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01.07.2009

Jonas Kaufmann debütiert als „Lohengrin“

Jonas Kaufmann, Jonas Kaufmann debütiert als Lohengrin © Dietmar Scholz

Ein bisschen Sitzfleisch braucht man schon. Fast vier Stunden dauert in der Regel eine Aufführung von Richard Wagners „Lohengrin“. An der Münchner Staatsoper hatte man sich zuletzt anno 2001 an eine Inszenierung des Heldenepos' gewagt und damit manchen Gähner provoziert. Denn Götz Friedrichs Bühnenfassung mit Peter Seiffert als Schwanenritter konnte das Publikum nicht überzeugen und wurde daher nach wenigen Vorstellungen wieder aus dem Programm genommen. Nun aber soll alles anders werden. Denn am 5.Juli wird im Rahmen der Opernfestspiele der „Lohengrin“ unter völlig neuen Vorzeichen präsentiert. Unter der Regie von Richard Jones und mit Maestro Kent Nagano am Pult wird Startenor Jonas Kaufmann sein Rollendebüt als geheimnisvoller Gralsritter geben und dabei mit Anja Harteros in der Rolle der Elsa eine famose Partnerin an seiner Seite haben. Eine Premiere der Superlative.

Der Stoff hatte Richard Wagner lange beschäftigt. Bereits 1845 hatte er begonnen, sich konzeptionell mit der Überlieferung zu beschäftigen, die er während seines Paris-Aufenthaltes wenige Jahre zuvor mit der im 13.Jahrhundert erstmals festgehaltenen „Lohengrin“-Sage kennen gelernt hatte. Er studierte zahlreiche zeitgenössische Quellen und machte sich bald nach der Ausarbeitung des Librettos an die Komposition erster Skizzen. Bis 1848 war die Oper im Kern fertig, uraufgeführt wurde sie am 28. August 1850 in Weimar. Wirklich Erfolg hatte sie dann im Anschluss an die Münchner Aufführung von 1858, die nicht nur den bayerischen König Ludwig II in ihren Bann zog. Seitdem gehört der „Lohengrin“ zu den viel gespielten Wagner-Bühnenepen und wurde etwa in Bayreuth von Regisseuren wie Wieland Wagner, Götz Friedrich, Werner Herzog und Keith Warner bearbeitet. Und das Spektrum der Interpretationen ist groß. Peter Konwitschny ließ ihn 1998 in Hamburg in einem Wilhelminischen Klassenzimmer spielen, John Dew wiederum vermischte 2001 Realität und Illusion, indem er in Karlsruhe sowohl den Bayerischen Märchenkönig als auch die Bayreuther Bühne als weitere Ebene in der eigentlichen Handlung integrierte.

So wird es außerordentlich spannend, wie der Engländer Richard Jones sich dem Sujet nähert. Er zählt zu den Kultregisseuren des Genres, dem es beispielsweise gelang, mit seinem ebenfalls in München 1994 inszenierten, hoch gelobten „Giulio Cesare“ maßgeblich zur Händel-Renaissance beigetragen zu haben. Jones nun hat mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros zwei Rollenneulinge im Team, was ihn aber nach eigenen Angaben besonders reize, weil auf diese Weise mehr Freiheit in der Darstellung möglich werde. Für Jonas Kaufmann, der als Schwanenritter endlich an das renommierte Haus in seiner Heimatstadt München kommt, nachdem er während der vergangenen Jahren international eine glanzvolle Karriere präsentiert hat, ist diese Rolle eine besondere Herausforderung. „Lohengrin“, meinte er gegenüber der Münchner Abendzeitung in einem Interview, „ist ein interessanter Charakter. Er ist nicht nur ein Held, sondern eine tragische und einsame Figur mit zarten Momenten. In 'Mein lieber Schwan' oder der Gralserzählung zeigt er weiche, innige und sogar bittere, verzweifelte Züge. Und teilweise benimmt er sich auch grenzwertig. Seine menschliche Seite zu zeigen, darüber denke ich sehr nach“.

Und so dürfen sich alle diejenigen, die eine der begehrten Karten der längst ausverkauften Premiere ergattert haben, auf einen famosen Opernabend freuen. Aber auch viele andere Opernfreunde können daran teilhaben. Denn Jonas Kaufmann hat nicht nur mit seinem aktuellen Album „Sehnsucht“ bereits eine Kostprobe seiner Darstellungskompetenz in Sachen deutsche Arien gegeben, sondern kann auch auf Großleinwand vor der Tür der Bayerischen Staatsoper bewundert werden. Denn am Sonntag, den 5.Juli, wird der „Lohengrin“ von 17 Uhr an in Bild und Ton als "Oper für alle" bei freiem Eintritt auf den Max-Joseph-Platz übertragen. Und auch dafür empfiehlt es sich, frühzeitig zu erscheinen, zumal man dann auch noch ein wenig Premierenfieber mit den Prominenten auf dem roten Teppich erleben kann.

Mehr Informationen zu Jonas Kaufmann finden Sie unter www.jonas-kaufmann.net


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