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23.04.2012

Wiederbelebung - Jan Lisiecki begeistert das Publikum im Konzerthaus Berlin

Jan Lisiecki, Jan Lisiecki begeistert das Publikum im Konzerthaus Berlin © Mathias Bothor / DG

Er haucht der Musik alter Meister neues Leben ein, wischt mit großer Freude und  Neugier den Staub von Werken, die selten solch frische und dynamische Interpretation erfahren haben. Bei seinem Konzert im kleinen Saal des Berliner Konzerthauses am vergangenen Mittwoch spielte der gerade 17-jährige Jan Lisiecki, der kürzlich sein Debüt mit Klavierkonzerten Mozarts bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht hat, Werke von Bach, Beethoven, Liszt, Mendelssohn-Bartholdy und Chopin als hätte er sein ganzes junges Leben lang nichts anderes getan.

Selbstbewusst und gefasst betritt der Sohn polnischer Eltern, der im kanadischen Calgary geboren und aufgewachsen ist, die Bühne des kleinen Konzertsaales, der nahezu ausverkauft scheint. Klassisch in einen schwarzen Anzug gekleidet, darunter ein weißes Hemd, eine Fliege um den Hals gebunden, spricht der hoch gewachsene Blondschopf mit den zarten Gesichtszügen über seine Entscheidung ein solches Programm mit einem Bach-Präludium und der zugehörigen Fuge in fis-Moll zu beginnen. Selten hat man einen 17-Jährigen so reif und reflektiert über sein Schaffen, seine Musik reden hören.

Sein Spiel, das sich zwischen überbordender Lebensfreude, schäumender Energie, sanfter Feinfühligkeit und eindringlicher Emotionalität bewegt, zieht das Publikum in seinen Bann. Mit jeder einzelnen Note, jedem erzeugten Ton, malt er Bilder in die Luft, die sich zu einem farbenfrohen Gesamtwerk zusammensetzen. So belebt er nicht nur die Werke der alten Meister mit neuer Frische, sondern schenkt auch jedem einzelnen Zuschauer im Saal einen Moment der Wiederbelebung und Besinnung. Besonders eindrucksvoll stellt er sein Können bei den Lisztschen Konzert-Etüden unter Beweis, deren Charaktere er ganz klar von einander abzusetzen weiß. Das Lamento so klagend, wie es ihm gebührt, das Leggierezza so leicht und beschwingt, das Sospiro, Ausdruck eines musikalischen Seufzers, das vor allem angesichts seiner sich schnell auf- und abwärts bewegenden Arpeggien eine große Herausforderung darstellt, meistert er so tadellos, dass er den Anwesenden gar verzückte Bravo-Rufe entlockt.

Das, was Frédéric Chopin seinen Schülern vor fast 200 Jahren lehrte, hat der junge Kanadier heute voll und ganz verinnerlicht: „Chantez, chantez!“ – „Singt, singt!“, soll er damals seinen Schützlingen zugerufen haben, um ihrem Spiel einen sanglichen Charakter zu verleihen.
Wie einst der junge Mozart, dem er auf seinem kürzlich erschienenen Album nacheifert, scheint er außerdem die Balance zwischen jugendlichem Leichtsinn und künstlerischer Ernsthaftigkeit gefunden zu haben. Es macht einfach Spaß ihm zuzusehen und zuzuhören.

Wenn auch Sie nun die Neugier gepackt hat und Sie den jungen Pianisten einmal live erleben möchten, dann können Sie dies beispielsweise am 27.04. in der Hamburger Laeiszhalle. Weitere Termine sind wie folgt geplant:

23.04.2012 Münster (DE), Rathausfestsaal
25.04.2012 Vienna (AT), Konzerthaus
27.04.2012 Hamburg (DE), Laeiszhalle
24.05.2012 Radebeul (DE), Schloss Wackerbarth
31.07.2012 Verbier (CH), Eglise
01.08.2012 Verbier (CH), Eglise


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