Backstage
John Coltrane BACKSTAGE EXCLUSIV

Facebook

News

14.05.2012

Zehn rare Coltrane-Perlen machen die Sammlung komplett

John Coltrane, Zehn rare Coltrane-Perlen machen die Sammlung komplett © Universal Music

Im Oktober letzten Jahres feierte die Jazz-Welt sowohl postum den 85. Geburtstag von Saxophon-Legende John Coltrane, als auch das 50. Jubiläum des Impulse-Labels, für das Coltrane seine bedeutendsten Alben einspielte. Berühmte Coltrane/Impulse-Alben wie “A Love Supreme” und “Ballads” sind auf CD seit vielen Jahren Dauerbrenner. Bislang sehr schwer bis gar nicht auf CD zu finden waren jedoch zehn Alben, die Impulse erst nach dem Tode Coltranes im Jahre 1967 herausbrachte. Bislang waren sie nur als Teil von Box-Sets oder als teure Japan-Importe zu ergattern, jetzt erscheinen sie, digital remastert und mit Originalcover, zum kundenfreundlichen Mid-Preis. Wie bei postumen Veröffentlichungen oft der Fall, stritt die Fachwelt auch bei diesen Alben schon damals eifrig darüber, ob die Einspielungen wirklich an die Öffentlichkeit gebracht werden mussten. Doch im Laufe der Jahrzente hat sich immer mehr die Erkenntnis durchgesetzt, dass die meisten dieser Alben einst nur deshalb so kritisch betrachtet wurden, weil sie im übermächtigen Schatten von Coltranes bekannteren Meisterwerken standen. Wie stellen die zehn Ausgrabungen hier im einzelnen vor:

“Expression”: John Coltranes allerletzte Studioaufnahme

Das Titelstück des ersten Albums “Expression” war Coltranes allerletzte Studioaufnahme im Frühjar 1967. Im Studio war er damals mit seiner Frau Alice Coltrane (Piano), Jimmy Garrison (Bass) und Rashied Ali (Drums) sowie bei zwei Gelegenheiten Flötist Pharoah Sanders. Eine Rarität ist das Stück “To Be”, in dem Coltrane selbst ausschließlich Flöte spielt.

“Live At The Village Vanguard Again!”: Rückkehr zur hymnischen Spielweise

“Live At The Village Vanguard Again!” nahm der Saxophonist ebenfalls mit dem zuvor genannten Quintett plus Perkussionist Emanuel Rahim am 28. Mai 1966 in dem bekannten New Yorker Jazzclub Village Vanguard auf. Während Pharoah Sanders diesmal Tenorsax, Flöte und Perkussion spielt, greift Coltrane hier nicht nur zu Tenor- und Sopransax, sondern auch zur Bassklarinette. Der Auftritt markierte Coltranes Rückkehr zu seinr hymnischen Spielweise.

“Om”: John Coltrane am Scheideweg

“Om” entstand bereits 1965, sah das Licht der Öffentlichkeit aber erst 1968. Das Album enthält eine zweiteilige Suite von annähernd 29 Minuten und featurete ein Ensemble, das am Scheideweg stand. Mit von der Partie waren noch Coltranes Gefährten seines legendären Quartetts (McCoy Tyner, Jimmy Garrison und Elvin Jones), aber auch Pharoah Sanders, Bassklarinettist Donald Garrett und Flötist/Perkussionist Joe Brazil.

“Live In Seattle”: Vorgeschmack auf bevorstehenden Richtungs- und Personalwechsel

Mit fast derselben Besetzung (nur ohne Joe Brazil) trat John Coltrane am 30. September 1965 in Seattle auf, wobei der Mitschnitt für das Album “Live In Seattle”entstand, der erstmals 1971 auf einer Doppel-LP herauskam. Das Konzert lieferte bereits einen Vorgeschmack auf Coltranes bevorstehenden Richtungs- und Personalwechsel. “Live In Seattle” war außerdem sein letzter Live-Mitschnitt mit Tyner, Garrison und Jones als Rhythmusgruppe.

“Cosmic Music”: Gemeinschaftwerk von John und Alice Coltrane

“Cosmic Music” erschien 1968 unter der gemeinsamen Urheberschaft von John und Alice Coltrane. Der Saxophonist selbst tritt nur in zwei Stücken in Erscheinung (“Manifestation” und “Reverend King”), die beiden anderen (“Lord, Help Me To Be” und “The Sun”) spielte Alice bereits nach Coltranes Tod mit einem fast identischen Ensemble ein.

“Selflessness Featuring My Favorite Things”: Live-Mitschnitte vom Newport Jazz Festival

1969 kam “Selflessness Featuring My Favorite Things” heraus. Das Album bietet zwei 1963 mit Tyner, Garrison und Schlagzeuger Roy Haynes gemachte Live-Mitschnitte (“My Favorite Things” und “I Want To Talk About You”) vom Newport Jazz Festival. Das Titelstück nahm Coltrane zwei Jahre später mit Tyner, Garrison, Jones, Sanders, Donald Garrett sowie den beiden zusätzlichen Perkussionisten Frank Butler und Juno Lewis im Studio auf.

“Transition” und “Sun Ship”: Zwei gegensätzliche Meisterwerke mit dem klassischen Quartett

Die beiden Alben “Transition” und “Sun Ship” nahm Coltrane 1965 wiederum mit dem Quartett auf, das aus der Jazzgeschichte nicht mehr wegzudenken ist. Auf “Transition” interpretiert er mit Tyner, Garrison und Jones u.a. eine fünfteilige Suite, in der das Ensemble zwischen meditativem Lyrizismus und energischer Beseeltheit pendelt. Wesentlich ungestümer und freier geht dasselbe Quartett dann auf “Sun Ship” zur Sache.

“Infinity”: Ein ungewöhnliches und seltsam attraktives Werk

Das umstrittenste dieser zehn Alben war “Infinity”. Und dies hing vor allem damit zusammen, dass Alice Coltrane nach dem Tod des Saxophonisten unvollendete Demo-Bänder aus dem Jahr 1966 genommen hatte und diese Aufnahmen unter anderem mit eigenen Streicherarrangements garnierte. “Aber ungeachtet dessen, wie sehr die Streicher die Musik aufweichten oder unnötigerweise mit mehr Fülle versahen, muss gesagt werden, dass Alice eigentlich gar keinen schlechten Job machte”, meint Brian Olewnick rückblickend im All Music Guide. “Das Endergebnis ist ein ungewöhnliches und seltsam attraktives Werk.”

“Concert In Japan”: Eine Performance von schier unglaublicher improvisatorischer Kraft

Auf “Concert In Japan”, im Juli 1966 in Tokio aufgezeichnet, kann man Coltranes letztes Quintett (mit Sanders, Alice Coltrane, Garrison und Rashied Ali) schließlich in absoluter Höchstform hören. In dem sage und schreibe fast 45-minütigen Medley aus den beiden Stücken “Meditations” und “Leo” entfaltet die Band eine schier unglaubliche improvisatorische Kraft.


KOMMENTARE

Kommentar speichern