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15.12.2009

Imelda May

Das Problem mit einer Künstlerin wie Imelda May ist, dass sie so gut ist, dass es nahezu unmöglich ist, eine kritische Besprechung vorzunehmen; ihre Darbietung ist einfach makellos.” (Clash Magazine, UK)

Hierzulande mag die aus Dublin stammende Imelda May noch weitgehend unbekannt sein, in ihrer Heimat Irland und in Großbritannien aber ist sie schon ein wirklicher Superstar. Die Daily Mail feierte sie vor geraumer Zeit als “Dublins Antwort auf Amy Winehouse” und der Guardian schrieb kürzlich: “Imelda May hat die Schnittstelle gefunden, an der sich Rockabilly und Jazz treffen - und sie hat sie sich zueigen gemacht.” Jetzt setzt die 36-jährige Sängerin mit ihrem zweiten Album, dem sie den doppeldeutigen Titel “Mayhem” gab, dazu an, den Rest Europas und der Welt zu stürmen.

Ihren Status verdankt Imelda May der Tatsache, dass sie sowohl musikalisch als auch optisch einen unverwechselbar eigenen Stil gefunden hat. Mit ihrer rasanten Mischung aus Rockabilly, Blues, Jazz und Surfmusik könnte sie jederzeit den Soundtrack zu einem David Lynch-Film liefern. Visuell erinnert sie an die verführerischen Vamps aus Hollywoodstreifen der 1950er Jahre: sie liebt elegante, figurbetonte Röcke und Kleider, Strickjacken mit Leopardenmuster, knallenge Bad-Girl-Jeans und färbt ihre sinnlichen Lippen gerne knallrot. Eine psychedelische Rockabilly-Komponente gibt ihr das pechschwarze Haar, das von einer vorwitzigen Tolle mit platinblonder Strähne gekrönt wird. Mit ihren Femme-fatale-Attributen könnte man sie sich gut auch als Protagonistin in einem Film von Lynch oder Quentin Tarantino vorstellen.

Doch ihr Metier ist die Musik. Ihr erstes Album “No Turning Back” brachte sie 2005 noch unter ihrem eigentlichen Namen Imelda Clabby und in Eigenregie heraus. Auch “Love Tattoo” entstand 2008 ohne Hilfe einer Plattenfirma, fand dann aber schnell einen Vertrieb. Mittlerweile ist “Love Tattoo” in Irland mit dreifachem Platin ausgezeichnet worden. Als sie 2009 mit dem Album Bruce Springsteen von Platz 1 der irischen Charts verdrängte, war sie die erste heimische Solokünstlerin seit 20 Jahren, die es nach ganz oben geschafft hatte. Das Album brachte ihr noch im selben Jahr den irischen Meteor Award als beste Sängerin ein.

Der Erfolg ermöglichte ihr, das erste Album noch einmal neu aufzunehmen. “Ich hatte es damals in meinem Schlafzimmer um 2 Uhr in der Früh aufgenommen und traute mich einfach nicht, mit voller Kraft zu singen”, begründet sie diesen Schritt. “Ich dachte: ‘Oh Gott, wir werden die ganze Nachbarschaft aufwecken.’ Also sang ich nicht so, wie ich es normalerweise tue. Die ganze Aufnahme und der Sound waren fürchterlich. Als die Sachen dann bei mir ins Rollen kamen, dachte ich sofort: ‘Ich würde meinen Part gerne noch einmal komplett neu aufnehmen.’ Und so ging ich ins Studio, nahm den Gesang schnell noch einmal auf und brachte das Album neu heraus.”

Ihre stimmliche Power kann Imelda May natürlich am besten bei Live-Auftritten zur Geltung bringen. Nach der Veröffentlichung von “Love Tattoo” tourte sie durch 8 europäische Länder und die USA (erst kürzlich war sie dort zusammen mit Jamie Cullum unterwegs) und trat vor rund 400.000 Leuten auf. Die Bühne teilte sie dabei mit etlichen Größen des Musikbusiness: U2, Eric Clapton, Jeff Beck (mit dem sie bei der diesjährigen Grammy-Veranstaltung in einem Les-Paul-Tribut auftrat), Van Morrison, den Scissor Sisters und Lionel Richie. Auch an der Seite von Wanda Jackson trat sie schon auf. Die First Lady des Rockabilly ist neben den Jazzdiven Billie Holiday und Dinah Washington Imeldas großes Idol.

Auf ihrem brandneuen Album “Mayhem”, das in Irland sofort auf Platz 1 der Charts hochschoss, jongliert Imelda May nun ebenso so unbekümmert wie auf dem Vorgänger “Love Tattoo” mit den von ihr bevorzugten Stilmitteln. Dabei offenbart sie in einigen Songs (die bis auf eine Ausnahme aus ihrer Feder stammen) auch neue Einflüsse. Der Song “Psycho” zum Beispiel hat etwas vom Geist der frühen PJ Harvey, während der herzergreifende “Kentish Town Waltz” nach Chrissie Hynde in ihren nachdenklichsten Momenten klingt. Ganz besonders freuen werden sich Imeldas Fans, dass sie ihre Coverversion von “Tainted Love” (die bei ihren Konzerten schon seit einiger Zeit ein Publikumsfavorit ist!) für dieses Album aufgenommen hat. Der von Ed Cobb geschriebene Klassiker war erst im dritten Anlauf 1981 durch das Remake von Soft Cell zu einem Hit geworden. Die von Gloria Jones 1965 aufgenommene, wesentlich flottere Originalversion und auch ihre Neuaufnahme von 1976 hatten zuvor nur bescheidenen Erfolg erzielt. May orientiert sich hier natürlich mehr am vom Motown-Sound geprägten Original und legt tempomäßig sogar noch einen Zahn zu. Absolutes Charts-Potential besitzen aber auch die flotte Eingangsnummer “Pulling The Rug” und der fetzige Titelsong “Mayhem”.


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