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13.10.2010

Alleluja! - Das neue Album von Juan Diego Flórez

Juan Diego Flórez gilt als einer der größten Rossini-Tenöre der Gegenwart. Mit „Santo“ präsentiert er sich nun von einer neuen Seite und singt geistliche Arien von Georg Friedrich Händel bis Ariel Ramírez

Juan Diego Flórez, Alleluja! - Das neue Album von Juan Diego Flórez © Decca / Uli Weber

Singen können viele. Es gehört daher zu den wichtigen Aufgaben jedes Künstlers, der sich neu in einer musikalischen Sparte einfindet, ein eigenes Profil zu entwickeln, das ihn klar von der Konkurrenz abgrenzt, nicht nur um der eigenen Identität willen, sondern auch, um ein potentielles Publikum zumindest am Anfang nicht zu verwirren. Für den peruanischen Tenor Juan Diego Flórez war der Start klar, denn er fühlte sich unmittelbar zum Belcanto im Allgemeinen und Rossini im Speziellen hingezogen und verkörperte dessen Melodien bald mit einer Überzeugungskraft, dass die internationale Kritik schon einen neuen Pavarotti in ihm zu sehen glaubte. Aber der legendäre Sänger aus Modena war einzigartig und Juan Diego Flórez ist es auch. „Ich glaube, ich habe eine besondere Art von Stimme“, meint er selbst dazu, „die auf ein gewisses Repertoires zugeschnitten ist. Ernesto Palacio [der alterfahrene peruanische Tenor, der ihm als Manager zur Seite steht] hat mir einen guten Rat gegeben. Er ist kein Gesangslehrer, aber er sagt gerne: 'Nein, nein, nie, wie wäre es damit?' und er brachte mir bei, musikalische Entscheidungen zu treffen. Es war alles so leicht und einfach. Das Singen sollte eine natürliche Angelegenheit sein. Ich nehme immer meine Proben auf und höre mir dann zu; es geht mir einzig und allein darum, ob ich natürlich singe.“

Das aber ist bereits ein hoher Anspruch im Rahmen einer Musikform, die gerade dadurch bestimmt ist, dass sie besondere Kunstfertigkeit voraussetzt. Für Juan Diego Flórez ist es daher auch eine Frage, mit welchen Partnern er zusammenarbeitet. Durch seine Wurzeln im Belcanto bevorzugt er Ensembles wie den Chor und das Orchestra del Teatro Comunale di Bologna, das für die Aufnahmen von „Santo“ von dem noch jungen, aufsteigenden Star am Dirigentenhimmel Michele Mariotti geleitet wird, mit dem der Sänger auch über die berufliche Zusammenarbeit hinaus gut befreundet ist. Das schafft die nötige Atmosphäre, um ein für Flórez ungewöhnliches Programm aufzunehmen. „Über kurz oder lang muss ein Tenor ein geistliches Album aufnehmen, das gehört zum Leben eines Tenors. Aber ich wollte mein eigenes Programm mit eigenen interessanten Stücken zusammenstellen, also dachte ich: 'Belcanto! Was gibt es da bei Rossini?'“

Und er wurde fündig, entdeckte zwei selten gesungene Arien des Meisters aus der „Messa di Gloria“ und ergänzte sie um das bekanntere „Domine Deus“. Dazu passt natürlich das mozarteske „Qui sedes“ von Bellini, aber auch Arien von Händel, Haydn, Johann Joseph Fux und John Francis Wade, die das Repertoire in Richtung des Barocks ausweiten. In die andere Richtung des Zeitstrahls wiederum weisen zunächst Arien von Franz Schubert, Adolphe Adam, dann von César Franck und Ariel Ramírez, aus dessen berühmter „Misa Criolla“ er das „Kyrie“ auswählte. Und zuguterletzt komponierte er sogar ein eigenes Stück, das dem Album den Namen gab: „Santo“. „Mein Vater war ein Folksänger“, meint Juan Diego Flórez nicht ohne Stolz, „das Komponieren und Orchestrieren ist für mich eine Liebhaberei, und die Melodien drängen sich praktisch auf. Die eigentliche Schwierigkeit bestand darin, die richtigen Instrumentalfarben zu finden und für alle Instrumente und Chor zu schreiben. Aber es macht Spaß.“ Und es gelang Juan Diego Flórez in Perfektion, wie eigentlich alles, was er sich vornimmt.


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