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21.03.2003

Glückskind

Juan Diego Flórez, Glückskind

Ein bisschen albern wird es manchmal schon, wenn die großen Liebhaber-Rollen des Opernrepertoires aus Mangel an passenden Gestalten mit reiferen Herren besetzt werden. Was für ein Glück, dass nun mit dem 30jährigen Juan Diego Flórez ein Naturtalent die Weltbühne der Kunst betritt, das vielen leidenschaftlichen Belcanto-Arien das passende juvenile Feuer zurückgeben kann.

Die Geschichte des Juan Diego Flórez ist eine Abfolge günstiger Fügungen. Am 13.Januar 1973 kam er im peruanischen Lima zur Welt und wurde in eine musikliebende Familie hineingeboren. Sein Vater war Sänger, spezialisiert auf einheimische Walzer, und er schaffte es, seine Begeisterung an den Buben weiter zu geben. Daheim wurde viel gesungen, Juan lernte außerdem musikalische Grundlagen an der Gitarre kennen. Als er 15 war half ihm der nächste Zufall. An seine Oberschule wurde ein Musiklehrer versetzt, der das Talent des jungen Mannes erkannte und ihn an das Konservatorium empfahl. Dort wiederum wurde er an Tenor Andrés Santa Maria weitergereicht, der ihn drei Jahre lang unterrichtete und ihm eine Stelle beim Nationalchor verschaffte. So wuchs in kurzer Zeit nicht nur Flórez stimmliche Kompetenz, sondern auch sein Repertoire.

 

Die Natur verschonte ihn währenddessen mit den Härten des männlichen Stimmbruchs und ließ seine Stimme kontinuierlich tiefer werden. Wo andere Jungtenöre mit den Übergängen zwischen den Registern zu kämpfen hatten, sang Flórez mühelos die Tonleitern bis in die hohen Lagen der Kopfstimme. Ein Stipendium brachte ihn für drei Jahre an das Curtis Institute von Philadelphia. Im Jahr 1994 lernte er im Urlaub Ernesto Palacio kennen, der ihn als alter Hase des Geschäfts in die Geheimnisse der Atmung einweihte, kleinere Auftritte bei Plattenaufnahmen verschaffte und nach Italien mitnahm. Außerdem veränderte der Mentor die Brillanz der jungen Stimme, indem er dem Novizen riet, offener, präsenter, selbstbewusster zu singen.

 

Ein Steinchen kam zum anderen und aus dem schemenhaften Mosaik wurde langsam ein Bild, das sich zur Erfolgsgeschichte verdichtete. In Pesaro sprang Flórez 1996 im letzten Moment ein und übernahm die Rolle des Corradino in Rossinis "Matilde di Shabran". Das Publikum war überrascht, begeistert. Es sprach sich herum, dass es einen neuen lyrischen, stellenweise anmutigen Tenor gab, der auch vor kaum bekannten Partien nicht zurückschreckte. Daraufhin sang er beim Wexford Festival, kurze Zeit später in Mailand, London, schließlich 2002 in der Covent-Garden-Produktion von Bellinis "La Sonnambula". Und sein Debüt-Album "Rossini Arias" geriet gar zum Überraschungserfolg der vergangenen Opernsaison, so dass die Fortsetzung des kleinen Sängermärchens mit Spannung erwartet wurde. "Una Furtiva Lagrima" ist eine anspruchsvolle und zugleich unterhaltsame Sammlung zum Teil selten gesungener Belcanto-Arien von Donizetti und Bellini, die Flórez mit Riccardo Frizza und dem Mailänder Verdi Chor und Orchester verwirklicht hat. Einmal mehr präsentiert sich der junge Star am Operhimmel als eleganter und charmanter Interpret heiterer Poesie, dem es gelingt, die Rollen seiner Arien mit wirklichem Gefühl zu füllen. Wohlmöglich ist das überhaupt das Geheimnis seines Erfolges, der Kunst die Natürlichkeit zurück zu geben.


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