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11.08.2016

John Scofield - Country For Old Men

"Country For Old Men" hat Gitarrist John Scofield sein neues Album genannt. Der Titel ist natürlich zum einen eine clevere Anspielung auf den bekannten Roman "No Country For Old Men" von Cormac McCarthy und die gleichnamige Verfilmung der Coen-Brüder, zum anderen aber auch ein augenzwinkernder Hinweis auf das musikalische Programm und das Alter des Protagonisten. Denn so ganz der Jüngste ist John Scofield tatsächlich nicht mehr. Im Dezember wird er bereits 65. Auch wenn man dies dem stets experimentierfreudigen Gitarristen wahrlich nicht anhört.

 

Für sein neues Album "Country For Old Men", das im September bei impulse! erscheint, wagt sich Scofield in Begleitung von Keyboarder Larry Goldings, Bassist Steve Swallow und Drummer Bill Stewart mal wieder auf eigentlich jazzfremdes Terrain: "Wir werden ‘Outlaw’-Country-Songs in Jazznummern verwandeln", verspricht er. "Statt nach Nashville zu gehen und mit ‘echten’ Country-Musikern in einem Country-Stil zu spielen, habe ich mich mit meinen Jazzkumpanen verbündet, um diese Lieder jazzig anzugehen. Wir improvisieren, bewahren aber die Integrität, den Charakter und Twang dieser wundervollen amerikanischen Musik."

 

Auch wenn Scofield diesem Genre noch nie ein ganzes Album gewidmet hatte, ist er auf dem Gebiet der Country-Musik nicht gerade ein Novize. Immer wieder schmuggelte der Gitarrist, der einem stilistischen Chamäleon gleicht, Country-Elemente in seine Kompositionen und Improvisationen. 1985 interpretierte er auf dem  Blue-Note-Album "Twilight Time" an der Seite des Tenorsaxophonisten Bennie Wallace den bekannten "Tennessee Waltz" von George Jones. Als Mitglied von Marc Johnsons Quartett Bass Desires spielte er noch im selben Jahr eine Country-Nummer mit fernöstlichem Einschlag ein, die den Titel  "Samurai Hee-Haw" trug. Und als Scofield 2005 auf seinem Verve-Album "That’s What I Say" Ray Charles Tribut zollte, gehörte natürlich auch eine Country-Ballade -  Don Gibsons "I Can’t Stop Loving You" - zum Repertoire.

 

Ganz nach dem Motto "It Don’t Mean A Thang, If It Ain’t Got That Twang" knöpft sich das Quartettvon John Scofield nun Country-Klassiker von George Jones, Hank Williams, Merle Haggard, Bob Wills, Patti Page, Dolly Parton, James Taylor und sogar Shania Twain vor. Was dabei herauskam, ist dem Titel zum Trotz garantiert nicht nur Musik für alte Männer! Denn Scofield transformiert hier viele der Vorlagen in durchaus moderne Jazznummern. Als besonderes Schmankerl spielt er dann ganz zum Schluss in sehr traditioneller Weise und solo auf einer Ukele noch Johnny Mercers Country-Song-Persiflage "I’m An Old Cowhand" ein.

 

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