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Mean Old Man

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24.09.2010

Der Killer schlägt wieder zu: Jerry Lee Lewis

Schon früh verdiente sich das Rock’n’Roll-Urgestein Jerry Lee Lewis den Spitznamen “The Killer”. Dass sein musikalischer Killerinstinkt auch heute noch intakt ist, beweist der 75-Järige auf seinem neuen Album “Mean Old Man”

Jerry Lee Lewis, Der Killer schlägt wieder zu: Jerry Lee Lewis © by Olaf Heine

Was wohl in Jerry Lee Lewis vorgehen mag, wenn er die Verrenkungen sieht, die Stars und Sternchen des Musikbusiness heutzutage anstellen, um sich das verkaufsfördernde Image eines “bad boy” oder “bad girl” zu verdienen.  Als Lewis in den 1950er seine professionelle Karriere begann, hatte er dieses Etikett schon längst anhängen. Bereits als Jugendlicher erlag er den Versuchungen von Rhythm’n’Blues, Boogie-Woogie, Gospel und Country-Music. Um ihn auf den “rechten Weg” zurückzuführen, meldete ihn seine Mutter bei einer Bibelschule an, von der er im Nu wieder flog, weil er die “Musik des Teufels” spielte. Anders als sein Cousin Jimmy Swaggart, der später zum bigotten Fernsehevangelisten aufstieg (und sich zur Zielscheibe des Spötters Frank Zappa machte), beschritt Jerry seinen Weg als “bad boy” fort, auch wenn seine Karriere dadurch zeitweise einer Achterbahnfahrt glich. Mittlerweile ist Jerry Lee Lewis 75 Jahre alt, und aus dem einstigen “bad boy” ist längst ein “mean old man” geworden. So behauptet er es jedenfalls im Titelsong seines grandiosen neuen Albums, in dem er singt: “If I look like a mean old man, that’s what I am.”

Dank seines von Skandalen gepflasterten Lebensweges wird Jerry Lee Lewis von vielen als der einzige Rock’n’Roller bezeichnet, der diese Musik wirklich mit allen Höhen und Tiefen lebte. Als Ende der 50er Jahre herauskam, dass er seine erst dreizehnjährige Cousine geheiratet hatte, schien Lewis’ Karriere beendet. Seine Tourneen wurden abgesagt, seine Platten bei den Radiosendern auf die Schwarze Liste gesetzt und die Gagen fielen ins Bodenlose: hatte er bis dahin für einen Auftritt 10.000 Dollar kassiert, musste er sich nun in irgendwelchen Kaschemmen mit 250 Dollar begnügen. Später starben zwei seiner Söhne bei Unfällen, eine seiner Ehefrauen ertrank im Swimmingpool, eine andere starb an einer Überdosis Drogen. Auch Lewis wurde lange Zeit immer wieder mit Drogen in Verbindung gebracht.

Für einen solchen Fiesling hat das Rock’n’Roll-Urgestein allerdings reichlich gute Freunde. Und wie schon beim 2007 erschienenen Vorgängeralbum “Last Man Standing” (bei dessen Aufnahme  Lewis Gesellschaft von u.a. Mick Jagger, Willie Nelson, Jimmy Page, Keith Richards und Rod Stewart hatte), musste Jerry diesen nicht etwa Gewalt androhen, um sie zum Mitmachen zu bewegen: diesmal bugsierte er Mick Jagger, Keith Richards, Kid Rock, Solomon Burke, Eric Clapton, Sheryl Crow, John Mayer, Slash, Mavis Staples, Robbie Robertson, Nils Lofgren, Willie Nelson, Merle Haggard, Shelby Lynne und noch einige andere ins Studio, um in achtzehn rasanten Nummern zu zeigen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Seinem alten Spitznamen “The Killer” wurde der 75-Jährige erneut gerecht.


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