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01.04.2004

Der Malteser

Joseph Calleja, Der Malteser

Manchmal hilft der Zufall nach. Hätte der junge Joseph Calleja sich während eines Urlaubs bei seiner englischen Tante nicht eine CD von Pavarotti ausgeliehen und hätte er nicht versucht, möglichst eindrucksvoll zu seinem Walkman dazu zu singen, wäre wohlmöglich niemand auf die Idee gekommen, ihn in einen Gesangsunterricht zu schicken. So aber addierten sich viele kleine Ereignisse zum Start einer Karriere, die den jungen Tenor aus Malta ganz nach oben katapultieren könnte.

Eigentlich stand Joseph Calleja auf Metallica, Iron Maiden und ähnlich akustische Versuche machistischer Weltbewältigung. Es sah auch zunächst nicht so aus, als würde sich daran viel ändern, denn in seiner Familie gab es keine besondere Aufmerksamkeit für Musik. Allein, der Junge selbst bemerkte, dass er einen Draht zu anderen Klängen hatte. Das erste einschneidende Erlebnis war der Film "Der große Caruso", bei dem Mario Lanza die Lebensgeschichte des legendären Tenors nachempfand. Joseph war fasziniert von der Stimme und begann, sich mit Gesang zu beschäftigen. Dann war da die Sache mit der Tante in England, deren Ratschlag dazu führte, dass der Junge nach seiner Rückkehr aus der Ferien in seiner maltesischen Heimatstadt in einen Chor eintrat und Unterricht in Klavier und Gesang erhielt. Als er schließlich als Teenager im Chor des renommierten Teatro Manoel den zweiten Tenor in Verdis "Rigoletto" sang, war es geschehen. Calleja wusste, dass er Sänger werden wollte.

 

Doch der Weg aus der Abgeschiedenheit der Mittelmeerinsel an die großen Häuser der Hochkultur war noch weit. Der erste Schritt in die richtige Richtung kam mit einer Empfehlung, er solle doch bei Paul Asciak studieren. Der Landsmann Callejas und erfahrene Tenor erkannte das Talent seines Schützlings und begann es, systematisch zu fördern. Er unterrichtete ihn, spielte ihm Aufnahmen berühmter Sänger vor und formte auf diese Weise ein künstlerisches Grundverständnis, auf das der junge Mann aufbauen konnte. Mit gerade mal 19 Jahren debütierte Calleja 1997 am Astra-Theater auf Maltas Nachbarinsel Gozo als Macduff in Verdis "Macbeth". Er gewann regionale Ausscheidungen, wurde nach Wien und Mailand eingeladen, wo er sich prompt mit dem ersten Platz beim Caruso-Wettbewerb empfahl. Daraufhin ging es schnell nach oben, im Jahr 1999 sang Calleja bereits in USA, Deutschland, bald darauf in Brüssel, Liège, Toronto, schließlich 2002 an der Welsh National Opera und am Covent Garden (als Herzog in "Rigoletto"), in Bregenz, Frankfurt, München und an der Wiener Staatsoper. Spätestens nach diesem Jahr war klar, dass der Malteser aus der aktuellen Opernlandschaft nicht mehr wegzudenken sein würde.

 

Fehlte nur noch eine akustische Visitenkarte, mit der Calleja als Solist auf seine außergewöhnliche Stimme aufmerksam machen konnte. Da wiederum half Riccardo Chailly. Er hatte den Newcomer nicht nur künstlerisch ins Herz geschlossen, sondern mit dem Orchestra Sinfonica e Coro di Milano Giuseppe Verdi ein Instrument an der Hand, das den passenden Rahmen für den leichten, lyrischen Tenor geben konnte. Im vergangenen Jahr wurden zu verschiedenen Gelegenheiten in Mailand Aufnahmen gemacht und so setzte sich ein Album zusammen, das die Gesangsszene nachhaltig beeindrucken wird. Denn "Tenor Arias" ist etwas Besonderes. Da knödelt nicht einer seinen Verdi und Donizetti, sondern die Partien scheinen wie für Calleja geschaffen zu sein. Die beschwingte Lust des Herzogs in "Rigoletto", die tiefe Trauer Macduffs in "Macbeth", der Überschwang des Alfredo in "La Traviata", die Einfalt Nemoninos in "L'Elesir d'Amore", alles Stimmungen, die schon tausendmal beschworen wurden, wirken mit einem Mal neu und unverbraucht, wie eben erst ersonnen. Dazu gesellt sich ein Timbre, das betört, eine messerscharfe Artikulation, eine sympathische Ausstrahlung, die über die Charaktere der Rollen hinweg den Hörer bei den Emotionen packt. Kein Zweifel, hier singt ein Star in spe, dessen internationale Karriere spätestens mit "Tenor Arias" begonnen hat.


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