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Alex Aiono, Gewinnt Tickets für Alex Aiono beim NDR 2 Soundcheck Neue Musik Festival
Alex Aiono

Gewinnt Tickets für Alex Aiono beim NDR 2 Soundcheck Neue Musik Festival

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17.08.2017
Diverse Künstler

Geburt eines Weltstars – Yekwon Sunwoo veröffentlicht sein Cliburn-Goldalbum

Yekwon Sunwoo ist ein pianistischer Vulkan. Nachdem er vor zwei Monaten den Van Cliburn-Klavierwettbewerb gewann, veröffentlicht er jetzt das Album mit den Highlights seiner furiosen Auftritte in Fort Worth/Texas.

Diverse Künstler, Geburt eines Weltstars – Yekwon Sunwoo veröffentlicht sein Cliburn-Goldalbum © Jeremy Enlow / The Cliburn

Wenn man diesen jungen Koreaner zum ersten Mal sieht, dann ahnt man nicht, zu welch ekstatischen Gefühlsausbrüchen er fähig ist.

Zurückhaltender Weltstar: Yekwon Sunwoo

Yekwon Sunwoo ist die Bescheidenheit in Person. Wenn er über seine musikalische Mission spricht, dann tut er dies mit äußerster Diskretion. Er möchte am Flügel überzeugen. Die klassische Musik, die er schon in früher Kindheit zu lieben begann, ist seine Flaschenpost. Mit ihr transportiert er seine Gefühle ans Publikum. Mit ihr führt er vor, was für ein feingliedriger und leidenschaftlicher Charakter er ist. Yekwon Sunwoo ist für das Klavier geschaffen.

Der 1989 in Anyang/Südkorea geborene Ausnahmepianist beherrscht den Flügel nach allen Regeln der Kunst. Sein weicher Anschlag, seine entspannte Technik und sein poetisches Gespür sind einzigartige Gaben, die Yekwon Sunwoo glänzend zu nutzen weiß, um klassische, romantische und impressionistische Klaviermusik in vollendeter Gestalt darzubieten. Das hat er in Fort Worth/Texas mit Bravour gezeigt. Seine Auftritte beim diesjährigen Van Cliburn International Piano Competition lösten Stürme der Begeisterung aus.    

Sprungbrett an die Spitze: Van Cliburn International Piano Competition

Die amerikanische Presse schwärmte von einer „wahren musikalischen Persönlichkeit“ (Scott Cantrell), die sich in Fort Worth offenbart habe. Der junge Südkoreaner, bislang eher ein Geheimtipp, stieg über Nacht zu einer internationalen Größe auf, an der ab jetzt kein Klavierliebhaber mehr vorbeikommt. Yekwon Sunwoo hat die Chance genutzt, die ihm der hochrenommierte Van Cliburn-Wettbewerb bot.

Der Preis wird alle vier Jahre vergeben. Er ist eine der „prestigeträchtigsten Auszeichnungen auf dem Feld der klassischen Musik“ (The Guardian). 1962 gegründet, führt er immer wieder junge Spitzenbegabungen zusammen, die sich in anspruchsvollen Live-Performances vor einer hochrangigen Jury zu bewähren haben. Verteilt werden in olympischer Manier drei Medaillen: Bronze, Silber und Gold.

Dem Gewinner lockt ein ansehnliches Preisgeld, in diesem Jahr 50.000 US-Dollar. Hinzu kommen vielfältige Unterstützungen in Sachen Tourneeplanung sowie Aufnahmeprojekte, für die die Universal Music Group verantwortlich zeichnet. Kurz: eine hochattraktive Auszeichnung, um die in diesem Jahr insgesamt 30 Wettbewerber aus 16 Nationen rangen.

Überwältigendes Album: Cliburn Gold 2017

Yekwon Sunwoo ist der triumphale Gewinner, und wenn man sein gerade erschienenes Gold-Album hört, dann weiß man auch, warum. Das versierte Spiel des aufstrebenden Youngsters bewährt sich auf allen Ebenen der Klavierkunst: Wenn er Haydns Klaviersonate Nr. 58 in C-Dur spielt, dann besticht seine Klarheit. In Rachmaninows Klaviersonate Nr. 2 in b-Moll beeindruckt sein vulkanisches Temperament, während er in Ravels "La valse" und Marc-André Hamelins "Toccata on 'L’homme armé'" mit tänzerisch-schwebendem Spiel glänzt.

Überaus zart klingt Schuberts, von Franz Liszt arrangierte Litanei auf das Fest Aller Seelen, und in Percy Graingers viel zu selten gehörter, pianistischer Verarbeitung des letzten Liebes-Duetts aus Strauss' "Rosenkavalier" läuft der Jungstar mit einer eleganten Melanche aus jazzigen, romantischen und impressionistischen Klängen zu absoluter Hochform auf. "Cliburn Gold 2017" ist ein hinreißendes Album, das große Erwartungen weckt. Chapeau Yekwon Sunwoo. Mehr davon!    


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10.08.2017
Musik zum Entspannen und Genießen

Beste Wahl - Die Reihe "Musik zum Entspannen und Genießen" wächst weiter

Mit den beiden aktuellen Neuerscheinungen "Nachtmusik" und "Schöne Stimmen" lotst Holger Wemhoff die Hörer erneut charmant durch die Welt der Klassik.

Musik zum Entspannen und Genießen, Beste Wahl - Die Reihe Musik zum Entspannen und Genießen wächst weiter © DG

Holger Wemhoff ist als Chefmoderator des Senders "Klassik Radio" musikalisch mit allen Wassern gewaschen und hat ein feines Gespür dafür, die Konzeptalben seiner Reihe "Musik zum Entspannen und Genießen" mit fein abgestimmten Programmen auszustatten. Aktuell hat sich der Moderator mit den Themen "Nachtmusik" und "Schöne Stimmen" auseinandergesetzt und präsentiert seine persönlichen Highlights großer Komponisten und Interpreten auf zwei neuen Doppelalben.

Faszinierende Stimmungen

Die Nacht ist eine faszinierende Zeit. Sie lädt zum Träumen ein und birgt in der Dunkelheit Raum für allerlei Geheimnisse. Darüber hinaus haben die späten Stunden auch viele Komponisten musikalisch inspiriert. "Die Nacht ist die Mutter von Gedanken", zitiert Holger Wemhoff in seinem wie immer sehr persönlichen Text im Booklet ein altes Sprichwort. Der Moderator hat 120 Minuten Musik zusammengestellt, die mit ruhigen, sanften, nachdenklichen und manchmal auch melancholischen Klängen die Ruhe einer entspannten Nachtstimmung widerspiegelt.

Große Nachtmusik

Natürlich darf auf einem Album mit dem Titel "Nachtmusik" Ludwig van Beethovens berühmte "Mondschein-Sonate" nicht fehlen. Holger Wemhoff hat eine Aufnahme mit Wilhelm Kempff ausgewählt, die den meditativen Charakter der Komposition wunderbar transportiert. Überhaupt kristallisiert sich das Klavier auf dem Doppelalbum als das "Instrument der Nacht" heraus, dem man wunderbare Stimmungen entlocken kann. Jan Lisiecki hat Frédéric Chopins Nocturne cis-moll op. posth. eingespielt, Emil Gilels interpretiert Edvard Griegs Notturno aus den Lyrischen Stücken, Heft 5, Nr. 4. und Daniel Barenboim hat sich dem Liebestraum Nr. 3 in As-Dur von Franz Liszt gewidmet. Ein weiteres Highlight ist die Aufnahme des langsamen Satzes aus der Serenade "Eine kleine Nachtmusik" von Wolfgang Amadeus Mozart, den das Orpheus Chamber Orchestra mit berührender Zartheit präsentiert. Wenn Anna Netrebko mit Engelsstimme Antonín Dvořáks "Lied an den Mond" aus der Oper Rusalka anstimmt, ist der nächtliche Zauber endgültig perfekt.

Große Stimmwunder

Auf dem Doppelalbum "Schöne Stimmen" setzt sich die Faszination für schönen Gesang fort, denn alles dreht sich um meisterhafte Kompositionen für die menschliche Stimme und die goldenen Kehlen ihrer Interpreten. Holger Wemhoff zelebriert mit dem Album seine persönliche Leidenschaft für die Oper und hat zu diesem Anlass wertvolle Aufnahmen mit den größten Sängern aller Zeiten ausgewählt: Montserrat Caballé und José Carreras singen mit glühender Hingabe das hochemotionale Duett "Qual occhio al mondo" aus Puccinis "Tosca", Ileana Cotrubaș und Placido Domingo glänzen unter der Leitung von Carlos Kleiber mit "Brindisi: Libiamo ne lieti calici" aus Giuseppe Verdis Oper "La Traviata" und - so verrät Holger Wemhoff im Einführungstext - dem Jahrhundert-Tenor Fritz Wunderlich ist die ultimative Aufnahme des spanischen Ohrwurms "Granada" gelungen.
Große Opernstars von heute, wie Anna Netrebko, Elīna Garanča, Bryn Terfel und Jonas Kaufmann, ergänzen den Reigen der schönen Stimmen und füllen das Doppelalbum mit grandiosen Aufnahmen, die das Herz jeden Opernfreundes in Verzückung versetzen.

Klassik für Unterwegs

Am 18. August erscheint eine weitere Folge der Serie, mit der es sich auf Reisen und unterwegs entspannen und genießen lässt. Auf dem Album "Klassik für Unterwegs" stehen dem Hörer neben Aufnahmen von Claudio Abbado oder Karl Böhm auch Interpretationen zeitgenössischer Solisten wie Jan Lisiecki oder Alice Sara Ott als Reisebegleiter zur Seite.

 


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10.08.2017
Herbert von Karajan

Karajan digital – Vier Kultalben in höchster Tonqualität

Wie kaum ein anderer Dirigent liebte Herbert von Karajan die Studioarbeit und wirkte am perfekten Klangbild mit. Jetzt erscheinen vier seiner Meisteralben in digitaler Gestalt – vollendet remastered, in audiophiler Spitzenqualität!

Herbert von Karajan, Karajan digital – Vier Kultalben in höchster Tonqualität © Siegfried Lauterwasser / DG

Technische Perfektion gehörte zu seinen Leidenschaften. Herbert von Karajan war nicht nur ein begnadeter Dirigent, sondern auch ein Mann des Fortschritts.

Geborener Technikfreak: Herbert von Karajan

Der Stardirigent nahm stets Anteil an technischen Neuerungen. Er suchte den lebendigen Austausch mit Aufnahme-Ingenieuren. Keine Innovation blieb ihm verborgen. Er war stets auf dem Laufenden. Sein experimentelles Temperament kam im Studio zu sich selbst. Die Laboratmosphäre bot ihm einen idealen Nährboden, um in geduldiger Kleinarbeit Klangnuancen miteinander zu vergleichen. Welches ist das beste Resultat? Wie vermittelt sich das Klangbild meines Orchesters am eindringlichsten?

Solche Fragen beschäftigten den Maestro leidenschaftlich. Er wollte Werke für die Ewigkeit schaffen und fühlte sich der Nachwelt verantwortlich. Die soghafte Kraft der Berliner Philharmoniker, ihr betörender Klang sollte nicht auf seine Generation beschränkt bleiben, sondern im 21. Jahrhundert weiterwirken. Und so phantastisch der Traum des visionären Dirigenten zu Lebzeiten angemutet haben mag, er wurde Wirklichkeit. Herbert von Karajan verewigte sich tatsächlich in seinen Aufnahmen, die musikalisch und technisch bis heute das Maß bilden.

Gewaltige Verantwortung: Karajan digital

Unterdessen hat sich die Technik weiterentwickelt. Wir leben im digitalen Zeitalter, und jetzt kommt es darauf an, die fein differenzierte Klangkunst der analogen Epoche in unsere Technik zu übersetzen. Eine enorme Verantwortung! Ein Unternehmen, das Feingefühl, Geduld und eine ausgereifte Expertise erfordert. Dass es sich lohnt, beweisen dabei immer wieder aufs Neue die digitalen Veröffentlichungen analoger Aufnahmeklassiker Herbert von Karajans.

Jetzt ist es wieder soweit. Vier analoge Kultalben des unvergessenen Dirigenten erblicken das Licht der digitalen Öffentlichkeit. Von den Originalbändern remastered, erscheinen sie in hochdifferenzierter Audio-Qualität im iTunes-Format und in HRA/HD-Äquivalenten. Dabei macht sich das ausgewogene Klangbild, für das Karajan sowohl musikalisch als auch aufnahmetechnisch verantwortlich zeichnete, vor allem in dem digitalen Album mit den vier Sinfonien von Johannes Brahms bezahlt. Die romantische Heftigkeit gerät hier nie aus dem Ruder.

Vier Kultalben: Von Mozart bis Strawinsky

Die Berliner Philharmoniker beherrschen Brahms nach allen Regeln der orchestralen Kunst, und es ist ein Segen, dass diese Aufnahmen jetzt in hoher digitaler Qualität vorliegen. Nicht minder anspruchsvoll ist das Album mit den Violinkonzerten Nr. 3 und 5 von Wolfgang Amadeus Mozart, erlebt man hier doch das leidenschaftliche Geigenspiel der jungen Anne-Sophie Mutter in einer ihrer frühen Sternstunden.

Der New Penguin Stereo Record Guide zeigt sich begeistert von Mutters bewegender Interpretation und lobt die "wohlausgewogene, fein detaillierte und moderne Aufnahme". Weniger bekannt dürfte Karajans Album mit italienischer Orchestermusik sein. Umso erfreulicher ist die jetzt erscheinende, digitale Veröffentlichung, bringt sie doch eine Trouvaille mit hochpoetischen Interpretationen des weltberühmten Dirigenten ans Licht:

Respighi, Boccherini und Albinoni – ältere und neuere italienische Musik, von den Berliner Philharmonikern hinreißend empfindsam dargeboten. Das vierte Album, das jetzt digital erscheint, ist ein Klassiker: Karajans Aufnahmen von Strawinskys "Le Sacre du Printemps" und Prokofievs fünfter Sinfonie genießen hohes Ansehen bei Fachleuten und gehören in jede gute Klassik-Sammlung.     

Bleibt zu erwähnen, dass – bis auf das italienische Album – alle Veröffentlichungen ein Booklet zum Herunterladen bereithalten und sämtliche Alben das originale Artwork der LP-Cover zum Vorschein bringen.   


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10.08.2017
Daniel Barenboim

Ausnahmepianist – Sämtliche Solo-Aufnahmen von Daniel Barenboim

Er gilt als das "letzte Genie der klassischen Musik" (Joachim Kaiser). Jetzt veröffentlicht Deutsche Grammophon sämtliche Solo-Aufnahmen, die Daniel Barenboim für das Gelblabel getätigt hat: Ein Lebenswerk, ein imponierendes Panorama meisterlicher Klavier

Daniel Barenboim, Ausnahmepianist – Sämtliche Solo-Aufnahmen von Daniel Barenboim © Felix Broede / DG

Daniel Barenboim ist ein Tausendsassa. Er hat nie nur auf einem einzigen Gebiet gewirkt, sondern stets versucht, seine Augen offen zu halten, zu experimentieren und seine Gaben multidimensional einzusetzen.

Musikalische Lichtgestalt: Daniel Barenboim

Als Dirigent erwarb er sich Weltruhm. Als politische Figur, die seine öffentliche Prominenz in die Waagschale warf, trug er maßgeblich zur friedlichen Vermittlung palästinensischer und israelischer Künstler bei. Sein Geschick auf dem organisatorischen Feld ist seit Jahrzehnten bekannt. Materialisierte Resultate wie das West-Eastern Divan Orchestra, die Barenboim-Said-Akademie und der im Vorjahr eröffnete Pierre Boulez Saal sprechen für sich.

Bleibt – last but not least – seine Rolle als Meisterpianist, die sich parallel zu seinen sonstigen Tätigkeiten wie ein Automatismus fortgesetzt hat und dabei ein starkes Resultat nach dem nächsten zeitigte. Daniel Barenboim und das Klavier – das ist eine Einheit, das ist eine Liebe fürs Leben, die seit über sechzig Jahren auf der Bühne zu bewundern ist. Dass der Meister selbst kein großes Aufhebens um sein Klavierspiel macht, ist überdeutliches Understatement.      

Quadratur des Kreises: Hochemotionale Coolness

Aber es ist auch eine Stilfrage. Daniel Barenboim ist ein Meister der Coolness. Obwohl er seine Emotionen nicht zurückhält, beherrscht er den entspannten Auftritt in der Öffentlichkeit wie kaum jemand sonst. Man hat nie den Eindruck, dass er sich verstellen muss. Keine Allüre verunstaltet seine Gesten. Egal wo er in Erscheinung tritt: Er ist er selbst. Er bleibt gelassen, und er lässt sich durch nichts beirren. Darin könnte das Geheimnis seiner überzeugenden Persönlichkeit begründet liegen, von der auch sein Klavierspiel unüberhörbar zeugt.

In einer Zeit, die nach Originalität giert, ist es reifen Größen wie Daniel Barenboim vorbehalten, auf dem Boden zu bleiben, die Ruhe zu bewahren und große Kunst einfach geschehen zu lassen. Originalität ereignet sich oder ereignet sich nicht, und kaum ein Künstler der Gegenwart versteht sich so glänzend darauf, Freiräume zu schaffen, wie Daniel Barenboim. Ironischerweise hat er gerade mit dieser Methode, die nicht krampfhaft um Originalität bemüht ist, den Klangreichtum der klassischen Klavierliteratur instinktsicher hervorgezaubert.  

Edle Edition: Lebenswerk eines Genies 

Das beweist in überwältigender Weise seine Solo-Edition, die Deutsche Grammophon jetzt im Vorausblick auf seinen 75. Geburtstag am 15. November 2017 auf den Markt bringt. "Daniel Barenboim: The Solo Recordings on Deutsche Grammophon & Westminster" umfasst 38 CDs und enthält sämtliche Solo-Aufnahmen, die Daniel Barenboim für das Gelblabel und Westminster Records getätigt hat, darunter 300 Minuten Musik, die erstmals überhaupt digital erscheinen. Hinzu kommt eine Bonus-CD, die mit frühen Aufnahmen bei Philipps aufwartet.

Der hochbegabte 13-Jährige ist in der limitierten Edition genauso präsent wie der Barenboim der mittleren Jahre und der gereifte Grandseigneur des 21. Jahrhunderts. Was sich hier auftut, ist eine pianistische Sensation. Das Lebenswerk eines großen Tastenmagiers tritt vor die Öffentlichkeit. Dabei staunt man nicht schlecht, wie Daniel Barenboim schon in jungen Jahren seinen ebenso legeren wie hochemotionalen Stil pflegte. Bereits die frühen Aufnahmen zeugen von einer enormen Souveränität, die sich im Laufe der Jahre immer weiter verfeinerte.

Das in der Edition dominierende romantische Repertoire erklingt weltbürgerlich, großzügig. Ob Beethoven oder Schubert, Schumann oder Brahms, Chopin oder Liszt – Barenboim versteht es stets, die Spannung zu halten. Das macht die Ausgabe zu einem kurzweiligen, nie stockenden Hör-Erlebnis. Gelungen abgerundet wird die Edition gestalterisch: Die CD-Hüllen sind dem Design der LP-Cover nachempfunden, und das 72-seitige Booklet mit dem Essay von Jürgen Otten und den Fotos von Daniel Barenboim gerät zu einem faszinierenden Künstlerportrait.  


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20.07.2017
Elina Garanca

Leuchtende Erscheinung - Elīna Garanča glänzt in Donizettis Oper "La favorite"

Mit der Münchner Inszenierung der Oper "La favorite", die nun auf DVD erscheint, präsentiert die Deutsche Grammophon Elīna Garanča in einer Paraderolle, für die sie 2016 an der Bayerischen Staatsoper gefeiert wurde.

Elina Garanca, Leuchtende Erscheinung - Elīna Garanča glänzt in Donizettis Oper La favorite

Gaetano Donizettis Oper "La favorite" wurde am 2. Dezember 1840 an der Pariser Oper uraufgeführt und vom Publikum begeistert angenommen. Bis heute steht das Werk regelmäßig als eine Art Geheimtipp auf dem Spielplan großer Opernhäuser und erweist sich für alle Beteiligten als vielschichtige und inspirierende Quelle für künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten.

Dichte Geschichte

Die Liebesgeschichte zwischen der schönen Leonór und dem jungen Novizen Fernandox ist ein Stoff, der wie für eine Grand Opéra geschaffen ist. Vor dem Hintergrund eines Machtkampfes von Kirche und Staat im spanischen Kastilien des 14. Jahrhunderts, werden die Liebenden im Laufe der Handlung mit den Konsequenzen ihrer Sehnsüchte und Wünsche konfrontiert und auf sich selbst und ihre Ängste zurückgeworfen.

Starke Präsenz

In Amélie Niermeyers kammerspielartiger intimer Inszenierung von Gaetano Donizettis Oper "La favorite" in ihrer französischen Originalfassung zeigt sich Elīna Garanča völlig abseits von Kitsch und Drama stimmlich und spielerisch in Höchstform und gab damit 2016 ihr grandioses szenisches Debüt als Léonor. Wenn sie in starke Frauenrollen schlüpft, ist die Mezzosopranistin ganz in ihrem Element. Im auf das Wesentliche reduzierten Bühnenbild von Alexander Müller-Elmau strahlt Elīna Garanča im roten Mantel umso leuchtender und füllt den Raum in jeder Hinsicht mit Präsenz und Stimme.

Schöne Stimmen

Überhaupt ist der Cast für  die Münchner Produktion durch und durch gelungen. Der amerikanische Tenor Matthew Polenzani präsentiert sich als hin- und hergerissener liebender Fernando mit lyrischer Tonschönheit und juveniler Natürlichkeit. Elsa Benoit bezaubert mit einem wunderbar schimmernden Timbre als Inès und der polnische Bariton Mariusz Kwiecień überzeugt als König Alphonse mit sonorem Klang und spielerischer Leidenschaft. Über allen strahlt Elīna Garanča mit einer unaufgeregten Virtuosität und Ausdruckskraft, die in der Arie "O mon Fernand... Mon chatiment descend du ciel" ihren Höhepunkt erreicht.
Ihr Ehemann Karel Mark Chichon lotet derweil am Pult des bayerischen Staatsorchesters mit eindrucksvoller Intensität das Klangspektrum von Donizettis Partitur aus.


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20.07.2017
Diverse Künstler

Die größten Dirigenten – Neues Mammut-Paket der 111er-Serie

In der kultigen 111er-Serie von Deutsche Grammophon erscheint eine neue Edition: 40 große Dirigenten in bahnbrechenden Aufnahmen. Eine glänzende Zusammenstellung, die in keiner Klassik-Sammlung fehlen sollte!

Diverse Künstler, Die größten Dirigenten – Neues Mammut-Paket der 111er-Serie © DG

Als das Gelblabel im Jahre 2009 seine 111er-Serie startete, ahnte wohl keiner, welch immense Erfolge das Projekt zeitigen würde. Doch die Nachfrage war riesig.

Imponierender Fundus: Dankbares Publikum

Das Klassik-Publikum verlangt nach gut geordneten Kompilationen. Es hat ein Recht auf Orientierung. Die Geschichte der klassischen Musik ist so verschlungen, dass Hilfestellungen Gold wert sind. Für den Insider vertiefen sie vorhandenes Wissen und stellen manche Rarität bereit, und der Laie ist froh, wenn er sich einen Überblick verschaffen kann. Aber in wessen Hände ist eine solche Expertise gelegt? Wer verfügt über das nötige Know how und besitzt die begehrten Rechte an bedeutsamen Aufnahmen, die großangelegte, überblicksartige Klassikeditionen erst möglich machen?

Die 111er-Serie ist die Antwort, verweist die Zahl doch auf den stolzen Geburtstag, den das Gelblabel im Jahre 2009 feierte. 111 Jahre Deutsche Grammophon, das war ein gewaltiger Zeitraum, das war eine triumphale Geschichte, in der sich ein beeindruckender Fundus an großartigen Klassikaufnahmen angehäuft hatte. Jetzt ist die Zeit, dieses Erbe dem Publikum des 21. Jahrhunderts zugänglich zu machen, und mit "The Conductors – Legendary Recordings" unternimmt das Gelblabel einen weiteren Schritt in diese Richtung.

Großartiger Gesamtüberblick: Meisterdirigenten des 20. Jahrhunderts  

"The Conductors – Legendary Recordings“ umfasst 40 Tonträger. Jeder einzelne von ihnen porträtiert einen großen Dirigenten mit Schlüsselaufnahmen für das Gelblabel. Das zeitliche Spektrum reicht von 1930 bis in unsere Zeit. Entsprechend reich sind die orchestralen Klangfarben und expressiven Nuancen, die man in der Edition erleben darf. Zu unterschiedlichen Zeiten wird unterschiedlich musiziert.

Die Spannung und atmosphärische Dichte – bei gleichzeitigem architektonischen Gespür –, die Carlos Kleiber bei den Beethoven-Sinfonien erzeugte, ist noch heute singulär, faszinierend, gleichzeitig individuell wie überzeitlich. Die besondere Nähe zum (spät-)romantischen Repertoire und dessen Interpretationstradition, die Christian Thielemann kultiviert, lässt das "Heldenleben" von Richard Strauss auch im 21. Jahrhundert als eine unmittelbar berührende musikalische Narration erscheinen.

Unterschiedliche Interpretationen gründen nicht nur in unterschiedlichen Zeiten und Hörgewohnheiten, sondern auch in den unterschiedlichen Temperamenten der Dirigenten und ihren jeweiligen Klangkörpern. Hier öffnet sich in der neuen Edition ein unermessliches Feld. Die nicht enden wollende Riege eigenwilliger Genies, wie Herbert von Karajan, Karl Böhm, Pierre Boulez, Seiji Ozawa, Daniel Barenboim, Simon Rattle oder Andris Nelsons, spricht für sich.

Digitale Auskopplung: Etliche Erstveröffentlichungen  

Dass die CD-Hüllen dem Cover-Design der Ersterscheinungen nachempfunden sind, wird Sammlerherzen höher schlagen lassen. Das gilt auch für das ebenso informative wie unterhaltsame Booklet, das 112 Seiten umfasst und einen Lesegenuss pur verspricht. Neben berühmten Aufnahmen wartet die Edition übrigens auch mit Raritäten auf. Einige besonders wertvolle erscheinen parallel zur physischen Edition auch digital. Die vier e-Alben von Fritz Busch, Riccardo Chailly, Ferdinand Leitner und Carl Schuricht demonstrieren Orchestermusik auf höchstem Niveau.

Mitreißend: der junge Chailly, der Prokofievs pulsierende Sinfonik zelebriert. Mit Busch, Leitner und Schuricht werden Meisterdirigenten in Erinnerung gerufen, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Ein absolutes Highlight: Schurichts erstmals digital erscheinende, überwältigende Aufnahme von Bruckners Sinfonie Nr. 7 mit den Berliner Philharmonikern. Der Mitschnitt stammt aus den dreißiger Jahren und demonstriert einmal mehr, wie wichtig die behutsame Bergung archivalischer Schätze ist.


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20.07.2017
Diverse Künstler

Bach modern – Edition mit den Kult-Aufnahmen von Walter Gieseking

Er gehört zu den größten Klaviergenies des 20. Jahrhunderts. Jetzt erscheinen seine legendären Bach-Aufnahmen für Deutsche Grammophon in einer edlen Gesamtedition: Fugen, Partiten, Präludien – elektrisierend modern interpretiert.

Diverse Künstler, Bach modern – Edition mit den Kult-Aufnahmen von Walter Gieseking © DG

Von Lyon nach Hannover

Der 1895 in Lyon geborene Meisterpianist spürte das Brodeln der Zeit: das junge Industriezeitalter zwischen Aufbruch und Angst, zwischen großen Hoffnungen und derben Enttäuschungen. Aufgewachsen an der französischen und italienischen Riviera, kommt er als Jugendlicher nach Hannover, wo er bei dem versierten Musikpädagogen Karl Leimer Klavierunterricht erhält. Der Junge ist hochbegabt. Er lernt schnell und prägt in kürzester Zeit einen eigenen Stil aus. Gieseking verbindet technische Raffinesse mit Leichtigkeit. Sein Spiel ist perfekt organisiert. Trotzdem klingt es natürlich. Bei seinem Lehrer hat Gieseking gelernt, dass der Körper ins Klavierspiel hineingelegt werden sollte.

Ein intuitiver Methodiker

Gemeinsam mit Karl Leimer bringt er schließlich eine moderne Klavierschule heraus und arbeitet an einer neuen Methodik des Klavierspiels. Deren Pointe: kein Drill, keine Verrenkungen am Klavier. Die Musik muss fließen. Sie muss vom Pianisten innerlich verstanden worden sein, bevor er sie in schöner, entspannter Manier zur Geltung bringen kann. Das klingt nach intuitiven Fertigkeiten. Eine perfekte Vorbereitung auf romantische und impressionistische Literatur. Aber auf Bach? Kann man so einem barocken Komponisten auf die Spur kommen?

Bach modern: Klare Linien, weicher Anschlag

Es bleibt ein unschätzbares Verdienst von Walter Gieseking, Bachs elektrisierende Modernität entdeckt zu haben. Damit kann er als Vorreiter von Größen wie Rosalyn Tureck oder Glenn Gould gelten, die Bach auf ihre Weise modern, mit schlanker Eleganz darboten. Gieseking tat dies auf seine Weise. Seine Alleinstellungsmerkmale waren der weiche Anschlag, das zügige, kurzweilige Spiel und die poetisch-träumerische Noblesse, die er Bach verlieh. Wie es ihm gelang, bei so viel Zartheit glasklare Harmonien zu produzieren, bleibt sein Berufsgeheimnis. Dabei war ein keineswegs ein Verteidiger von pianistischen Übe-Exzessen: "Der Grad der musikalischen Begabung verhält sich umgekehrt proportional zu der Zeit, die man fürs Üben aufwenden muss", lässt sich der Meister vernehmen. Das spontane Moment bei gleichzeitiger intuitiver Durchdringung der Materie scheint eines seiner Geheimnisse gewesen zu sein.

Die zwischen 24. Januar und 5. Juni 1950 in wenigen Aufnahmesitzungen entstandenen Mitschnitte wurden im Studio Saarbrücken zu Bachs zweihundertstem Todestag eingespielt. Das Live-Element mit sehr wenigen Takes ist unverkennbar für diese Aufnahme – und macht sie zu etwas ganz Besonderem: Gieseking hat nur sehr wenig Bach aufgenommen, sein Mut zum Risiko und kontrastreichen Spiel ist bemerkenswert, und das Gefühl einem genialen Akt beizuwohnen stellte sich bereits bei zeitgenössischen Hörern ein, die diesen Bach-Zyklus in den höchsten Tönen lobten: "Im Sender erlebte ich ein Wunder: die Aufnahme der ersten 24 Präludien und Fugen … einfach fabelhaft", äußerte ein Zeuge der Aufnahme (Stewart Gordon). Nach längerer Zeit liegt nun erstmals eine Edition mit diesem interpretationsgeschichtlich bedeutsamen Bach-Zyklus vor.

"Walter Gieseking – Complete Bach Recordings on Deutsche Grammophon" umfasst sieben Tonträger. Alle Aufnahmen wurden frisch remastert. Etliche darunter erscheinen erstmals auf CD bzw. als Download/Streaming-Album.

Die Hüllen der CDs sind dem Cover-Design der Ersterscheinungen nachempfunden. Als Bonus lockt Schumanns Klavierkonzert mit Walter Furtwängler und den Berliner Philharmonikern, eine fulminante Aufnahme von 1948. Das Booklet rundet die Edition gelungen ab. Es umfasst 40 Seiten, enthält einen brandneuen Essay von Giesekings Meisterschüler Frank R. Latino und wartet mit bislang noch unveröffentlichten Fotos des großen Pianisten auf. Besonders reizvoll schließlich: Passagen aus Giesekings Autobiographie, in denen er sein Bach-Spiel reflektiert.   

 


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20.07.2017
Diverse Künstler

Moderner Held – Klaus Florian Vogt singt bewegenden Parsifal

Er hatte schon viele große Momente als Wagner-Sänger. Sein Auftritt bei den Bayreuther Festspielen 2016 hat jedoch das Zeug, Geschichte zu schreiben. Jetzt erscheint die provokante Parsifal-Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg auf DVD/Blu-ray.

Diverse Künstler, Moderner Held – Klaus Florian Vogt singt bewegenden Parsifal

Klaus Florian Vogt ist ein großer Verwandlungskünstler. Der 1970 in Heide/Holstein geborene Opernsänger steht nie still. Irgendetwas bewegt sich immer in ihm, nimmt Fühlung auf, testet eine Richtung aus, in der Vielversprechendes zu erwarten ist.

Künstler mit Witterung: Klaus Florian Vogt

So hält er es auf der Bühne, und so hat er es in seiner Karriere immer gehalten. Begonnen hat Klaus Florian Vogt als Hornist. Gleich nach dem Diplom heuerte er beim hochangesehenen Philharmonischen Staatsorchester Hamburg an, musizierte dort von 1988 bis 1997 mit viel Herzblut und ließ gleichzeitig einen weiteren Traum seiner Laufbahn reifen. Vogt spürte die immense Kraft seiner Stimme.

Noch während seiner Tätigkeit als Orchestermusiker nahm er ein Gesangsstudium auf, und seine Witterung erwies sich als goldrichtig. Spätestens als er im Jahre 1998 an der Semperoper aufgeschlagen hatte und sich der engagierten Förderung des italienischen Meisterdirigenten Giuseppe Sinopoli sicher sein durfte, war klar, dass er mit seiner Gesangslaufbahn zu den Sternen greifen kann. Und das gelang ihm dann auch.  

Parsifal reloaded: Moderner Held

Bereits als lyrischer Tenor legte er beachtliche Bühnenerfolge hin. Doch Vogt war immer noch nicht da, wo er sein wollte. Mit spannungsgeladeneren Rollen wie Hans in Smetanas Verkaufter Braut oder Matteo in Richard Strauss’ Arabella lotete er seine dramatischen Möglichkeiten aus, und als er im Jahre 2002 am Theater Erfurt als Lohengrin debütierte, da offenbarte sich sein dramatisches Charisma glänzend und sprach sich im internationalen Opernbetrieb blitzschnell herum.

Publikum und Fachpresse waren hingerissen von seinem Auftritt. Ein jugendlicher Heldentenor war geboren, frisch, neuartig und modern. Vogt schlug als Wagner-Sänger eine Weltkarriere ein, und dass der norddeutsche Meistertenor einen mythischen Helden zu erneuern weiß, zeigt sich nun in der fulminanten Parsifal-Produktion, die im Vorjahr unter der Regie von Uwe Eric Laufenberg bei den Bayreuther Festspielen Premiere feierte und soeben auf DVD/Blu-ray erschienen ist. Vogt verkörpert die Unschuld des jungen Ritters eindringlich. 

Üppige Bilder: Uwe Eric Laufenberg

Parsifal, der am Ende der Oper zum neuen Gralshüter erstrahlen soll, kommt hier in berührend naiver Gestalt zur Geltung. Mit Kundry, die in ihrer seelischen Vielfalt von der russischen Sopranistin Elena Pankratova eindrucksvoll interpretiert wird, knistert es heftig. Parsifal verliert, aller Engelhaftigkeit zum Trotz, bei Vogt nie seine menschlichen, verführbaren Züge.

Die Inszenierung ist auch sonst glänzend besetzt: Georg Zeppenfeld singt einen bewegenden Gurnemanz. Ryan McKinny stattet Amfortas mit nobler Eleganz aus. Dazu: strahlende Wagner-Klänge des Bayreuther Festspielorchesters unter der Leitung von Hartmut Haenchen. Mit Wehmut blickt man auf die Partie des Klingsor, erlebt man hier doch zum letzten Mal den großen Wagner-Interpreten Gerd Grochowski, der am 16. Januar 2017 vollkommen unerwartet starb.

Die Oper lebt von den markanten Charakteren ebenso wie von den üppigen Bildern, die die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg hervorzurufen weiß. Das trug dem Regisseur in der internationalen Presse viel Lob ein und beweist einmal mehr, wie reizvoll das Projekt von Deutsche Grammophon ist, jedes Jahr eine bedeutende Premiere der Bayreuther Festspiele als Video zu veröffentlichen. 


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13.07.2017
Charles Lloyd

Bilanz mit bahnbrechender Band - neues Livealbum von Charles Lloyd

Charles Lloyd, Bilanz mit bahnbrechender Band - neues Livealbum von Charles Lloyd D. Darr

Charles Lloyd kennt man in der Jazzszene seit einem halben Jahrhundert als philosophischen Feingeist mit einem gewissen Hang zu Mystizimus und Spiritualität. Ein Mann plakativer Worte war der Saxophonist nie. Doch sein mittlerweile nicht mehr ganz so neues New Quartet mit Pianist Jason Moran, Bassist Reuben Rogers und Schlagzeuger Eric Harland bezeichnet er ohne rot zu werden als "eine bahnbrechende Band, die unerreicht ist". "Hoppla", mag sich da mancher denken, "ist das etwa derselbe Charles Loyd, der in den 1960ern mit Cracks wie Gábor Szabó, Ron Carter und Tony Williams zusammenspielte und jenes fabelhafte Quartett mit Keith Jarrett, Cecil McBee und Jack DeJohnette leitete?" Er ist es. Und auch danach umgab  sich Lloyd niemals mit Musikern der zweiten Garnitur.

 

Zuletzt etwa nahm er für Blue Note spannende Projekte mit Pianist Gerald Clayton, Bassist Joe Sanders, Schlagzeuger Gerald Cleaver, dem griechischen Lyra-Virtuosen Sokratis Sinopoulos und dem ungarischen Zymbal-Maestro Miklós Lukács ("Wild Man Dance") sowie mit u.a. Bill Frisell, Greg Leisz, Norah Jones und Willie Nelson ("I Long To See You") auf. Doch für sein neues Album "Passin’ Thru" tat sich der 79-jährige Saxophonist einmal mehr mit seinem vor gut zehn Jahren gegründeten New Quartet zusammen, mit dem er für ECM Records zwischen 2007 und 2010 die drei Meisterwerke "Rabo De Nube", "Mirror" und "Athens Concert" aufgenommen hatte.

 

Lloyd erklärt, warum er nun mit "Passin' Thru" ein neues Kapitel im Leben dieser Band aufgeschlagen hat: "Es ist ein kleiner Planet, und wir befinden uns hier nur auf der Durchreise zu dem Einen", sagt er. "Hin und wieder gelangt man bei dieser Reise an entscheidende Kreuzungen. Dieses Quartett mit Jason, Reuben und Eric fand im April 2007 auf sehr organische Art zueinander. Nach den ersten Tönen unseres ersten Konzertes wusste ich schon, dass es eine magische Formation war." Im Sommer 2016 trommelte Lloyd das New Quartet für seine erste ausgedehnte Tour in Jahren zusammen. Tatsächlich beginnt "Passin’ Thru" mit dem ersten Song, der auf dieser Tournee gespielt wurde: "Dream Weaver" wurde 2016 beim Montreux Jazz Festival aufgezeichnet. Die restlichen sechs Stücke wurden im selben Jahr im Lensic Theater in Santa Fe/New Mexico bei einem sublimen Konzert aufgenommen, das Lloyd - so wie übrigens auch das gesamte Album - seiner im Herbst 2014 verstorbenen Freundin Judith McBean gewidmet hat. "Shiva Dreams", die letzte Nummer des Albums, war - so sagt Lloyd -  "ein Gebet und eine Meditation für sie".

 

Das Repertoire setzt sich zusammen aus überarbeiteten Klassikern ("Passin’ Thru", "Dream Weaver", "How Can I Tell You" und "Tagore On The Delta") und neueren Kompositionen  ("Part 5, Ruminations","Nu Blues" und "Shiva Dreams") des Saxophonisten zusammen. Auf die Frage, weshalb er für "Passin’ Thru" Songs aus seiner Vergangenheit einer neuerlichen Reflexion unterzog, antwortet Lloyd: "Die Lieder sind meine Kinder. Die Kinder sind aufgewachsen und haben das Haus verlassen. Ich besuche sie von Zeit zu Zeit in verschiedenen Ecken der Welt. ‘Passin’ Thru’ und ‘Dream Weaver’ sind nur zwei meiner vielen Kinder. Sie verließen das Haus und kehrten zurück. Ich verließ das Haus und kehrte zurück. Wenn wir uns gegenseitig besuchen, stellen wir fest, dass wir uns mehr Geschichten zu erzählen haben. So wie sie reifer geworden sind, bin auch ich es geworden. Wenn ich heute hinausgehe, dann bringe ich viele Jahre Erfahrung mit, die ich noch nicht besaß, als ich ein idealistischer junger Mann war." Lloyd hat mit Erstaunen festgestellt, wie sich die Mitglieder seines New Quartet entwickelt haben. "Sie haben ihre Flügel auf verschiedene Arten ausgebreitet. Aber wenn wir als Einheit zusammenkommen, stellen wir fest, dass die Musik und Liebe sich nur vertieft haben. Das Band unserer gemeinsamen Erfahrungen - auf und abseits der Bühne - beseelt und bereichert die Musik.In einer Zeitspanne von zehn Jahren steckt man viel Territorium ab. Aber im Zeitrahmen des Univsersums ist es bloß eine Nanosekunde."


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News

13.07.2017
Vladimir Ashkenazy

Im Großen und Ganzen - Deccas glänzende Gesamtedition sämtlicher Konzerteinspielungen von Vladimir Ashkenazy

An Vladimir Ashkenazys Interpretationen der großen Klavierliteratur kann man sich kaum satt hören. Die umfangreiche Gesamtedition seiner Konzert-Einspielungen für das Label Decca bietet jede Menge Gelegenheit für ausgiebigen Hörgenuss.

Vladimir Ashkenazy, Im Großen und Ganzen - Deccas glänzende Gesamtedition sämtlicher Konzerteinspielungen von Vladimir Ashkenazy © Decca / Vivianne Purdom

In seinen 79 vollendeten Lebensjahren hat Vladimir Ashkenazy an den Tasten ein reiches Repertoire erschlossen und ist zweifellos einer der bedeutendsten Pianisten unserer Zeit. Neben Talent, Brillanz und technischer Perfektion überzeugt er auch durch sein bescheidenes Auftreten und seine sensible Annäherung an die Musik gänzlich unterschiedlicher Epochen. Für die Decca nimmt Vladimir Ashkenazy bereits seit 1963 auf und ist damit der dem Label am längsten assoziierte Künstler. Die Edition fängt den künstlerischen Lebensweg des russischen Pianisten auf 46 CDs, zwei DVDs und einem umfangreichen Booklet mit Begleitmaterial ein.

Gesammelte Werke

Sich geschlossen mit großen Zyklen eines Komponisten aufzunehmen, ist ein spannendes Unterfangen. Vladimir Ashkenazy ist ein Mann der Nachhaltigkeit. Er hat sich dieser Aufgabe oft und gerne gestellt und Einspielungen geschaffen, die durch ihre differenzierte Klanggestaltung und eine reiche Palette an Klangfarben Einblicke in seine intensive künstlerische Auseinandersetzung mit den individuellen Handschrift der verschiedenen Komponisten geben. Die drei Beethoven-Zyklen beinhalten unter anderem die Grammy-preisgekrönte Aufnahme mit dem Chicago Symphony Orchestra unter Sir Georg Solti aus dem Jahr 1973, die vor Spielfreude nur so übersprudelt. Die beiden kompletten Rachmaninofv-Zyklen offenbaren die besondere Beziehung, die Vladimir Ashkenazy zum Werk des russischen Komponisten hat. Als erster Pianist überhaupt hat Ashkenazy über viele Jahre hinweg nach und nach alle Kompositionen für Klavier von Sergej Rachmaninov vollständig eingespielt und dessen Oeuvre damit zu seiner persönlichen Herzensangelegenheit erklärt.
Seine musikalische Aufgeschlossenheit kommt in den Zyklen mit Klavierkonzerten von Sergej Prokofiev, Béla Bartók, Johannes Brahms und Wolfgang Amadeus Mozart zum Ausdruck. Ashkenazys Mozart-Interpretationen verströmen liebreizende Frische und Wärme, die Aufnahmen der Klavierkonzerte von Johannes Brahms zeichnen sich durch emotionale Tiefgründigkeit aus und in den Klavierwerken von Béla Bartók präsentiert der Pianist eine atemberaubende Fülle von Farben.

Späte Liebe

Nach den ausgedehnten Streifzügen durch die Klassik und die Romantik, setzt sich Vladimir Ashkenazy seit einigen Jahren auch intensiv mit den Klavierwerken von Johann Sebastian Bach auseinander, dem er mit einer Einspielung der Französischen Suiten auch sein jüngstes Album gewidmet hat. Die Gesamtedition enthält eine Aufnahme von Bachs Klavierkonzert in d-Moll BWV 1052, die im Zusammenspiel mit dem London Symphony Orchestra und David Zinman entstanden ist. Im Spiel mit kontrapunktischer Formenstrenge und harmonischer Transparenz ist Vladimir Ashkenazy hörbar in seinem Element.

Musikalische Vielseitigkeit

Seit dem Ende der 1970er Jahre tritt Vladimir Ashkenazy nicht nur als Pianist, sondern auch als Dirigent in Erscheinung und leitete unter anderem renommierte Klangkörper wie das Royal Philharmonic Orchestra, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, die Tschechischen Philharmoniker, das NHK-Sinfonieorchester Tokio und das Sydney Symphony Orchestra. Auch als Konzertpianist übernahm er hin und wieder die musikalische Leitung und dirigierte vom Flügel aus. Sein Beethoven-Zyklus mit dem Cleveland Orchestra und die Mozart-Einspielungen mit dem Philharmonia Orchestra sind Zeugnisse dieser künstlerischen Vielseitigkeit und machen Vladimir Ashkenazys feines Gespür für musikalische Ausgewogenheit und allumfassende Klangschönheit deutlich.

 


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