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30.07.2004

Der Schlawiner

Juan Diego Flórez, Der Schlawiner

Der Graf von Ory ist ein Schwerenöter. Kaum sind die Kreuzritter aus der Touraine ins heilige Land aufgebrochen, schon stellt er deren daheim gebliebenen Frauen nach. Doch seine Umwelt ist nicht ganz so unbedarft, wie er meint. Zweimal kommt man ihm im Verlauf von Rossinis später Oper "Le Comte D'Ory" auf die Schliche und das erhoffte Stelldichein mit der Gräfin Adèle bleibt in weiter Ferne.

Die Rolle des Grafen von Ory hat ihre Tücken. Denn der Schlawiner muss selbst während der Oper in verschiedene Kostüme schlüpfen und einen spielen, der einen anderen spielt. In seiner Lust auf Liebesabenteuer gibt er im ersten Akt vor, ein Eremit zu sein, bei dem man Ratschläge holen kann. Die Rechnung scheint zunächst aufzugehen, denn nicht einmal sein Page Isolier erkennt ihn. Ebenso wenig die Gräfin und junge Witwe Adèle, die ihm ein Keuschheitsgelübde beichtet, von dem er sie natürlich eilends befreit. Wäre da nicht Orys Erzieher gewesen, der seine Camouflage durchschaute, hätte er wohlmöglich ein Ziel erreichen können. Doch der Graf gibt nicht auf. Im zweiten Akt verkleidet er sich als Pilgerin und findet Einlass in der Burg der Angebeteten. Diesmal jedoch ist es der Page, der ihn entlarvt, weil der zufällig dieselbe Frau verehrt. So wird's nichts mit der Liebe, dafür hat es reichlich Verwirrspiele und Verkleidungen in der 1828 in Paris uraufgeführten Oper von Gioachino Rossini. Und das wiederum braucht einen souveränen und jungen Grafen, der glaubwürdig als Frauenheld durchgeht und zugleich einen Eremiten und eine Pilgerin mimen kann, ohne dass sich das Publikum vor Lachen biegt. Es braucht einen Tenor, der auch Schauspieler ist und sich in der Rolle des Charmeurs wohl fühlt. Mit anderen Worten: es braucht einen Künstler wie Juan Diego Flórez, 31 Jahre jung, einer der derzeit führenden Rossini-Sänger weltweit, dem die Rolle auf den Leib geschrieben scheint.

 

Der "Comte D'Ory" wurde im vergangenen Jahr während des Rossini Festivals in Pesaro live aufgezeichnet. Für Flórez war es ein besonderer Ort, an den er gerne zurückkehrt. Denn 1996 war ihm ebendort der Durchbruch gelungen, als er kurzfristig für den erkrankten Bruce Ford einsprang, um den Corradino in "Mathilde di Shabrani" zu singen. Damals gelangte der junge Peruaner von einem Tag auf den anderen ins Licht der Öffentlichkeit. Und er legte einen glänzenden Karrierestart hin, denn nur wenige Jahre später hat er bereits an den meisten wichtigen Opernhäusern der Welt von Wien bis zur Met und Paris bis Barcelona gesungen. Flórez zählt inzwischen zu der oberen Liga internationaler Solisten und so war es an der Zeit, mit ihm nach den erfolgreichen Alben wie "Rossini Arias" auch eine komplette Oper zu veröffentlichen.

 

"Le Comte D'Ory" schließt daher nicht nur eine Repertoire-Lücke der Deutschen Grammophon, sondern präsentiert den jungen Startenor in bestmöglichem Ambiente. Denn man hört ihm an, wie viel Spaß ihm die Aufführung macht und er hat mit Stefania Bonfadelli eine wunderbare Gräfin Adèle als Widersacherin. Die junge Sopranistin der Wiener Staatsoper war bislang mit Belcanto-Rollen Bellinis und lyrischen Partien des italienischen und französischen Repertoires aufgefallen und brilliert hier neben Flórez im tändelnd-eleganten Fach. Dazu kommen der Prager Kammerchor und das Orchestra Del Teatro Comunale Di Bologna unter der Leitung von Jesús López-Cobos, alles erfahrene Rossini-Spezialisten. In diesem Rahmen überzeugte der "Wundertenor" (Süddeutsche Zeitung) derart nachhaltig, dass der Rezensent der Zeitung sich zu gewagten Vergleichen hinreißen ließ: "Er könnte das hohe C wohl auch im freihändigen Kopfstand erzielen, so leicht, mit solcher Sprezzatura bietet er dem jubelbereiten Volk seine vokalen Kunststücke".

 

Wer die vokale Kunstfertigkeit des Juan Diego Flórez hautnah live erleben möchte, kann dies im August beim diesjährigen Rossini Opera Festival tun, wo er in "Matilde di Shabran"  alle Register seines Könnens ziehen kann (8/11/14/17/20.8.), oder ab 16. Oktober auf seiner ersten Deutschlandtournee in Berlin (16.), Hamburg (27.), Dortmund (30.), München( 1.11.)und Frankfurt/M. (4.11.)!


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