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Gute Reise

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05.06.2007

ICH + ICH

Ich + Ich, ICH + ICH
„Hände weg vom Junk - Du hast genug Klamotten im Schrank!“. Ich + Ich treffen wieder mal den Nerv der Zeit. Zu hüpfenden Beats heißt es im Stakkato-Rhythmus „Junk!“, „Junk!“ und Annette fordert inständig wie eine Sirene zu Odysseus: „Hör auf zu konsumieren! Hör auf zu funktionieren!“ Ungewohnt gesellschaftlich-politische Töne von einer der außergewöhnlichsten „Bands“ in der deutschen Musiklandschaft. „Mir geht es nach wie vor um Gefühle. Punkt. Eine Party-Platte könnte ich gar nicht machen“, sagt Annette Humpe. Und Adel Tawil resümiert: „Von den Texten her ist die neue Platte sicherlich um einiges härter.“

Ich + Ich sind bereit für die nächste Runde. Zweites Album im Sommer 2007. 13 neue Songs unter dem programmatischen Titel „Vom Selben Stern“. Annette Humpe und Adel Tawil. Das Berliner Duo, das aus einem Experiment heraus gestartet ist, das sich kontinuierlich weiterentwickelt und dabei Wege aufgezeigt hat, wohin sich die deutsche Musikproduktion in den eher konturlosen Nullerjahren entwickeln kann.

Als das Debutalbum von Ich + Ich im April 2005 erschien, konnte die versammelte Presselandschaft nur staunen. Formuliert wurden Überschriften wie „Keine Generationsfrage“ und „ungleiches Paar“ (Focus), „Generationenvertrag“ (Brigitte) „Clash der Generationen“ (Musikwoche) oder auch „Melancholie und Nachdenklichkeit“ (Der Tagesspiegel). So etwas hatte man im Pop-Kosmos ganz offensichtlich noch nicht erlebt. Einerseits die New-Wave-Ikone und Ideal-Frontfrau Annette Humpe (Jahrgang 1950), die Anfang der Neunziger nach ihrer Soloplatte ganz bewusst von der Bühne abgetreten war. Andererseits der R´n`B-Sänger und HipHop-Afficinado Adel Tawil (Jahrgang 1979) mit zeitweiliger Boygroup-Vergangenheit.

Hier die erfolgreichste Produzentin der Republik, dort das damals nur Insidern bekannte Soultalent. „Es ist ein Anblick, bei dem einiges nicht so recht zusammenpassen will“, beschrieb eine Berliner Journalistin ihre Befindlichkeiten beim Treffen mit Ich + Ich im Kaffeehaus. „Vielleicht machen gerade diese Gegensätze die künstlerische Anziehung zwischen den beiden aus.“ Konnte das gut gehen, schwang da zwischen den Zeilen mit. Konnte dieses Team interessante Musik machen? Es konnte. Sicherlich keine Konsens-Nummern, sondern Slow- bis Midtempo-Stücke voller Hoffnung und Wehmut. Die Formel der Soulmusik, in dem das Wechselspiel des Lebens zwischen „Joy and Pain“ besungen wird, stand Pate. Wobei Ich + Ich nicht an musikwissenschaftlicher Stilpflege interessiert sind, sondern eher instinktiv an die Sache herangehen. Schließlich sagt Text- und Songschreiberin Annette Humpe von sich: „Ich bin weiß wie Brot, dennoch arbeite ich in die gleiche Richtung. Dabei geht es immer darum, die Klippen des musikalischen Kitsches zu umschiffen. In meiner Musik sind Gefühle ein zentrales Anliegen. Doch nachdem in den letzten Jahren alle angefangen haben explizit über zu Liebe singen, wollte ich etwas anderes machen.“

Es ist eine Mischung aus Neustart und Kontinuität, mit der Ich + Ich ihre Zusammenarbeit fortführen. Adel Tawil macht mit „Vom Selben Stern“ einen großen Schritt nach vorne. Als Sänger. Als Performer. Und als eigenständiger Künstler, der im hauseigenen Trackworks-Studio auch weiterhin als Produzent arbeitet. Annette Humpe wiederum, die die Bühnenshow noch nie geschätzt hat, wird sich aus dem Rampenlicht eher fern halten und 2007 im Hintergrund wirken. Die komplexe Balance bei Ich + Ich wird neu austariert. Es geht um das Wesentliche oder wie es in der Single-Auskopplung „Vom selben Stern“ fast schon programmatisch heißt: „Wir sind vom selben Stern, ich kann deinen Herzschlag hör´n (...) Du bist vom selben Stern; wie ich (...) Weil dich die gleiche Stimme lenkt, und du am gleichen Faden hängst.“

Getragene Beats, feine Elektrogebilde und sparsame gesetzte Effekte stehen für die Melancholie, die sich wie ein roter Faden durch das Œuvre von Annette Humpe zieht. Beim fast schon kirchenchoralhaften „Schütze mich“ steht sie selbst vor dem Mikrophon. Ansonsten steht Adels klare Stimme im Vordergrund. In „Ich fürchte mich“ zeigt er seine enorme gesangliche Bandbreite; wenn er - als verlassener Desperado - seine Strophen eine knappe Oktave höher einpegelt. In der kraftvollen Ballade „So soll es“ wird Adel zum rastlosen Wanderer, auf der verzweifelten Suche nach einer zerstörten Beziehung. „Mach dein Licht an“ wiederum beginnt mit einem fein gesponnenen Soundteppich, der sich unter Adels Ägide zur rhythmischen Refrainstrophe empor schraubt. Adel Tawil zeigt Vielfalt, wenn seine verzerrte Sprechstimme beim Intro von „Dämonen“ zum Störsignal wird.

Und wenn Adel sagt: „Der Song `Wenn ich tot bin` hat mich schon Überwindung gekostet. Das war das Härteste, was ich je gesungen habe“, dann geht es bei Ich + Ich um ein immer neues Ausprobieren was gemeinsam funktioniert und was nicht.
Eine kreative Teamarbeit also, nach dem Prinzip „checks and balances“. Der „offene Ausgang“, der beim ersten Album von Beiden offensiv postuliert wurde, bestimmt weiterhin die gemeinsame Arbeit. Oder wie Annette Humpe abschließend bemerkt: „Ich + Ich müssen sich immer wieder neu bewähren.“

Die Single "Vom Selben Stern" erscheint am 15. Juni, das gleichnamige Album am 29. Juni. Parallel zur Veröffentlichung des Albums "Vom Selben Stern" erscheint eine limitierte Deluxe Edition, die um eine Bonus DVD erweitert ist - sieben Live-Songs (u.a. mit den Hits "Du erinnerst mich an Liebe" und "Dienen") des Berliner Konzertes der ICH+ICH-Tournee im vergangenen Jahr.

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