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29.10.2004

Jung und gut

Juan Diego Flórez, Jung und gut

Jetzt geht es darum, das Profil zu festigen. Nachdem der peruanische Tenor Juan Diego Flórez in den vergangenen Jahren einen fulminanten Karrierestart hingelegt hatte, muss er sich nun darum kümmern, seinen Namen über die Spezialgebiete Rossini, Donizetti und Bellini hinaus im Bewusstsein der Opernwelt zu etablieren. Deshalb hat er für sein drittes Solo-Recital "Great Tenor Arias" den Bogen weiter gespannt und sich in früheren Epochen ebenso wie in anderen Operntraditionen umgesehen. Ein Experiment mit Zukunft.

Juan Diego Flórez hatte bislang die nötige Mischung aus Glück und Talent. Am 13.Januar 1973 kam er im peruanischen Lima zur Welt. Er wurde in eine musikliebende Familie hineingeboren, denn sein Vater ist Sänger und schaffte es, seine Begeisterung an den Buben weiter zu geben. Daheim wurde viel musiziert, Juan lernte außerdem Grundlagen des Gitarrenspiels kennen. Als er 15 war, half ihm der nächste Zufall. An seine Oberschule wurde ein Musiklehrer versetzt, der das Talent des jungen Mannes erkannte und ihn an das Konservatorium empfahl. Dort wiederum wurde er an Tenor Andrés Santa Maria weitergereicht, der ihn drei Jahre lang unterrichtete und ihm eine Stelle beim Nationalchor verschaffte. In kurzer Zeit wuchsen Flórez' stimmliche Kompetenz, sein Repertoire, und wieder durch reichlich Glück blieb er von den Härten des männlichen Stimmbruchs verschont. Seine Stimme wurde kontinuierlich tiefer, Flórez sang mühelos die Tonleitern bis in die hohen Lagen der Kopfstimme. Ein Stipendium brachte ihn für drei Jahre an das Curtis Institute von Philadelphia. Im Jahr 1994 lernte er im Urlaub Ernesto Palacio kennen, - noch einmal Glück - der ihn als alter Hase des Geschäfts in die Geheimnisse der Atmung einweihte, kleinere Auftritte bei Plattenaufnahmen verschaffte und nach Italien mitnahm.

Außerdem veränderte der Meister die Brillanz der jungen Stimme, indem er dem Novizen riet, offener, präsenter, selbstbewusster zu singen. Als dann in Pesaro 1996 im letzten Moment die Rolle des Corradino in Rossinis "Matilde di Shabran" frei wurde und Flórez zufällig zur Stelle war, sprang er ein und brillierte. Das Publikum war überrascht, begeistert. Es sprach sich herum, dass es einen neuen lyrischen, stellenweise anmutigen Tenor gab, der auch vor kaum bekannten Partien nicht zurückschreckte. Daraufhin sang er beim Wexford Festival, kurze Zeit später in Mailand, London, schließlich 2002 in der Covent-Garden-Produktion von Bellinis "La Sonnambula". Sein Debüt-Album Rossini Arias wurde gefeiert, der Nachfolger Una Furtiva Lagrima nicht weniger und so steht sein drittes Recital Great Tenor Arias auf solidem Boden.

Diesmal wagt sich Flórez in die Vergangenheit, in das 18.Jahrhundert, das durch Cimarosa und Gluck vertreten ist. Dabei ist ersterer zunächst für seine komischen Rollen bekannt, wobei die Tenorpartie aus "Il Matrimonio Segreto" auch zu den Glanzpartien Tito Schipas gehörte, der die Oper in den 1940ern wieder an der Scala populär machte. Flórez singt sie mit der passenden Intensität, wie ein lyrischer Sänger sie zu bieten vermag. Glucks hoher Orpheus schreckt ihn ebenso wenig wie Puccinis "Avete Torto!" aus "Gianni Schicchi" oder der ewige Gassenhauer des Repertoires "La donna è mobile" aus "Rigoletto". Richtig in seine Form findet er aber vor allem wieder bei Donizetti. Das wunderbare "Eccomi Finalmente .. Feste? Pompe? Omaggi? Onori" aus "La figlia del Reggimento", die Szene, als sich der junge Tonio aus Liebe zu der Marketenderin Maria beim Militär verdingen will, sprüht vor erzählerischem Witz und darstellerischer Prägnanz. Einmal mehr wird klar, das Flórez nicht zu den schnell verglühenden Jungstars gehört, sondern seine wahre Laufbahn erst noch vor sich haben dürfte. Great Tenor Arias jedenfalls bringt ihn wieder ein Stück des Weges weiter.


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