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26.05.2011

Süßstofffreie Balladen - “A Moment’s Peace” von John Scofield

Mit “A Moment’s Peace” hat der Gitarrist John Scofield ein ungewöhnliches Balladenalbum eingespielt, auf dem er die flachen Gewässer des Easy-Listening mit Eleganz und Gewitztheit meidet.

John Scofield, Süßstofffreie Balladen - A Moment’s Peace von John Scofield

Auch nach rund vierzig Jahren im Musikbusiness hat John Scofield noch nicht seine Begeisterungsfähigkeit verloren. Mit fast schon kindlicher Freude berichtet der Gitarrist von einem Clou, der ihm auf seinem neuen Album “A Moment’s Peace” gelang: “Ich hatte die Idee, ‘You Don’t Know What Love Is’ einen Reggae-Groove zu verpassen. Ich kann mich nicht erinnern, dass dies schon mal jemand gemacht hat. Aber es funktionierte.” Es ist beileibe nicht die einzige Überraschung, die Scofield auf seinem etwas anderen Balladenalbum für die Hörer parat hält.

“Es ist ein Album mit langsamer, sanfter Musik”, sagt er. “Aber wir wollten auch nicht, dass es in Easy-Listening ausartet. Deshalb haben wir versucht, wirklich etwas mit den Stücken anzustellen. Mir ist es - ganz gleich, welche Art von Musik ich spiele - absolut wichtig, dass sie frisch klingt und dass wir etwas aus ihr herauskitzeln. Die Kreativität muss da sein, unabhängig davon, ob man nun begleitet oder ein Solo spielt.”

Auf “A Moment’s Peace” aalen sich Scofield und seine All-Star-Band in Balladen, die man mit Legenden wie Billie Holiday, Abbey Lincoln, Nina Simone und John Coltrane assoziiert. Das Repertoire enthält aber auch fünf neue Originale des Gitarristen sowie unter die Haut gehende Interpretationen von der lyrischen Lennon-McCartney-Nummer “I Will” und Carla Bleys “Lawns”. Scofield behandelt zeitlose Klassiker wie “I Want To Talk About You”, “Gee, Baby, Ain’t I Good To You?”, “I Loves You, Porgy” und das schon erwähnte “You Don’t Know What Love Is” mit allem Respekt, bemüht sich zugleich aber auch, ihnen einen eigenen, originellen Anstrich zu geben. Optimale Unterstützung erhält er dabei von der ungemein agilen Rhythmusgruppe mit Larry Goldings an Piano und Orgel, Scott Colley am Bass und Brian Blade am Schlagzeug. “Es gibt Musiker, die das Einfühlungsvermögen eines Bulldozer haben”, sagt Scofield lachend. “Aber Scott, Larry und Brian verstehen es, der Musik zu dienen, während sie ihre persönlichen Statements machen. Das hat etwas Magisches!”

Dass die Aufnahmesession von “A Moment’s Peace” so relaxt verlief, wundert Scofield angesichts der Qualität seiner Bandgefährten nicht: “Diese Jungs können wunderbar und gelassen spielen und so die Stimmung eines Songs wirklich widergeben. Entspannt zu sein, aber die Musik zugleich auch frisch und energetisch klingen zu lassen ... das ist die Kunst. Ich habe versucht, die Musik ziemlich einfach zu halten, so dass jeder nur zu spielen brauchte. Wenn man mit solchen Persönlichkeiten zusammenarbeitet, dann sollte man sie einfach machen lassen ... die Musik ergibt sich dann ganz von selbst.”

Und wie nicht anders zu erwarten, ist dem Quartett des Gitarristen mit “A Moment’s Peace” ein neues Meisterwerk gelungen: ein Balladenalbum voller kleiner Überraschungen.


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