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20.04.2017
Chris Potter

Chris Potter - die Ästhetik der Überraschung

Mit einem exzellent besetzten neuen New Yorker Quartett hat der Saxophonist Chris Potter das traumhafte Meisterwerk "The Dreamer Is The Dream" eingespielt.

Chris Potter, Chris Potter - die Ästhetik der Überraschung © DI PERRI / ECM RECORDS

Auf seinem dritten ECM-Album als Leader präsentiert Chris Potter ein neues akustisches Quartett, das unbefangen rhapsodische Melodien mit kraftvollen Rhythmen verquickt. Bestückt hat er die Band mit hervorragenden Musikern, die man von vielen New Yorker ECM-Aufnahmen der letzten zehn Jahre kennt: Keyboarder David Virelles, Bassist Joe Martin und Schlagzeuger Marcus Gilmore. Seine Vielseitigkeit zeigt Potter auf "The Dreamer Is The Dream" wahlweise auf dem Tenorsaxophon - auf dem er zu einem der am meisten bewunderten Spieler seiner Generation avanciert ist -, dem Sopransax und der Bassklarinette. Potter ist ein Künstler, der seine "beträchtliche Technik stets in den Dienst der Musik stellt und nicht für Spektakel verschwendet", hieß es einmal im Magazin The New Yorker. Wie auf jedem seiner Alben entwickelt der Saxophonist in seinen Kompositionen auch diesmal überraschende Texturen und Stimmungen.

Bevor das Quartett "The Dreamer Is The Dream" in den New Yorker Avatar Studios aufnahm, absolvierte es eine Reihe von Live-Auftritten und verbrachte zusätzlich einige Tage in der Schweiz, um das Material durchzugehen und vorzuproduzieren. Als man sich dann in den Avatar Studios wieder versammelte, floss die Musik nur so aus ihnen heraus.

Produzent Manfred Eicher half schließlich noch dabei, das Endergebnis zu formen. "Als Musiker kann man sich leicht im Dickicht der Dinge verlieren", meint Potter. "Aber Manfred sieht den Wald und nicht nur die Bäume. Er hat ein wirkliches Gespür für das große Ganze - für Stimmungen, Dichte, die Geschichte eines Albums. Ich habe mit ihm nun schon eine Menge Platten gemacht, und ich weiß das synergetische Geben und Nehmen mit ihm immer mehr zu schätzen."

"Die generationenübergreifende Mischung von Persönlichkeiten dieses Quartetts ist etwas Besonderes", sagt Potter. "Joe Martin kenne ich am längtsen - wir traten in den 90ern in denselben New Yorker Clubs auf. Abgesehen davon, dass er immer den richtigen Ton spielt, hat er diese sehr fokussierte, überlegte Herangehensweise auf dem Bass, sehr klar und unterstützend - er ist das Fundament der Band. Das Quartett hat eine große dynamische Bandbreite, agiert aber auch kontrollierter, was mir ermöglicht, auf eine bedachtere Art zu spielen. Joe hat daran großen Anteil."

"Marcus ist ein sehr eigenwilliger Schlagzeuger", fährt Potter fort. "Er spielt nicht sensationsheischend, sondern subtil, detailfreudig und sehr musikalisch. Er hat seine eigene Art zu spielen und scheint sich alle sechs Monate sprunghaft zu entwickeln. David hat als Pianist seine eigene Nische gefunden. Obwohl er auf Kuba aufwuchs, spielt er nicht auf eine stereotype lateinamerikanische Art. Er hat die Rhythmen der kubanischen Folklore ausführlich studiert, aber sich ebenso sehr mit Avantgarde-Jazz auseinandergesetzt. Er spielt mit Henry Threadgill, aber man kann ihn auch dabei erwischen, wie er an einer Etüde von Ligeti arbeitet. Die rhythmische Finesse in Davids Spiel ist einfach außerordentlich. Und die Art, wie David und Marcus rhythmisch interagieren, hat einen generationstypischen Charakter - es ist ihr eigenes Ding. Man kann das nur schwer in Worte fassen, aber eine ähnliche Verbindung gibt es auch zwischen mir und Joe. Unsere Generation - mit Leuten wie Brad Mehldau, Joshua Redman, Kurt Rosenwinkel - hat ihr eigenes Empfinden, ihr eigenes rhythmisches Gravitationszentrum. Die Generation von Marcus und David baut auf dem auf, was wir machten, so wie wir auf dem aufbauten, was die Generation vor uns gemacht hatte. Das ist eine Herausforderung- und inspirierend.”

Wenn er komponiert befindet sich Potter, wie er sagt, oft in einem "traumähnlichen Zustand". "Heart In Hand", "Memory And Desire" und das Titelstück des Albums entstanden bei solchen frei-assoziativen Schreibsessions. Andere Nummern weisen indische ("Yasodhara") oder afrikanische ("Ilimba") Einflüsse auf. Potter versucht auf jedem Album neue Ansätze zu finden. "Eine der Herausforderungen im Jazz ist, dass wir uns fragen müssen, wie wohl wir uns dabei fühlen, wenn wir auf eine andere Weise arbeiten als beim vorherigen Mal - und dann darüber hinausgehen", sagt er. "Ich versuche immer im Hinterkopf zu haben, dass die ursprüngliche und kostbarste Eigenschaft des Jazz die Ästhetik der Überraschung ist, nicht nur für das Publikum, sondern auch für den Künstler. Es ist die Kunst, aus dem Stegreif Ideen zu entwickeln, glückliche Zufälle zu nutzen und eine Geschichte während des Spielens zu entfalten. Darin liegt die Magie dieser Musik."


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06.04.2017
Dominic Miller

ECM-Debüt von Sting-Gitarrist Dominic Miller - Gitarrenmusik mit internationalem Flair

Auf dem Album "Silent Light", das auf CD und Vinyl erscheint, stellt Dominic Miller sein (nicht immer stilles) musikalisches Licht keineswegs unter den Scheffel.

Dominic Miller, ECM-Debüt von Sting-Gitarrist Dominic Miller - Gitarrenmusik mit internationalem Flair © Steven Haberland/ECM Records

Dass Dominic Millers "Silent Light" ein so internationales Flair ausstrahlt, sollte einen nicht wundern. Geboren wurde der Gitarrist als Sohn eines US-Amerikaners und einer Irin in Argentinien, wuchs ab seinem zehnten Lebensjahr aber in den Staaten auf und studierte dann an der renommierten Guildhall School of Music in London. Mittlerweile lebt der musikalische Globetrotter, der auch Stunden bei der brasilianischen Gitarren-Legende Sebastião Tapajós nahm, in Frankreich. "Silent Light" reflektiert all diese Lebensstationen Dominic Millers: In Stücken wie "Baden" (ein Tribut an den brasilianischen Gitarristen und Komponisten Baden Powell) gibt es starke lateinamerikanische Einflüsse, während  "Le Pont" die Pariser Luft des frühen 20. Jahrhunderts zu atmen scheint, "Valium" an keltische Stücke im Stil von Bert Jansch erinnert und "Fields Of Gold" eine gedämpfte Instrumentalversion von einer der bekanntesten Sting-Balladen ist. In dessen Band ist Miller seit über 20 Jahren nicht nur Gitarrist, sondern auch des Leaders rechte Hand.

Gemeinsam schrieben sie zudem den Welthit "Shape Of My Heart". Darüber hinaus arbeitete Miller mit den Chieftains, Plácido Domingo und Paul Simon zusammen. Letzterer lobt Miller im Booklet von "Silent Light" für seinen "wunderbaren Anschlag hat, der mit Aromen von Jazz und englischer Folkmusik gewürzt ist".

In seinen eigenen Anmerkungen im Booklet erinnert sich Miller, wie er sich mit seinem Produzenten Manfred Eicher über zwei ECM-Künstler unterhielt, die ihn musikalisch entscheidend beeinflusst haben: Egberto Gismonti und Pat Metheny. An dem einen fasziniert ihn, wie er seinen "ungeschliffenen" Ansatz mit "klassischen Obertönen" zu kombinieren versteht, an dem anderen die eher "Groove-orientierten" Stimmungen und das "Americana-Feeling" seiner Musik. An Methenys akustische Ausflüge erinnern auf "Silent Lights" Stücke wie "Angels" und "Tisane", während die Duo-Nummern mit dem Perkussionisten Miles Bould von dem Album "Duas Vozes" inspiriert zu sein scheinen, das Gismonti einst mit dem vor kurzem verstorbenen Naná Vasconcelos aufnahm. Bei Stücken wie dem synkopierten "Baden", dem nachdenklichen Opener "What You Didn’t Say", dem stimmungsvollen "Water" und dem nach einem Schachzug betitelten "En Passant" komplementiert Bould Millers Gitarre mit subtilen Rhythmen und Texturen. Grooviger wird es in "Chaos Theory", dem einzigen Stück des ansonsten live im Studio  aufgenommenen Albums, bei dem Miller mit Overdubs (einer zweiten Gitarre und des Basses) arbeitet, während Bould Schlagzeug spielt. "Wir haben uns einfach in der Art, wie es die brasilianische Band Azymuth tun würde, mit dem Beat vergnügt", verrät Miller. Die Gitarrensolostücke sind wiederum überwiegend gedämpft und intim. Auf die kompositorische Handschrift des Gitarristen hat natürlich auch die lange, intensive Zusammenarbeit mit Sting abgefärbt. "Ich versuche mit meiner Instrumentalmusik, die ich wie Songs behandle und arrangiere, eine ähnliche Narrative zu erschaffen, mit Strophen, Refrains und Überleitungen”, sagt Miller. “Wenn Dominic Gitarre spielt", meldet sich Sting höchstpersönlich zu Wort, “erschafft er Farben, ein komplettes Spektrum an Emotionen, eine klangliche Architektur, die sowohl auf Stille als auch auf Echo aufbaut. Er hebt die Stimmung in andere Höhen.”

Betitelt ist das Album nach dem gleichnamigen Film des mexikanischen Regisseurs Carlos Reygadas, dessen Arbeit auch ein Katalysator für die Aura von Einfachheit, Klarheit und Reinheit war, die dieses Album umgibt. "Seine Verwendung von Stille, Licht und Raum hat mich fasziniert", erläutert der Gitarrist. "Manchmal verstreichen Minuten ohne Bewegung oder Dialog, was ich sehr mutig und inspirierend fand."


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17.10.2014
Bugge Wesseltoft

Wesseltoft/Schwarz/Berglund - Ambient-Jazz-Vögel_1

Bugge Wesseltoft, Wesseltoft/Schwarz/Berglund - Ambient-Jazz-Vögel_1

Drei Vögel zwitschern auf dem Cover des neuen Albums von Elektro-Jazz-Pionier und Album-Bestseller Bugge Wesseltoft („New Conception Of Jazz“). Sie sollen Wesseltoft, Elektronik-Spezialist Henrik Schwarz und Bassist Dan Berglund darstellen, die zwar weder zwitschern noch singen, aber dennoch mitreißenden elektronisch-akustischen Ambient-Jazz fabrizieren.  

 

Bugge Wesseltoft scheint derzeit vor kreativer Energie zu Bersten. Erst vor wenigen Monaten stellte er auf der gleichnamigen CD sein Worldmusic-Projekt “OK World” mit Musikern aus insgesamt sieben Ländern vor. Jetzt folgt mit “Trialogue” schon der nächste Streich. Und für den hat Bugge sein bahnbrechendes Duo mit dem Berliner Elektronik-Spezialisten Henrik Schwarz durch den schwedischen Bassisten Dan Berglund, einst Mitglied des populären Esbjörn Svensson Trios (e.s.t.), zum Trio erweitert. “Wenn man mit Bass und Piano arbeitet, nähert man sich eher der traditionellen Idee eines Jazztrios an”, erklärte Henrik Schwarz in einem Interview. “Der harmonische Rahmen ist festgelegter als sonst. Und ab dem Moment, in dem man zu Dritt zusammenspielt, folgt man einer Art etablierter Route. ‘Trialogue’ geht ganz sicher mehr in Richtung eines konventionellen, klassischen Jazzalbums als unser Duo-Vorgänger. Diesmal wollte ich auch Songs schreiben, an Arrangements, Melodien und Harmonien herumfeilen. Die letzte Aufnahme, bei der wir überwiegend einen Computer und einen Flügel verwendeten, basierte weitaus mehr auf Improvisation. Sie war sehr ungeschliffen, besaß aber auch eine gewisse Schönheit. Diese Schönheit wollten Bugge und ich wieder einfangen und verfeinern.”

 

Und dies ist Wesseltoft, Schwarz und Berglund auch glänzend gelungen. Gemeinsam definieren sie auf “Trialogue” das Genre Ambient-Jazz neu, indem sie eine kohärente Ästhetik und vollkommen eigene Musiksprache kreieren. Eine Musiksprache, mit der sie nicht nur den Hörer erstaunen werden, sondern bei den Aufnahmen auch immer wieder sich selbst überraschten. Atmosphärische Ambient-Passagen wechseln sich ab mit treibend-energetischen Schwaden futuristisch-bluesiger Jams. Eine durch und durch postmoderne Klangwelt, oder, einfacher formuliert: schlicht großartige Musik.


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12.06.2014
Richard Reed Parry

Der innere Rhythmus - Richard Reed Parrys "Music for Heart and Breath"

Richard Reed Parry ist als Mitglied der Band Arcade Fire bekannt. Nun legt er sein Solodebüt mit Eigenkompositionen vor, denen ein faszinierendes Konzept zugrunde liegt: "Music for Heart and Breath" ist an Puls und Atem der Musiker gekoppelt

Richard Reed Parry, Der innere Rhythmus © Guillaume Simoneau

Wie lässt sich Musik so eng wie möglich mit unserem Körper verbinden? Ist eine Musik denkbar, die direkt aus unserem Inneren kommt? Richard Reed Parry hat sich diese Fragen vor langer Zeit zum ersten Mal gestellt. Er hat Klangforschung und zeitgenössischen Tanz studiert, bevor er sich 2002 der kanadischen Band Arcade Fire anschloss. Im Studium hörte er eine Vielzahl elektroakustischer Kompositionen, zu denen er größtenteils keinen Zugang fand. "Das war zwar intellektuell reizvoll, doch stellte diese Musik keinen Bezug zu meinem Körper her", sagt er. Als Gegenentwurf erfand er eine buchstäblich organische Musik: Richard Reed Parrys "Music for Heart and Breath" ist an Körperfunktionen gekoppelt. Gestaltungsparameter der Aufführung sind Atem- und Herzfrequenzen der Musiker. Zu diesem Zweck trägt jeder Interpret ein Stethoskop.

Irisierende Schönheit

Im Eröffnungsstück des Albums führt der Komponist sein Konzept exemplarisch vor. Eine Geige spielt, Pizzicato. Unablässig wiederholt sie eine Figur aus zwei Impulsen unterschiedlicher Tonhöhe, etwa 80 Mal pro Minute – das Schlagen eines Herzes. Oboe, Trompete, Flöte, Bratsche und Cello kommen nacheinander dazu, alle spielen eine pochende Zweitonfigur. Jede Stimme folgt ihrem eigenen Zeitgeber, dem Puls des jeweiligen Spielers. Dadurch verschieben sich die Stimmeinsätze kontinuierlich gegeneinander. Ein tempo rubato, hervorgerufen durch Schwankungen der Herzfrequenz, verleiht den einzelnen Stimmen zusätzliche innere Elastizität. So entsteht ein polymorphes Klanggewebe von irisierender Schönheit, dessen grafische Repräsentation man sich in Form von sechs übereinandergelegten EKG-Herzspannungskurven vorstellen kann. Vor diesem Hintergrund etabliert sich bald eine neue Klangschicht: Die Geige wird nun mit gestrichenem Bogen gespielt, ihre Klanggesten folgen dem Ein- und Ausatmen des Geigers …

Kontrolliertes Chaos

Als Gesamtheit aller Stimmen besitzt dieses faszinierende Stück weder Takt noch Metrum. Gleichwohl existiert eine zeitliche Gliederung, resultierend aus Vorgaben des Komponisten zur Anzahl der Wiederholungen der Zweitonfigur, zur Veränderung von Tonhöhen, Dynamik und Spieltechniken. Es geht hier wie auf dem gesamten Album um das Wechselspiel zwischen Organisation und Chaos. Richard Reed Parry experimentiert im weiteren Verlauf mit verschiedensten Konstellationen erkennbarer Ordnung und freien Fließens sowie mit variierenden Besetzungen (Duett, Quartett, Sextett, Nonett, Orchester). Für das Orchesterstück etwa entschied er, als Zeitmaß allen Spielern den Herzschlag des Dirigenten (Nico Muhly) vorzugeben.

Neuartige Hörerfahrung

"Es ist schon recht umständlich, weil die Musiker mit einem Stethoskop in sich hineinhören und zugleich auf die anderen hören müssen", gesteht Richard Reed Parry ein. "Doch dadurch entsteht eine Subtilität, eine Weite und ein einzigartiges Wechselspiel zwischen den Musikern und dem Stück selbst, das stets im Fluss ist und sich nie wiederholt: Jedes Stück ist eine einzigartige, zarte Kollision von Tönen, Dynamik, Zeiteinheiten und wechselnden Harmonien, dem jedes Mal wieder im wahrsten Sinne neues Leben eingehaucht wird." Seine Musik, so meint er, eröffnet eine völlig neue Hörerfahrung. "Die Musiker verstärken und übermitteln ihre subtilen physiologischen Rhythmen. Der Hörer auf der anderen Seite nimmt nicht nur Anteil an diesem intimen Vorgang, sondern hört zugleich auch in sich selbst hinein."

"Music for Heart and Breath" wurde erstmals 2011 aufgeführt. An der von Deutsche Grammophon produzierten Aufnahme wirkten Nico Muhly, Aaron und Bryce Dessner (The National), das Kronos Quartet und das yMusic Sextet mit. Das Album erscheint am 13.06. Richard Reed Parry plant eine Fortsetzung.


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25.10.2013
Woody Guthrie

Woody Guthrie - Amerikaner, Radikaler, Patriot

Woody Guthrie, Woody Guthrie - Amerikaner, Radikaler, Patriot

Als Amerikas Konservative 1984 Bruce Springsteens Hit "Born In The U.S.A." als patriotischen Song fehlinterpretierten und für ihre Zwecke highjacken wollten, war dies kein Präzedenzfall. Ganz ähnlich war es knapp vierzig Jahre zuvor Springsteens großem Idol Woody Guthrie ergangen, als dieser sein bis heute bekanntestes Stück "This Land Is Your Land" herausbrachte. Der Song, der ursprünglich den Titel "God Blessed America" tragen sollte und eine ironische Antwort auf Irving Berlins pathos-geschwängertes "God Bless America" war, wurde als patriotisches Lied missinterpretiert und in den Kanon der inoffiziellen Nationalhymnen der USA eingereiht. Doch mit dem in den USA grassierenden billigen Hurra-Patriotismus hatte Guthries kritische Vaterlandsliebe rein gar nichts gemein. Der Folk- und Protestsong-Barde war einer jener Patrioten, die von Leuten mit divergierenden Ansichten gerne als Nestbeschmutzer bezeichnet werden. Insofern könnte der Titel der jetzt erscheinenden Box "American Radical Patriot" bei Guthrie-Fans zunächst ein Stirnrunzeln hervorrufen. Doch wenn man die Aufnahmen dieser Box hört und die begleitenden Texte (ein 60-seitiges Booklet und eine 258-seitige PDF-Datei) liest, erschließt sich einem schnell, dass der Titel kaum passender hätte gewählt werden können.

Als letztes Jahr Woody Guthries 100. Geburtstag gefeiert wurde, erschien bereits eine ganze Reihe von außergewöhnlichen Wieder- und Erstveröffentlichungen. Doch all diese Alben verblassen im Vergleich mit der "American Radical Patriot"-Box, die nun in limitierter Auflage erscheint. Sie enthält auf sechs CDs zum ersten Mal sämtliche Aufnahmen, die Guthrie 1940 mit dem Musik- und Folkloreforscher Alan Lomax für die Library of Congress gemacht hatte. Zu hören gibt es frühe Einspielungen von Klassikern wie "So Long, It’s Been Good To Know Yuh", "Do Re Mi", "Pretty Boy Floyd", "I Ain't Got No Home" und "Hard, Ain't It Hard".

Durch die Geschichten, die Guthrie Lomax zwischendurch über sein Leben erzählte, erfährt man viel Erhellendes zum Hintergrund dieser Songs. Bisher gab es aus dem rund fünfstündigen Programm, das vier der sechs CDs dieser Box füllt, nur einen dreistündigen Zusammensschnitt. Die beiden restlichen CDs bieten weitere Raritäten, die Guthrie in seiner Blütezeit in den 1940er Jahren gemacht hatte, als er mit seinen gewitzten Songs zum musikalischen Sprachrohr der Arbeiterklasse aufstieg. Darüber hinaus enthält das Paket noch eine DVD und eine Vinyl-Single mit einer privaten Bob-Dylan-Aufnahme von "VD City" (entstanden 1961, im selben Jahr, in dem der 19-jährige Dylan sein Idol in einem New Yorker Krankenhaus erstmals persönlich traf) und einer Version von "The Greatest Thing That Man Has Ever Done", die Guthrie 1951 bei sich zu Hause aufgenommen hatte.

Auch Bruce Springsteen meldete sich zu Guthries 100. Geburtstag zu Wort und lobte dessen "durch praktischen Idealismus gemilderten Fatalismus" und Guthrie als Beispiel dafür, dass "es nicht sinnlos sei, den Mächtigen die Wahrheit zu sagen". An letzterem kann man heute freilich mehr denn je seine Zweifel haben.


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11.02.2013
Chris Potter

Verlockende Sirenengesänge: Chris Potters neues Album “The Sirens”

Chris Potter, Verlockende Sirenengesänge © John Rogers/ ECM Records

Der 42-jährige Chris Potter, der zuvor bereits auf mehreren ECM-Alben seines Mentors Dave Holland zu hören war und gemeinsam mit Paul Motian und Jason Moran 2009 das moderne Klassikeralbum “Lost In A Dream” einspielte, hat für “The Sirens” einen Zyklus reizvoller “Songs ohne Worte” komponiert. Die Stücke werden mit subtiler Virtuosität von einer prominent und interessant zusammengestellten Band präsentiert: Neben Potter an Tenor- und Sopransaxophon sowie an der Bassklarinette agieren hier Craig Taborn (Piano), David Virelles (präpariertes Piano, Celeste, Harmonium), Larry Grenadier (Kontrabass) und Eric Harland (Schlagzeug).

“Das ist für mich ein ungewöhnliches Album”, gesteht Chris Potter. “Da ich ein übergreifendes Thema im Kopf hatte, schaffte ich es, die gesamte Musik in ungefähr zwei Wochen zu komponieren. Ich hatte ‘Die Odyssee’ nach vielen Jahren gerade noch einmal gelesen, und dies inspirierte mich dazu, mit dieser epischen, mythischen Stimmung im Kopf Musik zu schreiben. In der ‘Odyssee’geht es ausschließlich um große Themen, die in kühnem Kontrast zu einander stehen - romantisches Abenteuer und Heimkehr, Versuchung und Identität, Leben und Tod. Doch obwohl diese Themen in diesem archetypischen Raum stattfinden, geht es stets um Dinge, mit denen wir auch heute noch konfrontiert werden. Die Geschichten stammen aus der Antike, doch die menschlichen Emotionen ändern sich nie. Deshalb erscheint uns das Buch noch heute real. Aus diesem Grund wollte ich der Musik einen Lyrizismus verleihen, der auf dieser zeitlosen, sehr menschlichen Gemütslage basiert - und es gibt nichts menschlicheres als Melodien.”

Chris Potter: Ein Musiker der Kontraste und Paradoxe

Potters Stimme ist die eine Poeten. Geschickt wägt er Licht und Schatten miteinander ab und ist vor allem immer sehr lyrisch; sei es in dem song-ähnlichen Auftakt von “Wine Dark Sea”, den er auf dem Tenorsax spielt, oder im leidenschaftlich romantischen “Penelope”, wo er zum Sopransax greift. Die Irish Times beschrieb sein Spiel einmal in paradoxer Weise: “Wenn Potter spartanisch und lakonisch ist, gibt er seinem Spiel immer einen Schuss Redseligkeit. Wenn Potter hingegen mitteilsam ist, erweist er sich zugleich als Meister der Zurückhaltung.” Der New Yorker wiederumgelangte zu folgender Erkenntnis: “Als Tenorsaxophonist, der einen an Joe Henderson im Zenit seines Könnens erinnern kann, stellt Potter seine beachtliche Technik stets in den Dienst der Musik und benutzt sie nie um des Spektakels willen.”

Auf “The Sirens” sah Potter seine Rolle darin, den “Geschichtenerzähler zu spielen. Anstatt über ein paar wirklich schwierige Changes zu spielen, wollte ich eine Stimmung erzeugen, eine Geschichte erzählen.” In Craig Taborn, David Virelles, Larry Grenadier und Eric Harland fand er die idealen Partner für seine musikalische Reise. “Dies sind einige der Musiker, mit denen ich am liebsten zusammenspiele”, sagt Chris Potter. “Sie können einfach alles auf jede nur erdenkliche Art spielen, von straight-ahead bis vollkommen frei. Und wir gehören alle derselben Generation an, haben einander beobachtet, wie wir musikalisch aufwuchsen, und teilen eine Menge derselben zeitgenössischen Einflüsse.”

Offene Formen und ausgeprägter Lyrizismus

Mit ihren offenen Formen und ihrem ausgeprägten Lyrizismus stellt Musik wie jene von “The Sirens” die Protagonisten vor nicht geringe Herausforderungen. “Man muss wissen, wann man in sie eintauchen sollte, aber auch, wann man ihr Raum lassen sollte”, sagt Chris Potter, der momentan auch Mitglied von Pat Methenys Unity Band ist. “Die Musiker müssen einerseits starke Persönlichkeiten sein, andererseits aber auch eine gewisse Reife besitzen - und deshalb ist diese Band geradezu perfekt. Diese Jungs sind absolut auf der Höhe der Zeit.”


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24.01.2013
Adam Green

Das neue Album von Adam Green & Binki Shapiro

Adam Green, Romantik und Reflexion © Lauren Dukoff

Man muss dieses Album nur einmal hören, um sich von Adam Green und Binki Shapiro verzaubern zu lassen. Das süße Echo eines späten 60s-Folk-Pop in den trügerisch hübschen Arrangements und im lockeren Miteinander der Protagonisten scheint ideal zu einem sonnigen Sommertag zu passen, womöglich noch in Südkalifornien, wo es ja nie regnen soll. Doch schon bald stellt sich heraus, dass diese zehn Songs als tröstliche Begleiter am einsamen Ende einer Großstadtnacht fast noch besser funktionieren (zumal bei Regen). Gewiss, die Atmosphäre, die Green und Shapiro in dieser knappen halben Stunde heraufbeschwören, sie scheint voller romantischer Optionen zu stecken. Doch in den luziden Texten machen schnell auch Verrat, gebrochene Herzen und Zwietracht die Runde. Langsam, aber unausweichlich entfaltet sich ein intimes Drama - eines, das sogar Green und Shapiro selbst überrascht hat, als ihr gemeinsames Debüt Form annahm.

Debütanten sind beide natürlich mitnichten. Adam Green machte zunächst in der New Yorker Anti-Folk-Szene als eine Hälfte der Moldy Peaches von sich reden. Doch als seinem Duo mit Kimya Dawson 2007 mit dem Grammy-gekrönten Soundtrack des Indie-Films “Juno” später Mainstream-Erfolg zuteilwurde, hatte Green längst zu einer Solokarriere abgehoben, die ihn mit frechen, eigenwilligen Songs wie “Jessica” und “Emily” nicht nur zum Darling der hiesigen Musikpresse werden ließ. Alben wie “Gemstones” und “Jacket Full Of Danger” konnten sich auch noch hoch in den deutschen Charts platzieren.

Derweil machte Binki Shapiro mit Little Joy auf sich aufmerksam. Ihr L.A.-Trio mit Fabrizio Moretti (von den Strokes) und dem Brasilianer Rodrigo Amarante (von Los Hermanos) begeisterte 2008 mit seinem Debütalbum Kritiker und Fans. Zuvor war Shapiro bereits im Umfeld von Beck positiv aufgefallen, mit der gemeinsamen Video-Arbeit für sein Album “The Information” und den Leonard-Cohen-Songs auf seinem Record Club Blog. Ihr charmanter Retro-Modern-Look machte sie zudem zum Blickfang auf Modeseiten. Die Los Angeles Times listete Binki Shapiro kürzlich unter die “30 unter 30”-Künstler, die man doch mal im Auge behalten sollte.

Das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Adam Green und Binki Shapiro ist jedenfalls ein besonderes. Selten klang ein Duett-Album so harmonisch und bittersüß zugleich. Adam Green und Binki Shapiro gewinnen als Vertraute, als Geistesverwandte, die schwierige persönliche Umstände in zehn genau beobachtete, konzis konstruierte Songs verwandelt haben, die sich souverän einer breiten musikalischen Palette bedienen. Von den engelsgleichen Stimmen, die zur Eröffnung “Here I Am” dominieren,  über die Pop-Psychedelia von “I Never Found Out” und das Surf-Gitarren-Intermezzo von “What’s The Reward” bis zum eleganten Schluss-Walzer “The Nighttime Stopped Bleeding”. Die Intimität und Unmittelbarkeit, die diese Stücke ausstrahlen, geht aber nicht nur auf ihren schon beschriebenen Entstehungsprozess im New Yorker Appartement zurück. Genauso wichtig war die Umsetzung, die entspannte Session-Atmosphäre bei der Studioproduktion im kalifornischen Encino unter Produzent Noah Georgeson (Devendra Banhart, Joanna Newson). Wahrscheinlich hat es nicht mal geregnet. “Don’t Ask For More”? In diesem Fall schwierig…


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06.12.2012

Die DVD 'El Encuentro - A Film For Bandonéon And Cello' von Dino Saluzzi und Anja Lechner

Dino Saluzzi, El Encuentro - A Film For Bandonéon And Cello © ECM Records

Musik wird oft als eine universelle Sprache bezeichnet, doch die Herausforderung, soziale, kulturelle und stilistische Grenzen wirklich zu überschreiten, erfordert nach wie vor ein gutes Maß an Unerschrockenheit. Der nun auf DVD erscheinende Film "El Encuentro - A Film For Bandonéon And Cello" ist das dokumentarische Porträt einer ungewöhnlichen musikalischen Partnerschaft, deren Protagonisten tatsächlich zu einer universellen Sprache gefunden haben. Die Filmemacher Norbert Wiedmer (der auch schon bei der gefeierten ECM-Dokumentation “Sounds and Silence” Regie geführt hatte) und Enrique Ros folgten dem Bandoneonisten Dino Saluzzi und der Cellistin Anja Lechner mit ihrer Kamera nach Argentinien, Deutschland, Armenien, Italien, die Niederlande und die Schweiz. “Die Wahrnehmung von Musik und die Art, wie man Musik spielt, ändert sich, wenn man reist”, sagt Anja Lechner. Die Kamera hat das Duo auf seinen Reisen begleitet und unterstreicht Lechners Aussage, indem sie den Prozess des Musikmachens in sehr verschiedenen Kontexten beleuchtet.

Die kulturellen Hintergründe der beiden Protagonisten könnten unterschiedlicher kaum sein: Der Argentinier Dino Saluzzi hat seine Wurzeln im Tango und der andinischen Volksmusik, während die Kasselerin Anja Lechner in der europäischen Klassik zu Hause ist. Auf der anderen Seite verbindet sie auch einiges: u.a. dass beide mit Leidenschaft stilistische Grenzen überschreiten und über außergewöhnliche Improvisationsfähigkeiten verfügen.

Seit sich ihre Wege auf dem Album “Kultrum” 1998 erstmals kreuzten, arbeiten sie eng miteinander. “El Encuentro” gewährt nun Einblicke in das Leben dieser reisenden Musiker. Man sieht sie in Konzerten, bei Proben und im Aufnahmestudio, aber auch in privater Atmosphäre. Dabei trifft man zudem auf Kooperationspartner wie den Komponisten Tigran Mansurian, den Arranger Levon Eskenian, den Jazzkomponisten und Pianisten George Gruntz oder Dinos Bruder, den Saxophonisten/Klarinettisten Felix Saluzzi, mit dem das Gespann zuletzt die Alben “El Encuentro” und “Navidad de los Andes” einspielte.

Kulminationspunkt der Reise ist ein Konzert im Amsterdamer Muziekgebouw, bei dem das renommierte Metropole Orkest Werke von Dino mit den Saluzzis und Lechner aufführt.

Nachgezeichnet wird aber auch Dino Saluzzis Werdegang: von seinen bescheidenen Anfängen im argentinischen Salta über seine ersten Begegnungen mit europäischen Jazzmusikern bis zu dem Zeitpunkt, als er es schließlich schaffte, sein eigenes (vom Tango inspiriertes, aber dadurch keineswegs limitiertes) eigenes Idiom zu kreieren.

 


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21.09.2012
Rickie Lee Jones

Der Teufel steckt im Detail

Auf ihrem von Ben Harper produzierten neuen Album “The Devil You Know” interpretiert Rickie Lee Jones Rock’n’Roll-Klassiker, die ihre Generation geprägt haben. So wie hier hat man diese allerdings noch nie zuvor gehört.

Rickie Lee Jones, Der Teufel steckt im Detail

1979 war Rickie Lee Jones eine der ganz großen Entdeckungen in der gerade aufblühenen Singer/Songwriter-Szene der USA. Mit der Single “Chuck E.’s In Love” katapultierte sich die damals erst 24-Jährige auf Platz 4 der Billboard-Charts. Auf ihrem titellosen Debütalbum, das Platz 3 der Charts eroberte, wirkten neben den Studiomusikgrößen von Los Angeles auch Stars wie Dr. John, Randy Newman und Michael McDonald mit. Doch schon bald zeigte die Künstlerin, dass sie nicht nur eine begnadete Songschreiberin war, sondern auch Jazz- und Popstandards in einzigartiger Weise zu interpretieren vermochte. Jetzt hat sie für ihr neues Album “The Devil You Know” eine Reihe von Rock’n’Roll-Klassikern aufgenommen, mit denen ihre Generation einst aufgewachsen war. Herausgekommen ist dabei allerdings kein schlichtes Retroalbum, sondern ein Meisterwerk, das Rickie Lee Jones’ Singularität Rechnung trägt.

Wertvolle Hilfe von Produzent Ben Harper

Jones nahm das Album mit der unschätzbar wertvollen Hilfe eines anderen Grammy-Preisträgers auf: Der gefeierte Folk-Soul-Rocker Ben Harper produzierte nicht nur sämtliche Tracks, sondern spielte auch auf allen Nummern mit und steuerte darüber hinaus mit “Masterpiece” den einzigen neuen Song des Albums zum Repertoire bei. “Masterpiece” ist eine Ballade, die er Jones auf den Leib geschrieben hat. Harper war 2009 auch schon an der Aufnahme von Jones’ letztem Album “Balm In Gilead” beteiligt gewesen. In ihm fand die Sängerin den idealen Partner, um den von ihr ausgewählten Klassikern einen neuen Anstrich zu geben.

Rickie Lee Jones mit Songs von den Rolling Stones, The Band, Van Morrison und Neil Young

Auf “The Devil You Know” wagt sie ich an Werke von Giganten wie Neil Young (“Only Love Can Break Your Heart”), The Band (“The Weight”), den Rolling Stones (“Sympathy For The Devil” und “Play With Fire”), Van Morrison (“Comfort You”), Donovan (“Catch The Wind”) und Rod Stewart (“Seems Like A Long Time”). Diese Songs haben sich tief ins kollektive Popgedächtnis eingebrannt. Aber Jones fand einen ganz eigenen Zugang zu ihnen, indem sie sie mit sparsamen, intimistischen Arrangements entkleidete und dabei Schichten und Emotionen freilegte, die einem neu und doch vertraut vorkommen. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail, und mit teuflisch guten Details geizt diese Album wirklich nicht. Unter die Pop-Juwelen aus den späten 1960er und frühen 1970er Jahren schmuggelt sie zudem noch ihre Version des bluesigen Jazzevergreens “St. James Infirmary”, dem Louis Armstrong bereits 1928 Popularität verschafft hatte.

Ein Coveralbum, das sämtliche Songs vollkommen neu klingen lässt

“Dieses Coveralbum hat mich an einen vollkommen neuen Ort geführt”, sagt Jones. “Ich fand zu einen anderen Stimme - einer ruhigeren, vielleicht auch gereifteren, aber wahrscheinlich trotzdem jüngeren als ich je hatte. Ben gab mir ein Gefühl der Sicherheit, so dass ich diese Songs mit der gebotenen Sorgfalt aufnehmen, aber zugleich auch Impulsen folgen konnte. Die Lieder haben das verdient. Sie klingen wie neu... so hat sie sicher noch niemand gehört.”


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16.02.2012

Unveröffentlichte Soul-Jazz-LP aus dem Hause James Brown

Fred Wesley, Unglaublich, dass dieses Album bisher nirgendwo erschienen ist! © Universal Music

Unglaublich, dass dieses Album bisher nirgendwo erschienen ist! Das Kult-Label Hip-O-Select hat einen verborgenen Schatz gehoben.

Nur Branchen-Insider kannten die sagenumwobene unveröffentlichte LP vom Funk- und Jazz-Maestro Fred Wesley aus dem Umfeld des „hardest working man in show business“: James Brown. Hip-O-Select hat sie ausgegraben, gekonnt digital remastert und veröffentlicht am 21. Februar 2012 den Meilenstein mit dem Titel „The Lost Album (Featuring Watermelon Man)“ von The J.B.'s & Fred Wesley.

Fred Wesley, Posaunist, Bandleader und Arrangeur, bestimmte James Browns Sound der frühen 1970er. Unter Wesleys Leitung entstanden Hits wie "Soul Power", "Gimme Some More" und "Pass The Peas". Phänomenal: die farbenfrohen Soli, die der gewichtige Mann mit Browns damaliger Backingband The J.B.´s einspielte.

Im Herzen ist er immer ein Jazzer geblieben. 1972 „schenkte“ ihm der „Godfather“ ein Jazzalbum unter eigenem Namen.

Mit den J.B.´s und einer erlesenen Garde New Yorker Studiomusiker (Randy Brecker, Michael Brecker, Joe Farrell, Eddie Daniels, Steve Gadd, Ron Carter) ging man ins Studio. Für die LP spielten sie Pop-Hits der Stunde, Funk-Kracher und Jazz-Standards im anspruchsvoll arrangierten Soul-Jazz-Gewand ein.

Doch nach Veröffentlichung der ersten Single, „Watermelon Man“, stoppte Brown die Veröffentlichung des Albums. Es verschwand im Archiv.

6 der 9 Titel der Original-LP sind offiziell noch nirgendwo erschienen. Bonustracks der CD sind 4 damals als Single-A-und-B-Seiten veröffentlichte Titel. Insgesamt enthält „The Lost Album Featuring Watermelon Man“ von Wesley und den J.B.´s 13 frisch geborgene Soul-Jazz-Perlen. Eine Sensation!

Hier die komplette Titelliste von „The Lost Album (Featuring Watermelon Man)“:

1. Watermelon Man

2. Sweet Loneliness

3. Secret Love

4. Seulb

5. You´ve Got A Friend

6. Transmographication

7. Use Me

8. Get On The Good Foot

10. Alone Again (Naturally)

11. Back Stabbers

12. J.B. Shout

13. Funky & Some

 


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