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06.03.2014

Jonas Kaufmann im 'Faust' und im 'Werther'

Mit Gounods "Faust"-Oper und Massenets "Werther" erscheinen jetzt bei Decca zwei Video-Livemitschnitte aus der New Yorker Met und der Pariser Oper, die den Münchener Startenor Jonas Kaufmann in seinen Glanzrollen zeigen.

Jonas Kaufmann, Der derzeit beliebteste Opernsänger ist in zwei neuen Videomitschnitten zu sehen. Hier erfahrt ihr alles darüber © Decca

Was macht ein Mensch, der im Leben alles erreicht hat? Er könnte sich zurücklehnen. Er könnte sich aber auch fragen, was ihm all seine Erfolge gebracht haben. Faust stellt sich selbst in Frage. Der mythische Held, dem Goethe mit seinem meisterhaften Drama zu unsterblichem Ruhm verhalf, stößt an seine Grenzen. All seine Macht und sein Wissen lösen sich auf, als ihm klar wird, dass sie seine Seelennot nicht zu lindern vermögen. Faust will sich umbringen, und das ist erst der Anfang eines der aufregendsten europäischen Dramen, das dem Menschen seine prekäre Lage als Zweifelnder und Hadernder, als Verführer und Verführter, als Liebender und Verräter vor Augen führt. Ein Stoff, wie geschaffen für die Oper. Als hätte das Material auf einen Komponisten gewartet, der ihm musikalisch Gestalt verleiht.

Jonas Kaufmann in Hochform

Jonas Kaufmann, gefeierter Startenor, schätzt an den französischen Opern die Spannung zwischen dramatischen und lyrischen Passagen, und wie meisterhaft er sie stimmlich ins Werk setzt, davon kann sich jeder überzeugen, der auf das gerade erschienene DVD-Video der Met-Inszenierung des "Faust" zurückgreift. Kaufmann glänzt in der Rolle des Faust, dem er eine ebenso ehrerbietende wie zerbrechliche Gestalt verleiht.

Geniale Kostüme und Bilder

Anschaulich wird die moderne Atmosphäre durch die genialen Kostüme der 20er und 30er Jahre, die Designer Paul Tazewell entworfen hat. Man kann sich dadurch gut einfühlen in die Lebenswelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und wie nah uns diese Zeit noch ist, bringt das kühne Bühnenbild von Robert Brill zum Ausdruck. Der renommierte Broadway-Bühnenbildner erzeugt mit seinen metallenen Wendeltreppen eine Anmutung der industriellen Moderne, wie sie uns Heutigen in Form unserer Wohnkultur noch wohlvertraut ist. Bei alledem ist die große Leistung von Dirigent Yannick Nézet-Séguin nicht zu unterschlagen, der den traumhaft schönen Melodien Gounods die angemessene Wärme, Diskretion und Pointierung verleiht. So gelingt im Zusammenspiel vieler exponierter Gegenwartskünstler eine Belebung des Faust-Stoffs, die schon die Zuschauer der Live in HD-Präsentation in regelrechte Begeisterung versetzte und die als DVD-Video anzuschauen ein ästhetischer Hochgenuss ist.

Werther, der junge Liebende

"Werther", in der Vertonung von Jules Massenet, ist ebenfalls ein lyrisches Drama. Der Akzent dieser Oper liegt dabei noch stärker, als dies in Gounods "Faust" der Fall ist, auf der lyrischen Komponente. Jonas Kaufmann präsentiert den Werther mit romantischer Verve, und wenn man ihn auf dem jetzt bei Decca erschienenen Blu-ray-Video in seiner jugendlichen Anmut sieht, dann wird man im Vergleich zu seiner Faust-Rolle verblüfft sein über die enorme Verwandlungsfähigkeit dieses Künstlers. Die "Werther"-Inszenierung in der Pariser Oper ist in der internationalen Presse mit viel Lob bedacht worden. „Jonas Kaufmann“, schreibt Opera Now aus London, „ist geboren, um den Werther zu spielen, diesen melancholischen Poeten, der für die Liebe stirbt.“ Und Emmanuel Dupuy schreibt in Diapason aus Paris, Kaufmann sei derart tief in die Rolle des Werther hineingeschlüpft, dass uns schon seine „bloße Anwesenheit erschüttert“. Mehr kann ein Opernsänger nicht erreichen.


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