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29.09.2014

Jamie Cullum, "Interlude", 2014

Diese Rückkehr hört auf den Namen "Interlude": Jamie Cullum, der als Musiker und Songwriter seit Jahren genauso erfolgreich ist wie als Radiomoderator für die BBC, veröffentlicht sein neues Jazz-Album, zu dessen Gästen auch Laura Mvula und Gregory Porter zählen. Die erste Single "Don’t Let Me Be Misunderstood" hat Cullum mit dem Grammy-Gewinner Gregory Porter aufgenommen.

Der Musikgeschmack von Jamie Cullum ist gelinde gesagt eklektisch: Als Live-Musiker genießt er auch deshalb einen grandiosen Ruf, weil längst bekannt ist, dass seine stets ausverkauften Konzerte die unterschiedlichsten Elemente beinhalten können, alles von bewegenden Balladen bis hin zu wilden Live-Sampling-Sessions oder spontanen Beat-Box-Einlagen.

Auch seine eigenen Veröffentlichungen passen bekanntermaßen in keine Schublade und allein in jüngster Vergangenheit war er als Gast auf den Alben von Labrinth, Rizzle Kicks, Birdy oder auch der Alt-Hop-Supergroup Deltron 3030 zu hören. An Selbstbewusstsein mangelt es Cullum genauso wenig wie an Experimentierfreude – nur darf man dabei dann doch nicht vergessen, dass er trotz aller Genre-Exkurse und Stilgrätschen immer noch der meistverkaufte britische Jazz-Musiker aller Zeiten ist.

Seine Radiosendung für die BBC ist die Jazz-Show mit den meisten Zuhörern in ganz Europa und auch auf seinem neuen Album "Interlude" wendet er sich nun also dieser alten Liebe zu: Dem Jazz. "Interlude" vereint insgesamt zwölf Aufnahmen, größtenteils Kompositionen aus den Anfangstagen des Jazz, die Cullum auf ganz klassische Art und Weise aufgenommen hat – nämlich in einem Raum, in einer Session mit unglaublich guten Musikern, ganz wie früher also.

Während er mit dem Bus von einem Sommerfestival zum nächsten unterwegs ist, beschreibt Jamie sein kommendes Album mit folgenden Worten: "Als mein letztes Album 'Momentum' im Kasten war, hatte ich mir bereits angewöhnt, gar nicht erst aufzuhören, sondern gleich an den nächsten Songideen weiterzuarbeiten. Außerdem stand ich zu der Zeit gerade in Verhandlungen mit meinem Label, und so war ich mir überhaupt nicht im Klaren darüber, was eigentlich danach kommen sollte.

Meine Jazz-Sendung für BBC Radio 2 lief zu der Zeit schon rund drei Jahre, und dadurch hatte ich jede Menge grandiose Musiker kennengelernt. Natürlich kannte ich die britische Jazz-Szene schon vorher ziemlich gut, aber diese Sendung hatte es mir ermöglicht, mich mit ein paar der wichtigsten Protagonisten dieser extrem lebendigen Szene zusammenzusetzen, mich intensiv mit ihnen auszutauschen, also auch ganz detailliert über Musik zu reden.

Einer dieser Musiker, die ich dadurch zum Beispiel persönlich kennengelernt habe, ist Ben Lamdin, der sonst unter dem Namen Nostalgia 77 arbeitet. Ben und ich sind ungefähr gleich alt. Wir beide sind mit den unterschiedlichsten Sachen aufgewachsen... mit Rock, Drum & Bass, HipHop, und wir beide haben den Jazz eigentlich erst durch Leute wie DJ Shadow oder A Tribe Called Quest für uns entdeckt.

Ben war schließlich dermaßen fasziniert vom Jazz, davon, wie er in seinen Anfangstagen aufgenommen wurde, dass er sich in Willesden, im Norden von London, ein wirklich unglaubliches Analog-Studio hinter einem Fischmarkt aufgebaut hat. Seit rund zehn Jahren lädt er Gleichgesinnte dorthin ein und hat in diesem Studio ein fantastisches Album nach dem anderen aufgenommen. Ich war von Anfang an ein Riesenfan von seiner Musik.

Naja, nach unserem Interview in der Sendung kam uns auf jeden Fall die Idee, etwas zusammen zu machen, und so buchte ich gleich mal drei Tage in seinem Studio, buchte Gastmusiker dazu und arbeitete schon im Vorfeld intensiv mit dem Bassisten von Nostalgia 77, Riaan Vosloo, an den Arrangements. Ein paar Wochen später, es war ein kalter Januarmorgen, gingen wir dann also in dieses Studio und nahmen das komplette Album auf: Komplett live, jeweils in nur ganz wenigen Takes eingespielt, denn meistens passte schon beim ersten Versuch alles.

So entstanden 16 Songs in drei Tagen. Was Ben und ich dabei auf jeden Fall vermeiden wollten, waren die offensichtlichen Jazz-Standards, was jedoch auch nicht sonderlich schwer war, schließlich sind wir beide echte Crate-Digger. Wir lieben es, seltene Vinyl-Schätze aufzutun, und das war also unser Ansatz, was die Songauswahl und die Art der Arrangements angeht. Die Sessions selbst haben wir auf analogem Band mitgeschnitten, wobei wir diesen komplett ungeschliffenen Sound, diesen Live-Sound im Studio einfangen wollten.

Und dann wollte ich noch zwei Stücke als Duett einsingen und zwar ebenfalls mit Leuten, die ich durch meine Radioshow entdeckt hatte: Laura Mvula und Gregory Porter – beides übrigens Musiker, die in meiner Show zum ersten Mal überhaupt im Radio zu hören waren. Das alles zusammen ergibt also 'Interlude'. Unterm Strich ist es ein Album, das als Verneigung gemeint ist, das diejenigen Musiker zelebriert, die ich durch meine Arbeit als Radiomoderator kennengelernt habe.

Es feiert junge, britische, megaheiße Jazz-Talente, die noch nicht jeder auf dem Schirm hat, und es geht um genau den Sound, den wir alle, die wir da hinter diesem alten Fischmarkt zusammenkamen, so sehr lieben. 'Interlude' ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Mir ist klar geworden, dass man nur die richtigen Leute im richtigen Studio zusammenbringen muss – und schon kann man eine Platte genau so aufnehmen, wie sie sein sollte: Extrem spontan, mit unglaublich viel technischem Know-how und Können unter einem Dach – und wahnsinnig viel Spaß bei der Sache. Wir wollten ein Album so aufnehmen, wie man das früher gemacht hätte. Und ich glaube, es ist uns auch gelungen."

Zugleich hat das kommende Jazz-Album Jamie die Möglichkeit gegeben, seiner anderen Leidenschaft – der Fotografie – nachzugehen: Seit geraumer Zeit schon arbeitet der passionierte Hobby-Fotograf an seinem Können hinter der Linse, und als es dann darum ging, wie das Artwork des Albums aussehen sollte, holte er sich den befreundeten Fotografen Michael Agel (von Leica) an die Seite, um das Ganze einfach selbst in die Hand zu nehmen.

Im Rahmen der letzten US-Tour konnte Jamie viel von Agel lernen, indem er Orte und Menschen, denen er unterwegs begegnete, dokumentierte – während Michael obendrein Jamie fotografierte, sowohl auf der Bühne als auch hinter den Kulissen. "Die Fotografie fasziniert mich seit dem Tag, an dem ich als kleiner Junge die alte Kamera meiner Mutter vom Dachboden gerettet habe. Die Möglichkeit zu haben, mit jemandem wie Michael und Leica zu arbeiten, bedeutet mir echt wahnsinnig viel. Es ist grandios, dass ich dieses Mal meine eigenen Fotos zusammen mit der Musik veröffentlichen kann." Das Cover von "Interlude" ziert auch eines der so entstandenen Fotos; der Deluxe-Version des Albums wird zudem ein exklusives Foto-Booklet beigelegt sein.