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14.01.2013

„Jonas Kaufmann ist der Tenor, auf den Wagnerfreunde gewartet haben.“

Jonas Kaufmann, Jonas Kaufmann ist der Tenor, auf den Wagnerfreunde gewartet haben. © Ken Howard

ein großes Wort, welches der Rezensent von The Washington Post hier gelassen ausgesprochen hat, und es ist dennoch exakt auf den Punkt gebracht. Mit dem Münchener Jonas Kaufmann begann vor einigen Jahren ein Tenor, das Wagnerfach sich peu à peu anzueignen und zu erobern, der an stimmlichen, darstellerischen und ja, auch das: an optischen Voraussetzungen derzeit konkurrenzlos ist. Kaufmann stieß in ein Terrain vor, das noch immer von Sängern dominiert wird, die - wenngleich stimmlich durchaus respektabel – nicht über Kaufmanns bezwingende Virilität in Timbre, Stamina und Bühnenpräsenz verfügen. Kaufmann ist es gelungen, den Typus des Wagnertenors wieder zur stimmlichen und optischen Identifikationsfigur zu machen und sich in dieser Hinsicht als legitimer Nachfolger von Peter Hofmann zu präsentieren: Hofmann hatte in den 70er Jahren nach seinem Siegmund-Debüt in Chereaus Bayreuther „Jahrhundert-Ring“ und mit Partien wie Lohengrin und Parsifal das Bild des  Wagnertenors komplett verändert und Heerscharen von Wagnerfans in höchstes Entzücken versetzt. Eine Generation später ist es Jonas Kaufmann, der in genau denselben Partien Wagners zumeist an der Welt leidende Helden nicht als schön singende Weichlinge präsentiert, sondern als „Mannsbilder“, welche durchaus mit Kraft und Gefühl ausgestattet sind und an ihren eigenen wie den Ansprüchen der Welt an sie scheitern. Insofern entspricht Jonas Kaufmann in seiner Rollenidentifikation genau jenem Männertypus des neuen Jahrtausends, wie er derzeit immer wieder im Fokus soziologischer und emanzipatorischer Diskussionen steht.

Kaufmanns erstes Wagner-Album zeigt denn auch die ganze Bandbreite seines sän-gerischen und gestalterischen Könnens, wie er es sich im Laufe seiner behutsamen Eroberung des „schweren“ Fachs erarbeitet hat. Ob als Lohengrin in Richard Jones‘ Münchener und Hans Neuenfels‘ Bayreuther Inszenierung, als Siegmund im „Jubiläums-Ring“ von Robert Lepage an der New Yorker MET oder als künftiger Parsifal an der MET und an der Wiener Staatsoper – Jonas Kaufmann widerlegte und wider-legt immer aufs Neue das hartnäckige Vorurteil gegenüber dem Wagnertenor alten Schlages. Insofern ist Kaufmann tatsächlich jener Tenor, auf den die Wagnerfreunde gewartet haben und den sie seither nach seinen Aufführungen dankbar bejubeln.

Dass Kaufmann auf seinem das Wagnerjubiläum zum 200. Geburtstag des großen Komponisten 2013 eröffnenden Album nicht nur mit den Glanzstücken des Repertoires aufwartet, sondern mit den Wesendonck-Liedern in der Fassung für Männerstimme auch eine veritable Rarität eingespielt hat, macht dieses Album für Fans von Wagner und Kaufmann darüber hinaus besonders wertvoll.


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