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Víkingur Ólafsson, Zauberhafte Klaviermelodien – gewinnen Sie die neue Vinyl von Víkingur Ólafsson
Víkingur Ólafsson

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20.04.2017
Aaron Parks

Aaron Parks - Musik mit ozeanischen Qualitäten und in der Luft hängenden Noten

Drei weibliche Jazzikonen standen dem Pianisten Aaron Parks bei seinem neuen Album "Find The Way" Pate: Alice Coltrane, Rosemary Clooney und vor allem Shirley Horn.

Aaron Parks, Aaron Parks  - Musik mit ozeanischen Qualitäten und in der Luft hängenden Noten © BART BABINSKI / ECM RECORDS

Bei seinem ECM-Debüt "Arborescence" präsentierte sich Aaron Parks vor vier Jahren als Solist. Die JazzTimes nannte das Album damals "mitteilsam, impressionistisch... wie eine Visionssuche". Für die Einspielung seines zweiten ECM-Albums "Find The Way" tat sich der Pianist nun mit Bassist Ben Street und Schlagzeuger Billy Hart zusammen. Die beiden kombinieren in ihrem Spiel Fluidität und Kraft mit etwas, das Parks "eine ozeanische Qualität" nennt: sie kreieren Energiewellen, auf denen der Pianist wahlweise reitet oder in die er hineintaucht. "Find the Way" besitzt die Aura einer klassischen Piano-Trio-Aufnahme: vom melodiereichen Opener "Adrift" bis zur Schlussnummer, die dem Album den Titel gab und eine Coverversion eines Liebesliedes ist, das Parks auf einer LP von Rosemary Clooney und Nelson Riddle entdeckte. Inspiration für dieses Album bezog der Pianist außerdem von Alice Coltrane und Shirley Horn.

Mit Ben Street spielte der Pianist einst in der Band des Gitarristen Kurt Rosenwinkel zusammen. Billy Hart bewundert er seit langem, vor allem aufgrund seiner Arbeiten mit Shirley Horn, Herbie Hancocks funkiger Mwandishi-Band und Dave Liebmans Quest. Besonders beeindruckt hat ihn aber auch Billy Harts eigenes Quartett mit Ethan Iverson, Mark Turner und Ben Street, das 2012 für ECM das Album "All Our Reasons" aufnahm. "Ich habe mir dieses Quartett oft angehört. Mir gefällt, wie er mit dort mit Ben interagiert. Ben und Billy haben einen so ausgeprägten Sinn dafür, wo der ‘Mittelpunkt’ ist, dass sie ihn gar nicht spielen, sondern nur andeuten müssen. Ihr Spiel hat eine zentrifugale Kraft - es ist wie ein Strudel. Vor allem Billy strahlt, wenn er spielt, eine spezielle Autorität aus, eine vitale Präsenz - und das bringt einen dazu, genauso engagiert zu spielen. Er besitzt außerdem eine subtile, poetische Qualität, die er sich in der Zeit aneignete, als er mit Sängerinnen arbeitete. Er ist wirklich ein Poet am Schlagzeug."

Das Trio spielt die Musik von "Find The Way" mit außergewöhnlicher Elastizität, pendelt ständig zwischen höchstem Lyrismus und kinetischer Energie. Besonders stolz ist Parks auf das Stück "Melquiades", das nach einer Figur aus Gabriel Garcia Márquez’ Bestseller "Hundert Jahre Einsamkeit" benannt ist. "Das Stück hat für mich eine klassische ECM-Atmosphäre", sagt Parks, "und Billy atmet die Musik mit ihren konstant wechselnden Taktarten einfach nur." Die Nummer "Hold Music" konzipierte Parks als kleines Schlagzeug-Concerto eigens für Hart, den er im Studio außerdem mit "Unravel" überraschte. "Ben und ich hatten das Stück schon früher gespielt. Es hat diesen komplizierten 13/8-Takt, und obwohl Billy es nie auf Notenpapier gesehen hatte, reagierte er sofort, als Ben und ich begannen es zu spielen - und er verlieh ihm dabei solch individuelle Farbe und Leuchtkraft."

Ein weiterer Höhepunkt ist das Stück "Alice". Parks orientierte sich dabei zunächst an Alice-Coltrane-Nummern wie "Ptah the El Daoud". "Es war ein swingendes Stück mit einem Kreuzrhythmus in der Klavierphrase", erzählt er. "Aber es entfaltete sich schließlich, nachdem wir die Melodie durch hatten und wandelte sich in etwas Geheimnisvolles." Einen wesentlichen Einfluss auf die Musik des ganzen Albums übte die Sängerin und Pianistin Shirley Horn aus. "Wenn Shirley ein Solo spielte, ließ sie die Noten in der Luft hängen, scherzte neckisch mit der Tondauer", sagt Parks. "Man merkte ihrem Klavierspiel an, dass sie niemandem etwas beweisen musste, stattdessen das Bedürfnis hatte, die Musik atmen zu lassen. Ich glaube, dass ich, während sich meine eigene Spielweise herausbildete, geduldiger geworden bin und meinen Anschlag heute immer mehr nachklingen lasse. Ich verspüre nicht mehr den Drang, die Führung zu ergreifen, den Raum zu füllen. Ich fühle mich frei, eine Note ausklingen und in der Luft hängen zu lassen, zu hören, was passiert, wenn sie abklingt, dem Pedal zu erlauben, seine Magie zu entfalten."


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News

20.04.2017
Chris Potter

Chris Potter - die Ästhetik der Überraschung

Mit einem exzellent besetzten neuen New Yorker Quartett hat der Saxophonist Chris Potter das traumhafte Meisterwerk "The Dreamer Is The Dream" eingespielt.

Chris Potter, Chris Potter - die Ästhetik der Überraschung © DI PERRI / ECM RECORDS

Auf seinem dritten ECM-Album als Leader präsentiert Chris Potter ein neues akustisches Quartett, das unbefangen rhapsodische Melodien mit kraftvollen Rhythmen verquickt. Bestückt hat er die Band mit hervorragenden Musikern, die man von vielen New Yorker ECM-Aufnahmen der letzten zehn Jahre kennt: Keyboarder David Virelles, Bassist Joe Martin und Schlagzeuger Marcus Gilmore. Seine Vielseitigkeit zeigt Potter auf "The Dreamer Is The Dream" wahlweise auf dem Tenorsaxophon - auf dem er zu einem der am meisten bewunderten Spieler seiner Generation avanciert ist -, dem Sopransax und der Bassklarinette. Potter ist ein Künstler, der seine "beträchtliche Technik stets in den Dienst der Musik stellt und nicht für Spektakel verschwendet", hieß es einmal im Magazin The New Yorker. Wie auf jedem seiner Alben entwickelt der Saxophonist in seinen Kompositionen auch diesmal überraschende Texturen und Stimmungen.

Bevor das Quartett "The Dreamer Is The Dream" in den New Yorker Avatar Studios aufnahm, absolvierte es eine Reihe von Live-Auftritten und verbrachte zusätzlich einige Tage in der Schweiz, um das Material durchzugehen und vorzuproduzieren. Als man sich dann in den Avatar Studios wieder versammelte, floss die Musik nur so aus ihnen heraus.

Produzent Manfred Eicher half schließlich noch dabei, das Endergebnis zu formen. "Als Musiker kann man sich leicht im Dickicht der Dinge verlieren", meint Potter. "Aber Manfred sieht den Wald und nicht nur die Bäume. Er hat ein wirkliches Gespür für das große Ganze - für Stimmungen, Dichte, die Geschichte eines Albums. Ich habe mit ihm nun schon eine Menge Platten gemacht, und ich weiß das synergetische Geben und Nehmen mit ihm immer mehr zu schätzen."

"Die generationenübergreifende Mischung von Persönlichkeiten dieses Quartetts ist etwas Besonderes", sagt Potter. "Joe Martin kenne ich am längtsen - wir traten in den 90ern in denselben New Yorker Clubs auf. Abgesehen davon, dass er immer den richtigen Ton spielt, hat er diese sehr fokussierte, überlegte Herangehensweise auf dem Bass, sehr klar und unterstützend - er ist das Fundament der Band. Das Quartett hat eine große dynamische Bandbreite, agiert aber auch kontrollierter, was mir ermöglicht, auf eine bedachtere Art zu spielen. Joe hat daran großen Anteil."

"Marcus ist ein sehr eigenwilliger Schlagzeuger", fährt Potter fort. "Er spielt nicht sensationsheischend, sondern subtil, detailfreudig und sehr musikalisch. Er hat seine eigene Art zu spielen und scheint sich alle sechs Monate sprunghaft zu entwickeln. David hat als Pianist seine eigene Nische gefunden. Obwohl er auf Kuba aufwuchs, spielt er nicht auf eine stereotype lateinamerikanische Art. Er hat die Rhythmen der kubanischen Folklore ausführlich studiert, aber sich ebenso sehr mit Avantgarde-Jazz auseinandergesetzt. Er spielt mit Henry Threadgill, aber man kann ihn auch dabei erwischen, wie er an einer Etüde von Ligeti arbeitet. Die rhythmische Finesse in Davids Spiel ist einfach außerordentlich. Und die Art, wie David und Marcus rhythmisch interagieren, hat einen generationstypischen Charakter - es ist ihr eigenes Ding. Man kann das nur schwer in Worte fassen, aber eine ähnliche Verbindung gibt es auch zwischen mir und Joe. Unsere Generation - mit Leuten wie Brad Mehldau, Joshua Redman, Kurt Rosenwinkel - hat ihr eigenes Empfinden, ihr eigenes rhythmisches Gravitationszentrum. Die Generation von Marcus und David baut auf dem auf, was wir machten, so wie wir auf dem aufbauten, was die Generation vor uns gemacht hatte. Das ist eine Herausforderung- und inspirierend.”

Wenn er komponiert befindet sich Potter, wie er sagt, oft in einem "traumähnlichen Zustand". "Heart In Hand", "Memory And Desire" und das Titelstück des Albums entstanden bei solchen frei-assoziativen Schreibsessions. Andere Nummern weisen indische ("Yasodhara") oder afrikanische ("Ilimba") Einflüsse auf. Potter versucht auf jedem Album neue Ansätze zu finden. "Eine der Herausforderungen im Jazz ist, dass wir uns fragen müssen, wie wohl wir uns dabei fühlen, wenn wir auf eine andere Weise arbeiten als beim vorherigen Mal - und dann darüber hinausgehen", sagt er. "Ich versuche immer im Hinterkopf zu haben, dass die ursprüngliche und kostbarste Eigenschaft des Jazz die Ästhetik der Überraschung ist, nicht nur für das Publikum, sondern auch für den Künstler. Es ist die Kunst, aus dem Stegreif Ideen zu entwickeln, glückliche Zufälle zu nutzen und eine Geschichte während des Spielens zu entfalten. Darin liegt die Magie dieser Musik."


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20.04.2017
Diverse Künstler

Fest der Giganten - Mit "Conductors & Orchestras" präsentiert die Deutsche Grammophon eine spannende neue Serie

Große Dirigenten wie Leonard Bernstein, Herbert von Karajan, Claudio Abbado und Pierre Boulez haben am Pult der besten Orchester einzigartige Klangerlebnisse hinterlassen. Die Serie "Conductors & Orchestras" präsentiert die Dreamteams der Klassikszene.

Diverse Künstler, Fest der Giganten - Mit Conductors & Orchestras präsentiert die Deutsche Grammophon eine spannende neue Serie © DG

Leonard Bernstein und die Wiener Philharmoniker, Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado und das Chicago Symphony Orchestra, Pierre Boulez und das Cleveland Orchestra - diese Verbindungen stehen für legendäre musikalische Partnerschaften, die sowohl die künstlerischen Laufbahnen der Dirigenten als auch die klassische Musikwelt geprägt haben. Die Edition "Conductors & Orchestras" stellt die Beziehungen ausgewählter Dirigenten und Orchester musikalisch mit einer exquisiten Sammlung unvergesslicher Aufnahmen vor.

Bernstein in Wien

Auf acht CDs kann man Leonard Bernsteins schönste Aufnahmen am Pult der Wiener Philharmoniker erleben. Angefangen mit der klassischen, höfischen Eleganz und Anmut, die Joseph Haydn Ende des 18. Jahrhunderts in seine späten Sinfonien Nr. 88, 92 und 94 komponiert hat, über Mozarts Sinfonie Nr. 40, in der Leonard Bernstein die ganze Tragik und berührende Traurigkeit zum Leben erweckt, die in der Partitur steckt, strotzen die Wiener Philharmoniker in der Nr. 41, der "Jupiter-Sinfonie" hingegen vor herrlicher Lebenskraft. Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 wird unter Bernsteins Dirigat zu einer emotionalen Seelenschau, Robert Schumanns Cellokonzert gerät im Zusammenspiel mit Mischa Maisky zu einem romantischen Fest für die Sinne. In den großen Sinfonien von Anton Bruckners, Gustav Mahler, Dmitri Schostakowitsch und Jean Sibelius bringt Leonard Bernstein die ganze Palette orchestraler Ausdruckskraft zum Klingen und hat in den Wiener Philharmonikern dabei einen kongenialen Partner gefunden.

Karajan in Berlin

Auf weiteren acht Alben kann man Herbert von Karajan ganz in seinem Element erleben. Als einer der bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts wurde er 1955 der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker und hat das Orchester als exzellenten Klangkörper geprägt. Die Aufnahmen geben einen Überblick über die unzähligen, vielseitigen Mitschnitte, die in mehr als drei Jahrzehnten künstlerischer Zusammenarbeit entstanden sind. In Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 und seine Coriolan Ouvertüre, Arthur Honeggers Sinfonien Nr. 2 und 3, Stravinskys Konzert in D-Dur und Tondichtungen von Richard Strauss, wie "Also Sprach Zarathustra", "Till Eulenspiegel", "Don Juan", "Tanz der sieben Schleier" offenbart sich die immense klangliche Intensität, die der österreichische Dirigent gemeinsam mit dem Orchester entfalten konnte. Auf dem Album "Opera Intermezzi" mit Musik von Cilea, Giordano, Leoncavallo, Mascagni und Massenet kommt darüber hinaus Herbert von Karajans Leidenschaft für die Oper zum Ausdruck.

Abbado in Chicago

Claudio Abbado und das Chicago Symphony Orchestra verbindet eine besonders innige künstlerische Beziehung. 1982 wurde der italienische Dirigent Erster Gastdirigent des Chicago Symphony Orchestra. In den gemeinsamen Aufnahmen kann man Claudio und Abbado unter anderem mit hervorragenden Solisten erleben: Maurizio Pollini hat Belà Bartoks Klavierkonzerte Nr. 1 und 2 eingespielt und der israelische Geiger Shlomo Mintz lässt die Violinkonzerte von Sergej Prokofiev, Max Bruch und Felix Mendelssohn-Bartholdy leuchten. Mit der "Symphonie Fantastique" von Hector Berlioz und Gustav Mahlers Sinfonien Nr. 1, 2 und 5 kann man beim Hören in ganz unterschiedliche orchestrale Klangwelten eintauchen.

Boulez in Cleveland

Pierre Boulez gehörte ab Mitte der 1950er Jahre als Komponist und Dirigent zur Crème de la Crème der musikalischen Avantgarde. So sind auch seine Aufnahmen mit dem Cleveland Orchestra vom frischen Geist geprägt und sprudeln über vor Inspiration und Aufbruchsstimmung. Mit Werken wie Claude Debussys sinfonischen Dichtungen "Images", "Printemps", "Prélude à l’après-midi d’un faune", mit "Et Exspecto", "Chronochromie", "La Ville d’en haut" von Olivier Messiaen und in Maurice Ravels "Shéhérezade", "Le Tombeau de Couperin" und "Pavane", kreiert Pierre Boulez gemeinsam mit dem amerikanischen Orchester ein beeindruckendes Spektrum an Farben.


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19.04.2017
Elena Kats-Chernin

Feinsinniger Hochgenuss - Das Album "Unsent Love Letters" von Elena Kats-Chernin und Tamara-Anna Cislowska

Musik ist die Sprache, mit der die Komponistin Elena Kats-Chernin ihre Geschichten erzählt. Ihr neues Album "Unsent Love Letters" dreht sich um die Liebe - und wurde von Liebesbriefen inspiriert, die aus dem Nachlass von Erik Satie stammen.

Elena Kats-Chernin, Feinsinniger Hochgenuss - Das Album Unsent Love Letters von Elena Kats-Chernin und Tamara-Anna Cislowska © Bruria Hammer

Die Komponistin Elena Kats-Chernin und die Pianistin Tamara-Anna Cislowska sind ein eingeschworenes Team, wenn es darum geht, außergewöhnliche musikalische Projekte zu entwickeln, die jede Menge Gefühl transportieren. Elena Kats-Chernin ist einer der bedeutendsten Komponistinnen Australiens und hat nach vielseitigen Studien in Russland, Australien und Deutschland ihre ganz eigene Klangsprache gefunden, die sie in Opernproduktionen, Film- und Ballettmusik, Orchesterkompositionen, Kammermusik und in solistischen Werken zum Ausdruck bringt. Mit dem Album "Unsent Love Letters" bringt die australische Künstlerin die in Briefen festgehaltenen Liebesbotschaften des französischen Komponisten Erik Satie mit ihre eigenen musikalischen Mitteln zum Klingen.

Versierte Tastenkunst

Das differenzierte Spiel, mit dem Tamara-Anna Cislowska die Kompositionen von Elena Kats-Chernin zum Leben erweckt, präsentiert eine Fülle von Klangfarben, die von meditativer Introvertiertheit bis hin zu glühender Intensität reichen. Tamara-Anna Cislowska gehört zu den anerkanntesten Pianistinnen Australiens und hat sich sowohl als Kammermusikpartnerin, als auch als Solistin einen Namen erspielt.

In jedem der 26 Werke offenbart die Pianistin unterschiedliche Nuancen und spielt nach Herzenslust mit der minimalistischen Eleganz von Saties eigener Kompositionskunst und der feinen Poesie, die die Musikerinnen in seinen Briefen aufgespürt haben.

Inspiration und Interpretation

Die kleinformatigen Stücke reihen sich auf dem Album aneinander wie feine Konfiserie und verströmen mal schwelgerische Süße und mal zartbittere Noten, garniert mit leiser Melancholie. Titel wie "Le chat noir", "Eggshell" oder "Maple in the Evening" öffnen den Raum für phantasievolle Bilder, die beim Hören der Musik im Inneren entstehen. "Meditations on Erik Satie" ist der Untertitel des Albums "Unsent Loveletters". Und so reflektiert Kats-Chernins Musik auch ihre Gedanken, die während ihrer Auseinandersetzung mit dem bewegten Leben von Erik Satie entstanden sind, welches von vielen inneren Konflikten geprägt war. Die Kompositionen spiegeln Facetten aus Saties Persönlichkeit wider. Elena Kats-Chernin schafft mit "Unsent Love Letters" eine sehr persönliche künstlerische Annäherung an den bedeutenden Komponistenkollegen Erik Satie.

Farben und Kontraste

Mit dem Album möchte Elena Kats-Chernin unter anderem auch dazu einladen, einmal inne zu halten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dieses persönliche Anliegen hat die Komponistin mit ihrer Musik so eindringlich umgesetzt, dass man von der filigranen Klangsprache unmittelbar in den Bann gezogen wird. Die stilistische Prägnanz der Komponistin ist frei von jedem Pathos, sondern wird vor allem durch eine berührende Klarheit geprägt. In der Pianistin Tamara-Anna Cislowska hat Elena Kats-Chernin die perfekte Partnerin gefunden. Man hört, dass die beiden Musikerinnen nicht zum ersten Mal zusammen arbeiten. Mit einem feinen Gespür für dynamische Varianz kreiert Tamara-Anna Cislowska an den Tasten ein Wechselspiel der Farben.

 


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19.04.2017
Diverse Künstler

Faszination der Moderne – Klassiker des 20. Jahrhunderts

Mit 20C haben DG und Decca ein Projekt aufgelegt, das die Faszination der Neuen Musik eindrucksvoll unter Beweis stellt. Jetzt erscheint der bereits spannungsvoll erwartete zweite Teil der limitierten Edition: Klassiker der Jahre 1950–2000.

Diverse Künstler, Faszination der Moderne – Klassiker des 20. Jahrhunderts © DG

Das Interesse an Neuer Musik hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Den Vorreitern des 20. Jahrhunderts wird allmählich die Anerkennung zuteil, die ihnen gebührt.

Großes Publikum: Neue Musik kommt an

Hatte die Neue Musik traditionell eher einen schweren Stand in der Öffentlichkeit, so erreichen ihre Innovationen jetzt zusehends das Publikum. Immer mehr Menschen öffnen sich für neuartige Klanggebilde. Sie genießen es, in Gefilde vorzudringen, die sie noch nie zuvor betreten haben. So wie sie fremde Länder bereisen und sich von den dort herrschenden Sitten und Gebräuchen faszinieren lassen, so neugierig und offenherzig widmen sie sich der jüngeren Musik. Es muss nicht immer Dur und Moll sein. Es kann auch etwas vollkommen Neues sein.

Außerdem ist in der modernen Musik genug Tonalität verblieben, um sich als Laie zurechtzufinden. Für Unterhaltung sorgt die übersichtlich gestaltete 20C-Edition. Schon im ersten Teil der Ausgabe, der im Vorjahr erschien und die Jahre 1900 bis 1949 behandelte, war für jeden etwas dabei: für die Romantiker Gustav Mahler oder Richard Strauss, für die Experimentierfreudigeren John Cage oder Charles Ives und für die Liebhaber mitreißender Bühnenmusik Kurt Weills Dreigroschenoper mit Welthits wie der "Moritat" von Mackie Messer.

Einmaliger Überblick: Maßgebliche Komponisten des 20. Jahrhunderts

Kein Wunder, dass schon der erste Teil von 20C viel Anklang beim Publikum fand. Deshalb wird der zweite Teil der Edition auch schon mit Hochspannung erwartet. Jetzt ist es soweit. Der zweite Teil ist erschienen, und er entfaltet ein musikalisches Universum, das absolut elektrisierend ist. "20C – Shaping the Century, Volume II" umfasst 26 Tonträger. Jedes Album präsentiert einen großen Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Je fünf Komponisten stehen für ein Jahrzehnt.

Da es sich bei sämtlichen Komponisten der Ausgabe um unbestrittene Größen der Avantgarde handelt, wird man auf diese Weise nicht nur mit qualitativ hochwertiger Musik bedient, sondern erhält darüber hinaus auch einen glänzenden Überblick. Das breite Klangspektrum während der Jahre 1950 bis 2000 dürfte sowohl für Laien als auch für Fachleute interessant sein. Dem Laien wird mit der Edition ein unterhaltsamer Einstieg ermöglicht, und Fachleute können hier ihr gewachsenes Wissen vertiefen.

Breites Klangspektrum: Von Bernsteins „West Side Story“ bis zu Rihms „Jagden und Formen“

Als Kurator konnte Nigel Simeone für die Edition gewonnen werden. Der bedeutende Musikschriftsteller hat jedem Album einführende Essays und eine Timeline mit Musikpremieren des 20. Jahrhunderts zur Seite gestellt. Ein Hochgenuss, denn Simeone verfügt nicht nur über enormes Wissen, sondern auch über einen unterhaltsamen Schreibstil.

Das Repertoire der in modernem Design gehaltenen Edition ist beeindruckend bunt. Es reicht von Bernsteins leicht zugänglicher "West Side Story" (1957) bis hin zu Wolfgang Rihms rätselhaft-flirrendem Concerto grosso "Jagden und Formen" (1995–2001). Mit Arvo Pärt, Steve Reich und Philip Glass sind Komponisten vertreten, die einen minimalistischen Stil in die Neue Musik eingeführt haben. Pierre Boulez ist der bedeutendste Solitär. Er ist mit seinen Meisterwerken "Le Marteau Sans Maître" und "Dérive 1 & 2" vertreten. Ein Highlight der Edition sind die berührenden Concerti grossi 3 & 4 von Alfred Schnittke, eingespielt vom Concertgebouw Orchester unter der Leitung von Riccardo Chailly. Etliche weitere Klassiker säumen die Sammlung, die gemeinsam mit dem ersten Teil von 20C einen großartigen Einblick in die reiche Musikkultur des 20. Jahrhunderts gewährt.


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12.04.2017
Diverse Künstler

Grenzenlose Tastenkunst - Die Deutsche Grammophon präsentiert eine Fülle exzellenter Aufnahmen der größten Pianisten

Unter dem Titel "50 Piano Masterworks" und "100 Piano Masterworks" sind zwei umfangreiche Editionen für Liebhaber feinster Klaviermusik erschienen.

Diverse Künstler, Grenzenlose Tastenkunst - Die Deutsche Grammophon präsentiert eine Fülle exzellenter Aufnahmen der größten Pianisten © DG

100 Meisterwerke der Klaviermusik, das bedeutet: 100 Klangfarben, Emotionen, Stimmungen, Stile und einzigartige Interpretationen der größten Klaviersolisten aller Zeiten. Die unbändige Leidenschaft für die Kunst an den 88 Tasten, die in den drei, bzw. fünf Alben der beiden erlesenen Editionen "50 Piano Masterworks" und "100 Piano Masterworks" steckt, transportiert das ganze Spektrum der Klaviermusik.

Große Komponisten

Das musikalische Spannungsfeld der Kompositionen erstreckt sich von Bach bis Brahms und von Schubert bis Satie. Beliebte Ohrwürmer wie Claude Debussys "Clair de Lune" und Ludwig van Beethovens "Mondscheinsonate" sind ebenso vorhanden wie erlesene Raritäten. Streifzüge durch verschiedene Stile offenbaren die anmutige Eleganz klassischer Sonaten von Haydn und Mozart, Schuberts lyrische Begabung in seinen Impromptus und Moments musicaux, Mendelssohns tief empfundene Poesie und Chopins unverwechselbare, federleichte Virtuosität mit ihrem melancholischen Feinsinn. Die Etüden von Franz Liszt gelten als das Neue Testament der Klaviertechnik, die lyrischen Stücke von Edvard Grieg und Modest Mussorgskys farbenprächtiger Zyklus "Die Bilder einer Ausstellung" bauen eine Brücke zur feurigen Brillanz spanischer Komponisten wie Isaac Albéniz und Manuel de Falla. Und natürlich darf in der umfangreichen Sammlung auch die russische Spätromantik à la Skriabin und Rachmaninoff in all ihren Schattierungen nicht fehlen.

In Debussys Klangmalereien, mit Prokofieffs kompositorischem Erfindungsreichtum und in der berührende Wucht der minimalistischen Ausdruckskraft von Erik Satie und Philipp Glass findet das weite Spektrum seine Vollendung. Die Zusammenstellung der "Piano Masterworks" ist ein wahres Füllhorn großer musikalischer Stunden. Auf jedem Album sind die Werke unterschiedlicher Epochen miteinander kombiniert und werden miteinander in Berührung gebracht, ergänzen und kontrastieren sich auf lebendige und inspirierende Art und Weise.

Große Interpreten

Die Deutsche Grammophon ist dafür bekannt, ein Händchen für die Entdeckung besonderer Talente an den Tasten zu haben. In Kooperation mit dem internationalen Chopin Wettbewerb in Warschau wurden mit Yundi, Ingolf Wunder, Rafał Blechacz, Jan Lisiecki und Seong-Jin Cho in den letzten Jahren viele phänomenale junge Künstler in die musikalische Familie des gelben Labels aufgenommen. Auch die jüngsten Aufnahmen von Víkingur Ólafsson, Alice Sara Ott, Max Richter und Danil Trifonov bereichern das Portfolio um eindrucksvolle künstlerische Facetten.

Legendäre Pianisten vergangener Jahrzehnte wie Svjatoslav Richter, Wilhelm Backhaus, Friedrich Gulda und Emil Gilels haben Geschichte geschrieben und mit ihren Alben kostbare musikalische Zeugnisse geschaffen. Insgesamt umfassen die Geburtsjahre der in den Editionen vertretenen Pianisten das ganze Jahrhundert zwischen 1895 und 1995. So werden die Sammlungen auch zu Chroniken unterschiedlicher Musikergenerationen und vereinen den ganzen Reichtum verschiedener Schulen, Stile und künstlerischer Perspektiven. Wenn man André Previn mit Musik von George Gershwin, Jean-Yves Thibaudet mit Kompositionen von Franz Liszt oder Daniel Barenboim mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy erlebt, öffnen sich musikalische Horizonte.

Mit "100 Piano Masterworks" und "50 Piano Masterworks" kann man in die Welt der Klaviermusik eintauchen und im Handumdrehen einen einzigartigen Überblick über das reiche Repertoire und die vielfältige Ausdruckskraft der verschiedenen Interpreten erhalten.

 


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06.04.2017
Anja Lechner

Tarkovsky Quartet - Musik mit einer außergewöhnlichen Tiefenschärfe

Mit "Nuit blanche" beschließt das kammermusikalische Improvisationsensemble seine faszinierende Tarkowskij-Trilogie, die es vor zwölf Jahren begonnen hatte.

Anja Lechner, Tarkovsky Quartet - Musik mit einer außergewöhnlichen Tiefenschärfe ©Caterina di Perri/ECM Records

Das von dem französischen Pianisten François Couturier ins Leben gerufene Tarkovsky Quartet setzt mit seinem dritten Album "Nuit blanche" die Reihe der Einspielungen fort, die es 2005 mit "Nostalghia - Song for Tarkovsky" begonnen und 2009 auf dem schlicht "Tarkovsky Quartet" betitelten Album weiterverfolgt hatte. Seine Kompositionen und Arrangements stellte Couturier von Beginn an in einen Kontext, in dem die Improvisation aufblühen konnte. Diese improvisierte Komponente der Musik wurde seither sowohl in Konzerten als auch auf Alben beständig erweitert und vertieft.

Die primäre Inspirationsquelle ist jedoch immer noch das Werk von Andrej Tarkowskij, über den Ingmar Bergman einmal sagte: "Er bewegt sich mit solcher Natürlichkeit im Raum der Träume." Das nach dem russischen Filmemacher benannte Quartett hat eine ganz eigene assoziative Traumsprache geformt. Auf "Nuit blanche" loten die Musiker die Texturen von Träumen und Erinnerungen aus, während sie gleichzeitig weiterhin versteckt auf Tarkowskij verweisen. Der 1986 verstorbene Filmemacher wäre am 4. April 85 Jahre alt geworden.

Anspielend auf einen Komponisten, den der Regisseur hörte, als er seinen Film "Stalker" drehte, integriert das Quartett eine dämmrige Interpretation von Vivaldis "Cum dederit delectis suis somnum" aus dem Opus "Nisi Dominus". Das Ensemble greift auch auf ein Arrangement eines Stückes aus dem 16. Jahrhundert zurück, dessen Urheber unbekannt ist.

Anja Lechner war auf das Manuskript gestoßen, als sie die Partituren und Notenbücher ihrer Großeltern, die beide Musiker gewesen sind, durchstöberte. Die Bandbreite des neuen Albums ist enorm und die kreative Originalität des Tarkovsky Quartet ist stets offenkundig, ganz gleich, ob es moderne Kompositionen, improvisierte Kammermusik oder Barockmusik spielt.

Im Begleittext schreibt die bekannte Journalistin Carolin Emcke: "Was das Tarkovsky Quartet so einzigartig macht (und darin einmal mehr der ästhetischen Sprache des Regisseurs Andrej Tarkowskij verwandt), ist die besondere Gabe musikalische Imagination geradezu haptisch erfahrbar zu machen. So wie man bei Tarkowskijs Filmen meint, die Textur der Elemente (Regen, Kohlefeuer, Marsch) fühlen zu können, so erscheint einem bei ‘Nuit blanche’ die Textur des Klangs deutlicher denn je. Man meint hineingreifen, die Instrumente und ihre Materialität anfassen zu können und so erhält die musikalische Vorstellungskraft noch eine andere Tiefenschärfe."

Das Tarkovsky Quartet entstand, nachdem Couturier die deutsche Cellistin Anja Lechner eingeladen hatte, sich ihm und seinen oftmaligen Spielpartnern Jean-Marc Larché und Jean-Louis Matinier anzuschließen.

Nach dem gemeinsamen Debütalbum trat das Ensemble 2006 beim Bergamo Festival erstmals live auf. Bei Konzerten arbeitet das Tarkovsky Quartet häufig mit Andrej Tarkowskij Jr. zusammen, dessen Video-Projektionen die traumähnliche Qualität der Musik verstärken.

Neben den drei Alben mit dem Tarkovsky Quartet spielte François Couturier 2008 zudem das introspektive Piano-Soloalbum "Un jour si blanc" ein, das ursprünglich als Teil des Tarkowskij-Zyklus konzipiert war. "Was mich bei Tarkowskijs Filmen am meisten anrührt", hat Couturier einmal gesagt, "ist ihre Stille und Langsamkeit. Das sind oft auch Charakteristika der ECM-Ästhetik..."

Das Tarkovsky Quartet wird sein neues Album am 29. April bei der "ECM-Label-Nacht" im Sendesaal Bremen live vorstellen.


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06.04.2017
Dominic Miller

ECM-Debüt von Sting-Gitarrist Dominic Miller - Gitarrenmusik mit internationalem Flair

Auf dem Album "Silent Light", das auf CD und Vinyl erscheint, stellt Dominic Miller sein (nicht immer stilles) musikalisches Licht keineswegs unter den Scheffel.

Dominic Miller, ECM-Debüt von Sting-Gitarrist Dominic Miller - Gitarrenmusik mit internationalem Flair © Steven Haberland/ECM Records

Dass Dominic Millers "Silent Light" ein so internationales Flair ausstrahlt, sollte einen nicht wundern. Geboren wurde der Gitarrist als Sohn eines US-Amerikaners und einer Irin in Argentinien, wuchs ab seinem zehnten Lebensjahr aber in den Staaten auf und studierte dann an der renommierten Guildhall School of Music in London. Mittlerweile lebt der musikalische Globetrotter, der auch Stunden bei der brasilianischen Gitarren-Legende Sebastião Tapajós nahm, in Frankreich. "Silent Light" reflektiert all diese Lebensstationen Dominic Millers: In Stücken wie "Baden" (ein Tribut an den brasilianischen Gitarristen und Komponisten Baden Powell) gibt es starke lateinamerikanische Einflüsse, während  "Le Pont" die Pariser Luft des frühen 20. Jahrhunderts zu atmen scheint, "Valium" an keltische Stücke im Stil von Bert Jansch erinnert und "Fields Of Gold" eine gedämpfte Instrumentalversion von einer der bekanntesten Sting-Balladen ist. In dessen Band ist Miller seit über 20 Jahren nicht nur Gitarrist, sondern auch des Leaders rechte Hand.

Gemeinsam schrieben sie zudem den Welthit "Shape Of My Heart". Darüber hinaus arbeitete Miller mit den Chieftains, Plácido Domingo und Paul Simon zusammen. Letzterer lobt Miller im Booklet von "Silent Light" für seinen "wunderbaren Anschlag hat, der mit Aromen von Jazz und englischer Folkmusik gewürzt ist".

In seinen eigenen Anmerkungen im Booklet erinnert sich Miller, wie er sich mit seinem Produzenten Manfred Eicher über zwei ECM-Künstler unterhielt, die ihn musikalisch entscheidend beeinflusst haben: Egberto Gismonti und Pat Metheny. An dem einen fasziniert ihn, wie er seinen "ungeschliffenen" Ansatz mit "klassischen Obertönen" zu kombinieren versteht, an dem anderen die eher "Groove-orientierten" Stimmungen und das "Americana-Feeling" seiner Musik. An Methenys akustische Ausflüge erinnern auf "Silent Lights" Stücke wie "Angels" und "Tisane", während die Duo-Nummern mit dem Perkussionisten Miles Bould von dem Album "Duas Vozes" inspiriert zu sein scheinen, das Gismonti einst mit dem vor kurzem verstorbenen Naná Vasconcelos aufnahm. Bei Stücken wie dem synkopierten "Baden", dem nachdenklichen Opener "What You Didn’t Say", dem stimmungsvollen "Water" und dem nach einem Schachzug betitelten "En Passant" komplementiert Bould Millers Gitarre mit subtilen Rhythmen und Texturen. Grooviger wird es in "Chaos Theory", dem einzigen Stück des ansonsten live im Studio  aufgenommenen Albums, bei dem Miller mit Overdubs (einer zweiten Gitarre und des Basses) arbeitet, während Bould Schlagzeug spielt. "Wir haben uns einfach in der Art, wie es die brasilianische Band Azymuth tun würde, mit dem Beat vergnügt", verrät Miller. Die Gitarrensolostücke sind wiederum überwiegend gedämpft und intim. Auf die kompositorische Handschrift des Gitarristen hat natürlich auch die lange, intensive Zusammenarbeit mit Sting abgefärbt. "Ich versuche mit meiner Instrumentalmusik, die ich wie Songs behandle und arrangiere, eine ähnliche Narrative zu erschaffen, mit Strophen, Refrains und Überleitungen”, sagt Miller. “Wenn Dominic Gitarre spielt", meldet sich Sting höchstpersönlich zu Wort, “erschafft er Farben, ein komplettes Spektrum an Emotionen, eine klangliche Architektur, die sowohl auf Stille als auch auf Echo aufbaut. Er hebt die Stimmung in andere Höhen.”

Betitelt ist das Album nach dem gleichnamigen Film des mexikanischen Regisseurs Carlos Reygadas, dessen Arbeit auch ein Katalysator für die Aura von Einfachheit, Klarheit und Reinheit war, die dieses Album umgibt. "Seine Verwendung von Stille, Licht und Raum hat mich fasziniert", erläutert der Gitarrist. "Manchmal verstreichen Minuten ohne Bewegung oder Dialog, was ich sehr mutig und inspirierend fand."


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06.04.2017
Hélène Grimaud

Berührende Perspektivwechsel - Mit dem Album "Perspectives" präsentiert Hélène Grimaud ihre künstlerische Vielseitigkeit

Hélène Grimauds künstlerisches Schaffen wird seit vielen Jahren von der Deutschen Grammophon präsentiert. Das Doppelalbum "Perspectives" fasst eine Auswahl ihrer persönlichen Lieblingsaufnahmen zusammen.

Hélène Grimaud, Berührende Perspektivwechsel - Mit dem Album Perspectives präsentiert Hélène Grimaud ihre künstlerische Vielseitigkeit © Mat Hennek

Ob ganz alleine an den Tasten, in kammermusikalischer Besetzung, oder als Solistin vor einem großen Orchester. An ihrem Instrument erweist sich die französische Pianistin Hélène Grimaud immer wieder als faszinierende Geschichtenerzählerin, indem sie Kompositionen aus ganz unterschiedlichen Epochen mit berührendem Tiefgang in ihrer eigenen musikalischen Sprache zum Leben erweckt. Das Doppelalbum enthält kleinformatige, solistische Schätze aus der Feder von Johann Sebastian Bach, Claude Debussy, Frédéric Chopin, Franz Liszt, Sergej Rachmaninov und Béla Bartók sowie Impressionen aus den großen Klavierkonzerten der Musikgeschichte von Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms, Robert Schumann und Ludwig van Beethoven.

Weites Spektrum

"Perspectives" spannt einen Bogen von Bachs Präludium und Fuge in d-Moll BWV 875 aus dem zweiten Buch des Wohltemperierten Claviers und seinem Konzert Nr. 1 für ein Tasteninstrument, Streicher und Continuo in d-Moll BWV 1052 bis hin zu virtuosen Bach-Transkriptionen von Franz Liszt und Sergej Rachmaninov. Manche der Aufnahmen sind live entstanden und verströmen die Intensität der Konzertatmosphäre, wie beispielsweise die Interpretationen von Claude Debussys "La Cathédrale engloutie" und Franz Liszts "Les Jeux d’eau à la Villa d’Este", die im Rahmen einer Installation des Künstlers Douglas Gordon in der Park Avenue Armory in New York aufgenommen worden sind. Mit dem Walzer in As-Dur von Johannes Brahms und Sgambatis Arrangement von Glucks "Reigen seliger Geister" enthält das Album darüber hinaus zwei bislang unveröffentlichte Zugaben.

Vielseitige Künstlerin

In ihren zahlreichen Facetten spiegelt die Musik die große künstlerische Aufgeschlossenheit wider, die Hélène Grimauds Karriere prägt. Sie besitzt die Gabe, selbst die bekanntesten Werke in ein ganz neues musikalisches Licht zu tauchen, ohne sich dabei als Interpretin in den Vordergrund zu stellen. Vielmehr hat man den Eindruck, dass die Musik unter Hélène Grimauds Händen für sich selbst sprechen darf. In ihrer Interpretation von Béla Bartóks Sechs rumänischen Volkstänzen setzt sie sich intensiv mit der volkstümlichen Rhythmik der Kompositionen auseinander und verwebt sie zugleich mit einer nach innen gekehrten Improvisation. Hélène Grimauds Spiel lebt immer von einer mitreißenden Spontaneität und entführt das Publikum kann unmittelbar in eine Welt der Gefühle, Empfindungen und Regungen, aus denen die Künstlerin ihre Interpretationen schöpft. Der unbändige Drang nach künstlerischer Direktheit und ihr intelligenter Vermittlungswille spinnt sich durch das Album wie ein roter Faden und durchdringt die Werke mit unzähligen Klangschattierungen, Artikulationsnuancen und inspirierenden Tempi.

Die Perspektiven, die sich beim Hören des Albums öffnen, machen das reiche Repertoire der Klaviermusik sinnlich erfahrbar und erweisen sich zugleich als umfassendes Künstlerporträt, denn Hélène Grimaud hat die Auswahl der Werke persönlich zusammengestellt und sich damit auf eine Reise in ihre eigene Vergangenheit begeben, die man nun genüßlich miterleben kann!

 


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News

29.03.2017
Diverse Künstler

Jahrhundertdirigent – Limitierte Edition von Carl Schuricht

Er gehört zu den größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Jetzt veröffentlicht Decca eine limitierte Edition von Carl Schuricht: visionäre Aufnahmen romantischer Orchestermusik, darunter etliche CD-Erstveröffentlichungen.

Diverse Künstler, Jahrhundertdirigent – Limitierte Edition von Carl Schuricht © Decca

Das fachliche Urteil steht schon lange fest: Carl Schuricht gehört zu den edelsten und begnadetsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts.

Natürliche Autorität: Carl Schuricht (1880–1967)

Von Kennern wird er in einem Atemzug mit Größen wie Wilhelm Furtwängler, Arturo Toscanini oder Herbert von Karajan genannt. Indes hat er nie die Popularität seiner berühmten Mitstreiter erlangt. Erst gegen Ende seines Lebens machte er international Furore. Seine unübertroffenen Dirigate bei den Furtwängler-Gedächtnis-Konzerten im Wiener Musikverein und den Salzburger Mozartwochen konnten nicht unbemerkt bleiben. Die Weltpresse stand Kopf.

Sie entdeckte einen Dirigenten, der sein Orchester mit äußerstem Geschick lenkte und ihm die schönsten Klänge entlockte, die man sich vorstellen konnte. Carl Schuricht war eine natürliche Autorität. Er brauchte nicht viel Worte. Seine Unbeirrbarkeit, sein hochkonzentriertes Temperament und seine musikalische Leidenschaft übertrugen sich direkt auf die Orchester, die er leitete, und Schuricht dirigierte mit den Wiener Philharmonikern, den Berliner Philharmonikern oder dem Chicago Symphony Orchestra Klangkörper von Weltrang.  

Visionäre Aufnahmen: Sensationelle Funde

Umso erfreulicher ist es, dass jetzt erstmals eine Ausgabe erscheint, die sämtliche der schillernden Decca-Aufnahmen von Carl Schuricht an einem Ort versammelt. Dadurch besteht die Chance, dass der Dirigent dem Vergessen entrissen wird. "Carl Schuricht – The Complete Decca Recordings" umfasst 10 Tonträger. Die limitierte Edition wartet mit sensationellen Funden auf, die erstmals überhaupt in digitaler Gestalt erscheinen.

Darunter Schurichts erhabene Interpretation der Manfred-Ouvertüre von Robert Schumann, eingespielt mit dem London Philharmonic Orchestra, oder Beethovens mitreißende Sinfonie Nr. 2 mit dem L'Orchestre de la Suisse Romande. Aufnahmen von erstaunlicher Modernität, die Decca mit der soeben erschienenen Ausgabe ins digitale Zeitalter rettet.

Insgesamt sechs Alben hat das Label für die Schuricht-Edition neu remastert, allesamt im Rückgriff auf das frühe Schallplattenformat 78rpm. Eine Pioniertat, die der Wiederentdeckung Carl Schurichts jetzt den Weg ebnet. Man erlebt den Dirigenten hier als einen zurückhaltenden Interpreten, der elegante, ausgewogene Orchesterklänge bevorzugt.

Edle Edition: Wiederentdeckung eines Vorreiters

Für Liebhaber klassischer und romantischer Orchestermusik ist dies ein Hochgenuss. Carl Schuricht hat stets der Versuchung widerstanden, übertriebene Pointen zu setzen. Das große Gefühl, die romantische Leidenschaft ist in der Musik gespeichert. Der Dirigent ist eher eine Art Geburtshelfer. Das ist das Credo des 1880 in Danzig geborenen Ausnahmedirigenten, der mit dieser Strategie Orchesterklänge von hinreißender Eindringlichkeit schuf.

Überwältigend: seine Interpretation von Beethovens Sinfonie Nr. 5. Das Paris Conservatoire Orchestra bebt hier und verliert doch nie das Maß. Von poetischem Feinsinn zeugt das Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch mit dem unvergessenen Georg Kulenkampff an der Geige. Nicht von dieser Welt ist Schurichts Interpretation von Schuberts Unvollendeter mit den Wiener Philharmonikern.

Aber auch Mozart, Brahms, Tschaikowsky, Mendelssohn, Weber oder Wagner klingen in all diesen Aufnahmen aus der Mono-Ära frappierend modern. Bleibt die Frage, was für ein Mensch Carl Schuricht war? Das erfährt man in dem sorgfältig ausgearbeiteten Booklet der Edition. Die imponierenden Fotos des Dirigenten und der glänzende Begleitessay von Ivan March lassen eine Künstlerpersönlichkeit wiedererstehen, die fortleben wird.   


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