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15.09.2014

Die Opern "Prinz Igor" und "Carmen" neu auf DVD

Mit der Veröffentlichung von einem echten Bühnenklassiker aus der Feder von Georges Bizet und einem unbekannten russischen Schatz von Alexander Borodin kann man nun zwei Meisterwerke der Opernwelt auf DVD erleben.

Jonas Kaufmann, Russische Opulenz und modernes Zigeunerflair © 2014 Cory Weaver / The Metropolitan Opera

Bühne frei für Borodin und Bizet

Die beiden Opernproduktionen könnten kaum unterschiedlicher sein und trotzdem eint sie die hohe Qualität der Produktion und die unkonventionelle Aufführungspraxis. Die in diesen Tagen auf DVD erscheinende Züricher "Carmen" Inszenierung von Matthias Hartmann und die New Yorker Inszenierung der Borodin-Oper "Prinz Igor" von Dmitiri Tcherniakov sind glänzende Beispiele für einen gelungenen, modernen Umgang mit dem Genre Oper. Glücklicherweise sind die beiden Werke nun auf DVD und Blu-Ray erhältlich und man bekommt die Möglichkeit, noch einmal jedes Detail aufzusaugen -  dafür kann man zur Not sogar zurückspulen.

Carmen ohne Klischees

Die Vorstellungen von Matthias Hartmanns Carmen Inszenierung im Sommer 2008 waren unvergessliche Abende. Das lag vor allem an Jonas Kaufmann, Vesselina Kasarova und Franz Welser-Möst, die der Produktion musikalisch feuriges Leben einhauchten, oder vielmehr "einstürmten". Mit seiner modernen, spektakulären Inszenierung von Bizets bekanntester Oper stellt der Regisseur Matthias Hartmann alle Carmenklischees auf den Kopf und kreiert ein sehr menschliches und natürliches Bild der einzelnen Figuren. Jonas Kaufmann sitzt im ersten Akt als Don José schüchtern verklemmt mit dicker Brille und Miniventilator im kargen Bühnenbild unter einem Sonnenschirm. Doch sobald er den Mund öffnet ahnt man: Stille Wasser sind tief. Der Klang seiner Stimme ist von barintonhaftem Schmelz und betörend. Wenn er "La fleur que tu m'avais jetée" singt, bleibt einem das Herz stehen. Er ist ein Meister der Gestaltung und des musikalischen Spannungsbogens und die Philhamonia Zürich unter Franz Welser-Möst macht jede noch so kleine Phrasierung mit - man hat den Eindruck, dass die Musiker mit gespitzten Ohren und angehaltenem Atem im Orchestergraben sitzen. Vesselina Kasarova überzeugt als Carmen mit charakterlicher Tiefenschärfe und unbändiger Energie.

Episches Opernspektakel

Der Inhalt dieser eher unbekannten Oper beruht auf einer anonymen mittelalterlichen Handschrift. Nach seinem plötzlichen Tod hinterließ Alexander Borodin 1887 eine weitgehend unvollständige Partitur, die daraufhin von Nikolai Rimsky-Korsakow und seinem Schüler Alexander Glasunow weitergeführt wurde. Es entstand ein episches Werk mit über vier Stunden Länge, das zum ersten Mal seit 1915 wieder in New York gespielt wurde und eine triumphale Rückkehr im großen Stil an die Metropolitan Opera erlebte. Mit seiner traumhaft-theatralischen Inszenierung voller starker, phantasievoller Bilder und origineller Wendungen begibt sich der Regisseur Dmitri Tscherniakow auf eine faszinierende psychologische Reise in das Innenleben des hin- und hergerissenen Fürsten Igor. Ildar Abdrazakov stellt die monumentale Titelrolle meisterhaft dar und wird zurecht mit reichem Applaus bedacht. Gianandrea Noseda am Dirigentenpult kreiert mit dem Orchester eine üppige Klangwelt von opulenter Schönheit, ganz im Sinne der russischen Ästhetik.

Die Veröffentlichung auf DVD bietet spannende Einblicke in die Entstehung der fulminanten Produktion, denn sie enthält zusätzlich Bonus-Material, wie zum Beispiel "Backstage at the MET"  mit exklusiven Künstlerinterviews.


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