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Jutta Speidel & Bruno Maccallini BACKSTAGE EXCLUSIV

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31.05.2011

Zwei Esel auf Sardinien

Jutta Speidel & Bruno Maccallini, Zwei Esel auf Sardinien

La famiglia è la famiglia, da kann man bekanntlich nichts machen. Wenn die Familie also nach Sardinien ruft, dann muss man dem Ruf folgen – streikende Ziegenbauern, holprige Fahrten in Lieferwagen und ausweglose Gepäcksuche inklusive. Und mitten in diesem Durcheinander sitzen   Jutta Speidel und Bruno Maccallini. Aber der Reihe nach: Eines Tages erhält Bruno einen Anruf seines Cousins Maurizio, der ihn zum Trauzeugen erkoren hat und ihn nach Sardinien zur Hochzeit einlädt. Ein halbes Jahr später sitzt Bruno im Flugzeug zur italienischen Verwandtschaft. Er hat Glück, eine reisefreudige Lebensgefährtin zu haben, die sogar mit einer sardischen Spezialität à la Käse mit Würmern fertig wird. Bleibt die Frage, ob Jutta die Koffer gepackt hätte, hätte sie gewusst, was sie erwartet? Wir sind froh, dass sie nicht gekniffen hat, sonst wäre Zwei Esel auf Sardinien vom deutsch-italienischen Dreamteam wohl nie entstanden. Nach dem Erfolg von Wir haben gar kein Auto… – der abenteuerlichen Fahrradtour von München nach Meran – tauschen die beiden nun Drahtesel gegen Esel. Ihre erste Erkenntnis: Wer mit störrischen Grautieren unterwegs ist, steht manchmal eine halbe Stunde in der Gegend rum. Schneller geht es natürlich mit dem Auto, bequemer ist das nicht immer, wie Jutta erkennen muss:

Als ob ich’s nicht fast geahnt hätte, öffnet Claudio nach einer Weile die Klappe seines Anhängers. Er hievt seine Ziegen darauf, klettert hinterher, nimmt eine Obstkiste, staubt sie kurz mit der Handfläche ab und legt einen Kartoffelsack drüber. Dann reicht er mir seine schmutzige Hand. Oben angekommen, bedeutet er mir, mich auf die von ihm so liebevoll hergerichtete Sitzgelegenheit zu setzen. Jetzt ist das cremefarbene Röckchen restlos hinüber! Mein Hut ist verrutscht! Der Mantel klebt eklig und meine Absätze sind kotverschmiert. Ich könnte heulen!!!  Claudio hüpft vom Anhänger und schließt die Klappe hinter mir, damit ich auch ja nicht fliehen kann! Dann geht er weg. So sitze ich nun mutterseelenallein auf diesem Anhänger. Ich kann mich nicht erinnern, jemals unfreiwillig in so eine Situation geraten zu sein. Wenn es nicht zum Heulen wäre, so wär’s schon wieder komisch. Nach einer Ewigkeit tauchen Bruno und Claudio auf. »Tutto bene, amore?«, ruft er mir entgegen. »Molto bene!«, sage ich voller Sarkasmus. Zufrieden hüpft er vorne ins Führerhäuschen. Ich bin sprachlos! Nicht mal gefragt hat er mich, ob ich nicht lieber vorne sitzen will. So ein italienischer Obermacho, das ist ja das Letzte!

Und was lernen wir daraus? Ziegen sind nicht immer die besten Sitznachbarn und ein Kartoffelsack kann kein Sofa ersetzen. Allerdings ist das nicht die einzige Lektion, die Jutta auf dem Roadtrip lernen muss. Denn unterschiedliche Wahrnehmungen und Erwartungshaltungen können sich so mancher Beziehung in den Weg stellen. Als ob die Würmer im Käse nicht schon genug wären, gibt es auch noch Turbulenzen zwischen den Reisenden. Das passiert schon mal, wenn ein bayerischer Sturkopf auf italienisches Temperament trifft. Doch keine Sorge, am Ende wird geheiratet, lecker gegessen und es werden viele aufregende Geschichten gesammelt, die es nun zu erzählen gilt. Das tun die beiden auf dem Hörbuch übrigens selbst. Für Frau Speidel und Herrn Maccallini wird das sicher nicht die letzte Fahrt nach Sardinien gewesen sein, trotz aller sardischer Eigenheiten.  Was soll man auch machen – Familie bleibt halt einfach Familie.


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