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19.06.2014

Julia Kadel Trio Biografie

Der eine oder andere mag fragen: Schon wieder ein deutsches Jazz-Klaviertrio? Ist in der Kombination von Piano-Bass-Schlagzeug nicht längst alles formuliert, was für die nächsten 25 Jahre gesagt werden kann? Diese Zweifel wären mehr als berechtigt - wenn das Julia Kadel Trio uns nicht just in diesem Augenblick zeigen würde, dass zum Thema Klaviertrio eben doch noch lange nicht alles gesagt ist.

Pianistin Julia Kadel, Bassist Kalle Enkelmann und Schlagzeuger Steffen Roth haben einander gesucht und gefunden. In der gemeinsamen Klangeroberung heben die Drei die Gesetzmäßigkeiten aus den Lehrbüchern "Jazz" und "Triomusik" auf. Sie folgen ihren eigenen Regeln, und die werden bei jedem Auftritt und auch auf ihrem ersten Album Stück für Stück neu formuliert. Die assoziativen Titel der Aufnahmen weisen dabei den Weg: "Regentag", "Fragen", "Alles wollen". Ob dies nun Jazz oder etwas ganz Anderes ist, zählt nicht vorrangig. Mit Sicherheit ist es emotionale Musik, die Melodien und Grooves, Komponiertes und Improvisiertes fein ausbalanciert, sich genauso an den jazzbewussten Gourmet wie an den flexiblen Klassik-Hörer und den offenherzigen Pop-Fan wendet.

Eigene Regeln aufzustellen ist für die drei jungen Musiker aber nicht gleichbedeutend mit dem Bruch aller bestehenden Konventionen. Kadel, Enkelmann und Roth nehmen sich lediglich die Freiheit, den reichen Fundus der Traditionen von Klassik über Jazz bis Pop nach eigenem Gusto auszulegen. Sie legen neue Schienen, Straßen und Feldwege aus, auf denen der Klang sich in jede denkbare Richtung bewegen kann. Anders als die meisten Klaviertrios der Gegenwart folgen sie dabei nicht historischen Vorbildern nach, sondern bewegen sich selbstbewusst in einem Koordinatensystem, das von der eigenen Lebenswirklichkeit und Welterfahrung vorgegeben wird. Auf diese Weise findet das Julia Kadel Trio etwas, auf das man in dieser Form im zeitgenössischen Jazz ganz selten stößt: ein stabiles Dreieck von unbändiger Spielfreude, höchstem musikalischen Können und kompositorischem Abstraktionsvermögen, alles durchdrungen von mitreißender Lebensnähe. Das verschworene Ineinandergreifen teils gegensätzlicher, aber einander ergänzender Vorlieben, Haltungen, Impulse und Intentionen erscheint beim Hören so leicht und selbstverständlich, weil es einem organischen Fluss folgt: So sind die Drei einfach.

Die Einheit des Trios beruht auf den unterschiedlichen Charakteren der drei Protagonisten. Kalle Enkelmann und Steffen Roth bilden eine festgefügte Rhythmusgruppe. Sie umtanzen einander, wobei man selten genau zuordnen kann, wer gerade führt. Traumwandlerisch changieren beide zwischen ätherischer Leichtigkeit und erdkernhafter Schwere. Auf diesem Fundament kann sich die Pianistin jede nur denkbare erzählerische Freiheit nehmen. So gelingt dem Trio ein seltenes Kunststück: Der im Jazz viel zu inflationär gebrauchte Begriff "Freiheit" ist auf dieser CD endlich einmal ernst gemeint. Die drei jungen Musiker spielen im Freiflug, was ihnen aus den Cockpits ihrer Imagination in die Finger fließt. Da ist nichts, was weggelassen werden müsste, weil "man das so nicht macht". Alles ist möglich, solange es nicht beliebig wird. Die entspannte Konzentration und verspielte Ernsthaftigkeit, die sich hier vom ersten bis zum letzten Ton offenbart, der verbindlich plaudernde, aber stets fundierte und wohl artikulierte Grundton, ja die unglaubliche Spielkultur ohne jeden Missionierungswillen machen die Verführungskraft dieser CD aus.

Mit dem Julia Kadel Trio betritt eine junge Formation die europäische Szene, deren unbedingter Mitteilungswille in eine ganz unverwechselbare Sprache mündet. Kein Geringerer als Till Brönner wurde auf die poetische Power des Trios aufmerksam und machte sich selbst zu einem bedingungslosen Förderer der drei Newcomer. Hier steht etwas in den Startlöchern, das man am besten mit einem einzigen Wort beschreibt: Groß!

BIOGRAFIEN

Julia Kadel wurde 1986 in Berlin Kreuzberg geboren und begann im Alter von sieben Jahren Klavier zu spielen. Nach Jahren der klassischen Ausbildung entdeckte sie mit Fünfzehn ihre Leidenschaft für den Jazz. Nach dem Abitur begann sie ein Psychologiestudium an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach dem Abschluss des Vordiploms wandte sie sich dann jedoch vollständig der Musik zu: Seit 2009 studiert sie Jazzklavier an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, Dresden. Im Frühjahr 2013 erhielt sie das einjährige Deutschlandstipendium ihrer Hochschule zur Förderung ihrer künstlerischen Tätigkeiten, im Herbst gewann ihr Trio den HfM-Jazzpreis 2013, verliehen von der Hochschule für Musik Saar.

Der deutsch-norwegische Bassist Karl-Erik Enkelmann wurde 1987 in Jena geboren und wuchs in einer Kleinstadt auf. Mit 7 Jahren fing er an Klavier zu spielen, mit 11 spielte er Gitarre, mit 14 fing er zusätzlich an Posaune zu spielen, und mit 17 lernte er E-Bass bis er schließlich - mit 18 Jahren - das Instrument seiner Bestimmung fand: den Kontrabass. 2006 zog er nach Berlin, wo er am Jazz Institut Berlin Jazz-Kontrabass studiert. In seiner noch jungen Karriere als Bassist teilte er schon Bühnen und Studios mit vielen renommierten Künstlern wie der deutschen Jazzlegende Gunter Hampel, dem marokkanischen Gembri-Meister Mokhtar Gania, dem amerikanischen Free-Jazz-Urgesteinen Perry Robinson und Sabir Mateen und viele mehr. Enkelmann ist Gewinner des Future Sounds Wettbewerbes der Leverkusener Jazztage (2009) und des International Jazz Spezialpreises der Kodolányi János Universität, Budapest (2008).

Steffen Roth wurde 1989 geboren und lebt seit 2009 in Dresden. Dort ist er innerhalb kürzester Zeit zu einem festen Bestandteil der Jazzszene geworden. Seine Musik reicht von freier Improvisation über Avantgarde Jazz bis hin zum modernen Klaviertrio. Beeinflusst von traditionellen Formen des Schlagzeugspiels sieht er sein Instrument nicht als rein rhythmisches Element einer Band, sondern ist stets darauf bedacht, Melodik und Harmonik durch kreative Soundarbeit zu untermalen und zu unterstreichen. Roth erhielt 2013 das Carl Maria von Weber Stipendium für Musik der Dresdner Stiftung Kunst & Kultur.


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