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Anna Netrebko, Romantik zum Anfassen – Gewinnen Sie eine von Anna Netrebko signierte Romanza-CD
Anna Netrebko

Romantik zum Anfassen – Gewinnen Sie eine von Anna Netrebko signierte "Romanza"-CD

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14.09.2017
Max Richter

Betörend unheimlich – Richters Soundtrack zur Dramaserie "Taboo"

Soundtracks von Max Richter sind eine Klasse für sich. Jetzt veröffentlicht der feinfühlige Komponist die betörend unheimlichen Klänge, die er der britischen Dramaserie "Taboo" gewidmet hat.

Max Richter, Betörend unheimlich – Richters Soundtrack zur Dramaserie Taboo © Rhys Frampton

Was Max Richter für die Filmmusik geleistet hat, ist jetzt schon unermesslich. Ein gewaltiges Werk hat sich aufgetürmt: hochsuggestive Klänge, die jüngeren Kinoklassikern wie Folmans "Waltz with Bashir" oder Scorseses "Shutter Island" eine ureigene Poesie verliehen haben. Wie gelingt es dem britischen Komponisten, seine Musik so geschickt mit Bildern zu verbinden? Warum ist Film das ideale Medium für Max Richter?

Ideales Medium: Max Richter und der Film

Wahrscheinlich, weil seine Musik selbst filmisch ist. Sogar Werke, die Max Richter nicht eigens für das Kino oder Fernsehen produziert hat, laden zu filmischen Fantasien ein. Hügelige Landschaften, Menschen, Gesichter, Gesten, der unerbittliche Pulsschlag der Metropolen – viele bewegte Bilder drängen sich auf, wenn man in die poetische Klangkunst des diskreten Avantgarde-Komponisten eintaucht.

Hinzu kommt, dass Max Richter zuhören kann. Er besitzt die Fähigkeit, sich auf fremde Welten einzulassen. Es bereitet ihm Vergnügen, seltsamen Stimmungen nachzuspüren und zu erforschen, welche Klänge dazu passen. Das prädestiniert ihn für das Filmgenre und insbesondere für Erzählstoffe, die, wie die im Januar 2017 angelaufene britische Dramaserie "Taboo", weit in die Vergangenheit zurückreichen. 

Taboo: Ein düsteres Drama um Liebe und Tod

"Taboo" spielt vor 200 Jahren, vor der viktorianischen Zeit in London. Die Atmosphäre ist düster. Nebel steigt aus den dunklen Gassen auf, die von der beklemmenden Kargheit des damaligen Lebens zeugen. Im Zentrum des Geschehens: der für Tod geglaubte, hochgefährliche Abenteurer James Keziah Delaney, gespielt von dem britischen Schauspieler Tom Hardy. Delaney kehrt nach einem zwölfjährigen Aufenthalt in Afrika nach Großbritannien zurück. Dort will er sich nach dem Erbe des Vaters umsehen.

Doch seine Feinde, darunter die eigene Familie und die korrupten Drahtzieher der Ostindien-Kompanie, wollen ihn mit aller Macht loswerden und das Erbe für sich behalten. Das Drama, gespickt mit unheimlichen Szenen und einer subtilen Lust am Horror, nimmt seinen Lauf. Delaney ist nicht zu stoppen. Er ist "unaufhaltsam, wie das Schicksal selber", so Max Richter. Der Komponist ist fasziniert von der Figur des Protagonisten. Er begreift ihn als teuflisch und rückt die unheimlichen Züge des Charakters ins Zentrum seines Soundtracks.

Die Kunst des Unheimlichen: Teuflischer Bass und süßer Walzer   

Die Faszination und das unheilvolle Moment der Titelfigur vermitteln sich auf dem Album großartig, vor allem im zweiten Track. "The inexorable advance of Mr. Delaney" prescht mit einem kräftigen, monotonen Bass voran, der von zarten Streicherklängen des Orchesters umrankt wird. Den Bass formt Max Richter aus einem Tritonus, den man in früheren Zeiten als Teufelsintervall bezeichnete.

Für die Musiktheoretiker des 18. Jahrhundert besaß der Abstand von drei Tönen, so Max Richter, "eine destabilisierende Wirkung auf die Harmonie". Die Pointe: Der boshafte Charakter von Delaney destabilisiert die Gesellschaft. Zugleich löst der zwielichtige Abenteurer, zumal auf dem erotischen Feld, Faszination aus. Max Richter fängt diese doppelte Macht der Titelfigur mit dem dominanten Bass ein.

Einerseits vermittelt dieser Bass etwas Schräges, Unheilvolles. Andererseits fasziniert die Entschlossenheit, mit der er voranschreitet. Ein Geniestreich, den Max Richter nurmehr mit seinem Einfall toppt, die unheimliche Gesamtatmosphäre der Serie mit einem lieblichen Walzer einzufangen, der uns in trügerischer Sicherheit wiegt. Kein Zweifel: Max Richter ist ein Meister des Unheimlichen.


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13.09.2017
Sir Georg Solti

Der Vulkan – Limitierte Großedition von Sir Georg Solti

Er war einer der impulsivsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Jetzt würdigt eine beeindruckende Deluxe-Edition sein breitgefächertes Schaffen: 108 Tonträger, Soltis sämtliche Aufnahmen mit dem Chicago Symphony Orchestra.

Sir Georg Solti, Der Vulkan – Limitierte Großedition von Sir Georg Solti © Decca

Als Grenzgänger mit gewaltiger Energie, ruhte Georg Solti erst, wenn er den bestmöglichen Klang seines Orchesters und die bestmögliche Interpretation eines bestimmten Werkes erreicht hatte.

Der Vulkan: Sir Georg Solti (1912–1997)

1912 in Budapest als György Stern geboren, war sein Leben schon früh von einer beklemmenden Rast- und Heimatlosigkeit geprägt. Als in den zwanziger Jahren eine Ungarisierungswelle über seine Heimatstadt rollt, ändert sein Vater den Nachnamen in Solti. Die Familie stammt aus Solt, einer kleinen Stadt in Zentralungarn, direkt an der Donau.

Die Namensänderung bietet dem Jungen Schutz vor dem Nationalismus jener Jahre. Noch gefahrenträchtiger ist in dieser Zeit jedoch seine jüdische Abstammung. Wachsenden Antisemitismus erlebt er schon in Ungarn, unter Miklós Horthy, 1938 rücken die Nazis immer näher. Dem jungen Solti, der gerade erst an der Budapester Oper debütiert hat, bleibt keine andere Wahl. Er muss ins Exil.

Er siedelt nach England über, dann in die Schweiz, dann nach Deutschland und wieder zurück nach England, wo er schließlich Wurzeln schlägt. Doch die ist zu einem Teil seiner Persönlichkeit geworden, er lebt im Moment und zieht eine persönliche Konsequenz – den inneren Brand löscht er mit Kunst.

Romantischer Charakter: Beharrliche Sehnsüchte

Mit ganzer Kraft stürzt er sich in die Musik, durchdringt Richard Wagner wie niemand sonst. Die reizbare Empfänglichkeit der Romantik liegt ihm. Ein sehnsuchtsvoll Hoffender, der von verzweifelten Anwandlungen heimgesucht wird, ist er auch. Doch Solti ist ein Romantiker, der die Sehnsucht nie aufgibt und immer wieder Erfüllung findet.

Das erlebt er schließlich auch in der Liebe. Um seine zweite Frau, die BBC-Moderatorin Valerie Pitts, wirbt er jahrelang, bis sie sich schließlich von ihrem Mann trennt und den Dirigenten heiratet. Zwei Töchter gehen aus der Ehe hervor.

Im Jahr 1969, zwei Jahre nach der Heirat mit Valerie Pitts ist Georg Solti ist immer noch beflügelt von der unverhofft erfüllten Liebe und hat nach einer großen Laufbahn als Operndirigent Lust auf neue Herausforderungen. Da schneit das Angebot aus Chicago ins Haus. Solti ahnt, dass es passt. Beim Chicago Symphony Orchestra ist man unvoreingenommen. Hier herrscht wahre Begeisterung für die Musik.

Überwältigendes Künstlerportrait: Solti beim Chicago Symphony Orchestra

Soltis Zeit in Chicago wächst sich zu einer Ära aus. Bis 1991 wirkt er bei dem US-amerikanischen Traditionsorchester und realisiert dort eine Meisteraufnahme nach der nächsten. Jetzt kann man diese Goldenen Jahre in einer beeindruckenden Gesamtedition bewundern. 20 Jahre nach dem Dahinscheiden des Dirigenten und 125 Jahre nach Gründung des Chicago Symphony Orchestra veröffentlicht Decca die Ausgabe zur Feier beider Jubiläen.

Die limitierte Edition umfasst 108 Tonträger, allesamt in CD-Hüllen verpackt, deren Coverdesign dem der Ersterscheinungen entspricht. Die Ausgabe enthält sämtliche Aufnahmen, die Solti mit dem Chicago Symphony Orchestra eingespielt hat. Ein gewaltiger Kosmos tut sich vor dem Hörer auf, der vor allem mit romantischer, hochemotionaler Orchestermusik beschenkt wird.

Beigefügt ist der edlen Ausgabe ein 180 Seiten starkes Buch, das sich durchweg unterhaltsam liest. Darin enthalten: einführende Worte von Soltis Ehefrau, Erinnerungen befreundeter Künstlerinnen und Künstler sowie bislang noch unveröffentlichtes Fotomaterial des Maestros. Ein überwältigendes Portrait einer wahrhaft großen Dirigentenpersönlichkeit!     


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07.09.2017
Joep Beving

Kollektiver Tagtraum – Joep Bevings sagenhaftes Debütalbum "Solipsism" erscheint auf CD und Vinyl

Zwei Jahre nach seinem digitalen Siegeszug gibt es das phänomenale Klavier-Opus des Niederländers nun in hervorragender Klangqualität auf physischem Tonträger.

Joep Beving, Kollektiver Tagtraum – Joep Bevings sagenhaftes Debütalbum Solipsism erscheint auf CD und Vinyl © Rahi Rezvani

Ist die Realität etwas rein Persönliches, sozusagen Privatsache? Im Zeitalter der digitalen Parallelgesellschaften meinen immer mehr Menschen, dass es keine andere – beweisbare – Wirklichkeit gebe als die des eigenen Kopfkinos. Der Fachbegriff für dieses immer populärere Weltbild ist Solipsismus (lat. sōlus: "allein" und ipse: "selbst"). Oder existiert doch (noch) ein ganz realer Raum, in dem wir uns alle treffen? Das meint der niederländische Musiker Joep Beving.

Vom Hobbypianisten zum Streaming-Millionär

Mit seinem in Eigenregie veröffentlichten Debütalbum "Solipsism" traf er einen Nerv. Der 41-jährige Pianist aus Amsterdam, der tagsüber in einer Werbeagentur arbeitete, nahm zuhause, nachts und am Wochenende, mehr aus Spaß und Neugier eine Reihe eigener Klavierstücke auf, ließ davon eine Handvoll Vinyle pressen und veröffentlichte die Musik auf dem Streaming-Portal Spotify. Er hätte nie gedacht, dass seine atmosphärischen, getragenen, melancholischen und stimmungsvollen Kompositionen über 80 Millionen Mal gestreamt-, in zahlreiche Top-Playlisten und in die Top-30 der holländischen Albumcharts einziehen würden. In einer Berliner Bar hörte Christian Badzura, Executive Producer der Deutschen Grammophon das Album. Ein Agentur-Kollege Bevings hatte dem Barmann eine Vinylkopie mitgebracht. "Ich war wie hypnotisiert", erinnerte sich Badzura im Interview mit dem Guardian, "die Musik verwandelte den ganzen Raum". Umgehend kontaktierte er Beving und brachte ihn zum gelben Label. Im April ist dort Bevings zweites Album "Prehension" erschienen. Nach dem digitalen Siegeszug seines Debüts kommt "Solipsism" nun auch auf CD und dickem Vinyl in den Handel.

Beving wird heute in einem Atemzug mit den etablierten Komponisten Max Richter und Nils Frahm genannt. Seinen Job hat er aufgegeben. 2018 wird er im Großen Saal der Elbphilharmonie zu erleben sein. Der Presse gegenüber beschrieb er seinen jüngsten Werdegang als "sehr surreal". Wie kam er darauf, sein Album "Solipsism" zu nennen? Er sehe seine Musik als "Experiment existentieller Kommunikation, als Glauben an eine absolute Ästhetik" und er wolle beweisen, "dass es doch eine universelle Realität gebe", erklärte Beving.

"Solipsism" trägt den Hörer in einen geschützten Raum

Jetzt mal ohne Theorie: Wie bekommt Beving das hin, dass so viele beim Anhören von "Solipsism" komplett mit der Musik verschmelzen? Schon bei "Midwaver", dem ersten Stück, fängt man an anders zu atmen, so viel Ruhe, Gelassenheit und Geborgenheit strahlen die einfachen Motive aus. Als würde Beving mit den Tasten lange vernachlässigte Grundbedürfnisse anschlagen, die er dann liebevoll melodisch massiert. Es klingt so vertraut, ein bisschen nach Satie und Chopin, dann nach Philip Glass, der Anschlag manchmal nach dem jungen Keith Jarrett. Kein Problem sich davon tragen zu lassen.

Beving nimmt den Hörer mit in sein Zuhause

Beving braucht für seine Berühmtheit also keine Bewunderung oder Prestige. Wo andere Klassikstars über hohe Bühnen und rote Teppiche rauschen, wo sie hi-end-perfekte Aufnahmen abliefern, nimmt er den Hörer mit in sein Zuhause. Auf "Solipsism" hört man im Hintergrund die Pedale knarren und die Dielen seiner Altbauwohnung, der Raum atmet. Auf dem Stück "Saturday Morning" spielen im Nebenzimmer bei offener Tür seine Kinder, das Telefon klingelt, was überhaupt nicht stört. Im Gegenteil, gerade die alltäglichen Geräusche, über denen sein Piano, mal stoisch, mal zögerlich und verträumt erklingt, erzählen eine Geschichte, die den Hörer fasziniert. Ein kurzer Porträtfilm auf seiner Webseite führt durch diese Wohnung, zeigt Bevings Familie, ihn beim Autofahren zu einem Konzert. Man meint, ihn schon lange zu kennen. So einfach kann absolute Realität sein. "Solipsism" entführt seine Hörer in einen kollektiven Tagtraum.


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07.09.2017
Tori Amos

Schmerz, Blut und Knochen – Tori Amos bekennt Farbe auf ihrem neuen Album "Native Invader"

Mit ihrem 15. Studio-Oeuvre wird die Sängerin zur Speerspitze der US-amerikanischen Protestbewegung.

Tori Amos, Schmerz, Blut und Knochen – Tori Amos bekennt Farbe auf ihrem neuen Album Native Invader © Paulina Otylie Surys

Eigentlich sollte es eine Reise in die Vergangenheit werden, dann holte die Gegenwart Tori Amos ein. Im Sommer 2016 unternahm die Pianistin und Songschreiberin einen Road-Trip durch die Smoky Mountains in Tennessee. Die heute im englischen Corwall lebende Rocklady ging dort auf die Suche nach ihren eigenen Wurzeln. Sie spürte den Geschichten nach, die ihr Großvater, ein halbblütiger Cherokee einmal erzählte. Nachdem Amos schon einige neue Songs geschrieben hatte, flog sie im Winter, direkt nach den US-Wahlen, erneut in ihre Heimat, in ein politisch zutiefst zerrissenes Land. Viele Menschen wandten sich verzweifelt an sie, berichteten von Konflikten und Brüchen in ihren Familien. Dann kam die nächste Katastrophe: Im Januar erlitt ihre Mutter einen Schlaganfall, der ihr Sprachzentrum zerstörte und sie zur Aphasikerin machte.

"Anrüchige Männerdominanz im Amoklauf? Amerika in spiritueller Krise? Eine sterbende Erde?"

"Das klingt nach einem Job für Tori Amos", schreibt das Popmagazin Stereogum. Tori Amos kennt man seit ihrem Solo-Debüt "Little Earthquakes" (1992) für ihre emotional aufgeladenen, brutal ehrlichen Songs über kontroverse Themen: Sexismus, Ungerechtigkeit, menschenunwürdige Religionen. Kein Wunder, dass so viele in diesen stürmischen Zeiten hilfesuchend die Hände nach ihr ausstrecken, in der Hoffnung, dass sie die Stimme erhebe. Die Sprachlosen nach den Wahlen, das Schicksal ihrer Mutter – Amos fühlte wieder einmal eine Verantwortung, zum Sprachrohr zu werden. Um so viele Alben wie sie zu schreiben, "reiche es nicht aus, brav ein Tagebuch zu führen", erklärte sie einmal der BBC. Immer schon hat sie Geschichten verarbeitet, die Fans ihr erzählten: online, offline, backstage nach einem ihrer Konzerte, flüchtig, beim Erhaschen eines Autogramms, kaum eine Sängerin ist in ihrer Karriere so viel auf Tour gewesen wie Tori Amos. Keine pflegt so eine Wahnsinns-Symbiose mit ihren Fans, hat eine derart starke Empathie für ihre Erlebnisse. Im September 2017 kommt Tori Amos für drei Konzerte in Frankfurt, Hamburg und Essen nach Deutschland

Nach Ausflügen in Richtung Klassik, Musical und Kammermusik, nach dem letzten auch noch ganz schöngeistigen Studio-Album "Unrepentant Geraldines" ist die einstige Bar-Pianistin hier zu ihrem Signatur-Sound zurückgekehrt: ihrem anspruchsvollen Singer-Songwriter-Pop, der Prince, Kate Bush und Regina Spektor einiges verdankt.

Auf "Native Invader" zeigt sich die 54-Jährige direkt, frontal und feurig wie schon lange nicht mehr.

"Native Invader" als das Trump-Album von Tori Amos zu bezeichnen, klingt plump und bringt es dennoch ganz gut auf den Punkt. Trocken und belehrend ist Amos dabei schon deshalb nicht, weil sie musikalisch immer wieder neue Maßstäbe gesetzt hat. So auch in "Native Invader", wo die eloquente Rothaarige ganz verschiedene musikalische Elemente ihrer Laufbahn zusammenbringt: Vintage-Elektronik der 1990er mit akustischen Gitarren, donnernde Bösendorfer und orchestrale Begleitung. Auf dem erlesenen Klangteppich zieht sie sämtliche Register ihrer fantastischen Stimme, deren Spektrum vom Tom Waits´schen Reibeisen bis zur ätherischen Elfe reicht. Die Vorabsingle "Cloud Riders" ist ein laidbacker Country-Rocker. Auf dem düsteren Elektro-Track "Up The Creek" singt auch ihre 13-jährige Tochter Tash – hier erzählt Tori eine Geschichte ihres Cherokee-Großvaters. "Chocolate Song" ist feinfühliger, souliger Folk, gefolgt von "Climb", einem wunderschönen Piano-Popsong.

"Keiner möchte eine Predigt", sagt die Pastorentochter

Ständig sei sie auf der Suche nach der richtigen Story, mit der sie einen bestimmten Inhalt vermitteln könne. Ihre größte Stärke dabei ist das Gefühl. Ihre Fähigkeit, die Gefühle anderer auszudrücken, ihren Schmerz in wunderbaren Songs zu überhöhen. Das Album endet mit dem Song "Mary´s Eyes", den sie ihrer Mutter gewidmet hat: eine winterliche, elegische Piano-Ballade, begleitet von Streichern. Es sollte eigentlich "kein Album über Schmerz, Blut und Knochen werden", meint sie rückblickend. Doch ihre Musen bestanden darauf, dass sie sich den Konflikten widme, die ihre Heimat gerade traumatisieren und über diese rohen Emotionen schreibe. "Hoffentlich werden die Leute Widerstandskraft aus den Songs schöpfen."


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07.09.2017
Krystian Zimerman

Fesselnder Schubert – Krystian Zimerman in Glanzform

Es ist ein großer Moment. Der polnische Ausnahmepianist Krystian Zimerman legt nach knapp 25 Jahren das erste Solo-Recital für Deutsche Grammophon vor. Eine triumphale Rückkehr mit Schuberts späten Klaviersonaten.

Krystian Zimerman, Fesselnder Schubert – Krystian Zimerman in Glanzform

Darauf haben wir lange gewartet. Ein romantisches Solo-Album von Krystian Zimerman, dem musikalischen Rebell und bewunderten Eigenbrötler am Klavier.

Verehrt und gefürchtet: Krystian Zimerman

Er hat es dem Publikum nicht immer leicht gemacht. Krystian Zimerman stellt die höchsten Ansprüche an sich selbst, und deshalb verlangt er auch von seinem Publikum äußersten Respekt vor der Kunst. Nervtötende Filmaufnahmen im Konzertsaal, und der polnische Meisterpianist, ansonsten die Friedlichkeit in Person, gerät außer sich. So geschehen beim Klavier-Festival Ruhr 2013, als Zimerman einem Zuhörer, der das Konzert mit einem Smartphone mitschneiden wollte, die Leviten las.  

Dabei ging es ihm auch um das Copyright, das durch YouTube-Filme gefährdet sei. Krystian Zimerman will die Kunst beschützen. Der passionierte Pianist liebt die Klaviermusik so sehr, dass er nichts Störendes in ihrer Nähe duldet. Divenhafte Allüren sind ihm hingegen fremd. Er hat sich der Musik verschrieben, und das mit Haut und Haaren, mit dem ganzen Einsatz seiner Person. Das verbindet ihn mit Franz Schubert, den er schon immer verehrt hat und seit jeher als einen Seelenverwandten betrachtet.

Schubert lieben: Musikalische Besessenheit

"Er hatte immer ein Manuskript am Bett", so Krystian Zimerman über Franz Schubert, "und wenn er nachts aufwachte, komponierte er einfach weiter. Mir geht es genauso: Wenn mich etwas fasziniert, ist die Nacht auf einmal vorbei und plötzlich ist es sieben Uhr morgens." Die Nacht zum Tag machen. Kompromisslos seiner musikalischen Leidenschaft nachgehen. Vollkommen eintauchen in die Poesie des Klavierklangs. All das macht Krystian Zimerman aus, und mit dieser Haltung rückt er ganz nah an Franz Schubert heran.

Wann hat man die späten, erstaunlich modernen Klaviersonaten Franz Schuberts jemals so dicht, so vollkommen entrückt und poetisch umgarnt gehört? Krystian Zimerman taucht ganz in die Seelentiefen des österreichischen Meisterkomponisten ein, der nur 31 Jahre alt wurde, an Syphilis litt und wahrscheinlich einer akuten Infektionskrankheit zum Opfer fiel. Das war im Jahre 1828, am 19. November. Die Zeit davor hatte der unermüdliche Schubert noch wie wild komponiert.

Elektrisierend modern: Visionäre Klaviersonaten

Als ob er seinen frühen Tod vorausgeahnt hätte, bündelte er in seinen letzten Lebensjahren all seine Energie und schuf ein Meisterwerk nach dem anderen, darunter der berühmte Liederzyklus Winterreise, die sanft perlenden Impromptus und nicht zuletzt, im Todesjahr, drei visionäre Klaviersonaten. Den beiden letzten davon widmet sich Krystian Zimerman in seinem neuen Album, das gerade in der Reihe "Piano Masters" erschienen ist.

Zimerman spielt diese Klaviersonaten schon seit dreißig Jahren. Aber sein Respekt davor war so groß, dass er sich bis heute Zeit gelassen hat, um die richtige Form zu finden. Dass die Zeit reif ist, beweist sein Album in allen Schichten. Das klangliche Spektrum ist enorm, und die Gefühlszustände, die sich hier Ausdruck verschaffen, sind schier überwältigend.

Krystian Zimerman schafft es mühelos, den tieftraurigen Schubert mit dem humorvollen in Kontakt zu bringen. Von ergreifender Melancholie: die langsamen Sätze der Sonaten in A-Dur (D 959) und B-Dur (960). Augenzwinkernd hingegen: die Scherzi, die viel Witz versprühen, ohne auch nur im Geringsten oberflächlich zu wirken. Zutiefst menschlich ist das, Klang gewordene Lebensfülle, die sich aus Höhen und Tiefen speist.       


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31.08.2017
Pop goes Classical

Groovende Klangkörper und symphonischer Drive im Doppelalbum "Pop Goes Classical"

Hemmungslos groovende Celli, großes Kino mit dem City of Prague Philharmonic Orchestra und das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra in Aktion als größte Popgruppe der Welt.

Diverse Künstler, Groovende Klangkörper und symphonischer Drive im Doppelalbum Pop Goes Classical

Das und noch viel mehr lässt sich auf dem neuen Doppelalbum "Pop goes Classical" entdecken, wenn man die Ohren vom offenen Geist der Aufnahmen mal so richtig durchpusten lässt. Pop-Hits im orchestralen Gewand - die Idee hat viel Potenzial, das mit dem Album klangvoll eingelöst wird.

Lustvolle Grenzgänger

Ein gelungenes Arrangement verfremdet das ursprüngliche Werk nicht um einer Veränderung Willen, sondern schafft im besten Fall eine faszinierende neue Perspektive auf die bekannten Klänge. So öffnet sich eine neue Dimension für die Auseinandersetzung mit der Musik. Das Doppelalbum "Pop goes Classical" steckt voll beglückender klanglicher Überraschungen und gewinnt die Ohren mit der durch und durch überzeugenden Umsetzung des musikalischen Brückenschlags quer durch die Genres. Die Arrangeure und die Künstler begegnen der Musik dabei über alle Stile hinweg gleichermaßen mit hörbarer Begeisterung. Die britischen Musikproduzenten James Morgan und Juliette Pochin kennen sich seit Studientagen und sind als vielseitig begabtes Produzenten-Team "Morgan Pochin" für ihre ambitionierte Projekte bekannt. Mit "Pop goes Classical" ist den kreativen Köpfen ein neuer musikalischer Geniestreich gelungen.

Top of the Pops

Die Musik von Ludwig van Beethoven rockt ab und zu auch ganz schön. Erfreulich ist es, wenn der extrovertierte Habitus beim Spielen unerschrocken von den Interpreten transportiert wird. Umgekehrt reizvoll ist es, wenn ein klassischer Klangkörper wie das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra keine Scheu zeigt, Chartstürmer der Popgeschichte mit viel Verve und auf die Bühne zu bringen. Verschiedene Pop-Hits der jüngeren Musikgeschichte und legendäre Dauerbrenner wurden für das Decca-Album dem großen sinfonischen Klangkörper auf den Leib arrangiert und leuchten in ihrer neuen, orchestralen Gestalt in allen Farben, die der klassische Regenbogen zu bieten hat. Experimentierfreudige junge Solisten wie der Cellist Julian Lloyd Webber, die britische Geigerin Fiona McCapra und die Klarinettistin Emma Johnson steuern dem Album in Evergreens wie "Save the best for last"(Vanessa Williams), "You raise me up" (Westlife) oder "Something inside so strong" (Labi Siffre) viele weitere instrumentale Klangfarben bei.

Ansteckende Begeisterung

In den Aufnahmen für "Pop Goes Classical" stand James Morgan zum Teil höchstpersönlich am Pult des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und dem City of Prague Philharmonic Orchestra, um Songs wie Pharrell Williams‘ Gute-Laune-Garant "Happy", den unverwüstlichen Boyband-Hit "Back for Good", der Titanic-Heart- and Chartbreaker "My Heart Will Go On" oder Adeles melancholische Ballade "Hello" einmal ganz neu zu interpretieren. "Pop Goes Classical" lädt zum Umdenken und zum lustvollen Hinhören ein und versprüht eine mitreißende Begeisterung für die Musik, die alle Genregrenzen sprengt.

 


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30.08.2017
Luciano Pavarotti

Tenor der Herzen - Das Doppelalbum "The People's Tenor" würdigt Luciano Pavarottis großen Erfolg

Am 6. September jährt sich Luciano Pavarottis Todestag zum zehnten Mal. Mit dem Album "The People's Tenor" erinnert Decca durch eine Fülle von Opernarien und italienischen Liedern an Pavarottis einzigartige Stimme.

Luciano Pavarotti, Tenor der Herzen - Das Doppelalbum The People's Tenor würdigt Luciano Pavarottis großen Erfolg

Seine goldene Stimme erkennt man sofort. Für alle Zeiten strahlt Luciano Pavarottis außergewöhnliches Timbre in vielen Aufnahmen, die im Laufe seiner langen Karriere für die Deutsche Grammophon und Decca entstanden sind. Unvergessen bleibt auch der Charme, mit dem der italienische Tenor nicht nur Klassikfans, sondern die Massen in Begeisterung versetzen konnte. Ob mit Opernarien oder mit Klassikern aus seiner Heimat Modena und Neapel - Luciano Pavarotti verstand es, das Publikum musikalisch und menschlich für sich einzunehmen. Zehn Jahre nach seinem Tod erscheint bei Decca eine hochwertige Edition, die die schönsten Aufnahmen des großen Sängers versammelt hat. 25 Opernmomente und 25 italienische Lieder transportieren Luciano Pavarottis unsterbliche Liebe zur Musik.

Heißgeliebt und unübertroffen

Pavarottis Name ist untrennbar mit der berühmten Arie "Nessun dorma" aus Puccinis Oper "Turandot" verbunden, die man gleich zweimal erleben kann, denn das Album enthält auch den Livemitschnitt des legendären Auftritts der Drei Tenöre 1990 in Rom. Wenn Luciano Pavarotti all seinen emotionalen Ausdruck in eine italienische Opernarie legt, scheinen die Töne förmlich zu glühen. "Che gelida manina", die berühmte Arie um Mimìs eiskaltes Händchen aus Giacomo Puccinis Oper "La bohème", brennt sich sofort in das Herz des Hörers ein, so leidenschaftlich ist die gesangliche Ausgestaltung jeder Wendung und die intensive Hingabe, mit der Pavarotti jeden einzelnen Ton zum Leben erweckt. Mit einem goldenen Timbre und einer elektrisierenden Höhe gesegnet, interpretiert Luciano Pavarotti die Musik auf eine Art und Weise, die den Aufnahmen einen unübertroffenen Kultstatus verleiht.

Ein Leben für die Oper

Überhaupt ist Luciano Pavarotti in der Musik der italienischen Oper stimmlich völlig zuhause und stellt eine große Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Mal schlüpft er mit Verdis leichtfüßiger Arie "La donna e mobile" in die Rolle des Herzogs von Mantua, mal überzeugt er als jugendlich-verliebter Nemorino mit "Una furtiva lagrima" in Donizettis "L'elisir d'amore". In der Arie "Vesti la giubba" aus Ruggero Leoncavallos "Pagliacci" berührt er mit bestürzend eindringlicher Verzweiflung als Canio. Ein echter Glücksmoment für die Opernwelt ist auch das Duett "Au fond du temple saint" aus George Bizets Oper "Les pêcheurs de perles", das Luciano Pavarotti gemeinsam mit dem Bassisten Nicolai Ghiaurov eingesungen hat.

Die Liebe zur der kleinen Form

Luciano Pavarottis Nähe zum Publikum kommt auch gut in den Aufnahmen italienischer Lieder zur Geltung, in denen der Tenor mit viel Charme und Stimme die Volkslieder seiner Heimat interpretiert und sich in der kleinen Form als großartiger musikalischer Geschichtenerzähler erweist. Mit Ohrwürmern wie "Funiculì, funiculà", "O' sole mio" und "Turno Surriento" lässt er das mediterrane Lebensgefühl leuchten und bringt viele weitere Farben seiner beeindruckenden Stimme zur Geltung.

Um Pavarottis zehnten Todestag zu würdigen, findet am 6. September in der Opernstadt Verona eine besondere musikalische Feierlichkeit statt, bei der unter anderem auch Plácido Domingo und José Carreras gemeinsam auf der Bühne stehen werden.


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30.08.2017
Vladimir Ashkenazy

Lebenswerk eines Starpianisten – Limitierte Edition von Vladimir Ashkenazy

Über 50 Jahre währt seine Zusammenarbeit mit Decca bereits. Jetzt veröffentlicht das britische Traditionslabel eine umfassende Edition des russischen Starpianisten: eine persönliche Auswahl aus über 150 Aufnahmen.

Vladimir Ashkenazy, Lebenswerk eines Starpianisten – Limitierte Edition von Vladimir Ashkenazy © Sasha Gusov/Decca

Er spielt Klavier wie eh und je. Von Altersmüdigkeit keine Spur. Vladimir Ashkenazy scheint noch lange nicht am Ende seiner großen Karriere zu stehen.

Ein halbes Jahrhundert: Ashkenazy bei Decca

Ein Pianist aus Leidenschaft, lebt er mit seinem Instrument, kostet jede seiner über Jahrzehnte gereiften Fähigkeiten voll aus. Doch im Alter von 80 Jahren darf man auch zurückschauen und sich an den Höhepunkten einer fulminanten Laufbahn erfreuen. Das gilt erst recht, wenn man ein musikalisches Erbe zu ordnen hat. Ein Schatz ohnegleichen wartet darauf, gehoben zu werden. Er liegt bei dem britischen Traditionslabel Decca, dem Vladimir Ashkenazy seit über 50 Jahren angehört.

Als der junge Pianist im Jahre 1963 bei Decca unterzeichnete, da ahnte wohl niemand, dass eine Weltkarriere vor ihm liegt. Zwar hatte der frühreife Tastenmagier schon mit wichtigen Preisen auf sich aufmerksam gemacht, aber dass er zu einer großen Künstlerpersönlichkeit heranreifen würde, war nicht garantiert. Decca brachte dem jungen Mann das nötige Vertrauen entgegen, und dass es sich auszahlte, beweist die überaus reiche Ernte seiner mitreißenden Aufnahmen, zu bewundern in der soeben erschienenen Mammut-Edition des großen Pianisten.

Pianistischer Kosmos: Romantischer Schwerpunkt      

 "Vladimir Ashkenazy – The Solo & Chamber Recordings" umfasst summa summarum 56 CDs, darunter etliche Aufnahmen, die erstmals auf CD verfügbar sind. Das Repertoire zeigt einen deutlich romantischen Akzent. Komponisten wie Beethoven und Schubert, Schumann und Brahms, Chopin oder Franck liegen Vladimir Ashkenazy. Hier kann er sein poetisches Feingespür genauso zur Geltung bringen wie seine geschmeidige Technik, die sein Klavierspiel stets natürlich erscheinen lässt. 

Von soghafter Kraft ist das russische Repertoire. Wenn "russisch" und "romantisch" zusammentreffen, dann ist Vladimir Ashkenazy ganz in seinem Element. Komponisten wie Tschaikowsky oder Rachmaninow spielt er so zartfühlend wie leidenschaftlich. Elektrisierend modern: Scriabin. Ashkenazy liebt den heftigen Pulsschlag des avantgardistischen Russen, der noch mit einem Bein in der Romantik stand. Das gilt auch für Prokofiev, dessen Klaviersonate Nr. 7 in B-Dur Ashkenazy äußerst spannungsvoll, versetzt mit sanften Zwischentönen, interpretiert.

Prächtige Edition: Lebenswerk eines Ausnahmepianisten

Aus dem erstmals auf CD erscheinenden Repertoire sticht die Klavierversion von Mussorgskys "Bildern einer Ausstellung" hervor. Erhaben klingt das, großzügig, elegant! Nicht minder überzeugend: Ravel und Debussy. Weiche und dennoch klar konturierte Linien sind eine Spezialität des russischen Pianisten. Ihre Attraktivität verdankt die neue Edition aber auch dem Umstand, dass der Pianist selbst das Repertoire ausgewählt hat und neben der Solo-Literatur auch famose Kammermusik und Liedkunst erklingt.

So hört man die große schwedische Sopranistin Elisabeth Söderström Tschaikowsky und Rachmaninow singen, und gemeinsam mit dem israelischen Ausnahmegeiger Itzhak Perlman interpretiert Vladimir Ashkenazy Kammermusik von Ravel und Debussy. Als wäre dies alles nicht genug, wartet die limitierte Edition auch noch mit einem Hardcover-Buch auf, das einen glänzenden Essay von Jed Distler enthält. Dass die CD-Hüllen den Covern der Ersterscheinungen nachempfunden sind, ist das i-Tüpfelchen eines prächtigen Künstlerportraits.          


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30.08.2017
Diverse Künstler

Meisterkomponisten – Fünf neue Streaming-Alben der Reihe "The Essentials"

Die digitale Reihe "The Essentials" bietet einen optimalen Einstieg in die Klassik. Jetzt erscheinen fünf neue Streaming-Alben: Die wichtigsten und schönsten Werke von Händel, Mozart, Schubert, Brahms und Grieg.

Diverse Künstler, Meisterkomponisten – Fünf neue Streaming-Alben der Reihe The Essentials © DG

Klassische Musik ist ein unermesslicher Kosmos. Ohne Wegmarken findet man sich darin kaum zurecht. Selbst wenn man sich auf einen einzigen Komponisten beschränkt, steht man vor der Frage: Wo anfangen? Insbesondere in den scheinbar unendlichen Weiten der Streaming-Portale mit ihrem Überfülle an Aufnahmen und Interpretationen ist der Aspekt der Kuratierung besonders wichtig.

Optimaler Einstieg mit sorgfältiger Kuratierung: The Essentials

Die digitale Klassik-Reihe "The Essentials" leistet unverzichtbare Dienste zur Orientierung. Die Vorauswahl hilft prächtig, sich im Labyrinth der Klassik zurechtzufinden. Mit ihrer Konzentration auf absolut herausragende Komponisten und deren Schlüsselwerke löst Deutsche Grammophon den Anspruch, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, gleich in zweifacher Hinsicht ein. Wie attraktiv dies ist, zeigt sich in den nun erscheinenden fünf neuen Folgen von "The Essentials" auf bestechende Weise.

Mit Georg Friedrich Händel greift die digitale Reihe auf einen Komponisten zurück, der zu den größten des Barockzeitalters zählt. Die 25 Tracks des Albums, darunter der berühmte Halleluja-Chor, bilden die Essenz seines Schaffens ausgezeichnet ab. Es folgt Wolfgang Amadeus Mozart, für viele die erste Assoziation überhaupt, wenn sie an klassische Musik denken. Kompositionen wie "Eine kleine Nachtmusik" oder das tiefsinnige "Lacrimosa" aus dem Requiem machen das Streaming-Album zu einem Hör-Erlebnis ohnegleichen.  

Romantische Wegmarken: Schubert, Brahms und Grieg

Ist man mit Mozart ins Zentrum der Wiener Klassik vorgedrungen, so öffnet sich mit Schubert, Brahms und Grieg eine romantische Tür. Franz Schubert hat rund 600 Lieder komponiert. Das neue Streaming-Album zeigt ihn aber nicht nur als begnadeten Lied-Komponisten, sondern auch als Genie der Klavier- und Orchestermusik. Mit Künstlern wie der chinesischen Meisterpianistin Yuja Wang und dem Jahrhundert-Bariton Dietrich Fischer-Dieskau darf man sich auf Klassikstars aus unterschiedlichen Generationen freuen.

Das gilt auch für das Brahms-Album, das mit Ausnahmedirigenten wie Herbert von Karajan und dem jungen Andris Nelsons aufwartet. Solche Persönlichkeiten garantieren, dass die tiefsinnige, hochemotionale Orchestermusik von Johannes Brahms erhaben zur Geltung kommt. Träumerische Gefühle weckt hingegen die Musik von Edvard Grieg, der folkloristische Elemente seiner norwegischen Heimat mit spätromantischen Klängen verbindet. Bezaubernd: die erste Peer Gynt-Suite, ein absolutes Highlight des Streaming-Albums.

Ab 1. September 2017 stehen alle Folgen der Reihe "The Essentials" auch zum Download bereit. Neben den Schlüsselwerken von Händel, Mozart, Schubert, Brahms und Grieg dürfen sich die Hörerinnen und Hörer auf die musikalischen Essenzen folgender Komponisten freuen: Bach, Beethoven, Chopin, Debussy und Liszt sowie Puccini, Rachmaninow, Ravel, Tschaikowsky und Vivaldi.         


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News

24.08.2017
Nelson Freire

Mit Herz und Verstand - Nelson Freire spielt Brahms

Auch mit 72 Jahren stürzt sich der brasilianische Pianist Nelson Freire immer wieder beherzt in neue Projekte. Sein jüngstes Album mit Werken von Johannes Brahms strotzt vor Energie und Frische.

Nelson Freire, Mit Herz und Verstand - Nelson Freire spielt Brahms © Gregory Favre

Die Sonate in f-Moll von Johannes Brahms begleitet Nelson Freire schon ein halbes Jahrhundert. 1967 hat der brasilianische Pianist damit sein Aufnahme-Debüt beim Label CBS gegeben und in den vielen Jahren als Exklusivkünstler für Decca zahlreiche unvergessliche Einspielungen herausgebracht. Das aktuelle Album steuert der Sammlung ein weiteres Highlight bei und rückt die Beziehung von Nelson Freire und Johannes Brahms zehn Jahre nach einer Aufnahme der Klavierkonzerte mit Riccardo Chailly und dem Leipziger Gewandhausorchester noch einmal ganz bewusst in den Mittelpunkt.

Energie und Gefühl

Neben der opulenten Sonate Nr. 3 in f-Moll präsentiert der brasilianische Pianist auch viele kleinformatige Intermezzi, das Capriccio in d-Moll op. 116 Nr. 1, die Ballade op. 118 Nr. 3 in g-Moll und den verträumten Walzer in As-Dur op. 39 Nr. 15. Jedes der Werke hat Nelson Freire mit inniger Empfindung und großer kreativer Spielfreude gestaltet, so dass die Aufnahmen nicht nur ein großes Maß an technischer Brillanz und Präzision offenbaren, sondern auch die persönliche Begeisterung des Pianisten für die Musik von Johannes Brahms transportieren. Vor allem zu der f-Moll Sonate hat er ein besonderes Verhältnis: "Es ist ein bisschen, als würde man aus der Ferne auf einen hohen Berg sehen", beschreibt er die Entwicklung seiner Beziehung zu dem Stück von damals bis heute. "Und beim Näherkommen bemerkt man plötzlich alle möglichen verschiedenen Bäume und Flüsse, die auch dazugehören."

Brahms und die Tasten

Mit dem Programm, das Nelson Freire für sein Album zusammengestellt hat, dokumentiert der Pianist die kompositorische Entwicklung von Johannes Brahms aus dem Blickwinkel der Literatur für Solo-Klavier und zeichnet dadurch an den Tasten ein faszinierendes Porträt des romantischen Komponisten. 1853 schrieb der 20jährige Johannes Brahms vor der Drucklegung seiner Sonate Nr. 3 an den Verleger, er möge dem zweiten Satz Zeilen aus einem Gedicht von Sternau voranstellen, um das Verständnis für die Musik zu schärfen: "Der Abend dämmert, das Mondlicht scheint. Da sind zwei Herzen in Liebe vereint. Und halten sich selig umfangen." In dem Bedürfnis Bildung und Gefühl in ihre künstlerischen Projekte einfließen zu lassen, sind Johannes Brahms und Nelson Freire sich nah. In seiner langen Karriere hat der Pianist immer wieder mit programmatisch fein abgestimmten Aufnahmen überzeugt und ist für seine künstlerische Haltung bekannt, die den Inhalt stets allen Effekten voran stellt. Mit zwei Klavierstücken aus op. 76 schlägt der brasilianische Pianist eine Brücke zwischen dem frühen Brahms und seinen späten Werken. Der zärtliche vorletzte Walzer op. 39 Nr. 15 des Komponisten rundet Nelson Freires Album ab.

Die Aufnahmen sind eine Hommage an Johannes Brahms und zugleich die rundherum stimmige pianistische Darbietung eines der besten Klaviervirtuosen unserer Zeit.

 


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