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Arrival

(Vinyl-LP)

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10.11.2016

Der Alienflüsterer – Jóhann Jóhannssons neuer Soundtrack zum Film "Arrival" von Denis Villeneuve

"Arrival" ist dieses Jahr das bereits zweite Album des Wahl-Berliners, nach seinem letzten, neunten Solo-Opus "Orphee". Im Kino erscheint der Film "Arrival" am 24.11.2016.

Jóhann Jóhannsson, Der Alienflüsterer – Jóhann Jóhannssons  neuer Soundtrack zum Film Arrival von Denis Villeneuve © Jónatan Grétarsson / DG

Für seine Filmmusik gewann Jóhann Jóhannsson bereits einen Golden Globe und wurde zweimal bei den Oscars nominiert: zuletzt in diesem Jahr für den Agententhriller "Sicario". Der Isländer gehört zu den umworbenen Filmmusik-Komponisten Hollywoods, dabei möchte Johannsson nicht vorrangig als solcher wahrgenommen werden. Er wolle "auf keinen Fall nur Soundtracks schreiben" sagte der 47-Jährige im Deutschlandfunk. "Die Filme, die ich mache, suche ich mir sehr sorgfältig aus: Ist das Drehbuch interessant? Die Story? Kann ich etwas zu diesem Projekt beitragen? Sind die Leute nett und talentiert?"

Offensichtlich hat Jóhannsson einen guten Draht zum Franco-Kanadier Denis Villeneuve, der auch bei "Sicario" Regie führte und Johannsson schon 2013 für seinen Film "Prisoners" verpflichtete: die beiden sind ein eingespieltes Team mit einem starken Vertrauensverhältnis. Ihr nächstes gemeinsames Projekt wird "Blade Runner 2049" sein, eine Fortsetzung des legendären Science-Fiction-Films.

Auf "Arrival" zelebriert Jóhannssonden Klang der menschlichen Stimme

Auch "Arrival" ist im Science-Fiction-Genre angesiedelt, hat dabei aber keine typische Science-Fiction-Story, sondern nutzt die SF-Kulisse für ein metaphorisches intellektuelles Drama. In dem Film nach dem Buch "The Story of Your Life" von Ted Chang (Hauptdarsteller sind Amy Adams, Jeremy Renner und Forest Whitaker) geht es um eine Sprachwissenschaftlerin, die versucht mit Außerirdischen zu kommunizieren, deren Raumschiff-Flotte auf der Erde erschienen ist. Da es hier vor allem um Sprache und Kommunikation geht, betont Jóhannsson in seinem Score die menschliche Stimme:

Im vorab bereits erschienen Stück "Kangaru" steuert er im Stakkato den Klangkörper eines Orchesters an, macht die mantra-artigen Vokal-Laute zum sphärischen Chor, getragen von Streichern, eingetaktet mit einem im Offbeat geschlagenen Becken. Auf "Decyphering" lässt er hypnotischen Obertongesang zu einem Crescendo anschwellen. In den uhrwerkartig tickenden Rhythmus von "Hammers and Nails" webt sich ein vogelgleiches Rufen. Mehr wie urzeitliche Höhlenmenschen klingen die Stimmen in "Principle of Least Time" und "Transmutation at a Distance".

Verschiedene spannende Sänger, Instrumentalisten und Vokalensembles wirkten bei "Arrival" mit

Dies sei kein traditioneller Orchester-Score, sagte Jóhannsson dem Magazin Goldderby.com. Es gäbe schon Motive in "Arrival", aber vorrangig seien ihm hier pure Klänge und Texturen gewesen: Knistern, Rauschen, Brummen, sub-bassige Drones, Räume und Atmosphären. Hierfür verschmilzt er Elemente von klassischer und avantgardistischer Musik, Orchester und digitale Klangverarbeitung, arbeitete mit handverlesenen Sängern, Instrumentalisten und Vokalensembles, darunter der Elektronica-Musiker Robert Aiki Aubrey Lowe (Om), die isländische Cellistin Hildur Guonadottir und das Theatre of Voices unter Leitung von Paul Hillier. Zeitgleich zum Dreh nahm er die Musik in Prag, Kopenhagen und seiner Heimatstadt Reykjavik auf.

Max Richter hat dem Soundtrack ein Stück beigesteuert

Der Film enthält auch das Stück "On the Nature of Daylight" vom Londoner Komponisten Max Richter, erschienen 2004 auf Richters Album "The Blue Notebooks", einem "der anrührendsten zeitgenössischen Klassikalben der letzten Zeit" (Pitchfork). Auch Richter ist gerade mit seinem Score einer Episode der gefeierten britischen Science-Fiction-Serie "Black Mirror" in die Welt der Science-Fiction vorgedrungen. 

Sehr spannend, wie Jóhannsson in "Blade Runner 2049" die musikalische Nachfolge von Vangelis antreten wird. "Arrival" ist dieses Jahr das bereits zweite Album des Wahl-Berliners, nach seinem letzten, neunten Solo-Opus "Orphee". BR-Klassik wählte es zur CD des Monats September und kommentierte: "Ein Muss für alle Filmmusik-Fans, die ihr eigenes Kopfkino mit Tiefgang erleben wollen". Auch eine gute Beschreibung der Musik von "Arrival", abgelöst vom Visuellen beschert sie spannende und tiefschürfende innere Bilder.


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