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Hape Kerkeling, Gewinnt Hape Kerkeling Hörbucher
Hape Kerkeling

Gewinnt Hape Kerkeling Hörbucher

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02.07.2014
Diverse Künstler

Eine nationale Ikone - Das Boston Pops Orchestra

Das Boston Pops mischt Klassik und Unterhaltungsmusik. Damit begeistert das Orchester seit 1885 Millionen amerikanischer Hörer. Sieben seiner schönsten Alben, aufgenommen unter der Leitung von John Williams, werden nun digital wiederveröffentlicht.

Diverse Künstler, Eine nationale Ikone - Das Boston Pops Orchestra

Mehr "Häppchenklassik" hat Musiker und Entertainer Götz Alsmann einmal gefordert. "Der Klassikmarkt krankt traditionell an seinem elitären Gehabe", meint der promovierte Musikwissenschaftler. "Häppchen machen Appetit auf mehr."

Das Boston Pops Orchestra zeigt erfolgreich, wie man den Massen Klassik schmackhaft macht. Und zwar bereits seit 1885. Das Orchester wurde von Mitgliedern des Boston Symphony Orchestra gegründet, die auch außerhalb der Saison zusammen musizieren wollten. Die "Spring Pops" Mitte Mai bis Mitte Juni und die "Holiday Pops" in der Vorweihnachtszeit sind seither Tradition.

Zwangloser Genuss

Seit jeher folgen die Konzerte des Boston Pops einer kulinarischen Logik. Das Publikum genießt ein musikalisches Dreigänge-Menü: Beliebte und leicht verdauliche Orchesterwerke im ersten Teil des Programms, eine Sinfonie oder ein Konzert im Mittelteil und Unterhaltungsmusik zum Dessert. Für die Konzerte werden die Sitzreihen in der Boston Symphony Hall abgebaut und durch eingedeckte Tische und Stühle ersetzt, an denen man den Gästen Häppchen und Getränke serviert. Bei der Errichtung des Konzerthauses im Jahr 1900 installierte man eigens für diese Umbaumaßnahme einen versteckten Lastenaufzug im Auditorium.

Traditionelles Konzert am 4. Juli

Unter Arthur Fiedler, der das Boston Pops von 1930 bis 1979 leitete, wurde das Orchester vom regionalen Phänomen zu einer Ikone amerikanischer Musikkultur. Auf ihn geht die wöchentlich ausgestrahlte TV-Sendung "Evening at Pops" (bis 2004) zurück. Fiedler initiierte auch das traditionelle Boston Pops Fireworks Spectacular am 4. Juli. Bei dem seit 1974 jährlich stattfindenden kostenlosen Open-Air-Konzert mit anschließendem Feuerwerk in der Charles River Esplanade von Boston spielt das Orchester vor bis zu 500.000 Menschen.

Ein Hauch von Hollywood

Fiedlers Nachfolger war John Williams. Der berühmte Filmkomponist brachte Hollywood-Glamour nach Boston und bereicherte das Repertoire des Boston Pops um bekannte Melodien aus Filmen wie "Indiana Jones" oder "Star Wars", die aus seiner Feder stammen. Die von John Williams und dem Boston Pops aufgenommenen Alben verkauften sich millionenfach und genießen Kultstatus. Williams ist heute Ehrendirigent des Boston Pops. Amtierender musikalischer Leiter ist Keith Lockart.

Alle digital wiederveröffentlichen Boston Pops-Alben im Überblick:


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25.11.2010
Eloquence Junior Klassik

Der Brummer und der Lindwurm

Michael Ende und Wilfried Hiller waren ein produktives Team. Von 1978 an erfanden sie schillernde Figuren wie Filemon Faltenreich oder den frechen Lindwurm und machten daraus Musik-Hörspiele für Kinder und Eltern

Eloquence Junior Klassik, Der Brummer und der Lindwurm

Ein bisschen verschnupft war er schon. Schließlich hatte Michael Ende mit Jim Knopf eine der beliebtesten Kinderbuchfiguren der Nachkriegszeit kreiert. Seine Kritiker jedoch erkannten seine poetische Kraft nicht an und so beschoss er noch in den Siebzigern, ins weniger prosaische Italien zu ziehen. Dort entstanden dann Klassiker der Jugend-Literatur - Fantasy würde man heute sagen – wie „Momo“, „Die unendliche Geschichte“ oder „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“, die den Ruhm des Autors mehrten und sich in millionenfacher Auflage verkauften.

Trotz Umzug beibehalten wurde aber die Zusammenarbeit von Michael Ende und dem Münchner Komponisten Wilfried Hiller. Anno 1978 entwickelten sich die ersten gemeinsamen Aktivitäten, die dann sieben Jahre später in der Kinderoper „Der Goggolori“ gipfelten. Es war eine ebenfalls sehr erfolgreiche Kooperation, die darüber hinaus noch charmante Geschichten wie „Die Fabel von Filemon Faltenreich oder die Fussballweltmeisterschaft“ oder auch „Der Lindwurm und der Schmetterling oder der seltsame Tausch“ hervorbrachten. In den frühen achtziger Jahren gingen Ende, Hiller und ein Musikerteam damit ins Studio und machten daraus Hörspiele für Kinder. Der eine fungierte zumeist als Erzähler und schlüpfte auch schon mal in eine Rolle, der andere hielt als Komponist, musikalischer Leiter und machmal auch Pianist das Geschehen vor den Mikrofonen zusammen.

Und es sind humorvolle Geschichten, die da den Kindern und Eltern präsentiert werden. Filemon Faltenreich beispielsweise ist ein philosophischer Elefant. Seine Weltsicht kümmert sich so sehr um das Große, dass er das Kleine gar nicht bemerkt. Wie beispielsweise die Fliegen, die ihn zu einem Fußballmatch herausgefordert haben. Diese winzigen Brummer können ihn mangels Gegenwehr dann auch besiegen und dem Rest der Welt stolz verkünden, was sie Unglaubliches geschafft haben. Der Lindwurm und der Schmetterling wiederum nennen sich lange Zeit Drache und Kohlweißling, bis ihnen jemand ihre wahren Namen erzählt. Daraufhin in turbulente Krisen gestürzt, müssen sie sich ihre Welt ein wenig in amüsanter Form neu ordnen.

Die zweite Herbst-Folge von Eloquence Junior neben „Die Fabel von Filemon Faltenreich oder die Fussballweltmeisterschaft“ und „Der Lindwurm und der Schmetterling oder der seltsame Tausch“ handelt dabei von zwei unterschiedlichen Tieren, die jedes für sich Strategien entwickeln, um mit den Herausforderungen der Welt zurecht zu kommen. Das starrsinnige Nashorn Norbert Nackendick etwa trachtet danach, die Herrschaft über die Tiere und die Wasserstelle zu behalten, die besonnene Schildkröte Tranquilla Trampeltreu dagegen folgt einer Hochzeitseinladung, zu der sie sowieso zu spät kommen wird. Norbert muss dabei die Erfahrung machen, dass Stärke nicht immer eine Frage der Größe ist, denn sein gewitzter Herausforderer ist der winzige Madenhacker Karlchen Klammerzeh. Tranquilla wiederum ist eine Zen-Figur der Beharrlichkeit und kommt schließlich auf ihre gemächliche Art auch noch ans Ziel.

Diese beiden in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk entstandenen Musik-Hörspiele sind längst Klassiker der gelungenen Kinderunterhaltung. In der Reihe Eloquence Junior werden sie nun auf CD wieder neu aufgelegt, in ansprechender Form und zu günstigem Preis. Warum also nicht auch einmal Geschichten mit Michael Ende und Wilfried Hiller ins Nikolaus-Säckchen stecken ... ?


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19.11.2010
Armin Mueller-Stahl

Für ein Debüt ist es nie zu spät: Armin Mueller-Stahl

Lieder aus einer längst vergangenen Epoche trägt der Schauspieler Armin Mueller-Stahl auf dem Album “Es gibt Tage...” vor. Und dennoch wirkt so mancher seiner Texte heute noch so aktuell wie vor über 45 Jahren, als er sie schrieb.

Armin Mueller-Stahl, Für ein Debüt ist es nie zu spät: Armin Mueller-Stahl

Das Prädikat “zeitlos” sollte man nicht inflationär verwenden. Doch die Lieder, die Armin Mueller-Stahl mit dem legendären DDR-Jazzmusiker und Filmkomponisten Günther Fischer und dem Akkordeonspieler Tobias Morgenstern für sein Album “Es gibt Tage...” aufnahm, kann man kaum treffender charakterisieren. Denn obwohl Mueller-Stahl diese Stücke schon vor über vier Jahrzehnten schrieb, haben viele der Texte nichts von ihrer Relevanz verloren. Sie mögen zwar aus einer anderen Zeit und politischen Epoche stammen, doch ihre Aussage lässt sich leicht auch auf die Gegenwart übertragen. Seinerzeit hatte Mueller-Stahl sie mit einem von Günther Fischer geleiteteten Jazzquartett vorgetragen. Nun wurden sie für “Es gibt Tage...” von Fischer neu arrangiert, verschlankt, aufs Wesentliche reduziert und auch behutsam modernisiert.

Der 1930 in Tilsit geborene Schauspieler ist einer der ganz wenigen deutschen Stars, die den Sprung aufs internationale Film-Parkett schafften. Doch in seinem Leben hatte zunächst die Musik die erste Geige gespielt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Mueller-Stahl studierte Violine und Musikwissenschaften und machte mit gerade einmal 19 Jahren sein Musiklehrerexamen. Erst danach wechselte er zur Schauspielerei. In seiner 50-jährigen Filmschauspielerkarriere eroberte er zuerst das Publikum in seiner Heimat DDR, dann jenes in der BRD und schließlich durch Hollywood- und andere internationale Produktionen Filmfans in aller Welt.

Im Herbst 2006 verkündete Armin Mueller-Stahl, dass er sich vom Filmgeschäft weitgehend zurückziehen und verstärkt der Malerei, der Musik und der Förderung junger Künstler widmen wolle. Sein erstes eigenes musikalisches Projekt ist die jetzt vorliegende Aufnahme des Albums “Es gibt Tage...”. “Es war ein Wunsch meiner Frau, die Lieder noch mal ins Leben zu bringen”, sagt Mueller-Stahl. “Während der Produktion entdeckten wir, dass einige von ihnen immer noch aktuell sind.”

In seinen Songs entfaltet er eine seltsame, geradezu skurrile und doch sehr poetische Welt, die in der DDR von beklemmender Wirklichkeit war. Man kann sich auf ganz unterschiedliche Weise an jenes politische Gebilde zwischen Ostsee und Erzgebirge erinnern. Aber da war immer ein Gefühl von latenter Bedrohung, dem auf unterschiedlichste Weise zu entfliehen suchte, wer sich nicht mit Partei und Staat arrangieren wollte. Die einen flohen in den Westen, andere in den Widerstand und wieder andere in die Poesie des Alltags. Armin Mueller-Stahl gelingt eine grandiose Symbiose aus allen drei Zuständen. Es gibt Lieder, die ganz konkret das politische System und seine Folgen für den Einzelnen beschreiben, und andere, die sich einfühlsam mit dem Alltag, der Liebe oder Naturbeobachtungen beschäftigen. Viele der Lieder bauen auf Metaphern auf. In unseren heutigen Ohren klingen sie wie Fabeln. Geschichten von Tieren oder Gegenständen, hinter denen etwas ganz anderes steckt. Die DDR war sicher keine metaphorische Gesellschaft, aber für kreative Geister gehörte es zum Überleben, für alles und jedes Gleichnisse zu finden. Wenn eine Metapher zu einfach war, fand man eben eine Metapher für die Metapher.

“Es gibt Tage...” ist ein Album, das berührt. Es verzichtet auf jeden überflüssigen Ton, jedes redundante Wort. Die Lieder gehen unter die Haut, gerade weil sie so nackt, ehrlich und ungeschminkt dargeboten werden. “Es gibt Tage...” ist mehr als eine Sammlung von Songs oder eine Reise in die Erinnerung - es ist eine Inszenierung, in die der Hörer mit atmosphärischer Nähe und spontanen Lachern vom ersten Augenblick an eingebunden wird.


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02.12.2009

Draußen vom Walde...

eloquence, Draußen vom Walde...

Alle Jahre wieder stellt sich die Frage für anspruchsvolle Eltern, wie sie denn ihren Nachwuchs stilvoll musikalisch durch die Vorweihnachtszeit geleiten wollen. Zum Glück gibt es da einiges, was ohne akustischen Zuckerguss beschaulichen Adventstagen die passende Atmosphäre verleiht oder was gar unter den Weihnachtsbaum passt, wie beispielsweise eine Einführung in die magische Welt des Klaviers, die der Pianist Pierre-Laurent Aimard im „Kleine Hörsaal“ gegeben hat. Oder eine Sammlung mit Musik und stimmungsvollen Geschichten, die unter dem Titel „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ in der Reihe Eloquence Junior Klassik erschienen ist. Oder auch Evergreens unterhaltender Qualität wie Loriots Version von „Peter und der Wolf“ und dem „Karneval der Tiere“. Eine kleine Übersicht.

Der französische Pianist Pierre-Laurent Aimard ist ein Meister der musikalischen Vielseitigkeit, bei Messiaen und Stockhausen ebenso kompetent wir bei Bach und Beethoven. Er ist ein charmanter und bewanderter Erzähler und Kommentator, der die historischen Hintergründe seines Instruments ebenso erläutern wie die Brücke zur Gegenwart schlagen kann. Und deshalb hat er sich auch als ideale Besetzung für die Klavier-Folge der Reihe „Der kleinen Hörsaal“ erwiesen, der schon sechs Kapitel zu anderen Instrumenten von Geige bis Orchester mit Kollegen von Hilary Hahn bis Christian Thielemann vorangegangen sind. Musik ist Sprache und Natur zugleich, sie ist eine der zentralen Kulturleistungen, die den Menschen im Laufe der Evolution gelungen ist, und im Gespräch mit Pierre-Laurent Aimard wird die Faszination durch und durch spürbar. Da sind die Kinder, die den Künstler im Studio mit Fragen überhäufen, nicht nur begeistert, sondern entwickeln sich zu Forschern des Künstlerischen, die dem Geheimnis des schönen Klangs nachspüren. Und einmal mehr erweist sich die Idee des „kleinen Hörsaals“ als wegweisend. Denn mehr und zugleich spielerischer kann man auf einer CD-Länge kaum über das Klavier und dessen Kosmos erfahren.

Bietet der „kleine Hörsaal“ eine unterhaltsame Einführung in die Welt eines Instruments, so leiten zwei Folgen der erfolgreichen Serie Eloquence Junior Klassik inhaltlich direkt in die Weihnachtszeit. „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ beispielsweise ist eine stilvoll kombinierte Zusammenstellung aus Weihnachtsliedern und erzählten Geschichten, die über eine gute Stunde hinweg den Bogen spannen von „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ über drei Episoden aus den „Sechs Weihnachtslegenden“ bis hin zur „Weihnachtsgeschichte“ aus dem Lukas-Evangelium selbst. Erfahrene Sprecher wie Will Quadflieg und Chöre wie die „Regensburger Domspatzen“ und die „Wiener Sängerknaben“ sorgen für bewährte künstlerische Qualität, die dann auch beim zweiten Angebot der Reihe Eloquence Junior Klassik zu Tragen kommt. Denn „Eine kleine Weihnachtsmusik“ geht die Tradition der besinnlichen Tage ausschließlich aus der Perspektive der Musik an. In diesem Fall gesellen sich zu den Liedern Auszüge aus dem Bach'schen „Weihnachtsoratorium“, aus Tschaikowskys „Nussknacker-Suite“ oder auch aus Flötensonaten des Barocks.

Steht nun Heiligabend selbst vor der Tür, ist nicht nur die Frage, was bereits im CD-Player zu hören ist, sondern was womöglich auch unter den Weihnachtsbaum passt. Wer sicher gehen will, greift zu den All-Time-Favourites. Peter Tschaikowskys Ballettmusiken „Schwanensee“ und vor allem „Der Nussknacker“ etwa bieten nicht nur eine Vielzahl von ebenso berühmten wie bezaubernden Melodien. Ihre Handlungen passen außerdem perfekt zur Weihnachtsstimmung, die ja auch immer ein wenig Märchenhaftes hat. Zu ausgewählten Musikbeispielen entführen mit Karlheinz Böhm und Manfred Steffen zwei großartige Erzähler in diese Zauberwelten der musikalischen Poesie. In der Liebesgeschichte „Schwanensee“ tritt man so in ein Schloss ein, das aussieht, als hätten 1000 Zuckerbäcker an ihm gearbeitet. Und mit Marie, die zu Weihnachten einen rätselhaften „Nussknacker“ geschenkt bekommen hat, macht man sich in ein Puppenreich auf, wo alles nur aus Zuckerwerk und Leckereien besteht.

Passend für den Gabentisch ist außerdem ein weiteres Highlight aus der preiswerten Reihe Eloquence Junior Klassik. "Die Zauberflöte", für Kinder erzählt und erklärt von Karlheinz Böhm, ist seit drei Jahrzehnten auf dem Markt und nicht zuletzt wegen der Spitzenbesetzung in den Musikbeispielen mit Dietrich Fischer-Dieskau als Papageno, Rita Streich als Königin der Nacht oder Maria Stader als Pamina ein beliebter Klassiker, der bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Eine Prise Humor schließlich bringt der Altmeister der dezenten Komik Loriot in das Wohnzimmer. Denn seine charmanten und stellenweise amüsant launigen Moderationen zu Prokofievs „Peter und der Wolf“ und Saint-Saëns „Karneval der Tiere“ haben diesen verschmitzen Witz des Lakonischen, wie ihn nur eine Koryphäe wie Loriot zu formulieren und vorzutragen vermag.


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04.11.2009
Der kleine Hörsaal

Das Orchester en miniature

Der kleine Hörsaal, Das Orchester en miniature

Das Klavier ist ein erstaunliches Instrument. Denn zum einen hat es natürlich seine Grenzen, beispielsweise in der wohltemperierten Aufteilung der Töne in 88 Schritte, die den klaren Rahmen des musikalischen Gestaltens vorgeben. Auf der anderen Seite aber gibt es kein vergleichbares Instrument, es sei denn man nimmt gleich das Orchester, um ähnlich viele Töne simultan, kontrapunktisch oder ergänzend ineinander fließen lassen zu können. Das entdecken auch die Kinder der Reihe „Der Kleine Hörsaal“, die sich mit dem Pianisten Pierre-Laurent Aimard treffen, um dem Geheimnis des Klaviers auf die Schliche zu kommen.

Für Dennis, Leon, Emely, Leonie, Julia und Adam ist es ein Erlebnis. Wann sonst hat man schon einmal die Möglichkeit, einem Weltstar wie dem französischen Pianisten Pierre-Laurent Aimard Löcher in den Bauch zu fragen? Aber genau dafür sind sie ins Studio gekommen, um im Rahmen des „Kleinen Hörsaals“ alle die Geschichten zu erfahren, die andere Kinder auch interessieren. Die meisten der Anwesenden spielen selbst bereits ein Instrument, aber das ist doch noch einmal etwas anderes, als von einem Profi erklärt zu bekommen, worin denn die besonderen Stärken und Tücken des Klaviers bestehen. Pierre-Laurent Aimard erweist sich dabei als sensibler Pädagoge. Denn ihm geht es nicht darum, zu protzen oder gar die Nachwuchsstudenten mit akademischer Fülle zu überfüttern. Im Gegenteil: Sein Zugang zum Instrument ist ein natürlicher, der sich über den menschlichen Körper dem Klang des Klaviers nähert.

Ein Kapitel wie „Jeder kann Klavier spielen“, das zunächst wie eine pauschale Aussage erscheint, bekommt über seine Führung einen besonderen und nachvollziehbaren Sinn. Denn tatsächlich erscheint das Instrument unter seiner Ädige und durch seine Erklärungen schnell wie ein Pendant zur menschlichen Stimme. Es spricht und singt, fabuliert und formuliert ganz wie ein Schauspieler. Es kann in Rollen schlüpfen, etwa in zeitgenössischer Musik die Position des Schlagzeugs oder eines Vogelsangs einnehmen, den Geist der Gitarre atmen oder sogar ein ganzen Orchester ersetzen. Das ist überhaupt die Stärke dieses „Kleinen Hörsaals“. Pierre-Laurent Aimard ist ein Meister der Vielseitigkeit, bei Messiean und Stockhausen ebenso kompetent wir bei Bach und Beethoven. Er ist ein charmanter und bewanderter Erzähler und Kommentator, der die historischen Hintergründe seines Instrument ebenso erläutern wie die Brücke zur Gegenwart schlagen kann.

Deshalb ist er auch eine ideale Besetzung für diese Folge des „Kleinen Hörsaals“, der schon sechs Kapitel zu anderen Instrumenten von Geige bis Orchester mit Kollegen von Hilary Hahn bis Christian Thielemann vorangegangen sind. Musik ist Sprache und Natur zugleich, sie ist eine der zentralen Kulturleistungen, die den Menschen im Laufe der Evolution gelungen ist, und im Gespräch mit Pierre-Laurent Aimard wird die Faszination durch und durch spürbar. Da sind die Kinder nicht nur begeistert, sondern entwickeln sich zu Forschern des Künstlerischen, die dem Geheimnis des schönen Klangs nachspüren. Und einmal mehr erweist sich das Konzept des „Kleinen Hörsaals“ als wegweisend. Denn mehr und zugleich spielerischer kann man auf einer CD-Länge kaum über das Klavier und dessen Welt erfahren.

Wenn Sie mehr über die Serie "Kleiner Hörsaal" wissen möchten, dann besuchen Sie den kleinen Hörsaal auf KlassikAkzente.


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16.09.2009
Herman van Veen

Das große Staunen ist zurück!

Herman van Veen, Das große Staunen ist zurück!

Herman van Veen wird älter und das ist gut so. Denn die Lieder des holländischen Poeten werden nur noch dichter und intensiver, als sie eh schon waren. Und er sieht keinen Grund, sich irgendwie zur Ruhe zu setzen. Im Gegenteil: Hermann van Veen ist mit 64 Jahren aktiver denn je, tourt von Herbst an ein halbes Jahr lang durch Europa und hat ein neues Album im Gepäck, das seine Gedanken zum Allzumenschlichen mit pointierter Lakonik auf den Punkt bringt. Es heißt „Im Augenblick“ und ist ein Aufruf an alle, sich nicht im Unwesentlichen zu verlieren.

Vielleicht liegt es daran, dass Herman van Veen Holländer ist. Jedenfalls kann er mit der deutschen Sprache umgehen, wie nur wenige seiner singenden Zeitgenossen. Seine Verse sind brillant, weil schnörkellos, sie neigen zu einer beiläufigen Drastik, ohne dabei zu verletzen. Sie sind klare Stellungnahmen, ohne Fallgruben der Ironie, und wenn doch, dann mit eindeutigen Verweisen auf die Kraft des poetischen Sprechens. Man nehme beispielsweise ein Lied wie „Gott sei Dank“, eine Anleitung zum Glücklichsein für alle, die noch nicht mit dem zu kämpfen haben, was als Schattenseiten des Alterns droht und zugleich ein Manifest für die Bewusstheit, sich nicht in den Träumen zu verliehen. Das Lied endet mit dem Satz: „So schön es früher war, ist es früher nie gewesen“, einem Slogan, der jedem rückwärts gewandten Utopisten über die Haustür geschrieben werden könnte.

Herman van Veen erzählt Wahrheiten, aus seiner Perspektive, und das macht ihn über mehr als vier Jahrzehnte hinweg zu einem Star des Entertainments. Bereits 1965 konnte man Musikstudenten mit seinem ersten Programm „Harlekin“ auf der Bühne erleben, dem Startpunkt einer ungewöhnlichen Karriere. In den Siebzigern sah man ihn dann ziemlich oft im deutschen Fernsehen. Herman van Veen wurde damals zum Lieblingsholländer hierzulande, auf einer Höhe mit Showmaster Rudi Carell. Grund dafür war unter anderem Alfred Biolek, der den charmanten Kabarettisten und Sänger aus Utrecht gemeinsam mit Thomas Woitkewitsch entdeckt und soweit als möglich gefördert hatte. Seitdem gehört van Veen zu den Konstanten des Showbusiness, einer von denen, der hinter aller Poesie die Wirklichkeit nicht vergisst und deren Schattenseiten auch anzuprangern versteht, wenn auch nicht mit Schärfe, sondern im subtilen Gewand seiner Lieder und Geschichten.

Mit „Im Augenblick“ fügt er seiner erstaunlichen künstlerischen Biographie, die inzwischen rund 150 Tonträger, etwa 60 Bücher und zahllose Konzerte erlebt hat, einen weiteren Höhepunkt des dichterischen Scharfsinns hinzu. Und er wäre nicht Herman van Veen, wenn er diese Lieder nicht auch live präsentieren würde. Am 18. September, dem Erscheinungstermin seines Albums „Im Augenblick“, wird Herman van Veen in der NDR Talk Show zu Gast sein und auch eine seiner neusten Kompositionen live präsentieren. Gleiches wird am 22. September im ZDF Morgenmagazin geschehen. Ab dem 30. September startet er mit Band seine Deutschlandtournee in der Hagener Stadthalle, die ihn allein bis Weihnachten mit rund drei Dutzend Konzerten in die großen Hallen hierzulande führt. Machen Sie es wie Herman van Veen: Carpe Diem.

Mehr Informationen über Herman van Veen finden Sie auf seiner Künstlerseite bei KlassikAkzente.

Bestellen Sie jetzt das Album bei Herman van Veen bei Amazon vor und erhalten Sie mit dem Code „HermanVanVeen“ 2€ Rabatt auf das Album als CD oder mp3 Download!

Ende Oktober startet eine große „2for1“-Wiederveröffentlichungsaktion (2 Alben zum Preis von einem) - mit z.T. noch nie auf CD veröffentlichten Album-Klassikern und Live-Alben.


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21.01.2009

Für jeden etwas

Classical Choice, Für jeden etwas

Leicht fällt die Wahl, denn die Musik ist grandios und der Preis famos. Classical Choice ist eine frische Serie der Deutschen Grammophon, die klassische Meisterwerke in neuem Design und mit stimmigem Konzept für konkurrenzlos wenig Euros unter die Leute bringt. Eine Einsteiger-Reihe für den Taschengeldbeutel, die aber nicht auf die Qualität der Interpretationen verzichtet. Aus diesem Grund hat sie sich in Windeseile zu einer der beliebtesten Möglichkeiten entwickelt, schnell, passend und kompetent an Highlights des Genres zu kommen und kann auch in diesem Frühjahr wieder mit brandneuen Zusammenstellungen und Themenalben vom „Karneval der Tiere" bis zum „Kaiserwalzer" und dem „Frühlingserwachen" bis zu berühmten Opernchören brillieren.

Stimmen zum Beispiel gibt es diesmal viele zu entdecken. So lockt „Nessun Dorma", benannt nach der unlängst erneut populär gewordenen Lieblings-Pucciniarie von Luciano Paravotti, in die Welt der Opernpartien und versammelt neben dem Meister aus Modena renommierte Kollegen wie Plácido Domingo, José Carreras oder Fritz Wunderlich auf einem Album. Letzter wiederum darf auch mit einer eigenen Kompilation aufwarten. Für „Und es blitzten die Sterne" wurden Opernarien aus „Tosca", „Rigoletto", „La Traviata" oder auch „Die Zauberflöte" zusammengestellt, die die unnachahmliche Kunst des deutschen Meistersängers dokumentieren.

„O welche Lust" hingegen versammelt berühmte Opernchöre unter anderem aus „Aida", „Carmen", „Fidelio", „Lohengrin", „Nabucco" und dem „Tannhäuser" auf einer CD, die vom Chor der Mailänder Scala, dem Rundfunkchor Leipzig und weiteren renommierten Ensembles präsentiert werden. „Köstliche Klassik - Musik zum Kochen & Genießen" stellt kulinarisch Inspirierendes aus der Vokal- und Instrumentalküche von Bach, Mozart, Rossini wie auch Tschaikowsky zusammen und eine einzige Stimme kommt beim „Karneval der Tiere / Peter und der Wolf" zum Einsatz. Denn da liest Karlheinz Böhm die berühmten Zwischentexte zu den sinfonischen Dichtungen von Camille Saint-Saëns und Sergej Prokofieff, die Daniel Barenboim mit den Wiener Philharmonikern eingespielt hat.

Beschwingt können die Paare tanzen, wenn Maestros wie Claudio Abbado, Herbert von Karajan und Lorin Maazel mit „Kaiserwalzer" die unvergänglichen Melodien aus der Hitwerkstatt des Wiener Melodienkönigs Johann Strauß erklingen lassen, beswingt wiederum führt die Sammlung mit Werken von George Gershwin in den Kosmos der „Rhapsody in Blue" und von „Porgy and Bess" ein. Was fürs Gemüt bietet die Dirigentenriege mit „Frühlingserwachen - Musik voller Lebensfreude" und Klassikern wie „Anitras Tanz", „Frühlingsstimmen", „Hummelflug" und der „Humoreske", akustische Streicheleinheiten verspricht wiederum die Zusammenstellung „Am Kamin - Musik für behagliche Stunden" mit Melodien wie der "Violinromanze" und der „Träumerei". Und nicht zuletzt ist auch Action im Spiel, wenn „Cinema Classics - Große Momente des Kinos" berühmte Themen aus „Titanic", "Star Wars", "Jenseits von Afrika" oder "Hannibal" zusammenfasst. Viel Sound, viel Spaß, viel Klassik also fürs Geld, damit die Classical Choice nicht schwer fällt.


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07.11.2007
Eloquence Junior Klassik

Junior Klassik

Eloquence Junior Klassik, Junior Klassik

Viel zu entdecken gibt es in der Kinder- und Jugendreihe Junior Klassik der eloquence-Edition. Da gibt es zum Beispiel den Bären Teddy Washable, ein existentialistisches Plüschtier, das sich unter Michael Endes Ägide auf der Suche nach dem Sinn des Lebens begibt. Viele Tiere um ihn herum befragt er, bekommt reichlich Antworten, aber erst die Liebe eines Kindes lässt ihn wirklich seine Bestimmung finden. Gelesen von Hans Clarin, musikalisch gerahmt von Werner Thomas-Mifune am Cello und Michaela Pühn am Klavier ist damit ein modernes Märchen entstanden, das Klein und Groß fasziniert.

Eine andere bekannte Stimme des Hörbuchgenres und Theaters wiederum widmet sich einem wichtigen Komponisten der deutschen Romantik. Karlheinz Böhm taucht ein in das Leben von Robert Schumann, dem Schöpfer wundervoller Melodien wie der berühmten "Kinderszenen", und erzählt Geschichten aus dessen Leben, die die Musik und das Umfeld dieser prägenden Jahre fassbar und verständlich machen.

Als dritte Veröffentlichung des "Junior Klassik" Herbstes schließlich stellt die Kompilation "Eine kleine Schatzmusik" klassische Kostbarkeiten für Kinder zusammen. Das Spektrum reicht von Bach bis Brahms und Vivaldi bis Chopin, ein reizvoller Querschnitt, der durch die Geschichte der musikalischen Meisterwerke der vergangenen drei Jahrhunderte führt, eingespielt von berühmten Dirigenten wie Herbert von Karajan oder Claudio Abbado.


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30.11.2005
Klausjürgen Wussow

Der ewige Schelm

Klausjürgen Wussow, Der ewige Schelm

Es gab Zeiten, da wurde der Taugenichts als der ideale Deutsche schlechthin gesehen: freundlich und unbedarft, italophil und naturverbunden, eine Lichtgestalt im Dunkel der als beängstigend empfundenen Industrialisierung. Denn Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857) war es in perfekter Diktion gelungen, die romantischen Ideale in eine Fabel zu verpacken, die alles hatte, was man für die Weltflucht in die Idylle brauchte. Er schuf damit ein Stück Weltliteratur, Vorbild für zahlreiche Nachahmer der Salon- und Unterhaltungssparte, das neben der scheinbar naiven Oberfläche zugleich ein grandioses Sittenbild des frühen 19.Jahrhunderts entwarf.

Die Geschichte ist so einfach und unbeschwert wie möglich erzählt. Da ist der Sohn eines Müllers, ein Träumer und intuitiver Lebensphilosoph, der von seinem Vater der Faulheit bezichtigt und in die Welt geschickt wird. Wild entschlossen, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, macht er sich mit Ränzel und Geige auf den Weg, sein Glück zu versuchen, während die anderen um ihn herum auf den Feldern schuften. Seine unbedarfte Art macht ihn schnell mit zwei Damen in einer Reisekutsche bekannt, die den fröhlichen Vagabunden mit nach Wien nehmen, ihm eine Stelle als Gärtner und Zolleinnehmer verschaffen. Anstatt das als große Chance für den Sprung in eine gesicherte Existenz wahrzunehmen, verliebt er sich in die herrschaftliche Aurelie, und verlässt das Anwesen wieder, als die Angebetete sich als unerreichbar herausstellt. Der Weg führt den Taugenichts weiter nach Italien, seit Goethe der bevorzugte Freiheitsraum der Intellektuellen. Dort gerät er in allerlei Verwirrspiele, Liebeleien und Intrigen, aus denen er aber immer wieder schadlos hervorgeht. Als die Sehnsucht nach der Heimat und Aurelie immer stärker wird, verlässt er Rom, zieht mit einer Horde Studenten aus Prag gen Norden und kehrt mit einem Donauschiff zum Schloss zurück. Glückskind, das er ist, stellt sich seine Holde als Nichte des Schlossportiers heraus, die ihn außerdem noch liebt, und keine Standesgrenzen verhindern mehr die Liaison. So unspektakulär die ganze Geschichte abläuft, so wunderbar beiläufig wird die Liebesbeziehung besiegelt, indem der Taugenichts Aurelie ein paar Knackmandeln anbietet, die er noch in der Hosentasche hatte: "Sie nahm auch davon, und wir knackten nun und sahen zufrieden in die stille Gegend hinein."

Die Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts" ist in vieler Hinsicht etwas Besonderes. Begonnen 1822, veröffentlicht vier Jahre später, ist sie die literarische Umsetzung des spätromantischen Lebensgefühls und der damit verbundenen Gestaltungsideale. Eichendorff hielt seinen Stil betont (und kunstvoll) simpel, in Anlehnung an die als natürlich angesehenen Volkslegenden und Märchen. Er streute einige seiner berühmtesten Gedichte in den Text (wie zum Beispiel "Wem Gott will rechte Gunst erweisen"), schuf eine bilderreiche, unmittelbare Sprache, die trotz ihrer behaupteten Einfachheit nie den Fluss der Erzählung verliert. Die Figurencharakteristik des Protagonisten schloss souverän an den bekanntesten Schelmenroman der deutschen Literatur an - Grimmelshausens "Simplizissimus" - und führte ihn weiter, ohne ihn inhaltlich zu beschränken. Selbst Starautoren wie Thomas Mann fanden daher quasi alles im "Taugenichts" wieder, was schöngeistige Literatur gelingen lässt: "Der Roman ist nichts weniger als wohlerzogen, er entbehrt jedes soliden Schwergewichts, jedes psychologischen Ehrgeizes, jedes sozialkritischen Willens und jeder intellektuellen Zucht; er ist nichts als Traum, Musik, Gehenlassen, ziehender Posthornklang, Fernweh, Heimweg, Leuchtkugelfall auf nächtlichen Parkt, törichte Seligkeit, so daß einem die Ohren klingen und der Kopf summt vor poetischer Verzauberung und Verwirrung".

Solch hohe Kunst des Understatements braucht eine Stimme, die die verschiedenen Facetten des Verständnisses darstellen kann. Klausjürgen Wussow hat als Schauspieler lange Jahre auf Theaterbühnen von Berlin über Frankfurt am Main, Düsseldorf, Köln, Zürich bis München verbracht. Er hat ernste Rollen verkörpert ebenso wie heitere und als Professor in der TV-Serie "Die Schwarzwaldklinik" mit der leichten Muse der Unterhaltung Erfahrungen gesammelt. Sein Timbre, sein Tonfall und Sprachduktus sind die ideale Ergänzung von Eichendorffs literarischer Vorlage. Wussow erweckt den Taugenichts zum Leben, macht aus ihm den heiteren Vagabunden, den unbeschwerten Lebenskünstler, den ironischen Beobachter der um ihn herum bröckelnden Idyllen. Vor allem schafft er es, mit der bereits 1987 entstandenen Aufnahme den Hörer zu fesseln und ihn in eine Geschichte zu entführen, die auch nach 180 Jahren nichts von ihrer Faszination verloren hat.


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26.10.2005
Der Holzwurm der Oper erzählt

Oper von unten

Der Holzwurm der Oper erzählt, Oper von unten

Es gibt Leute, die meinen, Opern seien nichts für Kinder. Alles falsch, sagen die anderen, sie würden nur falsch präsentiert. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, in der Mitte. Natürlich eignet sich nicht jeder Stoff (vor allem nicht jede Inszenierung) unmittelbar für die heranwachsende Psyche und nicht jede Musik ist auf den ersten Blick eingängig genug, um sich von selbst zu erschließen. Auf der anderen Seite gibt es kaum aufmerksamere Hörer als Kinder. Und begeistertere, die eine einmal geweckte Passion ihr Leben lang mit sich tragen. So dachte sich auch die Deutsche Grammophon, eine Reihe müsste geschaffen werden, die die Oper für Kinderohren interessant und transparent macht. Es entstand der "Holzwurm der Oper" und mit ihm eine ebenso unterhaltsame wie aufschlussreiche Einführungsreihe in die hehren Gefilde der hohen Kunst.

Bis allerdings aus dem Gedanken ein konkretes Ergebnis wurde, musste einiges an Vorarbeit geleistet werden. Der Autor Stefan Siegert, der mit der Konzeption der Reihe beauftragt worden war, sah sich dabei vor einer kniffeligen Fragestellung: "Als die Deutsche Grammophon mir Anfang der 90er Jahre das Projekt eines CD-Opernführers für Kinder anbot, war klar: Das ging nur mit jemandem, der Kompetenz mit Leidenschaft verband, kraft Lebensgeschichte und Lebensführung glaubhaft war für Kinder, jemand, dem der Zeigefinger schon aus anatomischen Gründen nicht zu Gebote stand, ein lustiger, gern etwas schrulliger Kerl, der zugleich eine Autorität war. Eine freilich übermenschliche Mischung. Also wechselte ich auf der Suche nach meinem Helden bald von den Menschen ins Tierreich: Vom Phantom der Oper zu deren Holzwurm war es nicht weit." Und da er nun nicht nur aus der historischen Distanz agieren, sondern im Gegenteil möglichst nah am Geschehen und am Entstehungsprozess eines Werkes teilhaben sollte, musste das Leben des kunstbeflissenen Insekts mal eben weit über das menschlichen Maß gedehnt werden. Räumliche Veränderungen ließen sich über Holztransporte plausibel machen, die den Wurm einfach mit sich nahmen. Und da eine rein beobachtende monologische Figur nicht viel Möglichkeiten zur Diskussion und Veränderung hatte, wurde ihr in Gestalt der Motte "Mottadella" eine Partnerin zur Seite gestellt. Schließlich tauchte im Laufe der Zeit auch noch ein Vetter aus der Schweiz auf, der Bücherwurm Tobias Bohrer, ein Spezialist in Librettofragen.

Siegert hatte es geschafft. Er hatte ein Szenario entworfen, das den hohen Anforderungen gewachsen war. "Der Holzwurm startete 1991 mit 'Figaro' und 'Don Giovanni', weil sich Mozarts Todestag zum 200. Mal jährte. 2006 feiert die Welt seinen 250. Geburtstag, und der Holzwurm veröffentlicht mit dem 'Idomeneo' die fünfte Oper des Geburtstagskinds. Sie gilt als schwierig. Eine Serie voll steifer Helden und unerbittlicher Götter. 'Nichts für Kinder', sagte man mir. Das war schon so bei den vier Holzwurm-CDs mit Wagners 'Ring'. Es stimmt hier wie dort nicht. Im 'Ring' gibt es Riesen und Drachen, Ritter, Zwerge und einen verfluchten Schatz. Im 'Idomeneo' ein Gelübde, ein Ungeheuer, zwei schreckliche Stürme und einen zwar traurigen, aber sehr mutigen Prinzen. In beiden Fällen grandiose Musik. Wenn das nichts für Kinder ist!"

Es wird aber nicht die einzige Holzwurm-CD dieses Herbstes bleiben. Denn neben Mozart steht Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel" auf dem Programm, eine Oper, die überhaupt als klassischer Einstieg in die Bühnenwelt des Singspiels gilt. Sie war 1891/92 entstanden, nachdem einige vom Komponisten vertonte Märchen-Lieder in privaten Aufführungen derart gefeiert wurden, dass er sich entschloss, daraus eine tatsächlich Bühnenfassung zu entwickeln (Uraufführung am 23. Dezember 1893 in Weimar). Wieder werden der Holzwurm und seine Freunde mit allerlei Kommentaren, Dialogen, Collagen und Geschichten dem Werk auf die Schliche kommen. Und wieder gibt es von frechen Kindern bis bösen Hexen eine Menge zu entdecken.


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