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07.01.2009

Bach im Herzen

Julia Fischer, Bach im Herzen Decca / Julia Wesely

Begegnet man einer Künstlerin wie Julia Fischer, merkt man schnell, wie unzureichend im Kern die üblichen Einteilungen der klassischen Musiksparte sind. Lebensalterlich könnte man zum einen bei der  in München geborenen Geigerin von einer Newcomerin sprechen, schließlich ist sie erst 25 Jahre alt. Musikalisch gesehen jedoch hat sie bereits mehr Erfahrung als manches ältere Semester der Zunft und gehört spätestens seit ihrem spektakulären Sieg als elfjährige Virtuosin beim Menuhin-Wettbewerb 1995 fest zum internationalen Konzertleben. Ihr Repertoire umfasst mehr als 100 Solo-, Kammer- und Orchesterwerke aus allen wesentlichen kompositorischen Epochen. Julia Fischer ist daher eine Künstlerin, die die Regeln hinter sich lässt und für ihr Debüt bei der Decca trotzdem ein Oeuvre wählt, das zum Kerninventar des musikalischen Hochkultur zählt: Solo- und Doppelkonzerte von Johann Sebastian Bach.

Den folgenden Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. „Das Konzert in a-moll habe ich schon mit fünf Jahren gespielt, desgleichen das Doppelkonzert", meint Julia Fischer und das ganz ohne Eitelkeit. Zu diesem Zeitpunkt hatte die in München geborene Tochter einer slowakischen Pianistin und eines Mathematikers aus der damaligen DDR ihr Instrument vielleicht zwei Jahre in der Hand und bereits eine Fertigkeit entwickelt, die manche weniger talentierte Geigenschüler ihr Leben lang nicht erreichen werden. Für das Mädel jedoch war Musik so natürlich wir für andere das Lesen lernen und so gehörte sie bald schon zu den Jung-Studentinnen am Leopold-Mozart-Konservatorium. Im Anschluss daran avancierte sie im Alter von neun Jahren zu den Meisterzöglingen der in München lehrenden Geigenpädagogin Ana Chumachenko, die wiederum sofort die immense Begabung Fischers erkannte und ihr als Hausaufgabe nach der ersten Stunde Bachs Sonate Nr.1 für Solo-Violine verordnete.

Dabei sollte es aber nicht bleiben. Bei eben jenem Wettbewerb 1995 unter der Leitung von Yehudi Menuhin persönlich gewann Julia Fischer nicht nur die Ausscheidung überhaupt, sondern wurde außerdem mit einem Sonderpreis für die beste Bach-Interpretation bedacht und mit einer Sonderstunde beim Meister persönlich belohnt, der der inzwischen elfjährigen Elevin seine eigenen Begeisterung für das Werk des barocken Komponisten weiter gab. So kam eines zum anderen, der Einstieg in die internationale Konzertwelt, der Aufstieg an die Spitze der Solisten-Riege, Arbeit mit führenden europäischen, amerikanischen, japanischen Orchestern und Dirigenten wie Lorin Maazel, Christoph Eschenbach, Michael Tilson Thomas, Herbert Blomstedt und Sir Neville Marriner, spektakuläre Projekte wie die 2004 mit Yakov Kreizberg und den Russischen Nationalorchester eingespielten russischen Violinkonzerte, zahlreiche weitere, häufig preisgekrönte Aufnahmen mit Werken von Brahms bis Mozart, Tschaikowsky und immer wieder auch Bach.

Zuletzt waren es die Aufnahmen der unbegleiteten Geigenwerke Bachs mit der Julia Fischer Fachwelt und Publikum faszinierte. Für ihren Einstand in der Künstlerfamilie der Decca wählte sie ebenfalls Meisterstücke aus dem Fundus des Barockgenies, allerdings solche, die sie im Verbund mit Orchester umsetzten konnte und die sich wiederum deutlich von den monolithischen Solopartiten unterscheiden. „Sie sind ganz anders geartet", meint Fischer und ergänzt: „Man hört sehr deutlich, dass die Konzerte unter dem Einfluss der Virtuosen jener Zeit standen, Vivaldi, vielleicht sogar Tartini. Wir stellen uns Bach als sehr ernsthaft vor - die Kirchenmusik und so weiter - aber für die damalige Zeit waren es Virtuosenkonzerte, an denen ein Geiger seine Freude haben konnte. Diesen Aspekt möchte ich hervorheben. Ich spiele sie schneller als sonst - die Kopfsätze der Konzerte in a-moll und E-Dur beispielsweise".

Und sie spielt sie mit einem Orchester, das nicht nur zu den besten Ensembles seiner Art gehört, sondern mit dem sie bereits seit Jahren intensiv zusammenarbeitet, der Academy of St.Martin in the Fields unter der Leitung von Harvey de Souza. „Es ist mein Lieblingsorchester - das einzige Orchester, bei dem ich es wagen würde, die Führung zu übernehmen. Wir haben ein enormes Gemeinschaftsgefühl. Das Orchester inspiriert mich auch". Es gibt Julia Fischer den bis ins kleinste Detail differenzierten Rahmen ebenso wie das Zusammenwirken mit den Partnern der Doppelkonzerte Sasha Sitkovetsky an der Geige und Andrey Rubtsov an der Oboe, der zu ihrem ebenso beiläufig virtuosen wie ungemein brillanten Stil passt. Ein famoses Decca-Debüt also, dessen Faszination sie auch demnächst in deutschen Konzertsälen präsentieren wird.

Denn im Anschluss an die Veröffentlichung der „Bach Concertos" machen Julia Fischer und die Academy sich gemeinsam auf den Weg, um in mehreren großen Sälen des Landes ihre Geigen- und Ensemblekunst zu präsentieren.

Mehr Informationen zu Julia Fischer finden Sie hier

Tourtermine:

15. Jan. 09 - München
16. Jan. 09 - München
19. Jan. 09 - Frankfurt
20. Jan. 09 - Bielefeld
21. Jan. 09 - Friedrichshafen
22. Jan. 09 - Berlin, Konzerthaus
24. Jan. 09 - Neumarkt
27. Jan. 09 - Braunschweig
5. Mrz. 09 - Köln
6. Mrz. 09 - Essen
7. Mrz. 09 - Düsseldorf
8. Mrz. 09 - Mannheim
9. Mrz. 09 - München
10. Mrz. 09 - Stuttgart
12. Mrz. 09 - Leipzig
13. Mrz. 09 - Leipzig
18. Mrz. 09 - Berlin, Philharmonie
18. Mrz. 09 - Berlin
21. Mrz. 09 - Hamburg


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