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12.10.2010

Impressionen zur Nacht

Ein eigenes Recital ist eine Herausforderung. Die Geigerin Janine Jansen wandte dafür den Blick nach Frankreich und gestaltete ein impressionistisch inspiriertes Programm rund um das Thema „Nacht“

Janine Jansen, Impressionen zur Nacht © Decca / Sara Wilson

Was macht die Eigenart der französischen Musik des Fin-de-Siècles aus, die die Kompositionen eines Ravel oder Debussy so unwiderstehlich schillern lässt? Da ist zum einen natürlich das unmittelbare Umfeld, vom Wetter über die Sonne bis hin zu kulturellen Traditionslinien, die die Produktion der Nachgeborenen beeinflusst. Richard Dubugnon, zeitgenössischer Komponist aus der Schweiz und mit drei Originalkompositionen für Janine Jansen selbst ein wichtiger Teil des Albums „Beau Soir“, hat darüber hinaus aber noch eine andere und sehr plausibel Erklärung. „Ich glaube, die neue Tradition begann mit César Franck – einem gebürtigen Belgier – und seinen Anhängern als Reaktion auf den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71“, meint er im Gespräch mit der Geigerin. „Sie gründeten die Société Nationale de Musique, um die französische Musik gezielt zu fördern und ihr eine neue Identität zu geben, als Alternative zu Wagner und den deutschen Einflüssen. Sie besannen sich auf Rameau und Couperin und begannen auch, modale Musik zu komponieren“.

Das wiederum ist der Grundlage für die spezielle Textur, die allen französischen Kompositionen dieser Jahre zugrunde zu liegen scheint. Für die Weltklassegeigerin Jansen jedenfalls war es auch ein Entscheidungskriterium, sich für ihr Recital-Debüt auf CD bei ihrer Plattenfirma Decca eben jenen speziellen Stimmungen zuzuwenden, die diese Werke ausstrahlen. Es ist der eine Bogen, der über das Album gespannt wurde und der sich inhaltlich gut mit einer weiteren Idee verbinden ließ. Denn „Beau Soir“ ist zugleich eine Hommage an die Nacht, die in ihren einzelnen Phasen musikalisch durchschritten wird, vom Abend über den Mondschein und das Wiegenlied bis hin zum Traum, dem Schlaf und dem Erwachen. Auf diese Weise entstand ein Programm, das sich neben den interpretatorischen Finessen und der besonderen Kraft der Darstellung auch durch eine sehr individuelle Färbung des Klangeindrucks auszeichnet.

An ihrer Seite hat Janine Jansen den Pianisten und erfahrenen Spezialisten für Kammermusik Itamar Golan, mit dem sie gemeinsam ihren musikalischen Spaziergang durch die Nacht antritt. Die Runde startet bei Claude Debussy, der neben der „g-Moll Sonate“ und dem „Clair de Lune“ auch mit dem Titelstück „Beau Soir“ vertreten ist. Lili Boulangers fragiles „Prélude“ führt dann zu Olivier Messiaens „Thème et Variations pour Violon et Piano“, weiter zu Gabriel Faurés „Après un Rêve“ und die „G-Dur Sonate“ von Maurice Ravel. An drei Nahtstellen des Programms wiederum hat Richard Dubugnon neue Kompositionen hinzugefügt, die als Überleitungen und besondere Akzente fungieren: „La Minute exquise“ vom Mondschein zum Nachtlied, „Hypnos“ auf dem Weg zu Schlaf und Traum und schließlich „Retour à Montfour-l'Amaury“ als Ausleitung und Widmung an Ravel. So konnte ein faszinierendes Panoptikum der Klangeindrücke entstehen, das Janine Jansen als Meisterin der musikalischen Intimität und Subtilität präsentiert. Und das sie Anfang November 2010 und im Frühjahr 2011 auch live in Deutschland vorstellen wird.

Tourtermine Jansen:

31.10.2010 Arnheim
01.11.2010 Amsterdam
02.11.2010 Dortmund Konzerthaus
04.11.2010 Brüssel
05.11.2010 Den Haag
07.11.2010 Frankfurt am Main Alte Oper
08.11.2010 Berlin
14.11.2010 Stockholm


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