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07.01.2016

Höchste Geigenkunst – Janine Jansen spielt Brahms und Bartók

Sie hat alles erreicht, was man als Geigerin erreichen kann. Mit ihrem neuen Album erklimmt sie jetzt die nächste neue Stufe ihrer hohen Spielkunst. Janine Jansen offenbart hinreißend schöne Klangpoesien von Brahms und Bartók.

Janine Jansen, Höchste Geigenkunst – Janine Jansen spielt Brahms und Bartók ©Decca/Marco Borggreve

Wo auch immer Janine Jansen in den letzten Jahren aufgetreten ist, zog sie das Publikum magisch in ihren Bann. Die Kritik fand nur noch lobende Worte für ihre überragende Geigenkunst.

Schwungvoll und klarsichtig: Janine Jansen

Dabei ist Janine Jansen keinesfalls auf Außenwirkung fixiert. Im Gegenteil: Sie ruht wie kaum eine andere öffentliche Person in sich selbst, hat ihren eigenen Takt und dient der Musik mit hingebungsvoller Begeisterung. Aber gerade das macht den Erfolg der 1978 im niederländischen Soest geborenen Künstlerin aus. Janine Jansen hat ihren persönlichen Stil schon früh ausgeprägt. Sie versteht sich seit jeher brillant darauf, schwungvolles Spiel mit klaren Phrasierungen zu verbinden.

Egal wie wild, wie ekstatisch sie in die Klangwelten eines Vivaldi, eines Beethoven oder Britten eintaucht – stets hat sie die Kontrolle über ihr Instrument und verwöhnt die Zuhörer mit herrlichen Harmonien. Janine Jansen ist eine detailverliebte Künstlerin, und diese Gabe hat sich in den letzten Jahren zusehends verfeinert. Mit ihrem furiosen Bach-Album im Jahre 2013 hat sie die Marschroute vorgegeben, auf der sie künftig unterwegs sein will. "Janine Jansen spielt Bach" war ein schimmerndes Kleinod harmonischer Feinheiten.

Quadratur des Kreises: Kontrollierte Leidenschaft

Die Niederländerin war mit ungeheurer Fokussiertheit in die komplexen Harmonien des Eisenacher Altmeisters eingedrungen, und dass sie diese Grundhaltung in ihrem neuen Album beibehält, ist das eigentliche Wunder von "Janine Jansen – Brahms & Bartók". Denn der tänzerische Schwung und die romantische Verve der beiden Violinkonzerte, die sie in ihrer neuesten Veröffentlichung spielt, fordern oftmals den Tribut des Kontrollverlusts. Nicht so bei Janine Jansen, die sich gehen lassen kann, ohne unklar zu werden.

In keinem Augenblick verliert die niederländische Geigerin den roten Faden, und das, obwohl sie mitschwingt, als wären die beiden Violinkonzerte für sie selbst komponiert worden. Das Violinkonzert in D-Dur von Johannes Brahms ist das einzige, das der Hamburger Komponist in diesem Genre verfasste. Er komponierte es für seinen Freund Joseph Joachim (1831–1907), der ein begnadeter Geiger und glühender Verehrer von Johannes Brahms war.

Musikalische Verwandlung: Die geballte Gefühlsmacht

Das Konzert pulsiert heftig. Es verlangt Janine Jansen alles ab. Mit Bravour zeigt sie sich dieser Aufgabe gewachsen. Schneidend scharf spielt sie den impulsiven Anfangssatz. Die lyrischen Passagen des Werkes lässt sie einfühlsam gleiten. Die Stimmung ist zum Zerreißen gespannt, und Janine Jansen hält diese Spannung, was auch dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia zu verdanken ist, das unter dem Dirigat von Antonio Pappano prächtig mit der Geigerin harmoniert. Janine Jansen bringt dem britischen Dirigenten eine große Hochachtung entgegen.

Sie hält ihn für einen Mann, der enorme Energien aus einem Orchester zu ziehen vermag, und das bestätigt sich auch beim Violinkonzert Nr. 1 von Béla Bartók. Jansen hat dieses Werk ebenfalls mit Antonio Pappano aufgenommen, diesmal unter der Begleitung des London Symphony Orchestra. Die Stimmung ist zärtlich. Bartók schrieb das Violinkonzert im Zustand tiefster Verliebtheit. Es ist der Angebeteten selbst, der Geigern Steffi Geyer, gewidmet. Janine Jansen vollzieht die heftige Gefühlsmacht dieser Komposition musikalisch kongenial nach, und das ist ergreifend, einfach großartig.


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