ent­wick­lungs­stand­orte der Kla­ri­nette war. Ins­ge­samt elf Kon­zerte für Kla­ri­nette und Orches­ter hat Carl Stamitz geschrieben. Andreas Ottensamer beschließt sein Album mit dem Konzert Nr. 7 in Es-Dur, das im finalen Rondeau vor lebhafter Leichtigkeit übersprudelt.

Glänzendes Zusammenspiel

Als Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker und leidenschaftlicher Solist hat Andreas Ottensamer sich bereits mit 27 Jahren ein reiches Repertoire erspielt. Gemeinsam mit seinen Berliner Orchesterkollegen, dem Oboisten Albrecht Mayer und dem Flötisten Emmanuel Pahud, ist der Klarinettist nun für sein Album "New Era" in die Holzbläser-Konzerte des 18. Jahrhunderts eingetaucht. Mit dem Konzert für Klarinette, Fagott und Orchester in B-Dur op. 47 von Franz Danzi zollen Andreas Ottensamer und Albrecht Mayer in ihrer Bearbeitung für Klarinette und Englischhorn einem weiteren Vertreter der Mannheimer Schule Respekt und werfen sich im ausgewogenen Zusammenspiel musikalisch die Bälle zu. Der Flötist Emmanuel Pahud hat gemeinsam mit Andreas Ottensamer zwei Arien von Wolfgang Amadeus Mozart eingespielt. In "Se viver non degg’io" aus "Mitridate" und "Batti batti o bel Masetto" aus der Oper “Don Giovanni” lassen die beiden Musiker ihre Instrumente singen.

Emmanuel Pahud, Albrecht Mayer und Andreas Ottensamer sind so etwas wie die drei Musketiere der Holzbläserzunft. Ihr bunter Klangfarbenmix von Klarinette, Oboe und Flöte verströmt eine große Portion leichtfüßiger Spielfreude und macht das Album zu einem echten musikalischen Hochgenuss.

 


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02.02.2017
Aida Garifullina

Strahlende Diva – Solodebut von Aida Garifullina

Für Plácido Domingo ist sie "eine der aufregendsten Operndiven von heute". Jetzt veröffentlicht Aida Garifullina ihr Solodebut bei Decca: ergreifende Arien von Tschaikowsky, Rachmaninow, Rimski-Korsakow und anderen.

Aida Garifullina, Strahlende Diva – Solodebut von Aida Garifullina © Decca / Simon Fowler

Was für ein Jahr liegt hinter Aida Garifullina! An der Wiener Staatsoper festigte sie ihren Ruf als eine der verheißungsvollsten Jungsopranistinnen der Gegenwart. Beim Bastille Day Concert in Paris sang die junge Frau, die aus ihrem Lampenfieber keinen Hehl macht, für Millionen von Zuschauern. Schließlich ging sie noch mit Andrea Bocelli auf US-Tournee und war neben Meryl Streep und Hugh Grant in dem hochkarätigen Kinofilm Florence Foster Jenkins auf Leinwand zu erleben.

Mehr geht nicht, und es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass 2016 das Jahr der Aida Garifullina war. Sie bewies ihre außerordentliche Bühnenbegabung mit allen Fasern ihrer Künstlerpersönlichkeit. Dabei scheint ihr das Schauspieltalent in die Wiege gelegt, und ihr ungewöhnlich warm und satt anmutender Sopran verleiht ihr eine ureigene Ausdruckskraft. Was bislang noch fehlte, um die steile Karriere der jungen Sängerin vollständig zu machen, war ein Soloalbum.

Überwältigende Gefühlsmacht: Aida Garifullina

Ein solches Album liegt jetzt vor. Decca hat soeben das Solodebut der 1987 in Kasan, im Herzen der damaligen Sowjetrepublik Tatarstan geborenen Starsopranistin veröffentlicht. Und wie bei allem, was sie bislang angefasst hat, beweist Aida Garifullina auch hier ein glückliches Händchen. Es ist nicht allein ihr betörender Gesang, die überwältigende Gefühlsmacht ihres Ausdrucks, die das Album zu einem absoluten Hochgenuss macht. Eigenwillig und reizvoll ist auch die Zusammenstellung.

Aida Garifullina hat die Arien für das Album, das sie in Wien gemeinsam mit dem ORF Radio-Symphonieorchester aufgenommen hat, selbst ausgesucht. Sie spiegeln ihren bisherigen Werdegang und waren wichtige Wegbegleiter ihrer künstlerischen Entwicklung. Das zeigt sich gleich zu Beginn des Albums mit Gounods lebensfroher Arie "Je veux vivre". Mit ihr zog Aida das Publikum des Wiener und Dresdner Opernballs völlig in ihren Bann.

Breitgefächertes Repertoire: Klassische Arien, Volkslied und Ballade

Aida Garifullina singt die Arie hinreißend leicht und tänzerisch. In jedem Augenblick spürt man, dass sie weiß, wovon sie singt, dass sie selbst auch von unbändiger Lebenslust durchdrungen ist. Die darauffolgende "Glöckchenarie" von Léo Delibes ist ein weiterer Meilenstein ihrer Karriere. Mit der ebenso tückischen wie mitreißenden Bravourarie glänzte sie in Stephen Frears' Film Florence Foster Jenkins.

Ein besonderes Verhältnis hat Aida Garifullina zu tiefsinniger, melancholischer Gesangskunst. So liebt sie die Melodie aus Rachmaninows "Vocalise", die sie hingebungsvoll fließen lässt. Hier nimmt sie sich ein Beispiel an der großen Filmschauspielerin und Meistersopranistin Anna Moffo. "Ich wollte bittersüße Traurigkeit, Qual und unerfüllte Hoffnungen genauso wunderbar ausdrücken wie sie", so die junge Sängerin.

Bei dem russischen Repertoire spürt man, wie wohl sie sich darin fühlt. Hier ist sie zuhause. Hier kann sie sich ganz fallen lassen. Rimski-Korsakows Schneeflöckchen-Arie hat sie schon als Kind gesungen, und die Ballade von den Moskauer Nächten ist ihr seit jeher wohlvertraut. Entsprechend inniglich klingen ihre Interpretationen. Eine besondere Perle: "Allüki", ein tatarisches Volkslied, in das sie sich ganz hineinbegibt. Atemberaubend!


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02.02.2017
Ralph Towner

Ralph Towner - Amalgam aus Bill Evans, brasilianischer Musik und klassischer Gitarre

Erstmals in zehn Jahren legt der Gitarrist Ralph Towner mit "My Foolish Heart" bei ECM wieder eines seiner faszinierenden autobiographischen Soloalben vor.

Ralph Towner, Ralph Towner - Amalgam aus Bill Evans, brasilianischer Musik und klassischer Gitarre © Caterina di Perri / ECM Records

In der umfangreichen Diskographie des Gitarristen Ralph Towner nehmen Soloaufnahmen einen besonderen Platz ein. Die erste, die er 1973 bei ECM Records veröffentlichte, trug den programmatischen Titel "Diary". Auch die folgenden Soloeinspielungen (die Liste umfasst "Solo Concert", "Ana", "Anthem" und "Time Line") hatten einen entschieden autobiographischen, tagebuchähnlichen Charakter. Diese Alben offenbarten stets am deutlichsten, von welchen Haupteinflüssen Towners Musik durchdrungen ist. Nun legt er mit "My Foolish Heart" erstmals in zehn Jahren wieder ein solches Album vor.

"'My Foolish Heart', der Titelsong dieses Albums, übte einen immensen Einfluss auf mein musikalisches Leben und das vieler Kollegen in der Welt des Jazz und der Improvisation aus", teilt Towner im Begleittext zu der CD mit. "Die bahnbrechende Version von Bill Evans, Scott LaFaro und Paul Motian brachte mich auf die Idee zu versuchen, die Magie dieses Trios bei meinen eigenen Versuchen auf dem Klavier einzufangen, und später auch auf der klassischen Gitarre, als diese mein Hauptinstrument wurde. Ich wollte unbedingt wissen, wie es war, sich in einem solchen ehrerbietigen musikalischen Raum zu bewegen. Jetzt, viele Jahre später, fasste ich den Entschluss, diesem Song wieder einen Besuch abzustatten und ihn zusammen mit einer Auswahl meiner eigenen Stücke zu präsentieren. Ich hoffe, dass die Inspiration, die ich aus der ersten Begegnung mit dem Stück schöpfte, in all der Musik reflektiert wird, die ich spiele."

Die Herausforderung war, wie Towner einmal erklärte, "die Interaktionen eines kleinen Ensembles auf die Gitarre selbst zu übertragen". In seinem Werk laufen drei Linien von Einflüssen zusammen: Evans' Auffassung von Jazz, brasilianische Musik - Towners Haupteinfluss in den 1960er Jahren - und die klassische Gitarre. "Im Laufe der Jahre adaptierte ich jeden dieser Einflüsse auf meine Art. Ich abstrahierte und modifizierte sie, bis die Quellen nicht mehr länger erkennbar waren, und ich fand so, fast ohne es zu bemerken, zu einer ganz eigenen Ausdrucksweise." Erweitert hat er sein eigenes Idiom noch durch das Spiel auf einer zwölfsaitigen Gitarre. Auf ihr unternimmt er Experimente mit unterschiedlichen Stimmungen und erzeugt so eine evokative Klangfülle und Atmosphäre. Auf dem neuen Album setzt er die zwölfsaitige Gitarre in dem mysteriösen "Clarion Call" und der schwebenden Miniatur "Biding Time" ein.

Ein weiteres hervorstechendes Stück ist "Blue As In Bley", eine einfühlsame Hommage an den Pianisten Paul Bley, der einen Monat, bevor Towner diese Session machte, starb. Towners Spielweise, sowohl auf der klassischen als auch der zwölfsaitigen Gitarre, ist sofort identifizierbar. "Niemand spielt Gitarre wie Ralph Towner", bemerkte sein Instrumentalkollege Scott Nygaard einmal. "Dass seine Kompositionen oft 'klassisch' klingen (sie kombinieren eine Neigung für barocke Stimmführung, Strawinskianische Harmonien und ungerade Taktarten mit seinem eigenen, ausgeprägten Sinn für Melodie) liegt primär daran, dass jedes Stück organisch und elegant aus einer Grundidee erwächst." Towners Formgefühl war schon immer eine seiner Stärken. Das unterstreichen hier "Shard" und "Rewind", zwei ältere Kompositionen aus dem frühen Oregon-Repertoire.


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26.01.2017
Víkingur Ólafsson

"Philip Glass: Piano Works" - Víkingur Ólafssons soghafte Hommage an den Meister der Minimal Music

Pünktlich zum 80. Geburtstag von Philip Glass erscheint ein Aufsehen erregendes Album des isländischen Pianisten Víkingur Ólafsson.

Víkingur Ólafsson, Philip Glass: Piano Works - Víkingur Ólafssons soghafte Hommage an den Meister der Minimal Music © Ari Magg / DG

Die eindringliche und betörende Wirkung der Werke von Philip Glass ist längst Kult. Am 31. Januar feiert der amerikanische Komponist seinen 80. Geburtstag und passend zu diesem Jubiläum erscheint bei Deutsche Grammophon das Debutalbum des isländischen Pianisten Víkingur Ólafsson. "Philip Glass: Piano Works" lautet der schlichte Titel dieses faszinierenden Opus', das die Klavieretüden des legendären Minimal-Music-Schöpfers ins Zentrum stellt und sie mit packender Dichte und Kompromisslosigkeit durchdringt und ausleuchtet. Am 27. Januar wird das Album veröffentlicht.

Eine musikalische Meditation über die Zeit

"Musik ist ein Ort, der so real ist wie jeder andere Ort, an dem du schon einmal gewesen bist", hat der Komponist Philip Glass einmal über die Welt der Töne gesagt. In seinen eigenen Stücken hebt er durch das Spiel mit wiederkehrenden melodischen Pattern und kreisenden Rhythmen nicht selten Zeit und Raum aus den Angeln und kreiert so einen flirrenden Kosmos, der beim Hörer farbenreiche innere Bilder entstehen lässt. Mit den Klavieretüden von Glass finden sich auf dem neuen Album vielschichtige und sinnliche Werke von sehr unterschiedlichem Charakter, wobei ihr Spektrum von innig meditativen Klanggemälden bis hin zu emotional aufwühlenden und virtuos durchkomponierten Etüden von großer Expressivität reicht. Ergänzt werden die Klavieretüden durch eindrucksvolle Reworks von Werken von Philip Glass durch Christian Badzura. In keinem Moment verharrt die Musik von Glass dabei im unterkühlt intellektuellen Bereich. Stattdessen entfaltet sie in ihrer eindringlichen und intensiven Tonsprache eine soghafte Wirkung, deren Kraft und Zauber sich im Laufe des Albums immer stärker offenbaren.

Virtuoser Klangkünstler und feinsinniger Interpret: Víkingur Ólafsson begeistert auf seinem Debutalbum mit faszinierender Reife in seinem Spiel

Der Pianist Víkingur Ólafsson, der erst jüngst als Exklusivkünstler bei Deutsche Grammophon unter Vertrag genommen wurde, hat sich für sein Album "Philip Glass: Piano Works" intensiv mit dem außergewöhnlichen Werk des Komponisten beschäftigt und im persönlichen Austausch mit Glass einen ganz besonderen Blick auf dessen Stücke gewonnen. So sagt er über die musikalische Struktur der Etüden: „Oberflächlich betrachtet scheinen sie voller Wiederholungen zu sein. Aber je mehr man sie spielt und über sie nachdenkt, desto mehr scheinen sich ihre Narrative gleich einer Spirale vorwärts zu drehen. Solange sich die Zeit weiter vorwärts bewegt, hören wir nie zweimal die gleiche Musik, selbst wenn die Klangfolgen auf dem Papier gleich aussehen“. Mit seiner derartigen Interpretation der Klavieretüden von Philip Glass gelingt dem 32-jährigen Musiker nichts weniger als ein pianistisches Meisterwerk von tiefer Emotionalität und mitreißender Kraft. Die kreisende Wiederkehr des musikalischen Materials wird unter seinen Händen als Art musikalischer Wiedergeburt erlebbar, wobei sich die schillernden Klangfarben und Stimmungen im Laufe der Zeit immer wieder neu formieren. Mit filigraner und sensibler Anschlagskultur, einer großen Wärme in der Tongebung und der akribischen Durchdringung der einzelnen Klangschichtungen und Muster erweckt Ólafsson die Etüden vielfältig und spannungsvoll zum Leben und erweist dem legendären Komponisten zu seinem 80. Geburtstag eindrucksvoll die Ehre. 


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25.01.2017
Max Richter

Heiß ersehnt – Das neue Album von Max Richter

Seine Fangemeinde kann es kaum noch erwarten. Nach dem großen Erfolg von "Sleep" fiebert das Publikum weltweit dem neuen Album von Max Richter entgegen. Jetzt ist es soweit: "Three Worlds: music from Woolf Works" wird veröffentlicht.

Max Richter, Heiß ersehnt – Das neue Album von Max Richter © Yulia Mahr

Max Richter ist einer der kühnsten Grenzgänger. Er wandelt beinahe blind auf dem schmalen Grat zwischen klassischer und elektronischer Musik. Als ob es das Selbstverständlichste von der Welt sei, verbindet er Klangsprachen, die sich höchst unterschiedlichen Musikstilen verdanken. Sein Geheimnis: Er trifft den Ton unserer Zeit. Ohne sich anzubiedern, schmiegt er sich dem urbanen, dem modernen Lebensgefühl des Menschen an. Dabei spürt er ein wachsendes Bedürfnis nach Romantik.

Es gibt diese moderne Sehnsucht nach Einkehr, nach träumerischer Stille. Einfache Melodien sind nicht passé. Eine reduzierte Klangpoesie, die elementare Erfahrungen des Menschen zum Ausdruck bringt, berührt uns. Bei Max Richter treten seelische Regungen zutage. Man hört seiner Musik an, ob sie träumt oder wach ist, ob sie Gefühle der Freude oder des Schmerzes verströmt. Seine gedehnten Ambientsounds beschränken sich nicht auf das sphärische Rauschen der Zeit. Sie zielen auf das Gefühlsleben des Menschen.

Ergreifendes Stilelement: Die Stimme von Virginia Woolf

Mit seinem neuen Album beweist Max Richter eindrucksvoll, wie nahe seine Musik an fundamentale Emotionen des Menschen heranrückt. "Three Worlds: music from Woolf Works" spürt dem Erzählwerk der britischen Schriftstellerin Virginia Woolf nach. Das Album vereint Musik, die der Avantgarde-Komponist zu Wayne McGregors gefeierter Ballett-Produktion Woolf Works am Royal Opera House London beigesteuert hat. Max Richter lässt die Dichterin selbst zu Wort kommen.

Er ist bei den Recherchen zu dem Projekt auf eine uralte Aufnahme von Virginia Woolf gestoßen. "Es ist die einzige Aufnahme, die überlebt hat", so der Komponist euphorisch, und sie funktioniert wie eine "Zeitmaschine, die uns erlaubt, Woolfs Stimme und ihren wunderbaren Gebrauch von Sprache zu vernehmen". Gleich zu Beginn des Albums hört man Virginia Woolf lesen und lauscht ergriffen der rhythmischen Poesie ihrer Rede. Max Richter unterlegt die Lektüre der Dichterin mit dem Glockenspiel von Big Ben und Straßengeräuschen von London.

Hereinbrechende Wellen: Liebe und Abschied

Wie selbstverständlich finden diese drei Elemente zueinander: Die Stimme der Dichterin schmiegt sich dem Glockenschlag von Big Ben und der Straßenatmosphäre natürlich an. Max Richter bringt hier Klangelemente zusammen, die von sich aus zueinanderpassen. Der Beginn des Albums wirkt dabei wie ein Intro. Der Takt ist nun angeschlagen, und es folgt mit "In the garden" eine ergreifende, romantisch-verträumte Geigenmelodie, die sich sanft über eine diskrete Klavierbegleitung legt.

Noch immer klingt einem dabei die Stimme von Virginia Woolf in den Ohren. Es scheint, als ob Max Richter aus ihr die gesamte Ballettmusik entwickelt hat. Dabei kompiliert er in bekannter Manier solistische und orchestrale Episoden, elektronische Texturen und Musik für Sopran ohne Worte. In "Entropy" klingt das eher sphärisch, während "War Anthem" einen elegischen Orchesterton anschlägt, der in seiner filmisch-epischen Großzügigkeit beeindruckt.

Ans Eingemachte geht Max Richter mit "Tuesday". Hier liest Gillian Anderson, vielen bekannt aus der Fernsehserie Akte X, den ergreifenden Abschiedsbrief von Virginia Woolf an ihren Ehemann vor. Dazu hört man den Klang hereinbrechender Wellen. Sofort fühlt man sich gehalten, über das eigene Leben nachzudenken, wie überhaupt das ganze neue Album von Max Richter eine großartige Einladung ist, die Zeit anzuhalten und sich nicht mehr von nebensächlichen Dingen ablenken zu lassen. Bei Virginia Woolf geht es ums Ganze: um Liebe und Leidenschaft, um Treue und Abschied.   


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25.01.2017
Riccardo Chailly

Elektrisierende Heimspiele - Decca präsentiert Riccardo Chaillys jüngste Aufnahmen mit der Filarmonica Della Scala

Seit 2015 ist Riccardo Chailly Musikdirektor der Mailänder Scala. Unter seiner Leitung sind seitdem visionäre Aufnahmen am Pult der Filarmonia Della Scala entstanden, die nun bei Decca erscheinen.

Riccardo Chailly, Elektrisierende Heimspiele - Decca präsentiert Riccardo Chaillys jüngste Aufnahmen mit der Filarmonica Della Scala © Silvia Lelli

Mit dem Album hat Riccardo Chailly sich den Wunsch erfüllt, viele bedeutende instrumentale Werke aus der Feder großer italienischer Opernkomponisten einzuspielen, die einst in seiner Heimatstadt an der Mailänder Scala zum ersten Mal zur Aufführung gebracht worden sind. Darunter tummeln sich u.a. Ouvertüren von Bellini, Donizetti, Verdi und Rossini, Intermezzi von Leoncavallo und Puccini sowie Amilcare Ponchiellis verspielter "Tanz der Stunden". Romantisch, veristisch und  voller Gefühl! Alle Titel tragen die emotionale Intensität der italienischen Oper in sich und zeichnen sich durch die leidenschaftlichen und authentischen Interpretationen von Riccardo Chailly aus, der hier spürbar ganz in seinem Element ist. Gleichzeitig wird das Album zu einem spannenden Porträt des Mailänder Opernhauses über drei Jahrzehnte und dokumentiert Riccardo Chaillys lustvolle Reise durch das Repertoire.

Turandot feat. Berio

Die Decca hat noch ein weiteres musikalisches Goldstück aus dem Hut gezaubert, das die Herzen der Opernliebhaber höher schlagen lassen wird. Giacomo Puccini selbst vermochte seine Oper "Turandot" nicht zu vollenden, sein Schüler Franco Alfano hat das furiose Finale nach seinem Tod geschrieben, während Arturo Toscanini ihm dabei über die Schulter blickte. 2015 stand "Turandot" jedoch an der Mailänder Scala mit einem neuen, von Lucio Berio komponierten Ende auf dem Programm, das bereits 2001 unter den Fittichen von Riccardo Chailly in Auftrag gegeben worden war. Die schwedische Sopranistin Nina Stemme präsentiert sich dabei in der Titelrolle mit dramatischer Strahlkraft, Maria Agresta bezaubert als Liù an der Seite von Aleksandrs Antonenko, der als Prinz Calaf rundum überzeugt und in Chaillys flotten Tempi zur Höchstform aufläuft.

Glücklicherweise wurde die sensationelle Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff auf DVD und Blu-ray festgehalten und gibt den Startschuss zu einem Zyklus aller Puccini Opern auf DVD unter Chaillys Leitung.

 


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23.01.2017
Maurizio Pollini

Immer und ewig - Maurizio Pollini interpretiert späte Werke von Frédéric Chopin

Das Album konzentriert sich auf späte Werke von Frédéric Chopin und fängt Maurizio Pollinis langjährige und innige Verbundenheit zu seinen Kompositionen ein.

Maurizio Pollini, Immer und ewig - Maurizio Pollini interpretiert späte Werke von Frédéric Chopin © Cosimo Filippini / DG

Die Karriere von Maurizio Pollini ist eng mit der Musik von Frédéric Chopin verknüpft. Die sinnliche Brillanz der Harmonien und die poetische Virtuosität, die Chopins Werke herausfordern, liegen dem italienischen Pianisten im Blut, der Anfang Januar seinen 75. Geburtstag feiern konnte. Bereits 1960 konnte er mit 18 Jahren den renommierten internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau für sich entscheiden und sich mit der Musik des polnischen Komponisten auf den Olymp der Konzertpianisten katapultieren. Diesen Spitzenplatz hat er seitdem inne und veröffentlicht nun mit dem Album "Chopin – Late Works, op. 59 – 64" im Hause Deutsche Grammophon eine weitere Ode an Chopin, die von einem tiefen Verständnis für dessen musikalische Sprache durchdrungen ist.

Zarte Stärke - tosende Stille

Chopins Musik steckt voller Kontraste und sinnlicher Überraschungsmomente. Maurizio Pollini führt die Ohren als formvollendeter Grandseigneur an den Tasten mit gelassener Eleganz durch Chopins Wunderland. Ob im furiosen Walzer Nr. 2 in cis-Moll, oder in der der sich rauschhaft steigernden Polonaise-Fantasie in As-Dur: Pollini lässt die Töne perlen und sprechen und die Zartheit eines Moments im Nu zu tosender Stärke aufblühen. Unter seinen Händen wird Chopins Musik betörend lebendig und wechselt ihre Farben von innerem Leuchten zu expressiver Strahlkraft.

Die Barcarolle op. 60 eröffnet das Album mit einer Prise raffinierter Harmonik und lyrischem Feinsinn. Die Mazurken op. 59 tragen Züge polnischer Volksmusik und sind durchdrungen von zarten Erinnerungen an Chopins Heimat. Melancholische Klänge und harmonische Unruhe bestimmen das Wesen der Nocturnes op. 62, während Chopin in den drei Mazurken Opus 63 wiederum vor jugendlicher Frische übersprudelt und in den Walzern Opus 64 ganz unterschiedliche Gefühlsregungen zum Ausdruck bringt, die sich in unvorhersehbaren Wendungen in der Musik widerspiegeln.

Späte Werke - frische Aufnahmen

Sämtliche Etüden hat Maurizio Pollini bereits 1972 für die Deutsche Grammophon eingespielt, es folgte eine ganze Reihe filigraner Chopin-Zyklen: die Préludes, die Polonaisen, die Balladen, die Nocturnes sowie ausgewählte Mazurken, Walzer und Scherzi. Das neue Album fokussiert sich auf die Werke op. 59 – 64, die für Chopins letzte Schaffensphase stehen und seine kompositorische Experimentierfreude in dieser Zeit in den Mittelpunkt stellen. Als leidenschaftlicher Vermittler von Chopins musikalischer Sprache ist Maurizio Pollini für die neu entstandenen Aufnahmen tief in Chopins dichte und polyphone Klangwelt eingetaucht und bringt dort auch tragische und abgründige Zwischentöne zum Ausdruck, die unter der Oberfläche der virtuosen Kapriolen verborgen sind.

Maurizio Pollini begegnet den kompositorischen Visionen in Chopins späten Werken mit kühnen Interpretationen, die eine ganz persönliche unerschrockene Annäherung an die Werke offenbaren und jeder romantischen Verklärtheit eine Absage erteilen. Er beschließt das Album dann auch nicht mit großem Getöse, sondern mit der geheimnisvollen, sinnlichen Mazurka op. 68 Nr. 4, die Chopin kurz vor seinem Tod geschrieben hat und findet damit ganz unprätentiös zu einem zutiefst berührenden Abschluss.

 


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19.01.2017
Diverse Künstler

Aristokrat des Cellos – Gesamtedition von Pierre Fournier

Er galt als nobler "Grandseigneur unter den Cellisten von Weltruf" (Die Spiegel). Jetzt veröffentlicht Deutsche Grammophon sämtliche Aufnahmen, die Pierre Fournier für das Gelblabel getätigt hat, darunter Klassiker wie Bachs Cellosuiten.

Diverse Künstler, Aristokrat des Cellos – Gesamtedition von Pierre Fournier © Siegfried Lauterwasser / DG

Sein Ton war von einer solchen Wärme und poetischen Ausdruckskraft, dass sein Publikum kaum genug davon bekommen konnte. Selbst Klassikfans, die von Haus aus keine besondere Nähe zum Cello haben, zog er in seinen Bann. Pierre Fournier verstand es, sich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Wenn er Cello spielte, dann gab es nichts um ihn herum, und dieser Grad an Aufmerksamkeit, an absoluter Fokussiertheit vermittelt sich glänzend in seinen Aufnahmen.

Fournier galt als ebenso höfliche wie unnahbare Persönlichkeit. Umgeben von einer geheimnisvollen Aura, avancierte der Franzose in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Idol der musikalischen Jugend. Seine Kompromisslosigkeit im Dienste der Kunst und seine kühle Eleganz nötigten dem Publikum weltweit Respekt und Bewunderung ab. Wo er hinkam, löste er Begeisterung aus. Dabei verlor er nie den Boden unter den Füßen, sondern suchte stets das richtige Maß.

Jahrhundertcellist: Pierre Fournier (1906–1986)

Auf diese Weise schrieb er Musikgeschichte. Pierre Fournier gilt heute als einer der größten Solisten des 20. Jahrhunderts, seine zeitlosen Aufnahmen verlangen geradezu nach einer umfassenden Ausgabe, die sein Gesamtschaffen in den Blick nimmt. Eine solche liegt jetzt vor. 65 Jahre nach seiner ersten Aufnahme für Decca veröffentlicht Deutsche Grammophon jetzt in einer limitierten Edition sämtliche Einspielungen, die der französische Meistercellist für das Gelblabel, für Decca und für Philips getätigt hat.

Das Resultat ist überwältigend. Wenn man die insgesamt 25 CDs durchhört, wird man von einer Klangschönheit zur nächsten geführt. Pierre Fournier beherrschte das Cello nach allen Regeln der Kunst. Er erkundete sämtliche Ausdrucksmöglichkeiten, die das Instrument ihm bot. Legendär: seine Interpretation der Cellosuiten von Johann Sebastian Bach. Hier bewährt sich die noble Distanz seines Spiels. So intim und individuell er die Cellosuiten interpretiert, er drängt sich nie in den Vordergrund. 

Sanglicher Ton: Hinreißender Spielfluss

Dabei gelingt es ihm mit seinem uneitlen, schnörkellosen Spiel, die erstaunliche Modernität Bachs zu demonstrieren. Nicht minder beeindruckend ist das weitverzweigte romantische Repertoire, das sich in der neuen Sammlung findet.

Egal ob Fournier Beethoven, Brahms oder Schubert, Chopin, Tschaikowsky oder Richard Strauss spielt – stets erschließt er mit schlafwandlerischer Sicherheit den Sinn des jeweiligen Werks und birgt dessen klanglichen Schatz. Sein kontrollierter Zugang versperrt ihm dabei keinesfalls das leidenschaftliche Potenzial der Romantik.

Im Gegenteil, lässt der sangliche Ton, für den er berühmt war, gefühlsstarke Musik umso schöner und klarer erscheinen. Es ist, als wollte er mit dem Cello sagen: Man braucht sich seiner Gefühl nicht zu schämen, und jedes starke Gefühl gründet in einer schönen Melodie. Dafür steht Pierre Fournier, und das macht die jüngste Ausgabe so attraktiv.

Hinzu kommt der edle Rahmen von "The Pierre Fournier Edition. Complete Recordings on Deutsche Grammophon, Decca & Philips". Die Ausgabe enthält ein 64-seitiges Booklet mit einem glänzenden Begleitessay von Jürgen Ostmann. Die CD-Hüllen sind den Covern der Ersterscheinungen nachgebildet, und die seltenen Fotos Pierre Fourniers gewähren faszinierende Einblicke in eine charismatische Künstlerpersönlichkeit.       


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13.01.2017
Various Artists

Joe Henderson - Universalgenie am Tenorsax

Joe Henderson, Joe Henderson - Universalgenie am Tenorsax

"Vielleicht hat Gott gedacht: 'Wenn ich ihm den Erfolg zu früh gebe, wird er ihm zu Kopf steigen'", beantwortete Joe Henderson 1994 verschmitzt die Frage eines Journalisten, weshalb er wohl erst so spät die ihm gebührende Anerkennung gefunden habe. Der Saxophonist war damals 57 Jahre alt geworden und genoss bei Verve Records mit Songbook-Alben wie "Lush Life", "So Near, So Far" und "Double Rainbow" gerade einen überraschenden zweiten Karrierefrühling.

Doch Gott hätte es eigentlich besser wissen sollen. Denn zu Kopf gestiegen waren Henderson, der in einer Familie mit fünf Schwestern und neun Brüdern aufgewachsen war, die Erfolge in seiner Karriere nie. Eine Rolle bei der verspäteten Anerkennung dürfte eher gespielt haben, dass er die Szene betrat, als andere moderne Tenorsaxophonisten wie John Coltrane, Sonny Rollins, Sonny Stitt und Wayne Shorter bereits im Zenit standen und ihn schlichtweg noch ein wenig überstrahlten. Als Tenorist mit einem eigenen Stil machte er trotzdem gleich Eindruck und wurde vor allem auch von seinen Kollegen hochgeschätzt.

Hendersons Karriere als Plattenkünstler lässt sich grob in drei Phasen aufteilen. In den 1960er Jahre wirkte er an bahnbrechenden Blue-Note-Alben von u.a. Kenny Dorham ("Una Mas"), Grant Green ("Idle Moments"), Lee Morgan ("The Sidewinder"), Horace Silver ("Song For My Father") und Freddie Hubbard ("Blue Spirits") mit und machte sich durch eigene Aufnahmen für das Label, aber auch für Verve und Milestone einen guten Namen. In der Zeit von 1970 bis Anfang der 1990er Jahre spielte er zwar eine Reihe exzellenter Soloalben mit namhaften Partnern wie Chick Corea, Ron Carter, Tony Williams, Peter Erskine, Billy Higgins, Charlie Haden, Al Foster, Joachim Kühn und Jack DeJohnette ein, segelte aber unverständlicherweise fast immer unter dem Radar des breiteren Jazzpublikums hindurch.

Die letzte Phase begann schließlich 1992 mit dem erstaunlichen Comeback bei Verve. Auf den fünf Alben, die Henderson bis 1998 für das Label aufnahm, zeigte er noch einmal all seine Facetten und erntete dafür neben vier Grammys endlich auch beim Publikum die Anerkennung als Universalgenie am Tenorsaxophon. In der preiswerten Box "5 Original Albums" werden nun fünf von Hendersons insgesamt sieben Blue-Note-Alben wiederveröffentlicht: drei aus den 1960er Jahren und die beiden Folgen von "The State Of The Tenor" aus dem Jahr 1986. Ausgestattet ist die Box mit dem Original-LP-Artwork, Stecktaschen-CDs und einem attraktiven Schuber.

Joe Henderson, Joe Henderson Our Thing

Our Thing (1964)

Dem Trompeter Kenny Dorham hatte Joe Henderson es zu verdanken, dass er 1963 seinen ersten Plattenvertrag bei Blue Note erhielt. Und er spielte auch eine prominente Rolle auf den ersten drei Soloalben des Saxophonisten. In klassischer Hard-Bop-Besetzung entstand 1963 das Album "Our Thing", zu dem Dorham drei Kompositionen beisteuerte, während der Opener "Teeter Totter" und das Titelstück auf Hendersons Konto gingen. Die Rhythmusgruppe hinter den beiden traumhaft harmonierenden Bläsern bildeten Pianist Andrew Hill, Bassist Eddie Khan und Drummer Pete La Roca.

Joe Henderson, Joe Henderson inn out

In 'n Out (1965)

Dass die Musik des Albums "In 'n Out" 1964 einen deutlich "coltranesken" Einschlag erhielt, lag nicht etwa daran, dass Joe Henderson plötzlich versuchte, seinen großen Kollegen zu kopieren. Der Einfluss war vielmehr auf McCoy Tyner und Elvin Jones zurückzuführen, die damals noch feste Mitglieder des legendären John Coltrane Quartet waren. Beide verliehen der Musik von "In 'n Out" oft deutlich mehr Biss und Aggressivität: der Pianist mit den für ihn typischen sperrigen Blockakkorden und der Schlagzeuger mit seinen komplexen, hart pulsierenden Rhythmen. Kongenial ergänzt wurden sie von Bassist Richard Davis. Mit von der Partie war auch erneut Kenny Dorham.

Joe Henderson, Joe Henderson Inner Urge

Inner Urge (1966)

"Inner Urge" war das erste Soloalbum, das Henderson ohne seinen Mentor Kenny Dorham aufnahm. Statt ihn durch einen anderen Trompeter zu ersetzen, machte Henderson die Session in Rudy Van Gelders Tonstudio im Quartett mit Tyner, Jones und Bassist Bob Cranshaw. Der "innere Drang", der dem Album seinen Titel gab, trieb Henderson zu einer absoluten Höchstleistung an. Nur neun Tage später sollte am selben Ort auch Coltrane seinem inneren Drang folgen und mit Tyner, Jones sowie Bassist Jimmy Garrison ein ebenfalls besonders leidenschaftliches Album einspielen: "A Love Supreme".

Joe Henderson, Joe Henderson The State Of Tenor

The State Of The Tenor Vol. 1 & 2 (1986)

Die beiden Alben, die im November 1985 live im Village Vanguard aufgezeichnet wurden, markierten die (allerdings nur kurzfristige) Rückkehr zu dem Label, bei dem Henderson 1963 seine Solokarriere begann. Im Trio mit Bassist Ron Carter und Schlagzeuger Al Foster zollt der Tenorsaxophonist hier seinem Freund und Kollegen Sonny Rollins Tribut, mit einem farbenprächtigen und abwechslungsreichen Repertoire, das neben Eigenkompositionen und ein paar Standards auch Stücke von Sam Rivers, Thelonious Monk, Duke Ellington, Charlie Parker, Charles Mingus und Horace Silver enthält.


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