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07.12.2009

Markus Kavka liest John Nivens "Coma"

John Niven, Markus Kavka liest John Nivens Coma

Es gibt sie wirklich, die literarische Gattung des Golf-Romans, jedoch: so richtig den Tiger Woods im Tank hat das Genre eher nicht (nur Golfer werden da widersprechen). Die allermeisten Golfromane sind für Außenstehende genauso lang und langweilig wie das Spiel selbst und dabei sprachlich stark gehandicapt: Waggle, Fade, Hook, Slice, Dogleg, Mulligan – wer soll das bitte lesen?

Nun ist aber der Ausnahme-Golfroman erschienen: „The Amateurs“ von John Niven. Die deutsche Übersetzung vom Ex-„Intro“-Chefredakteur Stephan Glietsch trägt den Titel „Coma“, und die Hörbuch-Fassung der schwarzen Komödie hat Deutschlands bekanntester Musik-Moderator Markus Kavka eingelesen. Die Wahl Glietschs und Kavkas hängt mit der Pop-Aura Nivens zusammen, der auch in „Coma“ diverse Musik-Anspielungen unterbringt. 2008 veröffentlichte der 41-jährige mit seinem zweiten Roman „Kill Your Friends“ einen Bestseller, der im Sodom und Gomorrha der Musikindustrie spielt; das Hörbuch von „Kill Your Friends“ liest Bela B. von den Ärzten.

Niven wusste, wovon er schrieb. Vor seiner Schriftstellerlaufbahn, auf dem Höhepunkt des Brit-Pop, ist er (wie der Protagonist von „Kill Your Friends“) ein pompöser A&R-Manager bei einem „Schweine-Major“ gewesen, wo Niven die Bands Mogwai und Travis entdeckte, Coldplay und Muse peinlicherweise ablehnte. Nach einem Burn-Out begann der Schotte für Magazine zu schreiben: FHM, Q und – aha! – für GolfPunk. Der Mann ist vom Fach. „Niven kennt sein Golf. Sein Pointen-Timing ist perfekt“, rezensiert der „Daily Mirror“. Nicht nur urkomisch, sondern auch packend, sexy, gewalttätig, einfach unerhört, sei die Prosa Nivens. Verschiedene Dialoge stellen sogar seinen Landsmann Irvine Welsh („Trainspotting“) in den Schatten. Die besonnenere „Times“ fragte mit hochgezogener Augenbraue: „Will Niven hier wirklich den großen Golf-Thriller abliefern oder einen Artikel im NME der späten ´80er?“ Wahrscheinlich beides.

Hinter der rauen Sprache verbirgt sich eine überraschend liebe Story von Familie, Freundschaft und Romanze: Gary Irvine lebt in der Kleinstadt Ardgirvan an der Westküste Schottlands. Er verkauft Gabelstapler, ist verheiratet mit Pauline, die zwar überaus attraktiv, aber eine geldgierige Ehebrecherin ist, und spielt in seiner Freizeit mehr schlecht als recht Golf. Eines Tages fliegt Gary ein Golfball an den Kopf. Als er aus dem Koma aufwacht, kann Gary auf einmal perfekt Golf spielen, bricht alle lokalen Rekorde und qualifiziert sich für die Open Championship. Der Nachteil: Nebenwirkung seiner Metamorphose ist ein Tourette-Syndrom und damit verbunden der Drang, öffentlich zu masturbieren. Pauline will derweil mit dem Teppich-Millionär des Ortes durchbrennen. Dessen Frau muss allerdings noch aus dem Weg geschafft werden, um eine teure Scheidung zu vermeiden. Diesen Job soll Garys kleinkrimineller Bruder Lee übernehmen, der damit weiter auf die schiefe Bahn gerät. Der große Showdown findet schließlich bei der Open Championship statt.

Gewidmet hat Niven das Buch seinem verstorbenen Vater, John Jeffrey Niven Sr., der ihm das Golfspielen beibrachte und mit dem er beim Schreiben immer wieder „kommunizierte“. „Er war der schlechteste Lehrer, unglaublich anspruchsvoll und ungeduldig“, sagt Niven, der mit Beginn der Punk-Ära seinen Golfschläger zerbrach. Die Idee zu „Coma“ lag schon vor „Kill Your Friends“ in seiner Schublade. Drehbücher zu „Kill Your Friends“ und „Coma“ sind in Arbeit. Eines mit dem Arbeitstitel „Roadkill“ hat der Autor unlängst in Hollywood für eine „obszöne“ Summe verkauft.

Felix Fast


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